Dienstag, 20. Mai 2008

Gastbeitrag: Zum verrückt werden

Der Gastbeitrag aus den Kommentaren hat einen weiteren Menschen dazu gebracht, mir etwas zu schreiben, mit der Bitte um Veröffentlichung. Wie immer ist der / die Verfasser/-in mir bekannt und wird trotzdem nicht genannt ;-)


Hallo unkreativ,
[...]
Ich arbeite bei einer [...] Beschäftigungsgesellschaft der Stadt [...]. Unsere Projekte/Aufträge erhalten wir fast ausnahmslos von der Arbeitsagentur.

Ich war fast 7 Jahre [...] und bin jetzt seit [...] bei der Vermittlung für 1-Euro-Jobs.

Ich bin wohlbemerkt kein SozPäd., sondern nur im Verwaltungsbereich tätig, aber auch da bekommt man genügend mit.

Für Deinen Personenkreis, sprich jung, dynamisch und vor allem gut ausgebildet, kann ich eigentlich nicht wirklich mitreden, denn unsere Klientel sind eigentlich die schwer Vermittelbaren oder auch sozialen und gesellschatlichen Looser.

Und hier werden uns zu einem nicht geringen Teil Menschen von der ARGE zugewiesen, bei denen nicht nur mir, auch meinen SozPäd.-Kollegen jegliches Verständis fehlt, warum man diese in einen 1-Euro-Job zwingt.

Fallbeispiele:
- keinerlei Deutschkenntnisse, haben meist ein Familienmitglied dabei zum dolmetschen

- hochgradige Alkoholiker, die vormittags logischerweise schon mit Fahne vor dir stehen oder am ganzen Körper zittern

- psychisch Kranke, die oftmals mit ihrem Betreuer/in kommen

- bishin zu einer knapp 50-jährigen Frau, die an einer nicht heilbaren Krebskrankheit leidet

Alles in allem eine sehr hohe Zahl an Zuweisungen, die man aus menschlichen, sozialen und rein praktischen Gründen gar nicht vermittel kann.

Das ganze ist ein irrwitziger Kreislauf, denn wir machen ein hirnloses Spiel der ARGE mit, denn letztlich werden diese Menschen nach 1-3 Wochen als nicht vermittelbar von uns wieder an die ARGE zurückverwiesen.

Daneben gibt es einen gewissen Anteil von Personen, die sich schon von je her und auch in Zukunft allen diesen Maßnahmen bewußt und willentlich entziehen, aber diesen Bodensatz wird es immer geben!

Seltene Lichtblicke sind diejenigen, die wirklich froh sind überhaupt was zu tun zu haben, auch wenn es nur für 1,25 € / Std. ist und hier geht (traurigerweise) die Palette von jung bis alt, von gebildet bis ungebildet, von ausgebildet bis unausgebildet.

Dahinter steckt natürlich ein System in Form von strikten Auflagen und uns zugewiesenen (Steuer-)Geldern. Will heißen wir fahren aus personal- bzw. finanzielltechnischen Gründen am totalen Limit. Das Motto ist durchschleusen und durchschleusen, am Besten gar nicht darüber nachdenken.

Fazit: Ich denke mir schon seit langem, dass es den einzelnen ARGE-Mitarbeitern gar nicht soviel anders geht als uns. Sie müssen auch nach bürokratischen Anweisungen der großen allmächtigen Arbeitagentur handeln und dass bedeutet Zahlen und Statistiken für letztendlich unsere Regierung.

Wir, sprich meine Kollegen und ich wissen alle, dass wir in einem grotesken Spiel stecken, letztlich um unsere eigenen Arbeitsplätze zu sichern.

Nichtsdestotrotz hoffe ich aus diesem frustrierenden Wahnsinn rauszukommen. Rein statistisch gesehen [...] heutzutage fast utopisch *grins*.

Lesetip: H-IV wirkt

bei Martina...

Klick!

Irrsinn - mit System?

Die Bereitstellung von Freizeitmöglichkeiten ist Aufgabe der Kommune. Dazu gehören natürlich auch Sportangebote. Bei uns ist daher die Stadt für die Sportanlagen verantwortlich.

Jetzt möchte mein Bürgermeister (CDU) einem Sportverein zu dessen hundertjährigem Bestehen wohl einen Wunsch erfüllen und so diskutiert die Stadt seit Wochen (!) über den Bau einer nagelneuen Sportanlage mit diversen Tennisplätzen, Tennishalle und ein paar Leichathletikteilen und, ganz toll, sogenannten "Kleinspielfeldern", die als einzige nicht umzäunt wären. Hauptaugenmerk liegt auf der Tennisanlage.

Gut, dafür müßten dann nur fast 85.000 Quadratmeter Bäume abgeholzt werden. Eigentlich muss das wieder aufgeforstet werden, da man dazu aber derzeit weder Lust, Fläche, noch das Geld (ca. 900.000 Euro für die Neuaufforstung, bzw. den Funktionsausgleich) hat, schreibt man erstmal auf ein "Öko-Konto" ein Soll. Um dann hier und da mal ein Bäumchen zu pflanzen und in einer unbestimmten Zeit das Konto vielleicht auszugleichen.

In Zeiten des Global Warming ist das ja an "Sinnfreiheit" schon kaum zu überbieten und wird nur dann mit "Sinn" gefüllt, wenn man weiss, dass die Flächen auf denen die heute bestehenden Sportanlagen sich befinden, als Baufläche vermarkten will. Unter günstigen Umständen könnte man da tatsächlich einiges der Ausgaben wieder reinholen. Bis dahin würde aber auch die Zwischenfinanzierung insgemsamt zu Lasten der Stadt gehen...

Die Ausgaben sind dann auch das wirkliche Problem. Es ist schon jetzt klar, dass die gesamte Anlage über 1.000.000 Euro kosten wird. Das ist mehr als doppelt so viel, wie die Erhaltung / Modernisierung der bestehenden Anlagen kosten würde. Allein die Kosten für das Prestige-Objekt, den Tennispark, belaufen sich auf ungefähr 710.000 Euro.

Wohlgemerkt: Das sind die Summen, die aus Steuergeldern finanziert werden sollen. Der Verein selbst würde einen lächerlich geringen Betrag beisteuern.

Bei etwa 315 aktiven Tennisspielern (und die Verbände rechnen mit einem weiteren Rückgang) bedeutet das in optimistischen Schätzungen 685 Euro je Tennisspieler, in pessimistischen Schätzungen 2254 Euro je Mitglied aus dem öffentlicheb Budget. Das ist davon abhängig, ob ich die Modernisierungskosten abziehe oder nicht.

Aber auch wenn es nur 685 Euro pro aktivem Tennisspieler wären, die die Stadt dazulegt, muss ich mich fragen, ob wir nicht einen an der Klatsche hätten, wenn wir dem zustimmen würden.

In einer Zeit, in der der aktuelle Armutsbericht in aller Munde ist, in der meine eigene Stadt so pleite ist, dass sie sich im "Haushaltssicherungskonzept" befindet, das alle "freiwilligen Ausgaben" eigentlich verbietet und letztlich in Zeiten, in denen "mein" eigener Bürgermeister um Spenden aus der Wirtschaft für das Programm "Kein Kind ohne Mahlzeit" werben muss... In einer solchen Zeit wollen wir mal eben ein Milliönchen in einen Verein blasen. Dann kommt der nächste Verein doch auch gleich um die Ecke und hey, warum denn nicht? Wir haben es doch. Und wer braucht schon satte Kinder in guten Schulen?

Ehrlich, die EINZIGE Erklärung die ich dafür habe, dass die noch an der Macht befindliche CDU dieses Projekt forciert und wir überhaupt noch darüber diskutieren, die will ich hier nicht äußern.

Aber soviel sei noch gesagt: ich kann nicht garantieren, dass meine Zahlenspiele hier richtig sind... gehe aber davon aus.

unkreativ

& ohne Bedeutung!

Geh weg!



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Den Rechtsstaat macht aus, dass Unschuldige wieder frei kommen.
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hier rollt der Übwachungsminister...o
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