vom Helfen und Helfen lassen
***DISCLAIMER: Der folgende Text ist aus Lebenserfahrung und meiner Zeit beim DRK / Katastrophenschutz und aus meiner Erfahrung als Ersthelfer bei meinem Brötchengeber entstanden UND KEINE RECHTSVERBINDLICHE Aussage. Es ist lediglich meine Meinung!
Mein Beitrag über die Ü-Eier hat mehr Resonaz hervorgerufen, als ich dachte. Vor allem bin ich, und das hatte ich nu so gar nicht erwartet, auch neben dem Blog viel angesprochen worden.
Größte Gemeinsamkeit bei den Gesprächen war die Unsicherheit. Das "was soll ich tun", das "ich weiss doch gar nicht wie das geht", das "ich mache bestimmt was falsch".
Vielleicht daher mal ein paar Worte aus Erfahrung. Bitte nicht als Anleitung für Erste Hilfe verstehen - dafür gibt es Kurse die jeder von Euch regelmäßig besuchen sollte. Und nicht nur vor dem Führerschein.
Fangen wir mal mit dem Wichtigsten an: nichts kann so falsch sein, wie nichts zu tun. Ehrlich. Und während man niemals dafür bestraft werden kann, wenn man jemandem geholfen hat, kann man sehr wohl bestraft werden, wenn man es nicht macht. (§323c STGB).
Während man also für die "Unterlassene Hilfeleistung" zur Rechenschaft gezogen werden kann, steht man als Helfer relativ gut da. Die Rechtsprechung geht in der Regel davon aus, dass ein Schaden der DURCH die Hilfeleistung enstanden ist i.d.R. deutlich weniger stark bewertet wird, als die geleistete Hilfe. Weiterhin werden die Schäden an eigenem Hab und Gut (z.B. Reinigungskosten, wenn Du ein blutendes Opfer im Winter in Dein Auto setzt, damit es warm ist und Dir dabei die Sitze beschädigt oder versaut werden) kann man dem Opfer gegenüber, bzw. dessen Versicherung gegenüber geltend machen!
Ein schönes Beispiel steht in dem oben verlinkten Wikipedia-Artikel: Was passiert, wenn Ihr jemanden bewegt (stabile Seitenlage) und er wegen einer Wirbelverletzung hinterher gelähmt ist?
Abgesehen von der Frage, ob er nicht auch so gelähmt gewesen wäre, wird Euch niemals jemand wegen Körperverletzung belangen, denn ohne Eure Hilfe wäre der andere möglicherweise verstorben. Auch der Betroffene selbst stünde in einer sehr schwachen Position, wenn er Euch für Eure Hilfe haftbar machen wollen würde.
Aber verlassen wir ganz schnell wieder das theoretische Konstrukt des Rechts und konzentrieren wir uns auf einen ganz einfach Fakt:
Wenn Ihr einen Unfall habt,
erwartet, erhofft Ihr
schnelle Hilfe!
Und das gilt für jeden. Und jeder kann helfen.
Dabei gehe ich nicht davon aus, dass Ihr noch wißt, wie das mit der stabilen Seitenlage geht. Oder eine Herz-Kreislauf-Aufrechterhaltung (es ist ja keine, wie oft angenommene, "Wiederbelebung, niemand bei dem Ihr pumpt wird irgendwann wie im TV die Augen wieder öffnen, ohne das ein Notarzt weitere Maßnahmen getroffen hat!).
Vor allem die können übrigens die wenigsten, die meisten würden viel zu langsam pumpen. Aber wie oft kommt man in eine Situation, in der man sowas braucht?
Also schauen wir uns mal einen "normalen" Unfall an, wie er Euch tagtäglich begegnen kann: Im Straßenverkehr.
Nehmen wir an, jemand hat sich mit seinem Auto auf der Autobahn abgeschossen. Ihr kommt, Ihr seht. Und dann: bitte, bitte, bitte, reagiert!
1) Anhalten: Sofern möglich haltet HINTER dem Unfall-Fahrzeug und SO WEIT AM RAND wie eben möglich. Schaltet das Licht ein, sofern es nicht an ist und die Warnblinker. Im Fahrzeugraum sollten sich IMMER eine Warnweste und eine starke Taschenlampe mit geladenen Batterien befinden. Auch Tags IMMER mit Weste austeigen, das erhöht die Sichtbarkeit dramatisch.
Nachts IMMER mit eingeschalteter Lampe aussteigen und die Lampe in Richtung Verkehr "schwingen".
Macht Euch SICHTBAR.
Nehmt das Handy mit und, sofern möglich ein Ü-Ei. Geht zum Auto / den Unfallopfern und zieht unterwegs die Handschuhe an.
Oft halten andere Fahrzeuge, sobald der Erste da ist. Also wenn keiner da ist, sei DU der Erste.
2) Überblick verschaffen: Zur Unfallstelle und einen Überblick verschaffen. Wie stark ist das Fahrzeug beschädigt. Wie viele Personen sind betroffen? Ist irgendwo ein Kind oder ein Kindersitz? Sind die Personen ansprechbar?
Wenn ja, sie sollen bleiben wo sie sind. Aber sprich mit Ihnen! Sag Ihnen, das Du die Unfallstelle absicherst und Hilfe unterwegs ist. Lüg sie an, sag ihnen, das alles gut wird, alles halb so schlimm aussieht.
Wenn die Personen nicht ansprechbar sind, hat deren Hilfe unbedingten Vorrang, auch vor dem nächsten Absatz. Der kommt dann erst, wenn Du sicher sein kannst, dass sie so liegen, dass sie in den nächsten Minuten nicht ersticken.
Dann geht es zurück zu Deinem Auto. Auf dem Weg wählst Du die 110 oder die 112, letzteres ist in quasi allen europäischen Staaten die einheitliche Notrufnummer für Mobiltelefone.
Der Notrufzentrale mußt Du folgendes mitteilen: WO bist Du? Wenn es eine Autobahn ist, in welche Richtung? Kannst Du ein kleines blaues Schild mit einer KM-Markierung sehen? Um so genauer Du die Stelle benennen kannst, um so schneller nehmen Dir Profis die Hilfe ab.
Dann: Wenn Du die "Personenschäden" selber beurteilen kannst, bestellst Du einen Rettungswagen und ggf. einen Notarzt. Wenn Du nicht sicher bist, Angst hast oder nicht glaubst, Verletzungen beurteilen zu können, wenn Kinder, Motorradfahrer, bewußtlose Personen oder viel Blut im Spiel sind, fordere IMMER einen Notarzt an. Auch, wenn die Unfallopfer keinen Arzt oder Krankenwagen wollen: denk daran das Menschen unter Schock stehend komisch sein können. Oftmals hat man auch als Opfer Angst vor einer "unnötigen" Alarmierung des RTW und vielleicht vor Kosten die entstehen könnten. Glaubt mir, ich habe schon Leute gesehen, die fast tot waren und keinen Artz sehen wollten.
Die Polizei kommt eh, wenn das Fahrzeug schwer beschädigt ist, bittet auch um die Feuerwehr. Die muss nicht unbedingt jemand aus dem Fahrzeug schneiden, es reicht schon Umweltschäden durch auslaufendes Öl / Treibstoff zu verhindern.
Jeder der bei der ersten Alamierung ausrückt ist schneller da als jemand, der erst nachträglich angefordert werden muss.
Lass bei einem größeren Schaden gleich einen Schlepper mit Kran mitkommen :-D Wenn Du ein Headset hast, halte die Leitung offen, sag dem Menschen an der Leitstelle, was Du machst. Da sitzen Profis, die können Dir helfen, zuhören, Rat geben!
Wenn der Notruf raus ist, gibt es 2 Möglichkeiten: a) jemand anders ist eingetroffen, den DU verdonnerst, das Warndreieck aufzustellen. Und zwar weit weg, mindestens 50-100 Meter! Wenn er das gemacht hat, soll er darauf achten, das die Autos in Bewegung bleiben. Versucht einen Gafferstau zu vermeiden, bzw. den Anfahrtsweg für Rettungskräfte frei zu halten! Wenn der Unfall mitten auf der Bahn ist, winkt die Autos auf der BREITEREN Seite an Euch vorbei.
Möglichkeit b bedeutet, dass Du das machen mußt. In dem Fall hoffe ich, dass Du schon mal nachgesehen hast, wo das Dreieck ist und wie das geht. Wenn ein Stau entsteht, geh zum ersten STEHENDEN Fahrzeug (NIEMALS versuchen eines Anzuhalten!) und sprich den Fahrer an. Mach ihn durch direktes ansprechen zu einem Mithelfer, mach im klar, dass es sein verdammter Job ist, eine Gasse für den Rettungsdienst frei zu bekommen. Wie ist sein Problem ;-)
Denn die Zeit arbeitet gegen Dich, jede Sekunde die ein Unfallopfer alleine ist, ist eine Ewigkeit. Und gerade beim ersten Mal gehen die Hüllen der Dreiecke oft nur sehr schwer auf, das Aufstellen ist oft... tricky.
Dann schnappst Du Dir den Erste-Hilfe-Kasten und zurück. Du weißt doch, wo der ist, oder?
Sind andere Helfer dabei, sollen die am RAND bleiben, einer soll auf Blaulicht achten und dann durch Westenschwenken (vom RAND! Niemals vom weissen Streifen aus!), Lampenschwenken im Dunkeln auf die Stelle aufmerksam machen und die Rettungskräfte einweisen.
3) First Aid, wichtigste Regel: Du kannst nichts falsch machen!
Jede Hilfe ist erstmal eine Hilfe. Schon der Notruf ist ja mehr, als die meisten Idioten machen, die gaffend an Euch vorbei fahren.
Ist jemand bewußtlos, wäre es schön wenn Dir klar ist, wie man jemandem aus einem Fahrzeug bergen kann und wie das mit der stabilen Seitenlage geht. Im Zweifel einfach aus dem Auto zerren und dann merken, dass er noch angeschnallt ist ;-)
Es ist nicht schlimm, jemandem einen Arm zu brechen. Es ist schlimm, jemanden ersticken zu lassen.
Ein Sonderfall sind Motorradfahrer: Was ist mit dem Helm? Allgemein gilt: der Helm muss runter! Die Gefahr das das Opfer erstickt ist größer als die, bei einem Wirbelschaden noch mehr kaputt zu machen.
Wenn die Leute bei Bewußtsein sind - und das ist der größte Teil, dann rede mit ihnen. Was tut weh? Wie heissen sie, woher und wohin und so weiter. Lenk ab.
Wenn die verunfallte Person laufen kann, setz sie in Dein Auto, deck sie warm zu (Jacke? Decke im Kofferraum?) und lass die Heizung laufen.
Kann die Person nicht laufen und der ist ohnmächtig: Sofort warmhalten, ggf. mit 2 Rettungsdecken: Das sind die "Alufolien" im Erste-Hilfepack: Eine unten drunter, eine zum abdecken.
Wunden mußt Du nicht verbinden können, Brüche nicht schienen können. Offene Wunden mit einer Wundauflage abdecken reicht meistens, bis die Retter vor Ort sind. Starke Blutungen sollte man wie im Erste-Hilfe-Kurs gelernt mit einem Pressverband versehen. Wenn Du nicht mehr weißt, wie das geht, zu nervös bist: unter 110 / 112 kann man Dir helfen.
Wenn die Polizei kommt, die zumeist als erstes vor Ort sind, geh auf sie zu. Gib Dich als Helfer zu erkennen, begrüße sie mit Handschlag. Wer es nicht kennt, weiss nicht, wie beruhigend es sein kann, nur kurz die Hand einer "Autorität" zu spüren, die Dir die Last der Verantwortung abnimmt.
Versuche möglichst genau zu berichten: Seit wann bist Du da, hast Du den Notruf getätigt, wie viele Verletzte, hast Du eine ungefähre Vorstellung von den Verletzungen udn Verletzten wie z.B. Bewußtlosigkeiten oder Kinder? Sind die Personen ansprechbar? Hast Du den eigentlichen Unfall gesehen?
Im weiteren Verlauf will die Polizei noch Deine persönlichen Daten haben. Meistens trifft dann schon der Rettungswagen ein und übernimmt.
Und jetzt wird es ganz, ganz wichtig: Wenn man Dich wegschickt, fährst Du nur bis zur nächsten Abfahrt, Parkplatz oder Rastplatz. Dann machst Du den Wagen aus und wartest. Bis das Zittern kommt. Und wieder geht. Das ist normal, wenn Dein Körper den Adrenalinspiegel senkt, kann aber gefährlich werden. Und glaub mir, selbst routinierte Helfer kennen das!
Im Grunde ist das alles recht einfach, schwer ist es die Angst zu überwinden. Und glaubt mir, egal wie oft man trainiert: es geht einem immer auch persönlich an die Nieren. Aber denkt immer daran: Wenn Euch sowas passiert, braucht IHR jemanden, der in der Lage ist, seine Angst zu überwinden.
Und wenn Ihr all das nicht hinbekommt, kein Blut sehen könnt, wie gelähmt seid oder sonstwas, dann ruft um Himmels Willen wenigstens den Notruf an! Denn auch das ist Hilfe.
(Und ehrlich: In den Schulungen für betriebliche Ersthelfer ist das heute der wichtigste Inhalt: Immer und immer wieder klar machen, dass man lieber einmal zu viel den Rettungsdienst ruft, als einmal - nein nicht zu wenig, sondern vielleicht nur zu spät!
Mein Beitrag über die Ü-Eier hat mehr Resonaz hervorgerufen, als ich dachte. Vor allem bin ich, und das hatte ich nu so gar nicht erwartet, auch neben dem Blog viel angesprochen worden.
Größte Gemeinsamkeit bei den Gesprächen war die Unsicherheit. Das "was soll ich tun", das "ich weiss doch gar nicht wie das geht", das "ich mache bestimmt was falsch".
Vielleicht daher mal ein paar Worte aus Erfahrung. Bitte nicht als Anleitung für Erste Hilfe verstehen - dafür gibt es Kurse die jeder von Euch regelmäßig besuchen sollte. Und nicht nur vor dem Führerschein.
Fangen wir mal mit dem Wichtigsten an: nichts kann so falsch sein, wie nichts zu tun. Ehrlich. Und während man niemals dafür bestraft werden kann, wenn man jemandem geholfen hat, kann man sehr wohl bestraft werden, wenn man es nicht macht. (§323c STGB).
Während man also für die "Unterlassene Hilfeleistung" zur Rechenschaft gezogen werden kann, steht man als Helfer relativ gut da. Die Rechtsprechung geht in der Regel davon aus, dass ein Schaden der DURCH die Hilfeleistung enstanden ist i.d.R. deutlich weniger stark bewertet wird, als die geleistete Hilfe. Weiterhin werden die Schäden an eigenem Hab und Gut (z.B. Reinigungskosten, wenn Du ein blutendes Opfer im Winter in Dein Auto setzt, damit es warm ist und Dir dabei die Sitze beschädigt oder versaut werden) kann man dem Opfer gegenüber, bzw. dessen Versicherung gegenüber geltend machen!
Ein schönes Beispiel steht in dem oben verlinkten Wikipedia-Artikel: Was passiert, wenn Ihr jemanden bewegt (stabile Seitenlage) und er wegen einer Wirbelverletzung hinterher gelähmt ist?
Abgesehen von der Frage, ob er nicht auch so gelähmt gewesen wäre, wird Euch niemals jemand wegen Körperverletzung belangen, denn ohne Eure Hilfe wäre der andere möglicherweise verstorben. Auch der Betroffene selbst stünde in einer sehr schwachen Position, wenn er Euch für Eure Hilfe haftbar machen wollen würde.
Aber verlassen wir ganz schnell wieder das theoretische Konstrukt des Rechts und konzentrieren wir uns auf einen ganz einfach Fakt:
erwartet, erhofft Ihr
schnelle Hilfe!
Und das gilt für jeden. Und jeder kann helfen.
Dabei gehe ich nicht davon aus, dass Ihr noch wißt, wie das mit der stabilen Seitenlage geht. Oder eine Herz-Kreislauf-Aufrechterhaltung (es ist ja keine, wie oft angenommene, "Wiederbelebung, niemand bei dem Ihr pumpt wird irgendwann wie im TV die Augen wieder öffnen, ohne das ein Notarzt weitere Maßnahmen getroffen hat!).
Vor allem die können übrigens die wenigsten, die meisten würden viel zu langsam pumpen. Aber wie oft kommt man in eine Situation, in der man sowas braucht?
Also schauen wir uns mal einen "normalen" Unfall an, wie er Euch tagtäglich begegnen kann: Im Straßenverkehr.
Nehmen wir an, jemand hat sich mit seinem Auto auf der Autobahn abgeschossen. Ihr kommt, Ihr seht. Und dann: bitte, bitte, bitte, reagiert!
1) Anhalten: Sofern möglich haltet HINTER dem Unfall-Fahrzeug und SO WEIT AM RAND wie eben möglich. Schaltet das Licht ein, sofern es nicht an ist und die Warnblinker. Im Fahrzeugraum sollten sich IMMER eine Warnweste und eine starke Taschenlampe mit geladenen Batterien befinden. Auch Tags IMMER mit Weste austeigen, das erhöht die Sichtbarkeit dramatisch.
Nachts IMMER mit eingeschalteter Lampe aussteigen und die Lampe in Richtung Verkehr "schwingen".
Macht Euch SICHTBAR.
Nehmt das Handy mit und, sofern möglich ein Ü-Ei. Geht zum Auto / den Unfallopfern und zieht unterwegs die Handschuhe an.
Oft halten andere Fahrzeuge, sobald der Erste da ist. Also wenn keiner da ist, sei DU der Erste.
2) Überblick verschaffen: Zur Unfallstelle und einen Überblick verschaffen. Wie stark ist das Fahrzeug beschädigt. Wie viele Personen sind betroffen? Ist irgendwo ein Kind oder ein Kindersitz? Sind die Personen ansprechbar?
Wenn ja, sie sollen bleiben wo sie sind. Aber sprich mit Ihnen! Sag Ihnen, das Du die Unfallstelle absicherst und Hilfe unterwegs ist. Lüg sie an, sag ihnen, das alles gut wird, alles halb so schlimm aussieht.
Wenn die Personen nicht ansprechbar sind, hat deren Hilfe unbedingten Vorrang, auch vor dem nächsten Absatz. Der kommt dann erst, wenn Du sicher sein kannst, dass sie so liegen, dass sie in den nächsten Minuten nicht ersticken.
Dann geht es zurück zu Deinem Auto. Auf dem Weg wählst Du die 110 oder die 112, letzteres ist in quasi allen europäischen Staaten die einheitliche Notrufnummer für Mobiltelefone.
Der Notrufzentrale mußt Du folgendes mitteilen: WO bist Du? Wenn es eine Autobahn ist, in welche Richtung? Kannst Du ein kleines blaues Schild mit einer KM-Markierung sehen? Um so genauer Du die Stelle benennen kannst, um so schneller nehmen Dir Profis die Hilfe ab.
Dann: Wenn Du die "Personenschäden" selber beurteilen kannst, bestellst Du einen Rettungswagen und ggf. einen Notarzt. Wenn Du nicht sicher bist, Angst hast oder nicht glaubst, Verletzungen beurteilen zu können, wenn Kinder, Motorradfahrer, bewußtlose Personen oder viel Blut im Spiel sind, fordere IMMER einen Notarzt an. Auch, wenn die Unfallopfer keinen Arzt oder Krankenwagen wollen: denk daran das Menschen unter Schock stehend komisch sein können. Oftmals hat man auch als Opfer Angst vor einer "unnötigen" Alarmierung des RTW und vielleicht vor Kosten die entstehen könnten. Glaubt mir, ich habe schon Leute gesehen, die fast tot waren und keinen Artz sehen wollten.
Die Polizei kommt eh, wenn das Fahrzeug schwer beschädigt ist, bittet auch um die Feuerwehr. Die muss nicht unbedingt jemand aus dem Fahrzeug schneiden, es reicht schon Umweltschäden durch auslaufendes Öl / Treibstoff zu verhindern.
Jeder der bei der ersten Alamierung ausrückt ist schneller da als jemand, der erst nachträglich angefordert werden muss.
Lass bei einem größeren Schaden gleich einen Schlepper mit Kran mitkommen :-D Wenn Du ein Headset hast, halte die Leitung offen, sag dem Menschen an der Leitstelle, was Du machst. Da sitzen Profis, die können Dir helfen, zuhören, Rat geben!
Wenn der Notruf raus ist, gibt es 2 Möglichkeiten: a) jemand anders ist eingetroffen, den DU verdonnerst, das Warndreieck aufzustellen. Und zwar weit weg, mindestens 50-100 Meter! Wenn er das gemacht hat, soll er darauf achten, das die Autos in Bewegung bleiben. Versucht einen Gafferstau zu vermeiden, bzw. den Anfahrtsweg für Rettungskräfte frei zu halten! Wenn der Unfall mitten auf der Bahn ist, winkt die Autos auf der BREITEREN Seite an Euch vorbei.
Möglichkeit b bedeutet, dass Du das machen mußt. In dem Fall hoffe ich, dass Du schon mal nachgesehen hast, wo das Dreieck ist und wie das geht. Wenn ein Stau entsteht, geh zum ersten STEHENDEN Fahrzeug (NIEMALS versuchen eines Anzuhalten!) und sprich den Fahrer an. Mach ihn durch direktes ansprechen zu einem Mithelfer, mach im klar, dass es sein verdammter Job ist, eine Gasse für den Rettungsdienst frei zu bekommen. Wie ist sein Problem ;-)
Denn die Zeit arbeitet gegen Dich, jede Sekunde die ein Unfallopfer alleine ist, ist eine Ewigkeit. Und gerade beim ersten Mal gehen die Hüllen der Dreiecke oft nur sehr schwer auf, das Aufstellen ist oft... tricky.
Dann schnappst Du Dir den Erste-Hilfe-Kasten und zurück. Du weißt doch, wo der ist, oder?
Sind andere Helfer dabei, sollen die am RAND bleiben, einer soll auf Blaulicht achten und dann durch Westenschwenken (vom RAND! Niemals vom weissen Streifen aus!), Lampenschwenken im Dunkeln auf die Stelle aufmerksam machen und die Rettungskräfte einweisen.
3) First Aid, wichtigste Regel: Du kannst nichts falsch machen!
Jede Hilfe ist erstmal eine Hilfe. Schon der Notruf ist ja mehr, als die meisten Idioten machen, die gaffend an Euch vorbei fahren.
Ist jemand bewußtlos, wäre es schön wenn Dir klar ist, wie man jemandem aus einem Fahrzeug bergen kann und wie das mit der stabilen Seitenlage geht. Im Zweifel einfach aus dem Auto zerren und dann merken, dass er noch angeschnallt ist ;-)
Es ist nicht schlimm, jemandem einen Arm zu brechen. Es ist schlimm, jemanden ersticken zu lassen.
Ein Sonderfall sind Motorradfahrer: Was ist mit dem Helm? Allgemein gilt: der Helm muss runter! Die Gefahr das das Opfer erstickt ist größer als die, bei einem Wirbelschaden noch mehr kaputt zu machen.
Wenn die Leute bei Bewußtsein sind - und das ist der größte Teil, dann rede mit ihnen. Was tut weh? Wie heissen sie, woher und wohin und so weiter. Lenk ab.
Wenn die verunfallte Person laufen kann, setz sie in Dein Auto, deck sie warm zu (Jacke? Decke im Kofferraum?) und lass die Heizung laufen.
Kann die Person nicht laufen und der ist ohnmächtig: Sofort warmhalten, ggf. mit 2 Rettungsdecken: Das sind die "Alufolien" im Erste-Hilfepack: Eine unten drunter, eine zum abdecken.
Wunden mußt Du nicht verbinden können, Brüche nicht schienen können. Offene Wunden mit einer Wundauflage abdecken reicht meistens, bis die Retter vor Ort sind. Starke Blutungen sollte man wie im Erste-Hilfe-Kurs gelernt mit einem Pressverband versehen. Wenn Du nicht mehr weißt, wie das geht, zu nervös bist: unter 110 / 112 kann man Dir helfen.
Wenn die Polizei kommt, die zumeist als erstes vor Ort sind, geh auf sie zu. Gib Dich als Helfer zu erkennen, begrüße sie mit Handschlag. Wer es nicht kennt, weiss nicht, wie beruhigend es sein kann, nur kurz die Hand einer "Autorität" zu spüren, die Dir die Last der Verantwortung abnimmt.
Versuche möglichst genau zu berichten: Seit wann bist Du da, hast Du den Notruf getätigt, wie viele Verletzte, hast Du eine ungefähre Vorstellung von den Verletzungen udn Verletzten wie z.B. Bewußtlosigkeiten oder Kinder? Sind die Personen ansprechbar? Hast Du den eigentlichen Unfall gesehen?
Im weiteren Verlauf will die Polizei noch Deine persönlichen Daten haben. Meistens trifft dann schon der Rettungswagen ein und übernimmt.
Und jetzt wird es ganz, ganz wichtig: Wenn man Dich wegschickt, fährst Du nur bis zur nächsten Abfahrt, Parkplatz oder Rastplatz. Dann machst Du den Wagen aus und wartest. Bis das Zittern kommt. Und wieder geht. Das ist normal, wenn Dein Körper den Adrenalinspiegel senkt, kann aber gefährlich werden. Und glaub mir, selbst routinierte Helfer kennen das!
Im Grunde ist das alles recht einfach, schwer ist es die Angst zu überwinden. Und glaubt mir, egal wie oft man trainiert: es geht einem immer auch persönlich an die Nieren. Aber denkt immer daran: Wenn Euch sowas passiert, braucht IHR jemanden, der in der Lage ist, seine Angst zu überwinden.
Und wenn Ihr all das nicht hinbekommt, kein Blut sehen könnt, wie gelähmt seid oder sonstwas, dann ruft um Himmels Willen wenigstens den Notruf an! Denn auch das ist Hilfe.
(Und ehrlich: In den Schulungen für betriebliche Ersthelfer ist das heute der wichtigste Inhalt: Immer und immer wieder klar machen, dass man lieber einmal zu viel den Rettungsdienst ruft, als einmal - nein nicht zu wenig, sondern vielleicht nur zu spät!
unkreativ.net - 16. Okt, 21:30 - abgelegt unter: Draussen
Trackbacks zu diesem Beitrag
unkreativ.twoday.net - 16. Okt, 22:25
Lebensretter Ü-Ei
Nachdem ich erfahren habe, dass selbst... [weiter]
unkreativ.twoday.net - 3. Mrz, 08:47
DVG: Ich bin entsetzt...
Ich beziehe mich auf diesen Beitrag... [weiter]
Karsten (anonym) - 16. Okt, 22:37
Zustimmung
Ich kan dem Verfasser nur recht geben.
Nichts ist so schlimm wie nichts zu tun.
Anhalten, Hilfe verständigen, absichern und erste Hilfe leisten kann und sollte jeder, alles andere wäre nicht gut.
Karsten
(ehrenamtliicher Rettungssanitäter)
Nichts ist so schlimm wie nichts zu tun.
Anhalten, Hilfe verständigen, absichern und erste Hilfe leisten kann und sollte jeder, alles andere wäre nicht gut.
Karsten
(ehrenamtliicher Rettungssanitäter)
Mauzi - 17. Okt, 06:56
ich glaube, manchmal lebe ich in einer irrealen Welt.
Das ist doch größtenteils alles selbstverständlich und bekannt, was Du geschrieben hast - alle sollten es wissen und dann auch tun...
genau da ist der Haken: "sollten"
Ich weiß, es ist nicht so. Es ist furchtbar erschreckend. Ich kann nicht begreifen, wie man jemandem seine Hilfe verwehren kann.
Meine Kollegin hat sich im Winter auf der Autobahn mal mehrfach gedreht. Auf der linken Spur. Blieb verkehrt herum, an der Leitplanke klebend, stehen. Sie krabbelte benommen aus dem Auto. Und? KEINER hielt an. Sie musste selber die Polizei rufen. Sie musste an der Mittelleitplanke um ihr Leben bangen. Es ist schier unglaublich - sowas treibt mir die Wuttränen in die Augen.
Das ist doch größtenteils alles selbstverständlich und bekannt, was Du geschrieben hast - alle sollten es wissen und dann auch tun...
genau da ist der Haken: "sollten"
Ich weiß, es ist nicht so. Es ist furchtbar erschreckend. Ich kann nicht begreifen, wie man jemandem seine Hilfe verwehren kann.
Meine Kollegin hat sich im Winter auf der Autobahn mal mehrfach gedreht. Auf der linken Spur. Blieb verkehrt herum, an der Leitplanke klebend, stehen. Sie krabbelte benommen aus dem Auto. Und? KEINER hielt an. Sie musste selber die Polizei rufen. Sie musste an der Mittelleitplanke um ihr Leben bangen. Es ist schier unglaublich - sowas treibt mir die Wuttränen in die Augen.
unkreativ.net - 17. Okt, 10:07
Es gibt Leute die sagen, man dürfe keinen Vorwurf machen, es sei Angst oder Unwissen, das die Leute dazu bringt, nicht anzuhalten.
Ich sehe das ein wenig anders. Und mache jedem einen Vorwurf, der an einem Unfall vorbeifährt, wenn niemand anders da schon ist. Einen sehr persönlichen Vorwurf, verbunden mit dem Wunsch einiger schlafloser Nächte mit der Frage im Kopf, ob das Halten vielleicht nicht doch den entscheidenden Unterschied gemacht hätte...
Ich sehe das ein wenig anders. Und mache jedem einen Vorwurf, der an einem Unfall vorbeifährt, wenn niemand anders da schon ist. Einen sehr persönlichen Vorwurf, verbunden mit dem Wunsch einiger schlafloser Nächte mit der Frage im Kopf, ob das Halten vielleicht nicht doch den entscheidenden Unterschied gemacht hätte...


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