Donnerstag, 26. Oktober 2006

Krank?

Ist Euch mal aufgefallen, wie viele - vor allem auch junge Leute - Ihr leben heute ohne therapeutische Unterstützung nicht im Griff haben oder nicht in den Griff bekommen?

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http://unkreativ.twoday.net/stories/2855926/modTrackback

paraflyer - 26. Okt, 19:18

Was fällt in diesem Fall unter "Therapie"? Rat von Freunden? Psychater?

unkreativ.net - 26. Okt, 19:21

Das erschließt sich doch aus der Frage selber: Ein Freund ist doch in aller Regel wohl nicht Dein Therapeut, oder? Ich sprach tatsächlich eher von professionals :-D
paraflyer - 26. Okt, 19:29

Darum fragte ich..."therapeutisch" kann man sehr weit fassen. Zwischen freundschaftlicher Beratung und Klappse.

Ich kenne ja nicht so viele Leute wie Du, aber auch mir kommt es recht häufig vor, daß jemand "in Behandlung" ist. Meist interessieren mich die Details auch nicht so sehr - sind ja sowieso oft nur entfernte Bekannte.
unkreativ.net - 26. Okt, 19:31

Liegt es vielleicht daran, dass man allen Menschen so scheiss egal ist? ;-)
unkreativ.net - 26. Okt, 19:50

Könnten wir vielleicht vermeiden, direkt von "der Klapse" zu reden, als wäre jeder mit einem.... persönlichen Problem ein Fall für die Geschlossene?

Thx.
paraflyer - 26. Okt, 19:57

Ich hatte es nur als Beispiel für den extremsten Fall genannt. Natürlich muss nicht jeder in die Klappse, aber ich denke wir sind zu schnell mit den Anforderungen an den Menschen - alles muss in 5 Sekunden fertig sein, man darf sich keinen Patzer mehr leisten, muß immer aufpassen wie ein Luchs.

Schau alleine mal, was damals blau gemacht wurde - und jeder hat es toleriert. Heute nehmen die Leute Urlaub wenn sie krank sind, damit sie besser dastehen und die Firma keinen Grund hat ihn/sie zu entlassen aufgrund von Krankentagen.

Oder die Aggression im Straßenverkehr. Keiner hat mehr Zeit, alles muß zackizacki gehen. Da hakts bei manchen einfach aus, wenn sie nicht aufpassen.
NBerlin - 26. Okt, 19:27

Kranke Welt, kranke Menschen...es gibt auch die Theorie das heute der Therapeut der Kirchenersatz ist ..früher erzählte und beichtete man in der Kirche heute beim Therapeut..

unkreativ.net - 26. Okt, 19:32

Was macht denn krank?
NBerlin - 26. Okt, 19:58

Die schnell lebige Zeit, die fehlende Gemeinschaft, die fehlenden Werte und Wurzeln..ich denke nicht das die Menschen damals unbedingt weniger Probleme hatten sie haben sie nur anders gelöst mit Freunden, Familie und Gemeinschaft..heute kann man in einer Stadt sterben und keiner merkt es...
unkreativ.net - 26. Okt, 20:07

Du meinst also es ist ein gesellschaftliches Problem, bzw. das Problem, dass es eine "Gesellschaft" ja eigentlich nicht mehr gibt, sondern nur noch Anonymität und jeder vs. jeden?
NBerlin - 26. Okt, 20:23

Genau, Menschen brauchen Menschen, zum zu hören, zum aufpassen, zum in den Arm nehmen...ich denke das ist auch ein Faktor warum es soviele Blogs gibt...
Mauzi - 26. Okt, 19:43

also mir ist das aufgefallen.

Und zwar daran, dass ich 3 Therapien brauchte, um mein Leben in den Griff zu bekommen.

Ich habe es in den Griff bekommen.

Mirtana - 26. Okt, 19:56

Jau ... an denen, die ständig zu mir kommen- sprich der Person, die ihr Leben selber nie im Griff hatte ...

unkreativ.net - 26. Okt, 20:02

Woran machst Du das fest?
Mirtana - 26. Okt, 20:06

Daß ich mein Leben nicht im Griff habe? Oder daß andere ihr Leben nicht im Griff haben?
unkreativ.net - 26. Okt, 20:07

Deines.
Mirtana - 26. Okt, 20:08

Sei mir nicht böse, doch die Frage mag ich hier so nicht beantworten.
unkreativ.net - 26. Okt, 20:16

Das ist schade. Du weißt aber, dass mich nicht die Probleme selbst interessiert haben, sondern vielmehr die Frage, welchen Maßstab Du anlegst um zu sagen, dass Du Dein "Leben nicht im Griff" hast...
Mirtana - 26. Okt, 20:47

Die Probleme selbst gehören hier auch nicht hin. Dafür haben ich und meine fünf Persönlichkeiten schließlich ein eigenes Blog ;-)

Der Maßstab? Läßt sich nicht wirklich von den Problemen trennen, eines bedingt das andere. Tief gehende Probleme nicht in den Griff kriegen - das eigene Leben nicht in den Griff kriegen. Beides läuft auf den selben Nenner hinaus.
unkreativ.net - 26. Okt, 20:49

Aber Du lebst doch?
Mirtana - 26. Okt, 21:18

Offensichtlich. Es sei denn, ein Ghostwriter hält mich am virtuellen Leben ...
Liebesblüte - 27. Okt, 00:47

Ja es fällt mir auf...Und es liegt meisten an der fehlende Liebe in Den Herzen der Eltern, die selber lieblose Eltern hatten, die selber lieblose Eltern hatten, die selber lieblose Eltern hatten...
Aber es ist gut, daß die Leute heute die Liebe in ihrem Herzen finden wollen, statt es immer von den anderen zu erwarten. Und es ist ein gutes Zeichen, daß sie dafür sich die Hilfe nehmen, die sie bruachen, denn es beweist, daß sie die wichtigkeit begriffen haben. Und je mehr Liebe in unseren Herzen, je mehr Frieden mit uns selbst und mit der Welt.

CayCee - 27. Okt, 01:29

Es ist leider eine traurige Wahrheit, daß viele junge Menschen (auch sehr viel jüngere als ich) Antidepresiva verschrieben bekommen. Meist sind es Leute, von denen man nciht sagen würde, daß sie so aussehen, es sind miestens diese jungen erfolgreichen Typen, die mitten im Leben stehen, die mir dann ihr Rezept in die Hand drücken. Der Trend nimmt immer mehr zu, musste ich in den letzten Jahren leider feststellen.
Dafür gibt es natürlcih viele Gründe, aber ich denke, es hängt viel auch damit zusammen, daß wir in einer Welt leben, in der es keine klaren Linien mehr gibt. Alle Grenzen verschwimmen, und damit kommen viele Menschen nicht klar. Es ist halt schwer, sich seinen Weg selbst zu suchen.

Ich halte das Verordnen von Stimmungsaufhellern nru bedingt für gut bzw gerechtfertigt, es gibt sicher Fälle, in denen das angebracht ist. Meistens jedoch gäbe es auch andere Lösungen.

Dennoch denke ich, daß fast jeder Mensch einmal in seinem Leben an einen Punkt kommt, wo ein Therapeut sehr hilfreich sein kann. Manchmal kann professionelle Hilfe einen Richtungswechsel überhaupt erst möglich machen.

Aber du hast schon recht, es ist ein trauriger und nachdenklich stimmender Trend.

mit der Bitte um Nachsicht wegen der Buchstabendreher. Ist schon spät un dich war arbeiten...

MrsUngeduld - 27. Okt, 09:31

Ja, das ist leider ne erschreckende Wahrheit.

Und wenn man dann die noch mit dazu zählt, die seit längerem mit sich kämpfen, sich in Therapie zu begeben, steigt diese Zahl noch gleich mal ein bisschen mehr.

Ich bin mir aber nicht sicher, ob die Zahl nicht früher auch schon höher als angenommen war, es hat nur nie jemand gesprochen. MIttlerweile ist es doch schon fast kein Tabu-Thema mehr.
(was ich gut finde)

Und wenn wir mal ehrlich sind: wer hat noch nie darüber nachgedacht, sich nicht professionelle Hilfe zu holen?

Fiercedragon - 27. Okt, 22:47

ja. gerade bloghausen ist eine ziemliche stark frequentierte anlaufstelle für menschen mit psychischen herausforderungen - weil's ne einfache methode ist, sich all den krampf anonym von der seele zu schreiben.
gleichzeitig ist es natürlich heutzutage auch einfacher als noch vor 1 generation, überhaupt an professionelle hilfe dran zu kommen. ich glaube, früher hätte es auch schon viele (vielleicht sogar gleich viele wie heute) menschen gegeben, die der intervention eines professionals bedurft hätten - nur haben es die wenigsten gemacht.
einerseits war da noch das riesengroße stigma "der/die ist nicht richtig im kopf", andererseits haben die effektiven kurzzeitinterventionen (verhaltenstherapie, provokatives coaching,...) erst in den 70ern ihre entstehung und in den 90ern anerkennung und weite verbreitung gefunden.
davor gab's im wesentlichen nix anderes als: sedieren, elektroschocks und freudsche traumanalyse. und ein paar "outlaws" wie milton h. erickson, die von der american medical association gejagt wurden wie streunende hunde.

unkreativ.net - 27. Okt, 22:59

Das kommt dem Kern meiner Idee sehr nahe...
Fiercedragon - 27. Okt, 23:10

was genau? die elektroschocks?
unkreativ.net - 27. Okt, 23:12

*grins*

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