Montag, 15. August 2005

Mehr Schmerz, bitte! (Und eine Dose Selbstmitleid zum mitnehmen, bitte!)

Manchmal wünscht man sich Dinge so sehr, dass sie weh tun. Wie zum Beispiel, jemanden zu sehen.

Manchmal passieren Dinge, die man sich so sehr wünscht, dass es weh tut. Und dann tun sie weh.

Manchmal ahnt man voraus, dass Dinge passieren werden, die man sich so sehr wünscht, dass es weh tut und die dann passieren. Und die dann weh tun.

Heute morgen, als ich aufgestanden bin, wußte ich, dass es so ein Tag werden wird. Ich war nicht konzentriert auf der Arbeit, habe einen Termin versäumt und sogar das Blutspenden hat nicht hingehauen. Ich wußte, dass es ein ganz, ganz schlechter Tag sein wird, einer mit viel Selbstmitleid.

Auf dem Weg nach Hause ist es passiert, eine Begegnung, die geprägt war von Nähe - vielleicht 3 Meter - und der unüberwindbaren Distanz zweier Autoscheiben.

Ich muss raus. Ich muss mich wieder finden, denn die Begegnung hat mich geschockt ("Du wirst ein einsamer, alter Mann werden" - wie wahr das wohl ist?) und ich muss mich fühlen. Ich will, dass es weh tut. Ich will spüren, dass ich an der Scheisse, die mal mein Leben war, selber Schuld bin. Ich und niemand sonst.

An meiner Laufstrecke angekommen, laufe ich los. Schnell. Schneller als sonst. Die 1km-Marke fällt in neuer Bestzeit, ebenso die 3km-Marke. Ich spüre nichts.

Meinem iPod habe ich aufgetragen, mich mit Rock und Hardrock zu beglücken, die Lautstärkenkontrolle ist aus. Die Ärzte schreien mir "ARSCHLOCH!" ins Ohr... wie recht sie haben. Es werden The Prodigiy, Green Jelly und andere folgen. Laut. Schnell. Ich laufe weiter.

Ob es an der Kopfschmerztablette von heute Mittag liegt, dass ich nicht den Schmerz fühle, den ich erhofft habe? Der mich selbst geißelt? Der mich ablenkt? Den ich herbei sehne, mir wünsche?

Ich laufen an Stacheldraht vorbei und sehe mich vor meinem inneren Auge, wie ich in ihm hänge, wie er mich zerkratzt. Würde ich das spüren?

Es ist Stolz, der mich weiter rennen läßt. Beim ersten zaghaften und gut gemeinten Versuch meines Gadgets, mich zu bremsen, schalte ich es ab. Es gibt - theatralisch gesprochen - nur 2 Möglichkeiten. Wie so oft im Leben. Und die sind Leben oder Sterben. Ich werde nicht sterben, soviel ist klar. Das wäre zu einfach.

Stolz ist es, der mich aufrecht hält, der mich weiter treibt. Der Stolz, der mich so oft im Leben schon hat die falschen Dinge sagen und machen lassen, der mich zu einem Lügner und Betrüger machte, zu einem Unmenschen. Zu jemandem, der anderen Menschen unsagbares Leid zugefügt hat. Ohne die Chance, das jemals ungeschehen machen zu können - und in vielen Fälle ohne die Chance, jemals Vergebung zu erlagen.

Und doch, insgeheim wünsche ich mir zu stolpern oder auf einer Schnecke auszurutschen. Aufzuschlagen, mir die Knie, Hände, vielleicht das Gesicht aufzureißen. Zu sehen, wie der Boden gierig mein Blut aufsaugt. Aber ich falle nicht.

Wendepunkt. Halbzeit. Weiter als jemals zu vor.

Keine Ahnung, wo die Kraft her kommt, warum noch immer Luft in meinem Lungen ist. Wo der Schmerz bleibt, den ich so sehnsüchtig erwarte. Es ist nichts da, völlige Leere. Also steigere ich das Tempo weiter.

Später werde ich sehen, dass mein Puls die magische 200 nur um einen einzigen Zähler verfehlt hat, im Moment spielt das keine Rolle. Soll mein Herz doch explodieren, who cares?

Irgendwann komme ich zu mir. Ich sitze im Kofferraum meines Autos, der Läufer neben mir starrt mich an wie einen Alien. Wie bin ich her gekommen? Was habe ich die letzten 4 oder 5 km gemacht? Meine Gedanken haben ausgesetzt. Irgendwann setze ich mich auf den Fahrersitz und fahre heim. Schneller als nötig, aber zu langsam um gefährlich zu sein.

Daheim. Jetzt und hier. Vor mir ein dampfendes, billiges und absolut beschissenes Mikrowellengericht, auf das ich keine Lust habe. Ich esse es, weil mein Kopf sagt, ich muss. Ist es heiß? Ich weiss es icht.

Neben mir wartet eine Flasche billiger Whiskey. Ich denke, wir beide werden uns jetzt den Abend vertreiben.

Ich habe gelogen.
Ich habe betrogen.
Ich bereue.




Es zerfrißt mich.

Trau Dich: Verlier den Verstand!

Wie ist das eigentlich, wenn man den Verstand verliert? Merkt man das?

Ist das vielleicht wie ein Seil, an dem man hängt und in dem Faser für Faser reißt? Jede mit einem kleinen Ruck und einem leisen, sehr leisen *zing*?

Wie viele Fäden können reißen, bis das Seil als solches reißt?

"Ich bin nicht verrückt"... ist verrückt, wer das sagt? Wie ist man sich eines solchen Zustandes bewußt?

Oder merkt man von all dem nichts? Wann kippt das Leben, wann kippt die Rationalität?

unkreativ

& ohne Bedeutung!

Geh weg!



A pretty woman is a welcome guest.
- Lord Byron










Den Rechtsstaat macht aus, dass Unschuldige wieder frei kommen.
- Wolfgang Schäuble



hier rollt der Übwachungsminister...o
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