Montag, 5. Februar 2007

Aufpassen...

Sie neigen dazu, eine Persönlichkeitsstörung zu entwickeln oder haben bereits ein tief verwurzeltes Fehlverhalten. Es ist ratsam, dass Sie einen Arzt kontaktieren.

Heimliche Online-Durchsuchung ist nicht!

Sagt das Bundesverfassungsgericht. Zu tiefer Eingriff in die Rechte.

Was sagt NRW? Nicht schlimm, haben wir eh nicht gemacht.

Hallo, warum brauchte es dann unbedingt die "rechtliche Legitimation" für eben dieses Vorgehen? Wo es doch SOOOOOOO wichtig ist, um den int. Terrorismus zu bekämpfen?

Na egal, jetzt erstmal Luft holen.

Für ein neues Morgen

Teil I:
Die Sache mit der Intelligenz

In einem der alte „Marschlieder“ der Sozialdemokraten wird erwähnt, dass mangelnde Bildung de Hauptgegner der Sozialdemokratie sei:
„Der Feind, den wir am tiefsten hassen/
Der uns umlagert schwarz und dicht/
Das ist der Unverstand der Massen /
Den nur des Geistes Schwert durchbricht.“

(„Arbeiter-Marseillaise“, Zitat: „Geschrieben wurde Sie 1864, als Ferdinand Lassalle, der Gründer der deutschen Sozialdemokratie, bei einem Pistolenduell den zweiten Platz belegte.“ Aus: Brand Eins, Ausgabe 5 / 2005)

Ist das richtig? Ich denke schon, denn wenn ich mir mal so die Menschen im Alltag ansehe, finde ich viel Nichtwissen, noch mehr Halbwissen und wenig, sehr wenig gesichertes Wissen. Und das in einer Zeit, in der es mir wichtiger als je zuvor erscheint, dass die Menschen begreifen, was um sie herum passiert oder zu passieren droht.

Dabei ist es einerlei, ob es wieder gegen die „finsteren Wege“ von selbstsüchtigen, selbstverliebten und Selbstversorgenden Managern geht oder um korrupte, unfähige oder unwillige Politiker. Es ist einerlei, denn gleich welche dieser Gruppe uns zu Grunde richtet.

Die spannende Frage ist jetzt: was können wir dagegen machen und warum macht eigentlich niemand was? Bzw. warum warten immer alle darauf, dass jemand anders was macht?

Ich glaube, eines der Probleme ist fehlendes Wissen. Wissen ist Macht und ich vermute ein nicht kleines Interesse der Machthabenden ist es, das Wissen im Volk klein zu halten. Wer weiß, der nutzt dieses Wissen und der nutzt automatisch auch die damit verbundene Macht.

Von daher wird jeder Versuch in die richtige Richtung mit den Mitteln abgewehrt, die sich bewährt haben. Allem voran natürlich dem Universalmittel Angst. Angst um den eigenen Wohlstand, Angst um das körperliche Sein, Angst vor dem allerorts beschwornen Terrorismus.

Zum Beispiel die Angst vor Arbeitslosigkeit: in Zeiten in denen die BILD mit der riesige Headline um Leser heischt, die das baldige Ende der Erde verspricht, begegnet zum Beispiel die deutsche Automobilindustrie einem Ruf aus Europa nach niedrigen CO-Emissionen mit der Drohung von Arbeitsplatzverlusten. Was unsere wenig interessiert wirkenden Kanzlerin, die derzeit auch die Chefin der EU gibt, dazu verleitet, mit der Inbrunst der Überzeugung zu sagen, sie würde sich bis auf das Härteste dagegen stemmen. Und auf der anderen Seite behauptet, sie würde sich für Umweltschutz einsetzen. Konflikte programmiert, Zielrichtung klar. Sag ich jetzt mal. Als persönliche Meinung.

Wie lächerlich, wie durchschaubar, wie gefährlich so etwas sein kann!

Nicht nur, dass das Problem der deutschen Autoindustrie ja nicht das Können ist. Sondern das Wollen. Wir reden hier nicht von Problemen bei kleinen Fahrzeugen sondern bei denen, die auch über 300 km/h fahren könnten.

Nach meinem – ebenfalls von Halbwissen gefärbtem – Stand ist es aber doch so, dass neue Richtlinien in erster Linie nicht das Aus von Arbeit bedeuten. Sondern neue Chancen, neue Entwicklungen, neue Wege.

Und selbst wenn: Muss man nicht langsam mal die Frage stellen, wie lange in unserer übersatten Gesellschaft der ewige Schrei nach Arbeitsplatzerhalt noch über den Warnungen vor der globalen Katastrophe stehen dürfen?

Aber worüber wird am Abend am Stammtisch gesprochen? Nicht, das ich viel Erfahrung hätte, was solche Gespräche angeht, aber es braucht nicht viel um sich in die Lage zu versetzen.

Das Ergebnis kann den Superreichen und Supermächtigen gefallen. Die Menschen verweigern sich der Vernunft und streben nach der kurzfristig so empfundenen Sicherheit.

Jetzt kann man natürlich sagen, dass ich willkürlich ein Beispiel genommen und zu sehr verallgemeinert habe.

Aber schauen wir doch mal zur Kohle. Und ich meine nicht nur die Steinkohle, die eine unglaubliche Menge an CO-Produkten emittiert, ich rede auch und ganz besonders von der im Tagebau gewonnenen Braunkohle. Einem der denkbar schlechtesten Energielieferanten, für den ganze Landstriche verwüstet werden. Im Namen des Wohlstands.

Aber der dumme Mensch von Heute bekommt diese (in meinen Augen) öko- wie ökonomische Katastrophe ja in der Regel nicht zu Gesicht. Strom ist bunt und kommt aus der Steckdose.

Und beginnt man darüber zu reden, dass Kohle, vor allem Braunkohle wohl kaum das Mittel der Wahl sein kann, kommen all die unsinnigen Argumente wieder hervor. Von wegen Chancen für die Region und Arbeitsplätze und Energie. Klar. Opfer die man bringen muss, gell?

Aber wehe dem, der sich ein Windrad bauen möchte. Abgesehen von der Bürokratie stehen mit ein wenig Glück auf einmal Leute da und beschweren sich, Windkraftanlagen würden Vögel gefährden. Überzeugt man dann die Kritiker mit viel Aufwand von der Unwahrheit dieser Aussage, kommt das Killerargument: „Sie zerstören das Landschaftsbild“.

Achja, klar. Windräder sind also Hässlich. Klar. Logo. Der Vorteil des Braunkohletagebaus, den sieht ja kaum jemand und hinterher kann man die zerfressene, zerstörte Landschaft ja als See tarnen.

Aber all die Diskussionen nutzen nichts, angesichts der bürokratischen Hürden vor dem Aufbau einer solchen Anlage und dem Unwillen der Energieversorger, den Strom abnehmen zu müssen und zu können.

Weil, es gibt ja die Atomkraft. Man muss ja niemandem sagen, dass nach entsprechenden Schätzungen die Uran-Vorräte für noch vielleicht 50 bis 150 Jahre reichen. Man kann ja von der angeblichen Sicherheit fabulieren und zudem darauf verweisen, dass der Anteil an CO- und anderen Emissionen sehr gering ist. Gut, im Falle eines Unglücks und bei der „Entsorgung“ haben wir zwar das eine oder andere Problem, but who cares? Zahlt der Kunde. Da gehen dann natürlich auch Meldunge über Störfälle gerne mal Unter, aktuell die über das Atomkraftwerk Forsmark in Schweden, bei dem man Angst vor undichten Dichtungen an der Außenwand hat und bei dem interne Vermerke (so die Welt am Sonntag von heute) auf eine, vorsichtig formuliert, suboptimale Einstellung zum Thema Sicherheit hinweisen.

Das sind jetzt zwei willkürliche Beispiele die mir einfallen, während mein ICE mit fast 300 Stundekilometern durch die Abenddämmerung rast und ich frage mich einmal mehr, wie es sein kann, dass die Argumentationsketten der Politik und Wirtschaft, so seltsam sie manchmal auch sind und so durchschaubar sie scheinen, so willig und gern gefressen werden.

Und ich glaube wirklich, es liegt überwiegend an der Dummheit der Menschen. Nur, wo kommt die her?

Ich weigere mich einfach mal, es nur auf die Schule zu schieben. Es dürfte eher eine Kombination aus Elternhaus, Schul- und beruflicher Ausbildung sein und dem, was die „Massenmedien“ verbreiten.

Sowieso sind mir die etablierten Medien, vorrangig das (Privat-)TV, häufig ein Dorn im Auge. Wer mal eine Richter-Sendung, eine „Daily-Soap“ oder eine Talkshow gesehen hat, weiß entweder was ich meine – oder gehört zu denen die wir meiner Meinung nach erreichen müssen. Mir stellt sich dabei immer folgende Frage:

Wenn ich den Kids heute 2 Schichten zeige, die eine glamurös, unbeschreiblich reich, sexy, mächtig und auf jeden Fall eine, zu der sie nie gehören werden…

… gehören sie dann nicht zwangsläufig zu der anderen Schicht, die sich in den genannten Shows präsentiert?

Dabei möchte ich die Frage vermeiden, ob die Teilnehmer an den Talkshows wirklich so sind, wie sie sich geben. Oder bezahlte Amateure die eine Rolle wahrnehmen. Denn ich habe Angst, dass die wirklich so sein könnten. Aber ich glaube, der Einfluss solcher Sendungen wird nicht eindeutig genug als „Gefährdungspotential“ für die Entwicklung junger Menschen registriert.

Mir macht es Sorge, fast schon Angst. Wir nehmen uns mal so einen Durchschnitts-Jugendlichen und Fragen uns, wie und wo er welches Wissen über die Welt bezieht, in der er lebt. Wissen über eine Welt, die seine Eltern schon als preiswerte Arbeitssklaven ausbeutet, Eltern, die in der Eingangs erwähnten Angst vor der Arbeitslosigkeit und dem sozialen Abstieg in Hartz IV fast alles mit sich machen lassen – für fast nichts.

Der mittlerweile als interessante Rolle wahrgenommene Amokläufer von Emsdetten hat diese Angst erfolgreich zum Ausdruck gebracht. Er beschrieb die Probleme die auf ihn zukommen in einem starren Muster aus Schule – Ausbildung – Arbeit – Rente – Tot und bewegte sich damit vermutlich sehr nah bei den Gedankenspielen, die all jene verzweifeln lassen, die heute versuchen Alternativen in unserem System zu finden – oder nur eine eigene Position die nicht nach dem oben genannten SAART-Muster vorgeprägt ist.

Die spannende Frage ist jetzt, was man dagegen machen kann. Gegen das Unwissen, gegen das nicht wissen wollen und vielleicht auch gegen die Verzweiflung bei denen, die versuchen sich Wissen anzueignen?

Das Netz spielt dabei sicherlich eine absolut nicht zu unterschätzende Rolle und hat eine Bedeutung, die ich im persönlichen Gespräch ja auch immer und immer wieder hervorhebe.

Denn noch und dennoch erlaubt es uns, Gedanken, Ängste und Visionen zu teilen, zu verbreiten, zu formulieren, zur Diskussion zu stellen und weiter zu entwickeln.

Der größte Vorteil ist sicherlich die Möglichkeit der Partizipation der Teilnehmer. Geeignete Plattformen – die es ja inzwischen zur Genüge gibt – vorausgesetzt erlauben die Diskussion.

Der größte Nachteil – vor allem wohl im Vergleich mit dem Rundfunk und damit auch dem von mir negativ dargestellten Unterhaltungsbeispiel – dürfte aber sein, dass die Information nicht zum Benutzer kommt, sondern gesucht und gefunden werden will.

Es braucht also Interesse auf Seiten der Nutzer um wirklich in die Richtung zu kommen, eine „Graswurzeldemokratie“ zu etablieren.

Die Gegenkraft ist natürlich u. a. die herrschende Politik, welche in Angst um die eigenen Macht und in Sorge um den Erhalt der selbigen nicht nur das Internet immer wieder als Hort des absolut Bösen darstellt – egal ob es dabei um Kinderpornographie, internationalen Terrorismus oder nur um Counterstrike geht – bezeichnet. Und in einer Weise die den Eindruck zu erwecken versucht, es gäbe die angeprangerte Kriminalität und das aufgezeigte „Risikopotential“ nicht auch in anderen Bereichen des Lebens. Im Gegenzug nimmt man aber Rundfunkgebühren für PCs mit Internetzugang, denn schließlich gibt es die staatlich genehmigten Hirnweichspüler ja jetzt auch im Internet.

Ähnliches gilt für die Wirtschaftsmächte. Auch die versuchen das Internet auf der einen Seite für ihre Werbung zu nutzen, auf der anderen Seite aber Kommunikation über Unternehmen und deren „Schattenseiten“ zu unterbinden.

Last but not Least gibt es auch Nicht-Regierungsorganisationen, die solche Bestrebungen schon mal pflegen.

Einfache Formel: Das Internet ist gut zur Erreichung eigener Ziele, aber bitte schön nicht als freies Informationsmedium oder gar Plattform für einen mündigen Bürger!

Auch wird seitens der Politik aktuell, fast ohne jeden Versuch der Kaschierung, versucht das Internet immer weiter zu zensieren, bzw. durch widersinnige Gerichtsurteile unbrauchbar zu machen. Daneben werden die Bestrebungen immer weiter verstärkt, wirklich alles und jeden im Internet protokollierbar und damit kontrollierbar zu machen.

An der Stelle kommt jetzt wieder das Übel der Dummheit zum Tragen: würde ich es also schaffen Menschen zu den entsprechenden Informationen zu bewegen, reicht das nicht. Ich muss ihnen klar machen, dass sie sich auch im Internet oder gerade dort dem Staat erwehren müssen. Durch Kryptographie zum Beispiel.

Mehrfach habe ich hier im Blog ja schon auf die Problematik hingewiesen, die die Vorratsdatenspeicherung mit sich bringt oder wofür man Mails verschlüsseln sollte oder oder oder.

Und immer wieder kamen 2 Dinge zum Vorschein: Die Freizügigkeit, mit der Freiheitsrechte aufgegeben werden, wenn das Ziel nur moralisch hochwertig genug erscheint, und die Leichtfertigkeit mit der festgestellt wird, dass man ja nix zu befürchten hat, weil man ja nichts zu verbergen habe. Ja ja, so einfach ist das in der Welt von Heute.

Wie kann man dem jetzt begegnen? Wie sollte man dem Begegnen?

Um ehrlich zu sein: Ich habe keine Ahnung.

Immer wieder überrascht mich die Unlust meiner Umgebung, mit mir über Themen wie Politik, Managerwahn oder Umweltschutz zu reden. Immer wieder überrascht mich die „uns könnte es noch viel schlechter gehen“ – Einstellung der Menschen um mich herum. Menschen die ich achte und die ich sicherlich nicht für die dümmsten Mitglieder unserer Spezies halte.

Ich weiß einfach keine Rezepte, mit denen ich auf die Probleme so hinweisen könnte, dass ein Umdenken bei den Angesprochenen stattfinden würde. Es erscheint so unendlich schwer, ein Bewusstsein zu erzeugen für die Tatsache, dass weder staatliche Willkür, noch moderne Sklaverei oder ein Ende unseres Wohlstandes und der gefühlten Sicherheit durch die ersten 2 Gruppen und die zu erwartenden klimatischen Veränderungen gar nicht so weit weg sind, wie man üblicher Weise denkt.

Wie kann man diesen Problemen begegnen? Was kann man ändern, wie kann man sich einbringen und an welchen Schrauben kann man drehen, damit die Entwicklungen sich verlangsamen, gestoppt werde und irgendwann in ein besseres Positives kippen?

Das würde zudem die Frage aufwerfen, was das bessere Morgen eigentlich ausmachen sollte, wie wir es definieren würden und was konsensfähig wäre. Denn mein Schicksal als Halbwissender ist ja nicht nur, dass mir viele Zusammenhänge vermutlich verborgen sind, es ist auch die Tatsache, dass ich nicht in der Lage bin Modelle zu entwerfen, die es besser werden lassen würden.

Wobei sich dabei natürlich die Frage stellt, ob ich das überhaupt können muss. Als einzelne Person. Oder ob es mir nicht gelingen würde die Menschen einzubinden, die jene Wissenslücken füllen könnten, die mich derzeit noch verzweifeln lassen würden.

Die spannende Frage ist dann, wie ich die wirkliche „Weisen Menschen“ von den Scharlatanen trenne. Was für ein Maßstab angelegt werden müsste um zu beurteilen, ob ein Weggefährte der Sache dient oder sich selbst. Und natürlich die spannende Frage, ob ich der Sache diene oder mir selbst.

Andersherum ist natürlich nicht zu übersehen, dass es eigentlich nicht schlimmer werden kann. Heute ist die Welt die wir kennen in weiten Teilen geprägt von einem unglaublich kurzsichtigen, dafür umso deutlicher ausgeprägten Egoismus.

Einem Egoismus, der uns in immer schnellerem Tempo auf ein Ende zurasen lässt, dass niemand kommen sehen will.

Dabei steht uns eigentlich schon heute alles zur Verfügung, was wir bräuchten. Nicht nur ein fast unbegrenztes Wissen über das Wesen fast aller Dinge. Und damit natürlich auch verbunden die Technologien die wir nutzen könnten um die Folgen der Technologien welche wir genutzt haben abzumildern. Aufhalte können wir sie vermutlich schon lange nicht mehr.

Ich glaube einfach an das Potential der Menschheit. Wenn wir als Menschheit irgendwann wieder begreifen, dass wir alleine eben nicht weiter kommen, dass alles Geld dieser Erde nicht allein genügen wird, die kommenden wirtschaftlichen und natürlichen Katastrophen abzuwenden – sondern nur ein Umdenken bei uns allen.

In diesem Moment kommt eine Durchsage hier im ICE: Deutschland ist Handball-Weltmeister. Die Menschen freuen sich. Man applaudiert. Ob man beim Abschluss eines Folgevertrages zu Kyoto auch eine Durchsage machen würde und die Menschen applaudieren würden?

Naja, sei Ihnen die kurze Freude gegönnt: wer kann schon sagen wie lange sie und wir noch haben werden. Wenn wir nicht endlich erwachen.

Und falls es nicht schon längst zu spät ist.

Für alles.

Für uns.

unkreativ

& ohne Bedeutung!

Geh weg!



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