Siehst Du die Kameras, die Dich tagtäglich fotografieren und filmen überhaupt noch? Sie stecken auf Ampeln, in wetterfesten Gehäusen am Bahnhof, als "Dom"-Kameras in Zügen und Bussen, in den Mautbrücken, an Haustüren und Wänden. Eine Liste, die kein Ende mehr kennt.
Lautlos filmen sie, tagein, tagaus, 24 Stunden. Zu deiner und meiner Sicherheit. Zumindest ist das die Message, die mit den Kameras zusammen verkauft wird. Für mehr Sicherheit.
Was aber, wenn die Wahrheit nicht dier Sicherung der persönlichen Unversehrtheit ist, wenn es tatsächlich einmal mehr um die Sicherung des Besitztums geht?
Wenn Dich jemand am Bahnhof überfällt und umbringt, hilft Dir das reichlich wenig. Im schlimmsten Fall bist Du dann nämlich tot. Und vielleicht kann man im Nachgang den Täter oder die Täter ermitteln, ob Du davon was hast, ist fraglich.
Bei Sachbeschädigungen sieht das anders aus. Man kann den Täter ermitteln und in Regreß nehmen. Man hat also einen direkten Vorteil in der Bilanz und daran natürlich mehr Interesse als an Dir, dem verreckenden Kunden. Denn Du bringst nur Schreibkram mit Dir.
Bietet eine Kamera an einem Hauseingang Sicherheit? Vor was und wem denn? Oder möchte man einfach nur der Kontrolllust, dem Dämon der Sucht dienen und wissen, wer wann ein- und ausgeht? Einfach die Möglichkeit haben, jederzeit nachvollziehen zu können...?
Hat von Euch irgendjemand schon mal aktiv von den Kameras profitiert?
Wo ist die Fortsetzung von
Mirtanas Geschichte? Jene das an Hand der Aufzeichnungen die Täter ermittelt und bestraft wurden?
Aber kennt jemand vielleicht zum Beispiel Bahnhöfe, an denen Volk... ich sag mal herumlungert - trotz Video - das einem das Gefühl vermittelt, am falschen Ort zur falschen Zeit zu sein? Gruppen von kahlrasierten, dicken Ärschen in Springerstiefeln zum Beispiel?
Wo ist sie, die oft gepriesene Sicherheit die ich erhalte, weil man mich auf Schritt und Tritt verfolgt?
Oder wartet einfach nur alles auf die Marktdurchdringung von Tools, die anhand biometrischer Merkmale demnächst aus all den millionen, heute wohl überwiegend digitalen, Videos meinen Lebensweg nachzeichnet? Vielleicht um mich für ein Fehlverhalten maßzuregeln, von dem ich in unserem von einem Verbots- und Regelwahn besessenen Staat nichtmal WEISS, dass es ein Fehlverhalten war?
Ich persönlich stehe zu meiner Paranoia und behaupte, dass die Videoüberwachungen erstmal GAR NICHTS zu meiner Sicherheit beitragen aber in einem ersten Schritt zur Wahrung anderer Leute Besitztümer - was noch nichtmal richtig verwerflich ist, bis auf die Tatsache das man mich um den Grund belügt und ich nicht weiss, was noch mit den Aufnahmen passiert. Und das in einem weiteren Schritt all diese Aufnahmen mit all den anderen Daten (Bewegungsprofile eines Handys kann man ganz hervorragend mit den Standortdaten einer Kameraüberwachung synchronisieren) über mich genutzt werden, mich zu klassifizieren, zu identifizieren, zu bewerten und beim Überschreiten eines automatisiert berechneten und geprüften Grenzwertes als Gefahr zu definieren.
Und das ist einer dieser Gedanken von denen ich mir sehnlichst wünsche, ich möge mich irren. Leider irre ich mich nur selten.
Sajonara ist schuld an dem Geschreibsel ;-) Der hat mich auf die Idee gebracht. Blame him, not me ;-)