Heute morgen noch im Radio gehört, dass die Banken in England die Konten der
vermutlichen Terroristen eingefroren haben.
Und während die Öffentlichkeit ja nur Informationen in winzigen Dosen erhält und man zunächst um die Personen selbst ein Geheimnis macht (was ich persönlich sehr gut finde. Erst die Schuld zweifelsfrei beweisen, bitte!), geht nach einem
Bericht auf Side Effects die Bank of London gleich in die Vollen und veröffentlicht ein PDF mit den Namen der Kunden. Bzw. Ex-Kunden.
Und ich frage mich einmal mehr, wo bleibt der Schutz der Betroffenen? Mal rein imaginär: Jemand wird verhaftet, verdächtigt, dann freigelassen weil nix bewiesen werden kann. Wäre ja nicht das erste Mal. Was macht man als so jemand, wenn man auf so einer Liste aufgeführt ist?
Menschenrechte? Persönlichkeitsrechte? Unschuldsvermtung? Tut uns leid, derzeit wegen allgegenwärtiger Terrorhysterie ausser Funktion.
unkreativ.net - 11. Aug, 15:20
oder: wie es schief ging, ich sein zu wollen
Damals, lange bevor es so schlimm wurde, sangen Monty Python: „Always look on the bright side of death – before you take your terminal breath“. Ich fand das lustig. Lange Zeit.
Heute werde ich meinen terminal breath, meinen letzten Atemzug nehmen und jeder Humor ist mir fremd. Sie werden kommen, mich finden, mich holen und alles, was ein Zeugnis meiner Existenz ablegen könnte vernichten. So auch diese Worte, mit zitternder Hand tippe. Ohne Sinn, ohne Empfänger, ohne Chance auf eine Zukunft.
Vielleicht hätten wir es wissen müssen, es kommen sehen müssen. Damals am Anfang des 21. Jahrhunderts. Die Technik war so weit wie nie zuvor und wir hatten Potential. Es lagen Möglichkeiten offen, die Menschen in eine neue und gute Zukunft hätten führen können. Hätten können. Heute muss ich bitter lachen, wenn ich daran denke.
Wir wollten nicht. Warum hätten wir auch sollen? Jede Änderung des Systems „Kapitalismus“ und „Demokratie“ wie wir es kannten schien uns ungeheuer, wir haben lieber zugesehen, wie die Fehler die schon Marx und Engels aufgefallen sind wuchsen und wucherten. Wie ein Krebs an der Gesellschaft. Wir fanden tolle Namen wie „Turbokapitalismus“ und „Sozialdemokratie“, die alle nur auf eines hinaus liefen: Mehr Macht den Reichen und macht die Ärmsten noch Ärmer, nehmt ihnen ihre Rechte und zeigt ihnen, wer der Chef ist.
Die Herrschenden, ein Konglomerat aus Wirtschaft und Politik erkannte den günstigen Moment. Und wusste ihn zu nutzen. Nach und nach wurden wir unserer Freiheiten beraubt und zu willigen Schafen einer allgegenwärtigen Macht. In Deutschland gab es einst ein starkes Grundgesetz. Und ein starkes Gericht mit einem starken Urteil. Sagt Euch „Volkszählung“ noch was? Natürlich nicht, wie auch. Alles was damit zu tun hat, wurde aus den digitalen Archiven entfernt, mittels DRM unseren Augen verborgen. Wir brauchen nicht wissen, dass es mal eine Zeit gab, in der der revolutionäre Gedanke der „Informellen Selbstbestimmung“ wirklich Realität war. Mehr oder weniger halt. Übrigens, auch wenn Euch das bestimmt schmunzeln lässt: anders als heute, so sagt man zumindest, wurden die demokratischen Regierungen damals vom Volk gewählt, nicht von den Plätzen 1 bis 100 der Forbes-Liste.
Man verzichtet auf vieles, von dem man nicht weiß, was man daran hat. Bis es vorbei ist. So auch mit der Sicherheit. Wisst Ihr, zu den Informationen die man Euch vorenthält gehört ein Spruch von Benjamin Franklin. Das war mal ein Präsident eines Staatenverbundes namens „United States of America“, quasi dem Vorläufer der „Westlichen Sicherheitszone von Neuwelt“. Dieser Präsident sagte mal: „Wer Freiheit aufgibt um Sicherheit zu erhalten, wird beides verlieren“.
Der Trick war, uns nicht nur mittels lückenloser Überwachung handhabbar zu machen, sondern durch das Vorenthalten von Informationen zu verhindern, das wir erkennen, was passiert. Wisst Ihr, um mal kurz abzuschweifen: Anfang des 21. Jahrhunderts gab es ein Projekt namens Wikipedia, das später auf Grund der verschärften Urheberrechte staatlich verboten wurde. In diesem Projekt jedenfalls wurden alle nur erdenklichen Fakten zusammengetragen. Stellt Euch das mal vor: Wer über irgendwas etwas wissen wollte, konnte dort nachsehen. Er musste keinen PDF-Antrag auf Informationsgewährung ausfüllen, nein er konnte einfach nachsehen.
Das war allerdings, bevor der Suchmaschinengigant erfolgreich beschlossen hat, die Rechte am menschlichen Wissen für sich zu beanspruchen. Wisst Ihr eigentlich, dass das Informationsministerium früher mal eine Firma mit dem Slogan „Don’t be evil“ war?
Einige von uns haben bemerkt, dass was nicht stimmt. Sie haben sich gesträubt, sich gewehrt und letztlich sind sie doch einfach nur überhört oder zum Schweigen gebracht worden. Sie riefen zu Wachsamkeit und dem Gebrauch des Verstandes auf. Sie wollten, dass Fragen gestellt werden und Antworten wieder hinterfragt werden. Sie wollten, dass der Verstand des Menschen wieder seinen Namen verdient! Sie dachten damals, wir könnten uns gegen die Herrscher durchsetzen.
Aber mal ehrlich: welcher Hartz VII-Empfänger kann sich denn heute noch Informationen leisten, die Grundvoraussetzung wären, eine eigene Meinung zu haben? Welcher Elternteil kann denn neben seinen 2 bis 3 Jobs noch auf die Barrikaden gehen um gegen die Lügen und Täuschungen zu demonstrieren?
Ich gehörte früh zu den Zweiflern. Das habe ich auch mehr als einmal gesagt und letztlich bin ich selber schuld, wenn die Dinge passieren, die passieren werden. Ich hätte ja meine Klappe halten können. Ich hätte auch nicht nach Informationen suchen brauchen.
Dann wäre ich jetzt nicht hier. Kurz vor der Lichtung, auf der der Pfad endet, wie Stephen King schreiben würde.
Dann habe ich lange versucht, Schuldige zu finden. Gerne würde ich sagen: Die Firma XY hat schuld. Oder: Die Politik hätte mich schützen müssen.
Aber das ist Unsinn. Niemand davon ist für mich der schuldige. Sie alle machen das, was Menschen machen: sie gieren nach mehr.
Nach Macht, nach Geld. Sie wollen ihren Status erhalten und verbessern. Wie alle Menschen. Das musste ich lernen. Es gibt kein „gut“ und „böse“. Es gibt lediglich „Erfolgreiche“ und „Versager“.
Nein. Schuld bin ich, ich ganz alleine. Erinnert sich noch jemand, wie „Die Ärzte“ Mal sangen „Du bist nicht schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Du bist nur schuld, wenn sie so bleibt!“? Wohl wahr und so ist meine Schuld, dass ich habe passieren lassen, was passierte. Ich hätte mich engagieren sollen, ich hätte mich einbringen müssen, ich hätte mich mitteilen müssen. Ich hätte Euch wecken müssen, die Gefahren aufzeigen müssen.
Hätte, könnte, wollte, wäre. Schön wäre es gewesen. Die Wahrheit ist, auch wenn ich es eigentlich besser wusste, habe ich mich auf den bequemen Standpunkt zurückgezogen, dass ich alleine nichts bewegen kann. Ich kam nie auf die Idee, Ursprung einer Gruppe zu sein, die vielleicht einmal Einfluss übt. Nein, ohne es zu merken wurde ich ein Schaf wie so viele andere. Dabei gab es eigentlich gute Ansätze. Soziale Netze im Netz zum Beispiel.
Gegenöffentlichkeit und so. Graswurzeldemokratie und so.
Gut, damals als BLOGS und andere Medien zur öffentlichen Kommunikation unter das „Informationsreinheitsgesetz“ gestellt und damit einer inhaltlichen Kontrolle unterworfen wurden, war es eigentlich schon zu spät. Aber bis dahin hätten wir viel machen können. Oder? Warum haben wir eigentlich nie? Warum haben wir uns gelegentlich an diesem oder jenem gerieben, aber nie wirklich versucht, unsere Fähigkeiten zu bündeln und ein besseres Morgen zu schaffen?
Achja, richtig, das wäre unbequem gewesen und wir hatten ja schon so genug Sorgen.
Meinen Job im öffentlichen Dienst habe ich schon lange verloren. Wegen falscher Einstellung. Meine Post wird schon lange kontrolliert, wegen systemfeindlicher Gedanken. Meine Telefonate werden abgehört wegen einer potentiellen Gefährdung der Allgemeinheit. Meine Emails werden gelesen, weil sie möglicherweise Planungsbestanteile terroristischer Anschläge enthalten. Videokameras verfolgen mich auf Schritt und Tritt, suchen mich mittels Gesichtserkennung und Körpererkennung aus Menschenmassen, von denen sich nur noch ein Hollywoodfan Sicherheit versprechen kann.
Automatisierte Systeme erstellen Akten über mich, bewerten mich, schätzen mich ein, entscheiden über mich. Diesmal entschieden sie gegen mich.
Damals hätte ich meine Klappe halten sollen. Ich hätte mich nicht als Systemfeind zu erkennen geben sollen. Ich wurde zu einem Terroristen, weil ich anders dachte. Weil ich dachte, die Welt bekommt die Kurve noch. Deswegen habe ich gesagt, was ich denke. Eigentlich nichts Schlimmes. Halt nur sowas wie: das hier ist nicht gut.
Ich weiß, dass sie gleich kommen werden. Mich zu holen und dorthin zu bringen, wo all die bösen Gedanken ein Ende haben. Ich weiß nicht was danach ist, ich weiß nur, dass all das hier dann keine Bedeutung mehr für mich haben wird.
Und ich weiß noch etwas. Das ist vielleicht das schmerzhaftestes von all den Dingen, die ich lernen musste: Großvater, Du hattest nur ein einziges Mal unrecht. Das war damals, als Du mir sagtest, alle Menschen wären gut.
unkreativ.net - 11. Aug, 12:56
Ist gerade Wahlkampf? Müssen irgendwelche unliebsamen Länder angegriffen werden? Wollen wir von irgendwas ablenken?
Aber nein, wir wollen nur unsere Bürger erinnern...
Auch Präsident Bush nutzt die Gunst [...] um die Arbeit seiner Regierung im In- und Ausland [...] hervorzuheben. [...] Die Festnahmen seien aber eine "starke Erinnerung an unsere Mitbürger, dass sich diese Nation im Krieg mit islamistischen Faschisten befindet, die alle Mittel benutzen, um die unter uns zu vernichten, die die Freiheit lieben, und um unserer Nation zu schaden."
Na klar! Genau so logisch wie:
The American public can be assured that the United States government will continue to do everything in its power, under the leadership of President Bush, and in cooperation with our British and other allies, to defend our nations and our world.
Was soll ich rufen, oh großer amerikanischer Busch, um Dir zu huldigen? Soll ich mich darniederwerfen und Dir Opfergaben bringen?
ICH KANN DIESE SCHEISSE NICHT MEHR HÖREN!!!!
FÜR WIE DOOF HALTET IHR MICH???
Ich möchte fragen, für wie Dumm man mich hält. Ich möchte wissen, wie geblendet ich sein müßte um den Schwachsinn unreflektiert zu schlucken, den man mir aufzutischen versucht, Tag für Tag.
Die Wahrheit ist: ich öffne meine Augen und sehe mich um. Ich lese im Netz, ich spreche mit Menschen und das Unfassbare ist nicht zu leugnen: eine unglaubliche Anzahl von Menschen die das alles so frißt, glaubt, verdaut und als eigenen geistigen Dünnschiß dann auch noch auf Websites weitertragen, die eigentlich keine Leser haben dürften.
Nur.... auch die Bild wird noch gelesen. Und das sagt eigentlich alles.
Ich wünschte, es gäbe mehr Menschen, die ihren Verstand benutzen. Ich wünschte, es gäbe Politiker, die offen und ehrlich ihre Motive an den Tag legen. Ich wünschte, ich wäre so dämlich wie viele Mitmenschen, denn dann wäre das Ausbleiben von #1 und #2 leichter zu ertragen.
(die Zitate aus: "
Im Krieg mit 'islamischen Faschisten'")
unkreativ.net - 11. Aug, 00:12