Märchenonkeltante
Scheisse, Laufen geht heute nicht. Kann meinen Kopf nicht frei machen, humpel durch die Gegend und lass es besser einfach sein. Statt dessen kann ich Euch ja eine Geschichte erzählen.
Ich hatte erst überlegt, Euch von den Häschen zu erzählen, aber das war mir zu real, zu nah dran. Statt dessen werde ich Euch eine frei erfundenen und noch nicht zu Ende gedachte Geschichte erzählen. Das sie frei erfunden ist und keinerlei Ähnlichkeit mit lebenden Ereignissen oder geschehenen Personen hat, merkt Ihr schon daran, dass ich diesmal eine Frau bin. Und was für eine!
Erlaubt mir, dass ich mich kurz vorstelle. Ich bin eine Frau der Zukunft. Derzeit in dem Alter, in dem ich mich vermehren sollte, aber als Frau der Zukunft bin ich bereits mit optischen und akustischen Features ausgestattet, für die die Männer dieser Gesellschaft noch nicht bereit sind. Also paare ich mich derzeit nicht, deswegen gucke ich auch immer ein bißchen komisch.
Ist aber nicht schlimm, weil ich gleiche das einfach damit aus, dass ich EureFührerin Führungsperson bin. Quasi das Alphaweibchen. Und ich sag Euch, das ist wirklich nicht leicht. Aber ich bin die Alpha! Für meine Freunde kurz: die A!
Früher habe ich in einer Dikatur gelebt. Das fand ich irgendwie cool. Deswegen würde ich meinen eigenen Stil auch - geprägt durch meine Kindheit - mit christlichkonservativ, diktatorisch und unsozial beschreiben. Ihr müßt das verstehen, ich muss mich halt durchsetzen, jetzt wo die Zeit vorbei ist, in der ich zu meinem Mentor lieb sein mußte.
Dass ich Euer Alphaweibchen bin, das war schon eine lustige Geschichte. Ich hatte einen männlichen Gegner und obwohl der wegen seiner biologischen Beschränktheit kein ernstes Problem sein sollte, wurde es eines.
Wißt Ihr, mein großes Vorbild, der Diktator der westlichen neuen Welt hat es da einfacher. Sein Volk scheint ein wenig dümmer zu sein, als meine Schafe. Aber selbst wenn sie schlauer wären: das dortige System zur Findung der Herrschenden ist einfach so, dass garantiert der Chef wird, der soll. Das war früher bei mir daheim auch so, hier in dieser komischen Welt ist das leider nicht so einfach. Also mußte ich gegen ihn antreten. Eigentlich lächerlich.
Ich habe dann natürlich gewonnen, aber bewußt nur hauchdünn. Die Geschichte zeigt, dass es vielleicht nicht klug gewesen wäre, die 99,x % - Wahlergebnisse meiner Vorfahren zu kopieren. Womit ich nicht gerechnet habe, war die Hartnäckigkeit, mit der mein Widersacher präsent blieb. Erst das Einschalten eines gemeinsamen Bekannten in Moskau und ein Angebot auf die bekannte russische Art, der man einfach nicht entsagen kann, sorgte dafür, dass dieses Wesen minderer Qualität von der Bühne entschwand. Nach Russland *hä hä hä*
Das nächste, was ich gerne machen würde wäre, eine Kontrolle aufzubauen, wie damals daheim. Bei der ich alles weiss und niemand mir was kann. Mein Vorbild macht das ja schon. Der hört einfach mal Telefonate mit oder beginnt Kriege oder versenkt mit seiner göttlichen Macht einen Sündenpfuhl im Süden seines Reiches im Wasser. Der ist gut. Der kann das. Und niemand muckt auf.
Eines meiner Probleme sind aber die dummen Weinbauern, die nebenan wohnen. Die gehen mit schlechtem Beispiel voran und ihr Chef, ein Freund von mir, traut sich einfach nicht, in den Randbezirken mit einer kleinen, aber feinen Atombombe ein für alle Mal Ruhe zu stiften. Nein, der läßt zu, dass das Volk aufbegehrt und der Mob sich sogar teilweise durchsetzen kann. Sowas darf hier natürlich nicht passieren.
Gut ist, dass meine Schafe so fett und faul sind. Das schlägt auch irgendwie auf's Hirn, macht sie langsam. Als ich damals die erste Stufe meines Masterplans Super Tolle Aussicht auf Sicheres Interessenwahren zündete, waren die Proteste minimal. Ich habe damals begonnen, die Reisepässe mit so kleinen süssen Dingern zu versehen, die mir alles sagen, ohne das ich den Leuten in die Tasche gucken muss. Und dem arbeitslosen Pack habe ich einfach erstmal alles weggenommen (und das nach einem tollen Urlaubsgebiet nahe meiner alten Heimat benannt) und sie zudem mit so unsinnigen Aufgaben zugepflastert, dass die gar keine Zeit mehr haben, auf dumme Ideen zu kommen. Die arbeitende Bevölkerung wird ja Gott-Sei-Dank von den Unternehmern in Schach gehalten. Da mußte ich mich nicht drum kümmern.
Jetzt habe ich aber großes vor gehabt. Ich wollte unbedingt auch alles über meine Deppen wissen und zudem zum Beispiel immer alles im TV verfolgen können, was die machen. Ich hatte aber Angst, dass die vielleicht doch nicht so dumm sind und den Braten riechen und dann doch... aufmucken. Und ich darf ja leider - wieder im Gegensatz zu meinem Vorbild - meine Armee nicht hier drinnen zum Aufräumen benutzen.
Also habe ich erstmal eine Weile gemacht, was alle guten Herrscher machen: nichts. Ich habe die Dinge einfach laufen lassen und auf den optimalen Moment gewartet.
Und dann, wie immer wenn man es am wenigsten erwartet, kam die Hilfe, die ich mir nie erträumt hätte. Sie kam - natürlich - aus dem Land des Bergkäses und der Schokolade.
Ein superreiches Männchen dort wollte noch ein wenig reicher werden. Und er hatte eine geniale Idee, wie er reicher und ich mächtiger werden könnte. Und er hat mir folgenden Vorschlag unterbreitet:
Er veranstaltet eine riesen Zirkusshow hier bei mir im Land. In deren Schatten werden wir mit fiktivem Terrorismus die Leute dazu bringen, uns alles über sich zu sagen und nebenbei, nur zur Sicherheit, auch viele Kameras installieren. Die lassen wir dann hinterher einfach da. Merkt schon niemand. Und das Beste: ich muss das nichtmal selber bezahlen und er auch nicht, das machen die Deppen unter mir.
Jetzt war nur noch ein Problem: Gerüchteweise war mein Volk noch nicht dumm und fett genug, um wirklich ruhig zu bleiben, während wir die Vorkerhrungen für meinen Masterplan und seine Reichtumsvermehrung treffen. Also sprach ich mit einem Freund von mir, der als Industrieller Händler gute Erfahrungen im Unterdrücken und Ausbeuten von Menschen hat. Und der wußte wirklich Rat: Zusammen mit einem Freund und Experten für Bildhafte Gehirnwäschen entwarfen sie das Programm "noch fetter und dümmer". Dazu verteilten sie fast geschenkt Bier gegen die Hirnzellen und Naschkram für's verfetten. Und eine Fahne zum spielen. So sitzen jetzt also alle Deppen besoffen, fressend und fähnschen schwingend vor dem TV und schauen Zirkus. Und jeder der zuschut, macht meinen Freund noch ein wenig reicher.
Übrigens, der wollte nur eine garantierte Sicherheit haben. Und das war voll okay. Zum einen interessiert es niemanden, wofür ich meine grüne Minna wie lange einsetze und die Kosten dafür und für die Steuergeschenke an die Zirkusbetreiber habe ich auch eine Lösung gefunden: ich erhöhe einfach die Märchensteuer um ein paar Prozent. Das merken die zwar, aber so fett und doof, wie die mittlerweile sind, kann ich denen das sogar als wirtschaftlich sinnvoll und dringend nötig verkaufen. Damit die Grünen übrigens mitmachen, habe ich denen auch was angeboten: Erstens freien Aggressionsabbau und zweitens dürfen die sich, wenn Bedarf besteht, ab und an ein Mädel ausziehen. Und Ihr wißt ja: Sex sells und wenn die Hormone diktieren, machen die Männchen schon, was ich will.
Und so, meine lieben Freunde, bekommen alle was sie wollen: Mein Freund aus der Schweiz viel Geld, ich ein überwachtes und schön braves Volk dummer und fetter Schafe und Ihr bekommt genau das, was Ihr verdient: nichts. Allenfalls was auf's Fressbrett von der grünen Minna, wenn Ihr nicht spurt.
Und wißt Ihr, irgendwie bin ich Euch dankbar. Ohne Euch wäre ich nichts. Wenn doch nur damals, '89 schon der Retter aus der Schweiz geholfen hätte, vielleicht wäre heute dann vieles nicht so kompliziert für mich, vielleicht hätte meine alte Heimat dann irgendwann meine neue Heimat einfach gekauft, erobert oder von einem Hedgefond zerlegen lassen. Aber wie dem auch sei, Ihr meine treuen Vasallen, macht es mir so leicht, wie nur eben möglich, hier meinen Führungsanspruch nachzukommen.
Danke.
Ich hatte erst überlegt, Euch von den Häschen zu erzählen, aber das war mir zu real, zu nah dran. Statt dessen werde ich Euch eine frei erfundenen und noch nicht zu Ende gedachte Geschichte erzählen. Das sie frei erfunden ist und keinerlei Ähnlichkeit mit lebenden Ereignissen oder geschehenen Personen hat, merkt Ihr schon daran, dass ich diesmal eine Frau bin. Und was für eine!
Erlaubt mir, dass ich mich kurz vorstelle. Ich bin eine Frau der Zukunft. Derzeit in dem Alter, in dem ich mich vermehren sollte, aber als Frau der Zukunft bin ich bereits mit optischen und akustischen Features ausgestattet, für die die Männer dieser Gesellschaft noch nicht bereit sind. Also paare ich mich derzeit nicht, deswegen gucke ich auch immer ein bißchen komisch.
Ist aber nicht schlimm, weil ich gleiche das einfach damit aus, dass ich Eure
Früher habe ich in einer Dikatur gelebt. Das fand ich irgendwie cool. Deswegen würde ich meinen eigenen Stil auch - geprägt durch meine Kindheit - mit christlichkonservativ, diktatorisch und unsozial beschreiben. Ihr müßt das verstehen, ich muss mich halt durchsetzen, jetzt wo die Zeit vorbei ist, in der ich zu meinem Mentor lieb sein mußte.
Dass ich Euer Alphaweibchen bin, das war schon eine lustige Geschichte. Ich hatte einen männlichen Gegner und obwohl der wegen seiner biologischen Beschränktheit kein ernstes Problem sein sollte, wurde es eines.
Wißt Ihr, mein großes Vorbild, der Diktator der westlichen neuen Welt hat es da einfacher. Sein Volk scheint ein wenig dümmer zu sein, als meine Schafe. Aber selbst wenn sie schlauer wären: das dortige System zur Findung der Herrschenden ist einfach so, dass garantiert der Chef wird, der soll. Das war früher bei mir daheim auch so, hier in dieser komischen Welt ist das leider nicht so einfach. Also mußte ich gegen ihn antreten. Eigentlich lächerlich.
Ich habe dann natürlich gewonnen, aber bewußt nur hauchdünn. Die Geschichte zeigt, dass es vielleicht nicht klug gewesen wäre, die 99,x % - Wahlergebnisse meiner Vorfahren zu kopieren. Womit ich nicht gerechnet habe, war die Hartnäckigkeit, mit der mein Widersacher präsent blieb. Erst das Einschalten eines gemeinsamen Bekannten in Moskau und ein Angebot auf die bekannte russische Art, der man einfach nicht entsagen kann, sorgte dafür, dass dieses Wesen minderer Qualität von der Bühne entschwand. Nach Russland *hä hä hä*
Das nächste, was ich gerne machen würde wäre, eine Kontrolle aufzubauen, wie damals daheim. Bei der ich alles weiss und niemand mir was kann. Mein Vorbild macht das ja schon. Der hört einfach mal Telefonate mit oder beginnt Kriege oder versenkt mit seiner göttlichen Macht einen Sündenpfuhl im Süden seines Reiches im Wasser. Der ist gut. Der kann das. Und niemand muckt auf.
Eines meiner Probleme sind aber die dummen Weinbauern, die nebenan wohnen. Die gehen mit schlechtem Beispiel voran und ihr Chef, ein Freund von mir, traut sich einfach nicht, in den Randbezirken mit einer kleinen, aber feinen Atombombe ein für alle Mal Ruhe zu stiften. Nein, der läßt zu, dass das Volk aufbegehrt und der Mob sich sogar teilweise durchsetzen kann. Sowas darf hier natürlich nicht passieren.
Gut ist, dass meine Schafe so fett und faul sind. Das schlägt auch irgendwie auf's Hirn, macht sie langsam. Als ich damals die erste Stufe meines Masterplans Super Tolle Aussicht auf Sicheres Interessenwahren zündete, waren die Proteste minimal. Ich habe damals begonnen, die Reisepässe mit so kleinen süssen Dingern zu versehen, die mir alles sagen, ohne das ich den Leuten in die Tasche gucken muss. Und dem arbeitslosen Pack habe ich einfach erstmal alles weggenommen (und das nach einem tollen Urlaubsgebiet nahe meiner alten Heimat benannt) und sie zudem mit so unsinnigen Aufgaben zugepflastert, dass die gar keine Zeit mehr haben, auf dumme Ideen zu kommen. Die arbeitende Bevölkerung wird ja Gott-Sei-Dank von den Unternehmern in Schach gehalten. Da mußte ich mich nicht drum kümmern.
Jetzt habe ich aber großes vor gehabt. Ich wollte unbedingt auch alles über meine Deppen wissen und zudem zum Beispiel immer alles im TV verfolgen können, was die machen. Ich hatte aber Angst, dass die vielleicht doch nicht so dumm sind und den Braten riechen und dann doch... aufmucken. Und ich darf ja leider - wieder im Gegensatz zu meinem Vorbild - meine Armee nicht hier drinnen zum Aufräumen benutzen.
Also habe ich erstmal eine Weile gemacht, was alle guten Herrscher machen: nichts. Ich habe die Dinge einfach laufen lassen und auf den optimalen Moment gewartet.
Und dann, wie immer wenn man es am wenigsten erwartet, kam die Hilfe, die ich mir nie erträumt hätte. Sie kam - natürlich - aus dem Land des Bergkäses und der Schokolade.
Ein superreiches Männchen dort wollte noch ein wenig reicher werden. Und er hatte eine geniale Idee, wie er reicher und ich mächtiger werden könnte. Und er hat mir folgenden Vorschlag unterbreitet:
Er veranstaltet eine riesen Zirkusshow hier bei mir im Land. In deren Schatten werden wir mit fiktivem Terrorismus die Leute dazu bringen, uns alles über sich zu sagen und nebenbei, nur zur Sicherheit, auch viele Kameras installieren. Die lassen wir dann hinterher einfach da. Merkt schon niemand. Und das Beste: ich muss das nichtmal selber bezahlen und er auch nicht, das machen die Deppen unter mir.
Jetzt war nur noch ein Problem: Gerüchteweise war mein Volk noch nicht dumm und fett genug, um wirklich ruhig zu bleiben, während wir die Vorkerhrungen für meinen Masterplan und seine Reichtumsvermehrung treffen. Also sprach ich mit einem Freund von mir, der als Industrieller Händler gute Erfahrungen im Unterdrücken und Ausbeuten von Menschen hat. Und der wußte wirklich Rat: Zusammen mit einem Freund und Experten für Bildhafte Gehirnwäschen entwarfen sie das Programm "noch fetter und dümmer". Dazu verteilten sie fast geschenkt Bier gegen die Hirnzellen und Naschkram für's verfetten. Und eine Fahne zum spielen. So sitzen jetzt also alle Deppen besoffen, fressend und fähnschen schwingend vor dem TV und schauen Zirkus. Und jeder der zuschut, macht meinen Freund noch ein wenig reicher.
Übrigens, der wollte nur eine garantierte Sicherheit haben. Und das war voll okay. Zum einen interessiert es niemanden, wofür ich meine grüne Minna wie lange einsetze und die Kosten dafür und für die Steuergeschenke an die Zirkusbetreiber habe ich auch eine Lösung gefunden: ich erhöhe einfach die Märchensteuer um ein paar Prozent. Das merken die zwar, aber so fett und doof, wie die mittlerweile sind, kann ich denen das sogar als wirtschaftlich sinnvoll und dringend nötig verkaufen. Damit die Grünen übrigens mitmachen, habe ich denen auch was angeboten: Erstens freien Aggressionsabbau und zweitens dürfen die sich, wenn Bedarf besteht, ab und an ein Mädel ausziehen. Und Ihr wißt ja: Sex sells und wenn die Hormone diktieren, machen die Männchen schon, was ich will.
Und so, meine lieben Freunde, bekommen alle was sie wollen: Mein Freund aus der Schweiz viel Geld, ich ein überwachtes und schön braves Volk dummer und fetter Schafe und Ihr bekommt genau das, was Ihr verdient: nichts. Allenfalls was auf's Fressbrett von der grünen Minna, wenn Ihr nicht spurt.
Und wißt Ihr, irgendwie bin ich Euch dankbar. Ohne Euch wäre ich nichts. Wenn doch nur damals, '89 schon der Retter aus der Schweiz geholfen hätte, vielleicht wäre heute dann vieles nicht so kompliziert für mich, vielleicht hätte meine alte Heimat dann irgendwann meine neue Heimat einfach gekauft, erobert oder von einem Hedgefond zerlegen lassen. Aber wie dem auch sei, Ihr meine treuen Vasallen, macht es mir so leicht, wie nur eben möglich, hier meinen Führungsanspruch nachzukommen.
Danke.
unkreativ.net - 9. Jun, 19:33


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