Was nicht passieren durfte...
Auf der Fahrt habe ich bei Würzburg nochmal kurz eine Pause eingelegt. Als ich in die Raststätte komme, liegt links von der Türe ein Mann auf dem Boden, 3 Helfer knien um ihn herum. Er selber in "Stabiler Seitenlage", reagiert auf die Ansprache.
Erster Blick: Die Lage ist unter Kontrolle. Also am ursprünglichen Plan festgehalten und erstmal Kaffee weggebracht. Dann einen neuen geordert und mich in Sichtweite hingesetzt. Für den Fall der Fälle.
Alle Helfer wirkten sehr ruhig und gefaßt.
Wie ich so da sitze und vermutlich ungefähr 5 Minuten vergangen sind, kommt ein RTW mit 3 Sanis. Die gucken den Mann an, zerren ihn gerade, einer beginnt sofort zu Pumpen.
Offensichtlich hat zwischen meinem Eintritt und dem Eintreffen der Sanis irgendwann das Herz aufgehört zu schlagen und keiner hat es gemerkt.
Den Ersthelfern mache ich eigentlich keinen Vorwurf: die dürften selber unter Streß gestanden haben.
Aber ich mache mir einen Vorwurf. Ich habe mich von der offensichtlichen Ruhe einlullen lassen, bin davon ausgegangen, dass die Situation unter Kontrolle ist. Wollte nicht Neunmalklug wirken und mich wie ein blöder Gaffer einmischen.
Und jetzt sitze ich hier und mir ist klar, dass ich wertvolle Minuten habe verstreichen lassen, weil ich nicht kontrolliert habe, ob die Situation wirklich so unter Kontrolle ist, wie sie schien. Weil ich in Sichtweite war und weder was registriert habe, noch was getan habe.
Wertvolle Zeit die bei einem Herzversagen im Falle einer erfolgreichen Reanimation über die Stärke der bleibenden Schäden entscheiden kann. Wertvolle Zeit, die ich mit Kaffee verbracht habe.
Ich, der weiss, wie man pumpt. Wie man beatmet. Wie man ein AED (sowas wie ein vollautomatischer Defibrillator) benutzen müßte, sofern es auf dem Rasthof eines gegeben hätte - denn in meinem Dienstwagen gibt es keines.
Ich, dem klar sein muss, dass mein Training und meine Erfahrung viel größer ist, als bei 99% meiner Mitmenschen.
Tja. Situation falsch eingeschätzt - Patient tot?
Ich weiss es nicht. Aber wenn, kenne ich jemanden, der sich eine Teilschuld auf die Fahne schreiben lassen muss. Und das nach so vielen Jahren und unzähligen Situationen, in denen ich und mein Training einwandfrei und Hand in Hand gearbeitet haben. Und selbts, wenn er überlebt und vielleicht nur mehr oder weniger starke Folgeerscheinungen zu ertragen hat, ich werde damit leben müssen zu wissen, dass ich hätte den Unterschied machen können.
Ihn hätte machen müssen.
Ich, der so gerne anderen erzählt, wie wichtig es ist, schnell, besonnen und richtig auf Notfälle wie eben diesen zu reagieren.
Erster Blick: Die Lage ist unter Kontrolle. Also am ursprünglichen Plan festgehalten und erstmal Kaffee weggebracht. Dann einen neuen geordert und mich in Sichtweite hingesetzt. Für den Fall der Fälle.
Alle Helfer wirkten sehr ruhig und gefaßt.
Wie ich so da sitze und vermutlich ungefähr 5 Minuten vergangen sind, kommt ein RTW mit 3 Sanis. Die gucken den Mann an, zerren ihn gerade, einer beginnt sofort zu Pumpen.
Offensichtlich hat zwischen meinem Eintritt und dem Eintreffen der Sanis irgendwann das Herz aufgehört zu schlagen und keiner hat es gemerkt.
Den Ersthelfern mache ich eigentlich keinen Vorwurf: die dürften selber unter Streß gestanden haben.
Aber ich mache mir einen Vorwurf. Ich habe mich von der offensichtlichen Ruhe einlullen lassen, bin davon ausgegangen, dass die Situation unter Kontrolle ist. Wollte nicht Neunmalklug wirken und mich wie ein blöder Gaffer einmischen.
Und jetzt sitze ich hier und mir ist klar, dass ich wertvolle Minuten habe verstreichen lassen, weil ich nicht kontrolliert habe, ob die Situation wirklich so unter Kontrolle ist, wie sie schien. Weil ich in Sichtweite war und weder was registriert habe, noch was getan habe.
Wertvolle Zeit die bei einem Herzversagen im Falle einer erfolgreichen Reanimation über die Stärke der bleibenden Schäden entscheiden kann. Wertvolle Zeit, die ich mit Kaffee verbracht habe.
Ich, der weiss, wie man pumpt. Wie man beatmet. Wie man ein AED (sowas wie ein vollautomatischer Defibrillator) benutzen müßte, sofern es auf dem Rasthof eines gegeben hätte - denn in meinem Dienstwagen gibt es keines.
Ich, dem klar sein muss, dass mein Training und meine Erfahrung viel größer ist, als bei 99% meiner Mitmenschen.
Tja. Situation falsch eingeschätzt - Patient tot?
Ich weiss es nicht. Aber wenn, kenne ich jemanden, der sich eine Teilschuld auf die Fahne schreiben lassen muss. Und das nach so vielen Jahren und unzähligen Situationen, in denen ich und mein Training einwandfrei und Hand in Hand gearbeitet haben. Und selbts, wenn er überlebt und vielleicht nur mehr oder weniger starke Folgeerscheinungen zu ertragen hat, ich werde damit leben müssen zu wissen, dass ich hätte den Unterschied machen können.
Ihn hätte machen müssen.
Ich, der so gerne anderen erzählt, wie wichtig es ist, schnell, besonnen und richtig auf Notfälle wie eben diesen zu reagieren.
unkreativ.net - 24. Okt, 15:46

