Gelegentlich werde ich schon mal gefragt, wie ich das eigentlich mache. Also wie das abläuft, wenn ich mal unterwegs bin, Party machen, Fotos machen. Ich behaupte ja immer, dass ich keine Fotos mache, sondern nur knipse :-D Manchmal Glück habe und dabei dann sogar ein oder 2 ansehnliche Fotos entstehen :-D
Das Knipsen an sich ist nicht einfach zu erklären. Ich meine, wenn man jemanden fragt, was er
arbeitet, wie erschöpfend kann dann die Antwort sein? In der Regel ist es eine ausweichende, oberflächliche Antwort, die geprägt ist von dem Gefühl, etwas zu tun, was nicht erwähnenswert ist - oder einfach von Routine. Mein Knipsen ist alles andere als Routine für mich, jedes mal aufs Neue aufregend und von der Frage begleitet, ob es was wird oder nicht. Im Grunde aber ist es nichts besonderes, läßt sich reduzieren auf: Rein- und Draufhalten.
Am Besten ist wohl, ich erzähle einfach mal was gestern abend war. Ein ganz normaler Abend an einem ganz normalen Wochenende halt :-D (Die Wahrheit ist: Es war ein absolut außergewöhnlicher Abend, der Einstieg in ein absolut außergewöhnliches Wochenende, aber ich will mal nicht so auf dicke Hose machen, also bleiben wir bei "normales Wochenende", ja?)
Wie ich auf meiner
Website angekündigt hatte, war ich gestern mit meiner Kamera auf einem Konzert. Das war in sofern etwas ungewöhnlich, weil ich im Vorfeld absolut Null Informationen hatte - abgesehen von Namen der Band und einer grobe Anfangszeit für mich: 19 Uhr (Einlass 19:30, MainAct ca. 22:30).
Hmmm... okay. Kaum angekommen, lüftet sich der Schleier des Nebels: Es ist keine öffentliche Veranstaltung - wie ich angenommen hatte, sondern eine private Party, ausgerichtet von einer Düsseldorfer Agentur. Auf der Gästeliste etwa 300 Namen, die in der Welt der Agenturen von Bedeutung sind. Und wir :-D
Das Schöne an einer solchen Veranstaltung im Gegensatz zu anderen, "richtigen" Konzerten ist, dass die Atmosphäre viel entspannter ist. Für uns gab es erst mal ein Armbändchen in leuchtend Grün, damit die Security uns auch wirklich überall hinläßt. Und wenn ich schreibe überall, dann meine ich das auch so :-)
Die Location war eine alte Fabrikhalle auf einem Hinterhof. Sehr versteckt, aber wunderschön hergerichtet. Fand ich zumindest. Alles in roten Samt gehüllt, mit vielen Kerzen. Nach Einbruch der Dunkelheit sehr romantisch im Flair:
Aber ich eile vorweg. Bevor die ersten Gäste kommen, ist die Arbeit noch voll im Gange. Im Eingangsbereich wird erstmal den eintreffenden Cowboys und Cowgirls eine kleine Erfrischung angeboten, um die Flüssigkeitsverluste nach dem anstrengenden Ritt im Auto quer durch Düsseldorf auszugleichen. Interessanter Weise hatten die meisten Gäste Pistolengurte, Cowboyhüte oder Reitstiefel.. . einige hatten nichtmal die Mühe gescheut, Sporen zu tragen. Man hatte sich vorbereitet. Man war gespannt und überall konnte man sehen und hören, wie dankbar die Gäste waren, an dem Abend teilnehmen zu können. Keine Selbstverständlichkeit, keine selbstverständliche Veranstaltung. Über allem der Hauch von "da geht was"....
Während dessen kümmern sich im hinteren, noch verborgenen Teil der Hallen zahlreiche helfende Hände darum, dass auch niemand vor, während oder nach der Party vom Fleisch fallen muss und bereiten ein amerikanisches BBQ vor, dass Seinesgleichen sucht. Von Fleisch über Geflügel zu Fisch, von Salat zu Obst über Donuts und Schokokuchen: Kulinarische Genüsse ohne Ende.

Und ja, ich habe gut gegessen *runden Bauch streichel*. Es war aber auch zu gut und wie immer das übliche Problem: Zu wenige Platz um wirklich alles mal probiert zu haben...
Während der Vorbereitungen des Essens beginnt auch die Band - noch in "Streetwear" mit dem Soundcheck und schon der ist ein Genuss.

Irgendwann dann kehrt etwas Ruhe ein. Die Verpflegung ist bereit, die Security steht ihren Mann, es kann auf die Gäste gewartet werden. Es legt sich eine gespannte Ruhe über den Ort des Geschehens....
Später in der Nacht, so gegen 22 Uhr 30 oder 23 Uhr geht es dann los. Das eigentliche Konzert,
meine Damen und Herren they proudly present:
The Bosshoss from Berlin!
Die Stimmung ist unglaublich, die Band sicherlich einer der besten, wenn nicht DER beste Liveact, den ich dieses Jahr zu sehen bekomme habe. Die Jungs hüpfen auf der Bühne mit ihren Hockern herum, die ganze Halle bebt unter dem Rhythmus der Musik. Das Publikum springt, hüpft, klatscht und winkt. Von Null auf Hundert in 10 Beats.

Das Publikum geht wirklich unheimlich gut mit, der Saal brodelt und das schöne an so kleinen Veranstaltungen ist, dass spontan auch mal Aushilfsmusiker mitspielen dürfen :-)

Was die Sache für mich so schwer zu beschreiben macht ist einfach, dass es eigentlich keine Worte gibt, die ausreichen zu beschreiben, welche Energie einen auf solchen Konzerten durchfließt. Es ist nicht wie auf den perfekt durchgestylten Großkonzerten mit tausenden Menschen, bei denen man eigentlich die Musiker eh nur von den Leinwänden sehen kann. Es ist... greifbarer. Man steht da, man wiegt sich im Takt oder wird von der Welle der Menschen gewogen, man hört die Musik, man kann sich nicht dagegen wehren (will es auch gar nicht!) und am nächsten Morgen tun einem alle Knochen weh, man ist heiser aber um eine unglaubliche Erinnerung reicher geworden...
Hinterher, wenn alles vorbei ist, gibt es Künstler, die sofort und fluchtartig das Weite suche. So habe ich das damals bei Elton John erlebt: Raus aus dem Heli, Konzert, rein in den Heli und weg. The Bosshoss haben es anders gemacht, erstmal Richtung Buffett und den Abend ganz entspannt ausklingen lassen. Dabei haben sie durchaus den Eindruck gemacht, dass sie auch ihren Spaß hatten. Und das hoffe ich sehr, denn Spaß ist letztlich alles, was zählt, oder?
Irgendwann bleibt dann nur noch das Aufräumen. Die Party ist vorbei, die Gäste gehen nach Hause, das Personal ist Müde.
Für mich und uns endet die Nacht aber noch nicht. Es warten noch 2 weitere Locations auf unseren Besuch. Als kleines Schmankerl hat uns der Veranstalter die Stretch-Limousine zur Verfügung gestellt, um zur nächsten Location zu fahren:
Und so sitzen wir jetzt genau da. Angeschlagen, beide mit mehr als 1200 Fotos in jeder Kamera, neben der Hälfte der Band die schon ins Hotel zurück will. Stärken uns aus der Minibar und rollen durch die Nacht. Auf zum nächsten Ort, auf zum nächsten Schuss...

(Das bin _nicht_ ich :-D)