Sagt mal, habt Ihr auch das Gerücht gehört, dass der Apparat, der die paranoiden Sicherheitsphantasien eines gewissen Ministers umsetzen, durchführen und von ihnen profitieren soll, lange Zeit in Kauf genommen hat (hätte?), dass jemand für einen Mord verantwortlich gemacht wird, den er nicht begangen hat?
Um einen INFORMANTEN zu schützen?
Ich bin doch bestimmt einfach nur völlig übermüdet und hab da was falsch verstanden, oder? Klärt mich doch bitte mal auf...
unkreativ.net - 23. Apr, 22:18
Nach all dem Gemecker, braucht das Herz was erfrischendes.
Wenn ich Euch also mal kurz zum Ablachen zum Herrn Knüwer bitten dürfte?
Klick!
unkreativ.net - 23. Apr, 16:52
"Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Absichten." Sagt ein altes Sprichwort. Geht man einmal davon aus, daß auch Politiker im Grunde Menschen sind, dann ist wohl der Berufsweg des Politikers ein Ticket erster Klasse in die Hölle. Wie kann es passieren, daß eine ganze Regierung an den Bedürfnissen der Menschen, von denen sie gewählt wurde, vorbei entscheidet?
Schön zu wissen, daß ich "Deutschland bin" ... Doch wie sehr ist unsere Regierung denn noch Deutschland, wenn sie nicht zu wissen scheint, wie die Stimmung im eigenen Land ist? Hartz IV hat viele Menschen in die Hoffnungslosigkeit und Armut gedrückt. Gesehen werden nur die nackten Zahlen, doch daß bei einem arbeitslosen Familienvater meist noch Frau und Kinder mit in den sozialen Abstieg gerissen werden, das steht in keiner Statistik. Was es heißt, seinen eigenen Kindern nicht mal eine Geburtstagsparty ausrichten zu können - kann sich das ein Politiker vorstellen, dessen Dienstwagen im Monat vermutlich mehr kostet als eine durchschnittliche Familie mit zwei Kindern, die von Hartz IV leben müssen, zur Verfügung hat? Anhand von Zahlen und Statistiken wird von Menschen, die für ihre Zwischenmahlzeit Mittags so viel Geld ausgeben wie andere in einer Woche zur Verfügung haben für Lebensmittel, entschieden, was das so genannte Existenzminimum ist.
Existensminimum. Das Wort muß man sich mal ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen. Das Minimum, das Mensch braucht, um zu existieren. Von Leben spricht hier keiner, von existieren. Und der Staat behält sich unter dem Stichwort Sozialgesetz auch noch vor, das wenige zu kürzen wenn man nicht gewillt ist, sich staatlicher Willkür zu beugen. Was ist zum Beispiel mit der alleinerziehenden Mutter, die ein krankes Kind zu versorgen hat und von einem Sachbearbeiter ihrer ARGE genötigt wird, einen 1-Euro-Job anzutreten weil ihr sonst die Bezüge gekürzt werden? Ein willkürliches Beispiel. Es mag Fälle geben, in denen all die Vorurteile, geschürt von den so genannten Medien, über Arbeitslose zutreffen. Es mag wirklich Leute geben, die keinen Bock haben zu arbeiten und nur nörgeln, über das wenige Geld und vom Staat Zuschüsse für Urlaub fordern. Ich behaupte, sie sind eine Ausnahme.
Ich kenne das ungute Gefühl, wenn man wieder einen Umschlag mit dem Absender "ARGE Stadt XY" aus dem Kasten zieht. Frei nach dem Motto "Was ist jetzt wieder?" Meist sind es unsinnige Stellenangebote, die mir verraten, daß mein sogenannter Fallmanager nicht mal in der Lage ist, ein Bewerberprofil mit den Anforderungen des Arbeitgebers abzugleichen. Dafür soll ich dann Geld ausgeben und eine Bewerbung schreiben, wenn ich von vorneherein weiß, ich bin für die Stelle nicht geeignet, weil mir die nötigen Kenntnisse der russischen Sprache fehlen und ich auch keine gelernte Speditionskauffrau bin? Schreibe ich die Bewerbung nicht, dann würden mir Konsequenzen drohen wenn ich nicht wüßte, wie ich mich dagegen wehren kann? (Mein Fallmanager ist nicht umsonst froh, wenn ich die Türe zu seinem Büro von außen schließe ...). Es gibt viele Menschen, die in dieser Bürokratie hoffnungslos untergehen. Die schon das Ausfüllen von Anträgen hilflos vor einem Haufen Papier sitzen läßt. Die nicht wissen, wie ungeheuer hilfreich es ist, sich die Abgabe von Anträgen am Empfang quittieren zu lassen. Die nicht die nötige verbale Stärke haben, sich gegen maulige Mitarbeiter am Empfang durch zu setzen. Die nicht wissen, welche Rechte sie haben - nur erzählt bekommen, welche Pflichten sie haben - und wie sie sich wehren können. Die mit Frust und Wut im Bauch aus dem Gebäude ihrer ARGE kommen und sich wie der letzte Bodensatz der Gesellschaft fühlen.
Ich würde gerne etwas nettes über die Menschen in diesen Behörden sagen. Bis jetzt ist es mir nur einmal passiert, dort jemanden getroffen zu haben, der den Mut hatte, eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen und zu vertreten - in dem Bewußtsein, es geht hier um einen Menschen, der auf das Geld angewiesen ist und zu Hause einen leeren Kühlschrank hat. Viel zu oft schlägt einem dort "Das kann ich Ihnen nicht sagen" Ahnungslosigkeit, "Dafür bin ich nicht zuständig" oder aber "Das ist Ermessensentscheid" entgegen. Ja, in wessen "Ermessen" liegt das denn? Des Sachbearbeiters? Was passiert, wenn ich dem gerade auf die Füße getreten bin und sein Ermessen gegen mich entscheidet? Was ist mit den Menschen, die dort arbeiten und das Schicksal von Millionen verwalten? Warum sagen die nicht mal, wie die Sache aussieht und beschweren sich bei ihrem obersten Arbeitgeber, machen der Regierung klar, wie es aussieht?
So viel Frust. Ein Innenminister darf seiner Paranoia nachgehen und ungehindert seine Pläne durchboxen, die Deutschland immer mehr zu einem Überwachungsstaat umwandeln. Immer unsozialere Gesetze, die verabschiedet werden. Und das, was sich langsam und schleichend breit macht, sind Frust und Resignation. Enttäuschung in die Politik und egal wo man hinhört, der Ruf "Ach, die machen ja doch mit uns was sie wollen" läßt sich immer häufiger vernehmen. Wundert es da noch jemanden, daß die Menschen einen Eisbären namens Knut bejubeln? Ein bißchen Plüsch, ein bißchen Niedlichkeit, ein bißchen heile Welt?
Wo sind die großen, kritischen Medien? Gibt es die überhaupt noch? Von Menschen, die in Deutschland in Armut leben und jeden Tag aufs Neue um ihr Überleben kämpfen, hört man vielleicht in Boulevard-Magazinen. Dort werden sie vorgeführt der Quote willen. Das widert mich fast genauso an wie Politiker, die in ihrem teuren Anzug vor die Kamera treten und zu wissen glauben, wie hoch das Existenzminimum sei und das man es noch kürzen müsse - während gleichzeitig die Preise langsam in die Höhe wandern.
Und warum passiert in Deutschland dann nichts? Keine Öffentlichkeit, keine Proteste, keine Demonstrationen? Weil Arbeitslosigkeit ein Tabu ist. Wer ohne Arbeit ist, lebt auf Kosten des Staates, ist kein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft. Es ist Resignation, doch nichts ändern zu können wenn man sich öffentlich dazu bekennt.
Was muß noch passieren, bis etwas geschieht? Ich weiß es nicht. Es wird seit Jahren schlimmer, Frust und Resignation wächst und trotzdem wird es hingenommen, daß Kinder hungern, Bildung runtergeschraubt wird, öffentliche Mittel an allen Ecken und Enden gekürzt werden, Menschen in Armut leben, vereinsamen, keine Hoffnung mehr haben - kurz, daß dieses Land vor die Hunde geht. Wie war das doch gleich? Wir sind Deutschland?
Derzeit geht mein Anti-Wolle und Anti-H-IV-Gewäsch wohl per eMail durch diverse große deutsche Banken, Firmen und Behörden... :-D
Wenn ich also demnächst verschwunden bin, haben SIE mich geholt - hoffentlich für einen gut dotierten Beraterposten, nicht als Systemfeind zur Internierung ;-D
unkreativ.net - 23. Apr, 14:56
Langsam frage ich mich das wirklich. Gut, wir sind nicht Frankreich, aber sollte nicht langsam doch mal was passieren? Druck aufgebaut werden auf die Regierung? Der Armut eine Stimme verliehen werden?
Für jeden Scheiss gibt es Interessensgruppen, die ggf. laut auf sich aufmerksam machen. Wie ist das mit Hartz IV?
Ich bin ja neugierig, also frage ich doch mal eine mir bekannte junge Frau, die irgendwie von Hartz IV leben und damit überlegen muss:
- [14:43] XXXXXXXX: Hat was vom Stich ins Wespennest
- [14:44] unkreativ: Ja. Und wenn ich dann Söder höre.... man müsse ALG II kürzen
- [14:45] XXXXXXXX: Sitzt in einem Maßanzug vor den Kameras und sagt so etwas ...
- [14:46] XXXXXXXX: Du glaubst gar nicht, wie groß der Frust und die Enttäuschung in die Politik gerade in H IV Kreisen ist ... Resignation pur.
- [14:46] XXXXXXXX: Die wehren sich nicht mal gegen den Blödsinn, den ihre "Falldeppen" ihnen auftischen ...
- [14:46] unkreativ: Und - wenn ich das fragen darf - warum steht ihr nicht auf? Warum keine Demonstrationen? Öffentlicher Protest?
- [14:47] XXXXXXXX: In Gelsenkirchen gab es die Montags-Demonstrationen ... Die sind irgendwann friedlich eingeschlafen ...
- [14:48] XXXXXXXX: Die meisten trauen sich nicht mal, von ihren Sachbearbeitern klare Auskünfte zu fordern und lassen sich von Pontius nach Pilatus schicken weil sie Angst haben, daß ihnen die Bezüge gekürzt werden wenn sie so einen Sesselbürokraten verärgern.
- [14:52] XXXXXXXX: Dazu kommt noch, daß Arbeitslosigkeit immer noch ein Tabu-Thema ist ... Aufzustehen, öffentlich zu protestieren, demonstrieren hieße auch, zuzugeben, daß man kein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft ist ... Man ist eben lieber alleine und unbemerkt arm.
Über die Sache mit der Gesellschaft, von der man Teil sein möchte, habe ich ja
schon geschrieben. Und ich würde mir wünschen, dass eine Welle von Protesten über die Republik hereinbricht: Gegen Hartz IV, gegen die Bundeswehr in Afghanistan, gegen Neoliberalen, menschenverachtenden Schwachsinn, gegen Schäuble und seine Überwachungswut.
unkreativ.net - 23. Apr, 14:48
Ich habe in den
bisherigen Thread noch ein paar Einsendungen integriert, die ich Euch bitten würde zu lesen. Aufmerksam zu lesen und mir Eure Meinung mitzuteilen.
Und vielleicht kann mir von Euch einer sagen, ob das mit der Krankenversicherung sein kann? Ich dachte immer das Deutsche System wäre so ausgelegt, dass man niemals zwangsweise ohne eigene Krankenversicherung darstehen kann?
Wäre ein Ablehnen einer Notarztanfahrt, wie beschrieben, erlaubt?
unkreativ.net - 23. Apr, 11:24
Helft mir mal, ich bin in dem Thema als ewiger Privatpatient nicht so ganz drin:
Es gibt ja in Deutschland eine nicht geringe Anzahl sogenannter Gesetzlicher Krankernversicherungen. Deren Leistungen ergeben sich nach meinem Verständnis aus den rechtlichen Grundlagen, denen sie unterworfen sind.
Quizfrage, die ich mir gerade gestellt habe, als ich mein Auto in der Waschstraße beobachtet habe: Worin unterscheiden sich jetzt die Kassen?
Einfachste Antwort könnten Leistungen sein, die man seinen Kunden angedeihen läßt und die über das gesetzliche Maß hinausgehen. Das aber könnte ja eigentlich auch wieder nicht sein, denn man hört ja allenthalben, dass die Beiträge erhöht werden müssen, um die Kosten durch das Gesundheitssystem aufzufangen.
Schlußfolgerung für mich: Habe ich kein Geld für meine Basistätigkeit, kann ich meinen Kunden nicht zusätzliche (ohne zusätzliche Bezahlung) Leistungen anbieten. Einfach Mathematik, finde ich.
Warum aber haben wir dann so viele Krankenkassen? Besteht nicht die Möglichkeit, dass viel zu viel Geld in der Selbstverwaltung, der Kundenverwaltung und im Bereich des Managments verbraten wird? Könnten die vermutlichen Milliarden nicht sinnvoller eingesetzt werden, wenn man sich wie andere Staaten zum Beispiel auf eine GKV je Bundesland konzentriert?
Oder findet TATSÄCHLICH ein Wettbewerb statt, der mir nur verborgen geblieben ist?
Was sind Eure Erfahrungen?
unkreativ.net - 23. Apr, 11:09