Samstag, 12. April 2008

Hilfe gebraucht

Ich mache es kurz:

Ein mir bekannter Blogger, den einige von Euch auch von Bloggertreffen kennen, ist in die Mühlen des ALG2 geraten und wird den kommenden Monat kein Geld haben. Das bedeutet im Klartext: Futter gibt es nur von der Tafel.

Das ist ein Zustand, den ich nicht akzeptiere. Deswegen gehe ich mit ihm einkaufen.

Ich würde mich freuen, wenn der eine oder andere das unterstützt, auch wenn ich nicht verrate, um wen es geht. Ihr kennt mich gut genug um zu wissen, dass Euer Geld nur für Lebensmittel drauf geht. Mein Wort!

Wer helfen möchte, schreibt mir bitte eine Mail. Dann gibt es die Kontoverbindung und Details.

Nachtrag: Ich will sowas nicht in meinem Umfeld. Und der betroffene Bekannte ist weder psychisch noch physisch in wirklich bester Verfassung. Es darf kein zweites Speyer geben!

Danke.

P.S.: Ich erhoffe eine Bereitschaft, die mir zeigt, dass Menschen immer noch mehr bedeuten als Webadressen und wenn Lanu es schafft, für eine Domain zu sammeln, sollte es möglich sein für ein menschenwürdiges Dasein zu sorgen!

P.P.S. Verlinken und Bewerben ausdrücklich erbeten!

Die Moral in Zeiten knapper Kassen

"Wie, DU kaufst noch bei ALDI, LIDL, PENNY und CO. ein?", fragte mich neulich jemand, runzelte die Stirn und schürzte die Lippen. "Wie kannst du denn nur? Das sind doch Ausbeuter. Die trampeln auf den Mitarbeiter-Rechten doch nur so rum. Kennst du denn nicht das Schwarzbuch über LIDL? Und das mit dem Mitarbeiter-Ausspähen?" In den Augen liegt der vorwurfsvolle Blick mit dem man jeden ungezogenen Hund SOFORT Platz machen lässt.

Vielleicht sollte ich erwähnen, dass der- oder diejenige genügend Einkommen hat um sich locker einen Samstagsausflug über die Düsseldorfer Kö gönnen zu können. Da kauft man dann natürlich auch bewußt ein - bevorzugt biologisch, natürlich - und wenn schon Supermärkte, dann doch bitteschön bei Rewe oder Edeka oder den gehobeneren soliden Marken. Ein Abstecher in den nächsten Basic-Laden bringt dann beides zusammen: Das gute Gefühl, was gute eingekauft zu haben UND die Umwelt zu schonen, weil ja alles rein biologische Anbau ist. (Wobei ich mir mal die Frage verkneife, ob es denn per se nichtbiologischen Anbau gibt, schließlich kommt alles aus dem Boden mehr oder weniger und wenn das nicht biologisch ist...)

Um auf die obige Frage zu antworten: Ich kaufe bei Discountern ein, weil ich es mir auf Dauer nicht leisten kann bei gehobeneren Ketten zu kaufen. Selbst wenn ich dort die Billigmarken nehme, was dann aber wiederum nun keinen großen Unterschied zu den Marken von ALDI, LIDL, PENNY und Co machen würde: Billig ist billig. Ob ein bekannter Markenhersteller dahintersteckt ist mir erstmal egal, Hauptsache ich kann annähernd mit dem Geld über die Runden kommen.

Womit wir bei einem schwierigem Dilemma sind: Einerseits möchte man ja natürlich NICHT bei Anbietern einkaufen, die so mit ihren Mitarbeitern umgehen. Andererseits: "Wir wären gut anstatt so roh, doch die Verhältnisse, sie sind nicht so" lässt Brecht im zweiten Dreigroschen-Oper-Finale verlauten und daran hat sich bis auf den heutigen Tag nichts geändert. Die Verhältnisse - also begrenzte Mittel - definieren den Ort des Einkaufens. Wer ein gutes Gehalt hat, der kann sich Moral beim Einkaufen auch leisten, da fällt das nicht all zu sehr ins Gewicht. Wer weniger oder gar nichts hat, dem bleibt keine andere Alternative als nach dem Grundsatz zu handeln, dass man mit begrenzten Mitteln möglichst den größten Nutzen erzielt.

Nun ist klar, dass Brecht mit diesen Sätzen darauf abzielt, die Gesellschaft - oder die Verhältnisse - halt so zu ändern, dass sie zum Menschen passen. Aber wenn er fortfährt, dass die Welt arm und der Mensch schlecht sei so ist da durchaus etwas dran. Die Welt ist nun nicht in dem Sinne arm, als dass sie wenig Geld hätte - nein, die Welt ist in dem Sinne arm als dass das sie sich konsequent darauf versteift dass nur derjenige mit Arbeit auch ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft zu sein hat und zu sein darf. Der dann auch gerne sein Geld für Dinge ausgeben darf, die nicht im Discounter vorhanden sind: Kaviar, Lachs, Sekt.

Und dass der Mensch des Menschen Wolf ist hat nicht erst Brecht festgestellt, dass wußten schon die alten Römer. Aber ist es denn ein Wunder, wenn wir feststellen, dass Egozentrik und Selbstsucht in der Gesellschaft herrschen anstatt dass ein Gemeinsinn in der Gesellschaft vorhanden ist, wenn diejenigen, die das ändern könnten - also auch wir! - eben meinen, nichts ändern zu können?
Ich selber kann an der Situation der Mitarbeiter von LIDL, ALDI und Co. nun nur begrenzt was ändern - Protestieren, mit den Leuten reden, eventuell die Gewerkschaft einschalten. Das ändert aber nichts daran, dass das Angebot von ALDI ja von breiten Schichten angenommen wird, weil es halt keine andere Alternative gibt.

Deswegen: Ja, ich kaufe weiterhin dort ein. Nicht, weil ich es gerne tue, aber weil die Verhältnisse halt so sind wie sie sind. Gleichzeitig kann ich aber durchaus etwas anderes tun und mich an anderen Orten engagieren um diesen Mißstand irgendwann mal beseitigen zu können. Bis dahin bauche ich das ALDIdente-Kochbuch noch...

unkreativ

& ohne Bedeutung!

Geht weg!




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