Das ist so deprimierend... ich lese gerade:
Eher erfreulich finde ich, dass ein Apparat, der sich gern als unfehlbar darstellt, einen wie mich, seit über zehn Jahren Journalist aktiv und nach einer früheren Überprüfung längst als solcher dem Verfassungsschutz geläufig, trotz Identitätsfeststellung und neuerlicher Sicherheitsüberprüfung in sein System einläßt. Oder doch nicht so erfreulich? Denn natürlich frage ich mich, wen man sonst noch einläßt.
Ein leitender Angestellter von Brockdorf beschreibt das Verhältnis zwischen seinem Unternehmen und dem aufsichtsführenden Landesminister wie einen Streit nach dem Motto "Auge um Auge...": "Wenn der uns bei jeder Gelegenheit, die in den Kram seiner Tagespolitik passt, in aller Öffentlichkeit mit Stillegung droht, dann lassen wir keine Möglichkeit aus, ihn ebendort als technischen Laien und energiewirtschaftliches Greenhorn vorzuführen"
Im Sidewasser-Reaktor von Brunsbüttel wollte zum Beispiel die Schichtbesatzung am 18. Juni 1978 (Anm.: 7 Tage vor meinem ersten Geburtstag!) partout nicht glauben, dass die knapp 40 Tonnen Wasserdampf, die pro Stunde aus einem gerissenen Rohr ins Maschinenhaus und von dort über Entlüftungsklappen zum Teil ins Freie strömten, tatsächlich radioaktiv waren. Sie deklarierten die eindeutigen Werte der Strahlungsdetektoren als Meßfehler. [...] Bei einer Untersuchung des Störfalls folgerte später die Reaktorsicherheitskommission, dass das Personal bei solchen Mogeleien Routine gehabt haben musste.
Und auch wenn das kling, als passe es zu
heute, sind die Worte 17 Jahre alt und stammen aus der Geo 2/1990 (Seite 52,f).
Damals hat sich ein Journalist während der Wartungsarbeiten als Sani in ein AKW einstellen lassen, nichtmal "richtig" eingeschlichen und wenn man den Artikel nochmal liest, fällt einem auf: schon damals war vieles im Argen und geändert hat sich nur der Name der Betreiber.
Erschreckend. Eine Kapitulation der Politik vor dem Kapital. Mal wieder.