Freitag, 8. Dezember 2006

Ride the Train

Eskobar hauchen „Freedom“ in meine Ohren und ich betrachte die dunkle Welt, in die die hell erleuchteten Fenster meines Zuges kleine Akzente zu werfen versuchen. Während ich noch unschlüssig bin, wie sehr ich diese merkwürdigen Doppelstockwagen eigentlich verabscheue, gehen meine Gedanken zurück zu gestern, zu der Veranstaltung im Duisburger Innenhafen.

Einer der ersten Redner war ein Prof von der Uni Duisburg-Essen. Die in seinem Fachbereich (Wirtschaft / Wirtschaftsinformatik) aber keine Uni Duisburg-Essen mehr ist, vielmehr wurde sie transformiert in eine Mercator School of Schlagmichtot. So richtig mit Departments, alles schön in Neusprech benannt und möglichst wichtig klingend.

Erklärt wurde das mit der Notwendigkeit, unser System auf das Übernehmen der amerikanischen Wirtschafts- und Bildungssysteme vorzubereiten. Diese „Übernahme“ stünde kurzfristig bevor und es klang aus seinem Mund als sei das erstens das Beste, was uns jemals passiert ist uns passieren konnte und zweitens als hätten wir ohnehin keine andere Möglichkeit.

Aber ist das so? Ist nur der Weg den Amerika vorgibt richtig? Ist diese menschenverachtende Form von Kapitalismus – die in meinen Augen die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft massiv einschränkt – wirklich der Weisheit letzter Schluss?

Wer gibt Wirtschaftstheoretikern wie Politikern eigentlich das Recht das zu entscheiden?

Das ich aktuell nicht auf der Seite der „Geschellschaftsverlierer“, eben jener „Überflüssigen“ stehe ist reiner Zufall und es gibt keinerlei Bestandsgarantie hierfür. Sehe ich bei den meisten Menschen um mich herum – vom Ackermann vielleicht mal abgesehen – übrigens genau so.

Und trotzdem akzeptieren alle, stellen sich fröhlich in die Reihe und empfangen ihr Kreuz, das sie dann munter durch das Leben tragen. Ohne zu hinterfragen, ohne jede Alternative zu entwickeln oder auch nur angebotene Alternativen in Betracht zu ziehen.

Stellt sich die spannende Frage, wo wir hin wollen. Was ist das Ziel dieses Turbo-Kapitalismus in einer Welt, die es schon nicht schafft, demokratische Strukturen zu leben, ohne das es Menschen gibt, die das System für sich ausbeuten? Was bringt uns die Globalisierung außer neuen Märkten und neuen Verlierern, heute halt Globalisierungsverlierern?

Es gibt ein Lied von New Model Army mit dem Titel „I Love the World“. Hat was, oder? Was genau könnte man denn, wenn man die feine Spitze der Ironie ignoriert, an dieser Welt lieben? Uns? Ich bin mir da nicht so wirklich sicher. Seid Ihr es?

Mein Zug rollt am Flughafen entlang. Bunte Lichter an den Lande- und Startbahnen. Flugzeuge, die aus der Unendlichkeit zu kommen und dorthin zu entschwinden scheinen. Und mit einem Mal wird mir übermächtig deutlich, wie wenig ich hier hin gehöre. Doch wo gehöre ich hin? Ich will ausbrechen, doch was ist das Ziel? Ich möchte was ändern, doch in welche Richtung soll das gehen? Ich möchte Teileiner besseren Gesellschaft sein, aber ist das überhaupt möglich? Was ist das überhaupt, eine bessere Gesellschaft und wer definiert diese? An Hand von welchen Maßstäben und nach welchen Kriterien könnte man gut von schlecht unterscheiden?

Oder kommt der Punkt, an dem wir – ich – feststellen müssen werden, dass wir in einer entwicklungstechnischen Sackgasse stecken? Das es so verfahren ist, dass ein Ausbruch, ein Neuanfang einfach nicht ohne so große Verluste möglich ist, das es nicht in Frage kommen kann? Neo, Trinity, die Matrix. Ein Ausbruch scheint unmöglich. Bleiben die Träume. Träume von einem besseren Morgen, das es wohl nicht geben wird. Nicht in diesem Leben. Nicht in meinem Leben. Ist es nicht alles herrlich Sinnlos?

Und der Zug verlässt Düsseldorf Hauptbahnhof
und rollt weiter durch die Nacht.

unkreativ

& ohne Bedeutung!

Geht weg!




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