Reisetagbuch: Tribute to Claire
It all comes down to one day and in the end you have to choose: Will you go the hard way or the easy way?
In den Tagen vor meinem Geburtstag und in den Tagen nach meinem Geburtstag fanden einige Informationen Wege, die sie vielleicht finden sollten, vielleicht nicht finden sollten. Menschen suchten und wurden gefunden, Ereignisse warfen ihre Schatten voraus und verursachten Konsequenzen, die in kosmischem Maßstab keine Rolle spielen.
Mich machte es wütend.
Sehr wütend.
Mit dieser Wut staute sich eine Energie in mir auf von der ich wußte, dass sie sich den Weg nach außen bahnen wird. Das ich - wenn ich nicht aufpasse - explodieren werde und das ich dann vielleicht Menschen unrecht tue. Also mußte ich was gegen diese Wut unternehmen, sie unter Kontrolle bringen, meine Energie abbauen.
Reisen ist immer eine gute Idee. Und so packte mich das Reisefieber.
Kurzfristig - und hier danke ich einigen sehr speziellen Freunden - habe ich daher beschlossen Urlaub in Dalmatien zu machen. 1500km Straße zwischen hier und dort, genug Stunden auf der Bahn um nachzudenken, zu sortieren, zu ordnen, zu planen.
Kurzfristig frei zu nehmen ist kein Problem. Und so kam es, dass ich schon kurze Zeit nach meinem Entschluss, zu fahren, mein Auto gepackt habe. Bewußt daheim blieb bis auf meine Kamera jede Form von (Kommunikations-) Elektronik: Kein Handy, kein Notebook, nichts. Dafür ein Stapel Bücher und soviel vorweg, ich habe sie alle gelesen.
Es schien, als wolle Gott mir eine gute Reise wünschen, denn noch in Deutschland, kurz nachdem ich NRW verlassen habe, hat er mir einen Gruß zukommen lassen... (1, 2). Vielleicht wußte er ja, dass ich nicht wie Ende 2004 wieder umdrehen würde. Denn schon 2004 habe ich mich auf der Strecke befunden und damals war der Anlass nicht unähnlich, das Ergebnis wäre ein ganz anderes gewesen und ich wäre damals nicht mehr nach Deutschland zurück gekehrt. Witziger Weise ist es im Leben selten so, wie man sich das vorstellt. Was ja - da schließt sich der Kreis - dann auch wieder der Anlass für meine Reise 2008 war.
Ich bin diesmal allerdings eine der Touren nicht am Stück gefahren. Nach Mitternacht bin ich in Österreich auf einen Rastplatz gefahren und habe dort ein paar Stunden geschlafen, denn ich wollte die Alpen im Licht sehen und nicht in der Nacht durchqueren (3). Wo wir gerde von Österreich reden: Die Geschichte mit der Maut macht mich sauer, das ist moderne Wegelagerei. Es reicht ja nicht, Maut für Österreich zu löhnen, an den Tunneln darf man dann gleich nochmal extra bezahlen. Davon ab ist Diesel in Österreich sehr teuer - was mich in dem Fall nicht störte, ich habe erst später tanken müssen.
So war ich also Morgens unterwegs. Zu einer Zeit, zu der vor den Bergen die Sonne schien, zwischen den Bergen aber noch dichter Nebel hing (4)...
Österreich ist nicht sonderlich groß und schon kurz danach fand ich mich kurz vor Slovenien (5). Sprach ich von Wegelagerei? In Slowenien ist man 35 Euro Maut los. Für geschätzt 5km Autobahn. Gut, dafür darf ich jetzt ein halbes Jahr lang so oft ich will durch Slowenien. Ha ha. Dafür ist der Diesel billig (1 Euro 20) und ich habe vollgetankt, auch wenn ich noch nicht tanken mußte. Inzwischen wurde es Mittag, die Sonne fand ihren Weg raus und Völvchen stand kurz am Strassenrand: Slowenien nennt sich "Country of woods" und das nicht ganz zu unrecht. Bäume, Bäume und Bäume, Hügel gesäumt von Bäumen (6).
Einige Stunden später hatte ich dann Zagreb hinter mir gelassen und bin auf dem Weg zum Ziel gewesen. Über Zagreb zu fahren war eine Entscheidung, die ich auf dem Rückweg nicht getroffen habe. Gleichwohl sollten die Vorteile nicht unerwähnt sein, denn mittlerweile kann man (via Zagreb) bis auf ganz kurze Stücke von Deutschland bis an meinen Zielort über gut ausgebaute Autobahnen fahren. Der Nachteil ist, dass die Strecke sehr gerade ist, vor allem in Kroatien sind viele Tunnel gegraben worden, man fährt über keinen Pass mehr. Egal, irgendwann gegen 14 Uhr oder so war ich dann in der Gegend, in die ich wollte (7)... dort ist dann auch das 2. Selbstportrait der Reise entstanden. Völvchen war abgestellt und ich dachte ich zeige der Nachwelt mal, wo ich bin. In dem Rucksack befindet sich alles, was ich mit hatte, wäre es hart auf hart gekommen, hätte ich einfach weiterlaufen können (8)...
Es kam nicht hart auf hart und ich kam in Vodice an, dem Ort in dem ich die nächsten Tage verbringen wollte. Vodice ist ein Ort, der mittlerweile sehr für Touristen, insbesondere Segler (9) optimiert scheint. 2004, in der Zeit die ich aus heutiger Sicht "mein anderes Leben" nenne, war ich schonmal da. Erinnerungen werden wach (10).
Ich mag den Ort und ich habe das Glück, dort immer unterkommen zu können. Ich war nicht im selben Haus wie damals, aber das macht nix. Zu meinem Vergnügen hatten meine Gastgeber eine Tocher (16, 80D) und eine Gastfamilie (Sohn: 17). Es war schon... amüsant die Rituale zu beobachten ;-) Und nein, Fotos gibt es nicht, denn wie ich schon in der Auswahl der Fotos aufgefallen sein dürfte, habe ich mich dieses Jahr sehr, sehr zurück gehalten und wenig Leute fotografiert. Bis auf Claire. Aber zu ihr kommen wir später...
Das Wetter, welches mich erwartet hat, war grandios. Es hat nur in einer einzigen Nacht kurz geregnet, ansonsten war kein Tag unterhalb von 30°, in der Spitze 36° warm (11).
Am ersten Abend wollte mir die Tochter des Hauses den Ort und Sibenik, die Stadt nebenan zeigen. Kann ich zwar beides schon, aber hey warum nicht. Haben und nett unterhalten (auch über... ;-) ) und sie zeigte mir die Gegend. Dabei haben wir auch beschlossen gemeinsam in einen Nationalpark zu fahren. Und so merkwürdig das ist, es ist gut, dass es nie dazu kam, aber auch das ist eine Geschichte für später.
Im Folgenden bestanden meine Tage fast aus sowas wie einem geregelten Ablauf: Da ich im Moment nicht sonderlich viel schlafe, bin ich zumeist morgens schon gegen 6 Uhr Laufen gewesen. Das war auch gut so, denn spätestens um 9 Uhr war es in der Regel um die 30° warm (12). Nicht, dass es Abends viel kühler gewesen wäre... (13)
Aber egal, mir macht das nix aus und ich habe mich einfach angepasst. Meist bin ich morgens gegen 9 oder halb 10 kurz auf dem Minimarkt (14) von Vodice gewesen, habe mich da mit ordentlich Obst eingedeckt und bin dann in meine Lieblingsbar zum Kaffeetrinken eingekehrt ((15), (16)). Kaffee und ein Glas Wasser für etwa einen Euro. Das ist okay, damit kann man Leben. Die Preise auf dem Markt dort waren allerdings eher an Touristen ausgerichtet. Da war der Markt in Sibenic deutlich günstiger. Allerdings wäre manche Auslage da nix für empfindliche Gemüter gewesen ;-) (17).
Wenn ich Mittags nicht gerade unterwegs war (18), habe ich das gemacht, was ein "normaler Mensch" Mittags dort machen sollte, ein ausgedehntes Nickerchen, eine Siesta... oder man kombiniert das eine und das andere und entspannt zum Beispiel im historischen Kräutergarten einer alten Festung (19)...
Wenn es dann später wurde, die Schatten anfingen länger zu werden, bin ich oft nach Murter gefahren. Einem kleinen Ort auf einer Halbinsel, einige Kilometer entfernt. Dort gibt es keine aufgeschütteten Strände (20), im Grunde kaum Touristen, dafür Pinienwälder (21) und Natur in ihrer rauen Schönheit (22). Dort dann schwimmen, anschließend und davor auf meiner Iso-Matte liegend lesen (die Matte hat die Tour nicht überlebt. Schade, sie hat mich schon in so viele Länder (Polen, Schweiz, Schweden, Kanada, und viele mehr) begleitet, ich werde sie vermissen.
Gegen Abend (23) bin ich dann wieder nach Vodice oder Sibenik gefahren. Leute gucken (24) und dabei habe ich wieder gemerkt, wie egal mir die meisten Menschen sind. Sie sind wie Geister (25): Für mich nicht zu fassen, nicht zu begreifen, ich stehe außerhalb ihrer Welt. Inkompatibel. Wenn das kein Grund ist, den abend in der Bar mit einem Whisky oder zwei ausklingen zu lassen ;-)
Und so gingen die Tage dahin. Ereignislos und schon bald war ich nicht mehr in der Lage, das Datum zu bestimmen. Kurz darauf mußte ich ernsthaft überlegen, welcher Wochentag war. Ich, meine Bücher, das Meer.
Eines Abends sprach mich bei meiner Rückkehr (oft saß die Familie draußen und hat mich zu einem hervorragenden, selbstgekelterten Wein eingeladen) die Tochter an, ob ich nicht am nächsten Morgen mit ihr nach Krka in den Nationalpark fahren mag. Bekannt, berühmt für seine Kaskadenfälle. Geplant war, zwischen 8 und halb 9 aufzubrechen. Und so saß ich um 8 mit ihrer Oma im Garten und trank hervorragenden, türkischen Kaffee. Es wurde halb 9, es wurde Viertel vor. Hab dann mal vorsichtig nachgefragt, die Oma nachgesehen und sie da: Young Miss lag noch im Bett. Halb verschlafen stand sie dann auf dem Balkon und entschuldigte sich wortreich, bat um Aufschub auf den nächsten Tag und so... aber wie ich bin: Ich hatte beschlossen am selben Tag zu fahren, also bin ich einfach ohne sie gefahren. Wäre ich fair, was ich nicht bin, hätte ich hinterher sagen müssen, dass der Tag erst so richtig gut wurde, weil sie eben doch nicht dabei war ;-)
Das spannende an den Wasserfällen ist, dass man vor 11 oder 12 Uhr da gewesen sein sollte. Danach werden Busse voller Touris abgekippt, die sich nicht auskennen, zu doof sind, die schönen Ecken (26) zu finden. Und so war ich durch, als der große Run begann. Eigentlich hätte ich an der Stelle heim fahren können, Stunde pennen und dann wieder ans Meer oder so.
Eigentlich.
Aber manchmal... manchmal spielt das Leben nach seinen eigenen Regeln.
Ich bin an dem Tag mit meinem iPod unterwegs gewesen und habe ein Hörbuch gehört. Einer spontanen Idee folgend bin ich bewußt "falsch" abgebogen und auf eine staubige Piste gelangt, von der ich wußte, dass sie als Sackgasse an einem See (27) endet. Fragt nicht, wieso ich da hin bin, ich weiss es nicht.
Dort saß ein Mädchen, dass ich dann gebeten habe, ein Foto von mir (28) zu machen. Netterweise trug sie auch eine DSLR von Nikon um den Hals (29) :-)
Als ich wieder zurück bin, ist sie auch gerade auf dem Weg gewesen. Wie das so ist, kamen wir ins Gespräch, als wir den staubigen Pfad entlang gingen. Sie kommt aus Irland und ihr Name ist Claire. Als Rucksacktouristin 4 Wochen durch Kroatien, aktueller Ort Sibenik(!).
Sie ist morgens kurz dort gewesen, hat ihre Sachen abgeworfen und ist dann mit dem Bus zum Park. Hat einen anderen Eingang genommen und den richtigen Abzweig verpaßt, deswegen trafen wir uns an der Sackgasse. Ich habe sie dann zur Kreuzung mitgenommen und von dort wollte ich nach Links, zum Völvchen. Sie nach Rechts, zu den Wasserfällen.
"Join me."
"Okay."
Fragt nicht. Manche Dinge passieren einfach und verstehen kann ich mein eigenes Leben bekanntlich schon lange nicht mehr. Falls ich es jemals konnte. Und so habe ich ihr dann die Wasserfälle gezeigt, die voller Menschen waren. Hat ihr erwartungsgemäß nicht gefallen, da waren wir uns wie in anderen Punkten recht schnell einig. Also die Wasserfälle haben schon gefallen. Die Menschenmassen nicht.
Auf dem Weg zu meinem Parkplatz und zum Busplatz sind wir dann zu Fuß gegangen. Dafür muss man ja auch nur auf einen Berg und hey, das macht man Mittags doch immer wieder gerne ;-) Wie wir so schwitzend und schnaufend den Berg erklommen, habe ich ihr angeboten, sie mitzunehmen, Sibenik lag ja auf dem Weg. Und Völchen mit Klima gegen überfüllten Bus, ich denke das war keine schwere Entscheidung ;-)
Wir sind dann losgefahren und haben uns wahnsinnig gut unterhalten. Über Gott, die Welt und das Nein der Iren zum Reformvertrag der EU. Wie gesagt, viele, viele Dinge auf einer Wellenlänge. Und es kam wie es mußte: ich habe ihr erzählt, was ich weiter vor habe (was kaltes zu Trinken in der Bar, dann ein Eis, dann ans Meer, Abends was essen) und wir haben beschlossen, den Tag gemeinsam zu verbringen. Und so kam es. Erst Vodice (Bar), dann Eis, dann ab ans Meer. Schwimmen und im Schatten liegen. Sie hat einen Hund.
"Do you know them?"
"No"
"You know Santas Little Helper?"
"Yes"
"Like him!"
"OhhhhH"
Außerdem macht sie gerade ihren PhD in Bio (wow... mit 24!) und geht danach für ein paar Monate in eine arktische Forschungsstation... man faßt es ja gar nicht. Naja, die Zeit verflog und wir haben uns aufgemacht, zurück zu fahren. Erst zu mir, ich habe schnell geduscht, während sie mit meiner Kamera im Völvchen saß und sich meine Fotos angeschaut hat. Dann nach Sibenik, wo sie schnell im Hotel verschwand und als Julia Roberts (schaut auf den Mund! (30)) wiederkam.
Zusammen sind wir dann durch die Stadt, die wunderschönen Kirchen bestaunen (leider darf man in denen nicht knipsen) und dann in einer der winzigen Gassen in einem winzigen Restaurant was essen (31).
Ist es unglaublich, wie vertraut einem Menschen sein können, die man gar nicht kennt? Sie weiss meinen Namen. Ich kenne ihren und wir haben auch eMail-Adressen getauscht. Und doch herrschte von Anfang an zwischen uns eine Vertrautheit, als würden wir uns seit Jahrhunderten kennen (32). Verrückt.
Der Tag ging vorbei. Irgendwann gingen wir getrennte Wege und auch wenn ich demnächst nach UK fliegen werde und sie im Dezember sogar in Berlin sein wird, ist eigentlich klar, dass wir uns nie wieder sehen. Und so kamen die Tränen. Verrückt oder? Wir waren nichtmal im Bett miteinander, das hätte den Abend völlig zerstört. Wir lieben uns nicht, wir kennen uns nichtmal und doch ist an dem Tag mit uns beiden etwas passiert, was ihre Augen in großen, kullerenden Tränen zusammengefaßt haben. So ist das Leben und am Ende... all comes down to one day.
Da ich wußte, dass nach dem Tag nichts mehr war wie vorher, hat auch Bleiben keinen Sinn mehr gemacht. Ich bin dann noch ein paar Stunden in meinem Zimmer gewesen, dann habe ich geapackt und als die ersten Sonnenstrahlen den Nebel teilten, der sich über das Land und die Täler gelegt hatte (33), war ich schon 100km von Vodice und Sibenik entfernt. Diesmal nicht via Zagreb, sondern die harte Tour, quer durch das Land, durch die Berge, über Pässe, enge Kurven hinauf und hinab, das Leben, das Land, die Welt geniessen (34).
Auf diesem Rückweg bin ich kurz in München vorbei. Anna besuchen, die leider nicht da war. Zwischen Anna und mir ist vieles ungesagt geblieben, dass vielleicht gesagt werden sollte. Wir haben es später am Telefon nachgeholt.
Seit ich wieder zu Hause bin, ist viel passiert. Ich habe lange mit Sabine telefoniert, fast so lange mit Janine und viel, viel länger mit Kari. Gespräche die unheimlich schön, manchmal unschön und vielleicht längst überfällig waren. Vieles ist gesagt worden, dass schon längst mal hätte gesagt werden müssen: wie wichtig besonders Sabine mir ist, wie unverzichtbar Janine in meinem Leben wurde und wie gern ich Kari inzwischen mag. Keine von den genannten ist mit mir ein einer Beziehung die über Freundschaft hinaus geht oder war es jemals. Keine von den Drei wird es vermutlich jemals sein (Sabine ist glücklich verheiratet, Janine ist glücklich unverheiratete Mama und Kari ist eben Kari ;-) ) und doch sind sie... so wahnsinnig wichtig für mich. Gestern abend kam dann das Asti (sie hat im StudiVZ Fotos von mir und mit mir eingestellt... eigentlich sollte ich sie nicht mehr mögen :-P ) und wir haben uns unterhalten, bis ich mitten in der Unterhaltung eingeschlafen bin. Aber auch das fühlte sich... richtig an. Und um das Ganze abzurunden, hat sich Anne gemeldet. Wir gehen gleich essen, was trinekn und ich freue mich sehr auf sie. Denn auch Anne ist vor einiger Zeit einfach in meinem Leben aufgetaucht und seit dem unverzichtbarer Teil.
Die Wut und die Verzweiflung die mich bewogen hat zu fahren, wurde zu einer tiefen Dankbarkeit für die Menschen, die ich um mich herum habe. Gestern wurde mir ein Link gegeben zu einer Website eines Freundes. Dort ist sein Abschiedsbrief zu lesen und ich werde als einer der Menschen erwähnt, die eine wichtige Rolle in seinem Leben spielten. Wohl nicht wichtig genug um nicht doch zu versuchen, sich aus der Schöpfung zu entfernen. Aber das zu lesen, die Gespräche und die Erinnerungen an einen unglaublich ungewöhnlichen Tag mit Claire haben, relativiert all den Frust und macht mir klar, dass es keinen Sinn macht, sich in irgendeiner Form mit solchen Dingen aufzuhalten. Das Leben ist zu kurz, Freundschaften zu kostbar.
Ein wunderbarer Mensch ist hier ungenannt. Nicht, weil sie nicht Teil des Ganzen wäre. Aber weil sie nicht weiss, wo sie steht, wo sie hingehört. Vielleicht findet sie ihren Platz im Leben und ich hoffe sehr, dass sie glücklich wird. Vielleicht kreuzen sich ihr und mein Leben wieder, vielleicht gehen wir einen Teil des Weges wieder gemeinsam und vielleicht erzähle ich Euch eines Tages mehr von ihr. Aber ihr Weg wurde vor meiner Reise zu einem Weg weg von mir. Was sehr schade ist, denn all das hier würde ich zu gerne mit ihr teilen. Auf die eine oder andere Art und Weise, aber dafür ist es notwendig, dass sie erst zu sich findet.
Stefan,
13. Juli 2008
In den Tagen vor meinem Geburtstag und in den Tagen nach meinem Geburtstag fanden einige Informationen Wege, die sie vielleicht finden sollten, vielleicht nicht finden sollten. Menschen suchten und wurden gefunden, Ereignisse warfen ihre Schatten voraus und verursachten Konsequenzen, die in kosmischem Maßstab keine Rolle spielen.
Mich machte es wütend.
Sehr wütend.
Mit dieser Wut staute sich eine Energie in mir auf von der ich wußte, dass sie sich den Weg nach außen bahnen wird. Das ich - wenn ich nicht aufpasse - explodieren werde und das ich dann vielleicht Menschen unrecht tue. Also mußte ich was gegen diese Wut unternehmen, sie unter Kontrolle bringen, meine Energie abbauen.
Reisen ist immer eine gute Idee. Und so packte mich das Reisefieber.
Kurzfristig - und hier danke ich einigen sehr speziellen Freunden - habe ich daher beschlossen Urlaub in Dalmatien zu machen. 1500km Straße zwischen hier und dort, genug Stunden auf der Bahn um nachzudenken, zu sortieren, zu ordnen, zu planen.
Kurzfristig frei zu nehmen ist kein Problem. Und so kam es, dass ich schon kurze Zeit nach meinem Entschluss, zu fahren, mein Auto gepackt habe. Bewußt daheim blieb bis auf meine Kamera jede Form von (Kommunikations-) Elektronik: Kein Handy, kein Notebook, nichts. Dafür ein Stapel Bücher und soviel vorweg, ich habe sie alle gelesen.
Es schien, als wolle Gott mir eine gute Reise wünschen, denn noch in Deutschland, kurz nachdem ich NRW verlassen habe, hat er mir einen Gruß zukommen lassen... (1, 2). Vielleicht wußte er ja, dass ich nicht wie Ende 2004 wieder umdrehen würde. Denn schon 2004 habe ich mich auf der Strecke befunden und damals war der Anlass nicht unähnlich, das Ergebnis wäre ein ganz anderes gewesen und ich wäre damals nicht mehr nach Deutschland zurück gekehrt. Witziger Weise ist es im Leben selten so, wie man sich das vorstellt. Was ja - da schließt sich der Kreis - dann auch wieder der Anlass für meine Reise 2008 war.
Ich bin diesmal allerdings eine der Touren nicht am Stück gefahren. Nach Mitternacht bin ich in Österreich auf einen Rastplatz gefahren und habe dort ein paar Stunden geschlafen, denn ich wollte die Alpen im Licht sehen und nicht in der Nacht durchqueren (3). Wo wir gerde von Österreich reden: Die Geschichte mit der Maut macht mich sauer, das ist moderne Wegelagerei. Es reicht ja nicht, Maut für Österreich zu löhnen, an den Tunneln darf man dann gleich nochmal extra bezahlen. Davon ab ist Diesel in Österreich sehr teuer - was mich in dem Fall nicht störte, ich habe erst später tanken müssen.
So war ich also Morgens unterwegs. Zu einer Zeit, zu der vor den Bergen die Sonne schien, zwischen den Bergen aber noch dichter Nebel hing (4)...
Österreich ist nicht sonderlich groß und schon kurz danach fand ich mich kurz vor Slovenien (5). Sprach ich von Wegelagerei? In Slowenien ist man 35 Euro Maut los. Für geschätzt 5km Autobahn. Gut, dafür darf ich jetzt ein halbes Jahr lang so oft ich will durch Slowenien. Ha ha. Dafür ist der Diesel billig (1 Euro 20) und ich habe vollgetankt, auch wenn ich noch nicht tanken mußte. Inzwischen wurde es Mittag, die Sonne fand ihren Weg raus und Völvchen stand kurz am Strassenrand: Slowenien nennt sich "Country of woods" und das nicht ganz zu unrecht. Bäume, Bäume und Bäume, Hügel gesäumt von Bäumen (6).
Einige Stunden später hatte ich dann Zagreb hinter mir gelassen und bin auf dem Weg zum Ziel gewesen. Über Zagreb zu fahren war eine Entscheidung, die ich auf dem Rückweg nicht getroffen habe. Gleichwohl sollten die Vorteile nicht unerwähnt sein, denn mittlerweile kann man (via Zagreb) bis auf ganz kurze Stücke von Deutschland bis an meinen Zielort über gut ausgebaute Autobahnen fahren. Der Nachteil ist, dass die Strecke sehr gerade ist, vor allem in Kroatien sind viele Tunnel gegraben worden, man fährt über keinen Pass mehr. Egal, irgendwann gegen 14 Uhr oder so war ich dann in der Gegend, in die ich wollte (7)... dort ist dann auch das 2. Selbstportrait der Reise entstanden. Völvchen war abgestellt und ich dachte ich zeige der Nachwelt mal, wo ich bin. In dem Rucksack befindet sich alles, was ich mit hatte, wäre es hart auf hart gekommen, hätte ich einfach weiterlaufen können (8)...
Es kam nicht hart auf hart und ich kam in Vodice an, dem Ort in dem ich die nächsten Tage verbringen wollte. Vodice ist ein Ort, der mittlerweile sehr für Touristen, insbesondere Segler (9) optimiert scheint. 2004, in der Zeit die ich aus heutiger Sicht "mein anderes Leben" nenne, war ich schonmal da. Erinnerungen werden wach (10).
Ich mag den Ort und ich habe das Glück, dort immer unterkommen zu können. Ich war nicht im selben Haus wie damals, aber das macht nix. Zu meinem Vergnügen hatten meine Gastgeber eine Tocher (16, 80D) und eine Gastfamilie (Sohn: 17). Es war schon... amüsant die Rituale zu beobachten ;-) Und nein, Fotos gibt es nicht, denn wie ich schon in der Auswahl der Fotos aufgefallen sein dürfte, habe ich mich dieses Jahr sehr, sehr zurück gehalten und wenig Leute fotografiert. Bis auf Claire. Aber zu ihr kommen wir später...
Das Wetter, welches mich erwartet hat, war grandios. Es hat nur in einer einzigen Nacht kurz geregnet, ansonsten war kein Tag unterhalb von 30°, in der Spitze 36° warm (11).
Am ersten Abend wollte mir die Tochter des Hauses den Ort und Sibenik, die Stadt nebenan zeigen. Kann ich zwar beides schon, aber hey warum nicht. Haben und nett unterhalten (auch über... ;-) ) und sie zeigte mir die Gegend. Dabei haben wir auch beschlossen gemeinsam in einen Nationalpark zu fahren. Und so merkwürdig das ist, es ist gut, dass es nie dazu kam, aber auch das ist eine Geschichte für später.
Im Folgenden bestanden meine Tage fast aus sowas wie einem geregelten Ablauf: Da ich im Moment nicht sonderlich viel schlafe, bin ich zumeist morgens schon gegen 6 Uhr Laufen gewesen. Das war auch gut so, denn spätestens um 9 Uhr war es in der Regel um die 30° warm (12). Nicht, dass es Abends viel kühler gewesen wäre... (13)
Aber egal, mir macht das nix aus und ich habe mich einfach angepasst. Meist bin ich morgens gegen 9 oder halb 10 kurz auf dem Minimarkt (14) von Vodice gewesen, habe mich da mit ordentlich Obst eingedeckt und bin dann in meine Lieblingsbar zum Kaffeetrinken eingekehrt ((15), (16)). Kaffee und ein Glas Wasser für etwa einen Euro. Das ist okay, damit kann man Leben. Die Preise auf dem Markt dort waren allerdings eher an Touristen ausgerichtet. Da war der Markt in Sibenic deutlich günstiger. Allerdings wäre manche Auslage da nix für empfindliche Gemüter gewesen ;-) (17).
Wenn ich Mittags nicht gerade unterwegs war (18), habe ich das gemacht, was ein "normaler Mensch" Mittags dort machen sollte, ein ausgedehntes Nickerchen, eine Siesta... oder man kombiniert das eine und das andere und entspannt zum Beispiel im historischen Kräutergarten einer alten Festung (19)...
Wenn es dann später wurde, die Schatten anfingen länger zu werden, bin ich oft nach Murter gefahren. Einem kleinen Ort auf einer Halbinsel, einige Kilometer entfernt. Dort gibt es keine aufgeschütteten Strände (20), im Grunde kaum Touristen, dafür Pinienwälder (21) und Natur in ihrer rauen Schönheit (22). Dort dann schwimmen, anschließend und davor auf meiner Iso-Matte liegend lesen (die Matte hat die Tour nicht überlebt. Schade, sie hat mich schon in so viele Länder (Polen, Schweiz, Schweden, Kanada, und viele mehr) begleitet, ich werde sie vermissen.
Gegen Abend (23) bin ich dann wieder nach Vodice oder Sibenik gefahren. Leute gucken (24) und dabei habe ich wieder gemerkt, wie egal mir die meisten Menschen sind. Sie sind wie Geister (25): Für mich nicht zu fassen, nicht zu begreifen, ich stehe außerhalb ihrer Welt. Inkompatibel. Wenn das kein Grund ist, den abend in der Bar mit einem Whisky oder zwei ausklingen zu lassen ;-)
Und so gingen die Tage dahin. Ereignislos und schon bald war ich nicht mehr in der Lage, das Datum zu bestimmen. Kurz darauf mußte ich ernsthaft überlegen, welcher Wochentag war. Ich, meine Bücher, das Meer.
Eines Abends sprach mich bei meiner Rückkehr (oft saß die Familie draußen und hat mich zu einem hervorragenden, selbstgekelterten Wein eingeladen) die Tochter an, ob ich nicht am nächsten Morgen mit ihr nach Krka in den Nationalpark fahren mag. Bekannt, berühmt für seine Kaskadenfälle. Geplant war, zwischen 8 und halb 9 aufzubrechen. Und so saß ich um 8 mit ihrer Oma im Garten und trank hervorragenden, türkischen Kaffee. Es wurde halb 9, es wurde Viertel vor. Hab dann mal vorsichtig nachgefragt, die Oma nachgesehen und sie da: Young Miss lag noch im Bett. Halb verschlafen stand sie dann auf dem Balkon und entschuldigte sich wortreich, bat um Aufschub auf den nächsten Tag und so... aber wie ich bin: Ich hatte beschlossen am selben Tag zu fahren, also bin ich einfach ohne sie gefahren. Wäre ich fair, was ich nicht bin, hätte ich hinterher sagen müssen, dass der Tag erst so richtig gut wurde, weil sie eben doch nicht dabei war ;-)
Das spannende an den Wasserfällen ist, dass man vor 11 oder 12 Uhr da gewesen sein sollte. Danach werden Busse voller Touris abgekippt, die sich nicht auskennen, zu doof sind, die schönen Ecken (26) zu finden. Und so war ich durch, als der große Run begann. Eigentlich hätte ich an der Stelle heim fahren können, Stunde pennen und dann wieder ans Meer oder so.
Eigentlich.
Aber manchmal... manchmal spielt das Leben nach seinen eigenen Regeln.
Ich bin an dem Tag mit meinem iPod unterwegs gewesen und habe ein Hörbuch gehört. Einer spontanen Idee folgend bin ich bewußt "falsch" abgebogen und auf eine staubige Piste gelangt, von der ich wußte, dass sie als Sackgasse an einem See (27) endet. Fragt nicht, wieso ich da hin bin, ich weiss es nicht.
Dort saß ein Mädchen, dass ich dann gebeten habe, ein Foto von mir (28) zu machen. Netterweise trug sie auch eine DSLR von Nikon um den Hals (29) :-)
Als ich wieder zurück bin, ist sie auch gerade auf dem Weg gewesen. Wie das so ist, kamen wir ins Gespräch, als wir den staubigen Pfad entlang gingen. Sie kommt aus Irland und ihr Name ist Claire. Als Rucksacktouristin 4 Wochen durch Kroatien, aktueller Ort Sibenik(!).
Sie ist morgens kurz dort gewesen, hat ihre Sachen abgeworfen und ist dann mit dem Bus zum Park. Hat einen anderen Eingang genommen und den richtigen Abzweig verpaßt, deswegen trafen wir uns an der Sackgasse. Ich habe sie dann zur Kreuzung mitgenommen und von dort wollte ich nach Links, zum Völvchen. Sie nach Rechts, zu den Wasserfällen.
"Join me."
"Okay."
Fragt nicht. Manche Dinge passieren einfach und verstehen kann ich mein eigenes Leben bekanntlich schon lange nicht mehr. Falls ich es jemals konnte. Und so habe ich ihr dann die Wasserfälle gezeigt, die voller Menschen waren. Hat ihr erwartungsgemäß nicht gefallen, da waren wir uns wie in anderen Punkten recht schnell einig. Also die Wasserfälle haben schon gefallen. Die Menschenmassen nicht.
Auf dem Weg zu meinem Parkplatz und zum Busplatz sind wir dann zu Fuß gegangen. Dafür muss man ja auch nur auf einen Berg und hey, das macht man Mittags doch immer wieder gerne ;-) Wie wir so schwitzend und schnaufend den Berg erklommen, habe ich ihr angeboten, sie mitzunehmen, Sibenik lag ja auf dem Weg. Und Völchen mit Klima gegen überfüllten Bus, ich denke das war keine schwere Entscheidung ;-)
Wir sind dann losgefahren und haben uns wahnsinnig gut unterhalten. Über Gott, die Welt und das Nein der Iren zum Reformvertrag der EU. Wie gesagt, viele, viele Dinge auf einer Wellenlänge. Und es kam wie es mußte: ich habe ihr erzählt, was ich weiter vor habe (was kaltes zu Trinken in der Bar, dann ein Eis, dann ans Meer, Abends was essen) und wir haben beschlossen, den Tag gemeinsam zu verbringen. Und so kam es. Erst Vodice (Bar), dann Eis, dann ab ans Meer. Schwimmen und im Schatten liegen. Sie hat einen Hund.
"Do you know them?"
"No"
"You know Santas Little Helper?"
"Yes"
"Like him!"
"OhhhhH"
Außerdem macht sie gerade ihren PhD in Bio (wow... mit 24!) und geht danach für ein paar Monate in eine arktische Forschungsstation... man faßt es ja gar nicht. Naja, die Zeit verflog und wir haben uns aufgemacht, zurück zu fahren. Erst zu mir, ich habe schnell geduscht, während sie mit meiner Kamera im Völvchen saß und sich meine Fotos angeschaut hat. Dann nach Sibenik, wo sie schnell im Hotel verschwand und als Julia Roberts (schaut auf den Mund! (30)) wiederkam.
Zusammen sind wir dann durch die Stadt, die wunderschönen Kirchen bestaunen (leider darf man in denen nicht knipsen) und dann in einer der winzigen Gassen in einem winzigen Restaurant was essen (31).
Ist es unglaublich, wie vertraut einem Menschen sein können, die man gar nicht kennt? Sie weiss meinen Namen. Ich kenne ihren und wir haben auch eMail-Adressen getauscht. Und doch herrschte von Anfang an zwischen uns eine Vertrautheit, als würden wir uns seit Jahrhunderten kennen (32). Verrückt.
Der Tag ging vorbei. Irgendwann gingen wir getrennte Wege und auch wenn ich demnächst nach UK fliegen werde und sie im Dezember sogar in Berlin sein wird, ist eigentlich klar, dass wir uns nie wieder sehen. Und so kamen die Tränen. Verrückt oder? Wir waren nichtmal im Bett miteinander, das hätte den Abend völlig zerstört. Wir lieben uns nicht, wir kennen uns nichtmal und doch ist an dem Tag mit uns beiden etwas passiert, was ihre Augen in großen, kullerenden Tränen zusammengefaßt haben. So ist das Leben und am Ende... all comes down to one day.
Da ich wußte, dass nach dem Tag nichts mehr war wie vorher, hat auch Bleiben keinen Sinn mehr gemacht. Ich bin dann noch ein paar Stunden in meinem Zimmer gewesen, dann habe ich geapackt und als die ersten Sonnenstrahlen den Nebel teilten, der sich über das Land und die Täler gelegt hatte (33), war ich schon 100km von Vodice und Sibenik entfernt. Diesmal nicht via Zagreb, sondern die harte Tour, quer durch das Land, durch die Berge, über Pässe, enge Kurven hinauf und hinab, das Leben, das Land, die Welt geniessen (34).
Auf diesem Rückweg bin ich kurz in München vorbei. Anna besuchen, die leider nicht da war. Zwischen Anna und mir ist vieles ungesagt geblieben, dass vielleicht gesagt werden sollte. Wir haben es später am Telefon nachgeholt.
Seit ich wieder zu Hause bin, ist viel passiert. Ich habe lange mit Sabine telefoniert, fast so lange mit Janine und viel, viel länger mit Kari. Gespräche die unheimlich schön, manchmal unschön und vielleicht längst überfällig waren. Vieles ist gesagt worden, dass schon längst mal hätte gesagt werden müssen: wie wichtig besonders Sabine mir ist, wie unverzichtbar Janine in meinem Leben wurde und wie gern ich Kari inzwischen mag. Keine von den genannten ist mit mir ein einer Beziehung die über Freundschaft hinaus geht oder war es jemals. Keine von den Drei wird es vermutlich jemals sein (Sabine ist glücklich verheiratet, Janine ist glücklich unverheiratete Mama und Kari ist eben Kari ;-) ) und doch sind sie... so wahnsinnig wichtig für mich. Gestern abend kam dann das Asti (sie hat im StudiVZ Fotos von mir und mit mir eingestellt... eigentlich sollte ich sie nicht mehr mögen :-P ) und wir haben uns unterhalten, bis ich mitten in der Unterhaltung eingeschlafen bin. Aber auch das fühlte sich... richtig an. Und um das Ganze abzurunden, hat sich Anne gemeldet. Wir gehen gleich essen, was trinekn und ich freue mich sehr auf sie. Denn auch Anne ist vor einiger Zeit einfach in meinem Leben aufgetaucht und seit dem unverzichtbarer Teil.
Die Wut und die Verzweiflung die mich bewogen hat zu fahren, wurde zu einer tiefen Dankbarkeit für die Menschen, die ich um mich herum habe. Gestern wurde mir ein Link gegeben zu einer Website eines Freundes. Dort ist sein Abschiedsbrief zu lesen und ich werde als einer der Menschen erwähnt, die eine wichtige Rolle in seinem Leben spielten. Wohl nicht wichtig genug um nicht doch zu versuchen, sich aus der Schöpfung zu entfernen. Aber das zu lesen, die Gespräche und die Erinnerungen an einen unglaublich ungewöhnlichen Tag mit Claire haben, relativiert all den Frust und macht mir klar, dass es keinen Sinn macht, sich in irgendeiner Form mit solchen Dingen aufzuhalten. Das Leben ist zu kurz, Freundschaften zu kostbar.
Ein wunderbarer Mensch ist hier ungenannt. Nicht, weil sie nicht Teil des Ganzen wäre. Aber weil sie nicht weiss, wo sie steht, wo sie hingehört. Vielleicht findet sie ihren Platz im Leben und ich hoffe sehr, dass sie glücklich wird. Vielleicht kreuzen sich ihr und mein Leben wieder, vielleicht gehen wir einen Teil des Weges wieder gemeinsam und vielleicht erzähle ich Euch eines Tages mehr von ihr. Aber ihr Weg wurde vor meiner Reise zu einem Weg weg von mir. Was sehr schade ist, denn all das hier würde ich zu gerne mit ihr teilen. Auf die eine oder andere Art und Weise, aber dafür ist es notwendig, dass sie erst zu sich findet.
Stefan,
13. Juli 2008
unkreativ.net - 13. Jul, 14:18

