Lass uns Freunde bleiben.
Wir kamen von Norden in die Stadt und wären beinahe zu spät gewesen. Mein Fehler. Aber schnelle Autos können wenn es sein muss einiges wett machen und so schafften wir es, sie rechtzeitig abzuholen. Wir kamen mit ihrem Zug an.
Es war ein schönes Wochenende. Er und sie, mich und meine sie. Die eine redet nicht mehr mit mir. Sie sprach von einem Loch in das sie fiel. Und das zu einem Zeitpunkt, wo ich nicht damit gerechnet hätte. Er redet sowieso nicht mehr mit mir, für ihn bin ich der Antichrist, außerdem brachte ihm sein Verhalten persönliche Vorteile.
Und unser Gast von damals? Sie sagte mir, wir sollen Freunde bleiben. Natürlich. Lass uns Freunde bleiben. Kein Problem und immer brav lächeln. Schließlich muss ich ihr Halt geben. Oder zumindest möchte ich das. Und ehrlich, wen interessiert dabei die andere Seite? Ich habe festgestellt, dass ich mich damit hervorragend von mir ablenken kann ;-)
Wenn ich dann daheim bin, dann darf ich kotzen. Dann darf ich fassungslos auf die Geschichte blicken und mich fragen, warum ich nichts von all dem verstehe. Würde ich es verstehen, könnte ich es dann steuern und vielleicht die schlimmsten Dinge verhindern?
Warum ist meine Sicht auf die Dinge so oft so fundamental anders als die der anderen? Kann es Millionen Aliens geben - oder bin ich es?
Vorige Tage, als dieses Foto entstand, war ich wieder in diesem Bahnhof. Stand über den Gleisen, sah die Wege die wir damals gegangen waren. Erinnerte mich an das Lächeln der Frauen, an die warme Hand die auf der Rückfahrt meine fest hielt. Das prasselnde Lagerfeuer, die Wärme meiner Freundin, als ich mich nachts an sie schmiegte.
An die Geschichten die danach liefen. An Lügen, Betrug und Verrat. An Lächerlichkeiten und Grausamkeiten. Und die Frage, warum ich das alles habe passieren lassen. Nichtmal passiv als Zuschauer, nein Aktiv als der Katalysator aller Reaktionen.
Und mir wurde klar, dass ich diesen Ort wohl nie wieder betreten werde.
unkreativ.net - 27. Jan, 20:08

