Müssen Arbeitslose frieren und hungern?

Auf Grund des Kommentars von "Nörgler" zu diesem Beitrag würde ich gerne wissen:

Wer von Euch hat als Arbeitsloser / Hartz-IV-Bezieher / Sozialleistungsempfänger ähnliche Erfahrungen gemacht? Ist es wirklich so weit, dass die Staatliche Hilfe nichtmal mehr für das Existenzminimum reicht?
mitleser (anonym) - 19. Apr, 18:02

Nun, wenn man davon das in dem ausgezahlten Hartz IV-Betrag solche Sachen wie Kleidung, Schuhe, Wasser(!) und andere Sachen per Pauschale drin sind, dann reicht das Geld hinten und vorn nicht.

Nebenkosten werden immer teurer. Warmwasser ist für Hartz IV-Bezieher jetzt schon ein extrem kostspieliges Vergnügen. Und von dem Betrag muss man mal versuchen auch noch Geld für die Nebenkostenabrechnung zur Seite zu legen. Oder halt ein neues Paar Schuhe. Oder oder oder.

Nope, sorry. Aber da haben unsere tollen Politiker richtig Mist gebaut. Du kannst Dich als Hartz IV-Bezieher entscheiden nicht "vergammelt" Gekleidet zu sein oder die Nebenkosten nicht zahlen zu können. Und dabei kauft man (also ich) schon nur bei Aldi und Sonderangebote.

unkreativ.net - 19. Apr, 18:08

Lieber Mitleser,
kannst Du mal hier im Rahmen der verfügbaren Anonymität (ich gebe Deine IP niemandem weiter und löse sie nicht auf) eine Rechnung aufmachen? Wieviel Geld Dir im Monat zur Verfügung steht, was an "sonstigen Leistungen" zur Verfügung steht und wie die Ausgabenseite aussieht?
Erfahrene (anonym) - 19. Apr, 18:28

Armutsveraltung...

Von Hartz IV kann ein Einzelener vielleicht überleben, wenn er dizipliert sein Geld verwaltet, doch wirklich leben kann er nicht. Doch wieviele sind verschudet in Hartz IV gegangen? Das sind sicher auch staatliche Zahlen. Und wer noch schulpflichtige Kind zu versorgen hat, bekommt noch ganz andere Probleme, denn für irgendwas will die Schule immer Geld haben.

Der Staat hat sich mit Hartz IV darauf spezialisiert, die Armut des Landes zu verwalten und weiter auszubauen. Denn die erwartete Entspannung auf dem Arbeitsmarkt ist ja leider nicht eingetreten.

Auf der anderen Seite macht der Staat sich selber was vor, wenn er glaubt, der Hartz IV - Empfänger käme mit dem Geld aus. In Wirklichkeit hat der Staat mit den Gesetzen dafür gesorgt, dass die Schwarzarbeit neue Blüten treiben kann - warum heißt das eigendlich SCHWARZArbeit? -

Doch das war schon seit ewigen Zeiten so - je höher Kappheit und so stärker ist die Schwarzarbeit.

Noch mal zusammengefaßt - das geringe Hartz IV Geld setzt die in einem Wohlstandsland die Familien unter höchstem Druck.

unkreativ.net - 19. Apr, 18:38

Liebe Erfahrene,

das ein Personaler namens Hartz, der ja auch Namensgeber für diesen Schwachsinn ist, andere Interessen als Wohlbefinden hat, nämlich in erster Linie möglichst billige & willige Arbeitskräfte, steht ausser Frage.

Bleibt die Frage, ob wir was dagegen machen können. Und wie schlimm es wirklich ist. Daher die gleiche Frage an Dich wie an Deinen Vor-Kommentator: Kannst Du Deinen Text mit Zahlen unterlegen?
Erfahrene (anonym) - 19. Apr, 23:17

Tagesrationen

Der Herr Hartz disatanziert sich laut seines Buch,das vor kurzem veröffentlich wurde, von der Umsetzung eines Konzeptes. Sein Ziel war es, die deutsche Wirtschaft damit aus der Krise zu führen. Von vielem, wie es heut gehandhabt wird, hat er abgeraten, doch das hat das Schicksal seines Konzeptes schon seinen Lauf genommen und brachte erhebliche finanzielle Sorgen in viele Familien.

Das, was nach meinem Ermessen noch schwerer wiegt, als die knappe Monatskasse der Familien, dass man auf diese Weise an das Ersparte des kleinen Mannes ran kam und noch kommt.
Daraus erklärt sich vielleicht auch ein kurzer wirtschaftlicher Aufschwung, weil die Leute schnell noch ihre Ersparnisse auf den Kopf gehauen haben, kurz bevor Hartz IV in Kraft trat.

Ein Bearbeiter im JobCenter - das übrigens privatiert sein soll - sagte bei der letzten Beratung zu mir "Es ist besser, sie stecken ihr Erspartes in den Sparstrumpf. Dort ist es sicher aufgehoben"

Nun die Zahlen (ohne Kind)
330 €uro
- 25 Euro Rückzahlung Kredit
- 25 Euro Energie
- 30 Euro Telefon
- 25 Unfallversicherungen (LV´s lassen sich finanzielle nicht mehr bedienen)
- 45 Fahrkosten für Nahverkehr
--------------------------------------
180 € für´s Essen und Trinken
das macht ca. 5.50 € für den Tagesbedarf

Eine Stromnachzahlung von 150 € warf mir einmal mein Sparkonzept total über den Haufen. Doch als Borger sich durchs Hart IV-Leben zu schlagen bringts nichts. Denn wer so wie ich über 50 Jahre alt ist, hat so gut wie keine Aussicht auf einen neuen Arbeitsplatz.

Es ist unschwer zu erkennen, dass ein Dauerdruck auf die Familien lastet und das macht zeitweise aggressiv. Vielleicht lassen sich auch darin die Ursachen für die Ausraster einiger Eltern finden, die ihre Kinder aus Hilflosigkeit mißhandeln.

Auf der anderen Seite läßt sich unschwer erkennen, wer die Möglchkiet hat, Schwarzgeld zu verdienen, wird nicht nach seinem moralischem Empfinden fragen - mach ich´s oder mache ich es nicht? Jeder Cent der zusätzlich in den Haushalt kommt, wird dankend eingezogen.

Die Arbeitsplätze sind rar geworden, deshalb findet man in den JobCentern nicht nur alte Leute - aller Altersklassen sind vertreten.

Ich habe als 1 € Jober gearbeitet -+ 80 € - 45 Euro Fahrskosten
Ich habe eine ABM-Maßnahme erhalten - als Bonbon sagte man mir. Mein Einkommen lag unter Hartz iV und ich war wieder auf Hartz IV angweisen - als "Aufstockung" sozusagen.

Jetzt diskutiert man öffentlich schon darüber, ob man Bestimmung für die Mindestlöhne aufheben sollte. Das führt dazu, dass die Unternehmen noch niedrigere Gehälter zahlen werden und der Rest wird wieder mit Hartz IV ausgeglichen. Auf diese Weise liegen nicht nur die Hartz iV-ler dem Staat auf der Tasche, sondern auch die, die eine Anstellung haben.

Das heißt, wenn sich das durchsetzt, dann wird es in bestimmten Einkommensklassen keinen Unterschied mehr geben, ob jemand arbeitet oder nicht - er bleibt so oder so hilfebedürftig und das verstößt gegen das Menschenrecht.

Warum sich niemand dagegen auflehnt?

Keine Ahnung wie lange es dauert, bis die Menschen sich wehren. Wir sind ja immer noch eine Wohlstandgesellschaft und in diesem Wohlstand ist der revolutionäre Geist erstickt.
Zeitlos - 19. Apr, 20:27

Ich habe als Studentin von weniger als 500 Euro all inclusive im Monat gelebt und bin damit prima zurecht gekommen, ohne in die Miesen zu rutschen. Natürlich war am Ende des Monats nicht mehr viel auf dem Konto, aber ich hab in anderthalb Jahren immerhin genug gespart um mir einen neuen PC zu kaufen. So schlimm wird's also nicht gewesen sein.

Den Fall, den du verlinkt hast, schildert ja aber auch einen ganz anderen Sachverhalt: Von 0 Euro hätte ich auch nicht leben können. Es ist natürlich tragisch, dass der junge Mann gestorben ist (verhungert mitten in Europa!). Andererseits frage ich mich auch: Hat er dem Amt klar gemacht, dass er null nada niente mehr besitzt? Hat er versucht anderweitig Hilfe zu bekommen: Tafeln, Caritas etc.? Und die dringendste Frage für mich ist, wenn man keine Arbeit hat: Was hat man so dringend zu tun, dass man die Termine für die Arbeitsagentur nicht einhalten kann?

Vielleicht fühlte er sich ja so wie der Mann an meiner Seite und ich, als er zwischen Zivildienst und Studium drei Monate lang Sozialhilfe bekam: Wir wurden auf dreckigste behandelt auf dem Amt; ich wurde gezwungen ein Formular als "Ehefrau" zu unterschreiben, obwohl wir nur zusammen lebten; und Samstagsmorgens stand ein Herr vom Ordnungsamt vor der Tür und schnüffelte in der Wohnung rum, ob unsere T-Shirts und Zahnbürsten sich zu nahe kommen. Zu guter Letzt musste ich drei Monate rückwirkend meine Kontoauszüge einreichen und weil ich 80 Euro zuviel Unterhalt von meinen Eltern bekam, ihm 40 Euro davon abgeben. Demütigend, unverschämt und nicht zur Wiederholung empfohlen.

fenrir (anonym) - 19. Apr, 22:10

"Ich habe als Studentin von weniger als 500 Euro all inclusive im Monat gelebt und bin damit prima zurecht gekommen, ohne in die Miesen zu rutschen. Natürlich war am Ende des Monats nicht mehr viel auf dem Konto, aber ich hab in anderthalb Jahren immerhin genug gespart um mir einen neuen PC zu kaufen. So schlimm wird's also nicht gewesen sein."

Genau solche Sätze sind es die mich unglaublich wütend machen. Von Hartz IV kann man weder existieren noch vernünftig leben. Es geht zwar kurz Zeit lang, doch dann ist man auf eine 1 Euro Job oder anderes angewiesen. Besonders für Menschen die keine Chance mehr auf Beschäftigung haben ist Hartz IV Terror, Gängelung, Demütigung.
Sicher, man kann kaum verhungern, das mag richtig sein. Aber die Inkompentenz, Dummheit und Geldeinspargeilheit der Ämter tut ihres dazu das es zu solchen Fällen kommt und auch wieder kommen wird.
Vieles das passiert taucht ja kaum in den Medien auf, da diese längst im Sinne des Neoliberalismus gleichgeschlatet sind. Von wenigen Ausnahmen mal abgesehen.

Es geht abwärts in Deutschland, un zu viele schauen weg.
unkreativ.net - 19. Apr, 22:23

Liebe Zeitlos,
ich bezog mich absichtlich auf den Kommentar, nicht auf das Schicksal des jungen Mannes. Abgesehen davon, dass ich Dir in Teilen recht gebe frage ich Dich, ob das verweigern jeglicher Sozialleistungen eine angemessene "Repression" für nicht eingehaltene Termine ist, die freimütige Auslegung durch das Amt, man habe angenommen, er habe sein Geld woanders bekommen?

Muss man die Menschen in Deutschland wirklich an die Tafeln verweisen? Wir sind so verflucht reich und sollen Teile von uns wie Bettler um Nahrung bitten lassen?

Es tut mir leid, aber im großen und ganzen ist Deine Argumentation für mich nicht nachvollziehbar, spiegelt ein schräges Weltbild wieder - oder eines in dem Du noch nie in einer wirklich entbehrungsreichen Situation gewesen bist.
Waldgeist (anonym) - 20. Apr, 00:31

Situation nicht vergleichbar

"Ich habe als Studentin von weniger als 500 Euro all inclusive im Monat gelebt und bin damit prima zurecht gekommen"

Hallo Zeitlos, auch ich habe damals zur Studienzeit (mit noch weniger) auskommen müssen. Dennoch glaube ich nicht, dass die Situation vergleichbar ist mit Hartz-IV-Empfängern.

Als Student hat man zum einen zahlreiche Vergünstigungen; aber das haben Arbeitslose sicher auch. Viel wichtiger ist meines Erachtens aber, dass Studenten wesentlich weniger *Verpflichtungen* haben.

Seit dem ich Familienvater (3 Kinder) bin, wüsste ich ehrlich gesagt beim besten Willen nicht, wie ich das auf einer Hartz-IV-Basis schaffen sollte. Als Student hat man beispielsweise meist keine Versicherungsausgaben oder ähnliches. Auch kann man - wenn man will - seine Ausgaben auf das Allernötigste reduzieren, da man ja nur selbst davon betroffen ist. Wenn Du einmal Deinen Kindern erklären musst, was alles nicht mehr geht, wird es schon deutlich schwieriger.

Zum Glück habe ich momentan selbst einen ausgezeichnet bezahlten Job (kann mich also nicht beklagen), ich meine mich aber trotzdem ganz gut in die Lage derer versetzen zu können, denen es in unserer Gesellschaft wesentlich dreckiger geht. Und das regt mich langsam tierisch auf. Einziger Trost ist, dass wir im Vergleich zu anderen Ländern immer noch ein Schlaraffenland sind. Dennoch: Armut ist immer eine relative Sache, keine absolute. Und wenn Du hier mit 10 Euro Restbetrag im Monat auskommen musst (wie in einem der Beiträge hier beschrieben), ist das schon extrem heftig.

Grüße,
Waldgeist
noergler (anonym) - 20. Apr, 00:50

"Was hat man so dringend zu tun, dass man die Termine für die Arbeitsagentur nicht einhalten kann?"
Das aber, Mausi, ist nicht die Frage. Die Frage ist, ob der Staat mich umbringen darf, wenn ich Termine nicht einhalte.
wrs (anonym) - 20. Apr, 13:27

Zeitlos, als Student habe ich auch prima mit so wenig leben können. Mein Hatz-IV-Einkommen unterscheidet sich auch nur wenig von dem, was ich im Studium zur Verfügung hatte. Trotzdem ist es ganz anders.

Zum einen fallen sämtliche Vergünstigungen weg, die man als Studi hatte, Mensa zum Beispiel, aber vor allem auch: Studi-Ticket. Das heißt: Volle Immobilität, ad hoc. Fahrrad? Wovon kaufen? -- Ja, das ist leicht abgewatscht, und eine Alternative dazu holt man schnell aus dem Hut. Aber probier's selbst mal aus -- vier Wochen mit vollem Fahrpreis. Kannst ja in Dein Sparschwein stecken, dann hast Du auch was von dem Selbstversuch. :-)

Sicher, [zumindest] in meiner Gegend gibt es Hartz-IV-Abhängigen-Ausweise -- aber wer will die vorlegen, um den Rabatt zu bekommen? Im Bus? Vor allen Leuten? Bei dem [gepushten?] negativen Image, das H-IV-ler haben? Und bei dem Neid, der einem so entgegenstürzt. -- Im Studium war Neid eine Erscheinung, die ich schlicht nicht kannte. Als H-IV-ler habe ich sie kennenlernen müssen. Ich dachte, das wäre ausgestorben.

"Hat er dem Amt klar gemacht...?" Erstmal: Das Amt muss nur außerhalb der immobil erreichbaren Distanz gelegen zu haben. Zum anderen: Evtl. ist er erst relativ entkräftet auf die Idee gekommen, aktiv zu werden.

Aber, dass er mehrere Termine hat sausen lassen, spricht eher dafür, dass er einen Bogen um "den Laden" machen _wollte_. -- Was mich nicht wundern würde. Bei mir wechseln alle naselang die Sachbearbeiter, und jeder spielt, erstmal dasselbe Spiel mit mir -- möglicherweise eine Dienstanweisung, ich weiß es nicht: Erstmal heftig durchschütteln, den Abhängigen in Rechtfertigungen zwingen, in Selbstzweifel stürzen (wenn möglich), und ihm mitteilen, dass er ganz allein selbst dafür verantwortlich sei, dass er keine Arbeit habe. (Und nein, ich gehe _nicht_ davon aus, dass nur ich das erlebe.) -- Wenn 'du' da nicht ausgefuchster Kommunikationsspezialist bist, hast Du schon so gut wie verloren. Danach bist 'du' nämlich der Depp, der mitten im Spießrutenlauf bist, vom Amt von Pontius nach Pilatus getrieben. Das hatte ich mit meiner zweiten Sachbearbeiterin. Und Winter 2006 dann eine ähnliche Situation wie der jetzt in Speyer: ich habe einen Bogen um die gemacht. Bin mit Briefen, "Einbestellungen" zu Terminen mit Hohen Tieren und mit Drohungen von denen (Androhungen von Repressionen) überhäuft worden. Jeder Brief ein neuer Schrecken. Der 'dich' in 'deinen' Grundfesten erschüttert. Die Textbausteine haben es in sich. -- Da finde ich absolut nachvollziehbar, wenn einer Briefe mit bestimmtem Absender irgendwann nicht mehr aufmacht. -- Nur geholfen hat mir das letztendlich nichts, weil sie natürlich auch bei mir davon ausgegangen sind (Dienstvorschrift?), ich hätte andere Einkommensquellen erschlossen. Und - selbstredend - gekürzt. Bis Anfang März hat mein damaliger Dispo gereicht. Mitte März war ich dann wieder bei der ArGe. Pleite. Und um den 20. rum konnte man, obschon nicht nur klar, sondern _sicher_, war, dass ich wieder "Bezüge" erhalten würde, mir nichtmal einen Vorschuss geben, dass ich mir was zu essen kaufen könnte. Hinterher, beim nächsten Sachbearbeiter, war ich es dann, der Tacheles geredet hat und die Stiere bei den Hörnern.
Übrigens: Das Amt _weiß_, dass man "null nada niente mehr besitzt". Das stellen die vorher sicher: Denn hast 'du' vorher noch irgendeine Form von Rücklagen, kriegst 'du' nichts -- so lange, bis 'du' die Rücklagen aufgebraucht hast. Das heißt auch, dass 'du' ein evtl. vorhandenes Auto verkaufen musst. Immobilität, siehe oben. Gleiches gilt natürlich auch für Grund- oder Immobiliengesetz oder auch Aktien. Und, (auch?) dank War on Terror, gibt es auch seit einigen Jahren für deutsche Behörden einen Freibrief dafür, _jedem_ (klar, auch Dir) aufs Konto zu schauen. Das Bankgeheimnis existiert dadurch faktisch nur noch auf dem Papier. ... Bei Interesse suche ich die Links raus. Muss aber +/- 2004 gewesen sein, weil da der nächste große Einschnitt erfolgte: Dass deutsche Behörden bei deutschen E-Mail-Providern in die E-Mail reingucken können. Die Totalüberwachung der Kommunikation (Link habe ich gerade parat: http://www.heise.de/newsticker/meldung/88449) war der vorläufig letzte Knaller, aber Schäuble ist mit der Abschaffung der Unschuldsvermutung (http://www.heise.de/newsticker/meldung/88408) ja schon einen Schritt weiter. Auch wenn ich gerade etwas abgeschweift bin -- im Sinne der [Sachbearbeiter der?] ArGen, eine totale Kontrolle über die Abhängigen auszuüben, zahlen sich solche Maßnahmen natürlich aus.

Zurück zu Deinem Posting. "Was hat man so dringend zu tun...?" -- Dass man sich nicht unbedingt über "Einbestellungen" freut, habe ich oben, glaube ich, deutlich gemacht. Der andere Punkt ist: Die Annahme, man hätte, arbeitslos, wie man ist, ja alle Zeit der Welt, ist schlicht falsch -- eben weil alle das denken, und alle sich daraufhin an 'deiner' Zeit, die 'du' ja hast [so die Annahme], schamlos zu bedienen beginnen. Insbesondere die ArGe, Profiling-Dienste (vergiss Datenschutz, bitte) und ähnliche von der ArGe Beauftragte.

Zu Deinem letzten Punkt: "Vielleicht fühlte er sich ja so [...] Demütigend, unverschämt und nicht zur Wiederholung empfohlen." Alltag. Standard.
unkreativ.net - 20. Apr, 13:47

Harter Tobak.

Und erschreckend.

Ich selber bin weit weg davon, jammer trotzdem immer über H-IV und was mit den Leute gemacht wird, aber die Schilderungen hier... da wird mir übel. Ist das noch MEIN Deutschland? Ein super reiches und intelligentes Land?

Ich schäme mich. Wie habe ich Teil derer sein können, die es haben so weit kommen lassen? Wie kann man daran was ändern?
Mirtana - 20. Apr, 14:06

Ob man an der Politik etwas ändern kann, weiß ich nicht und wage es zu bezweifeln. Vielleicht ist das auch ein zu großer Rahmen für den Einzelnen. Was man tun kann? Sich unterstützen, die Augen aufmachen und nicht wegschauen.

Es fängt schon damit an, daß man Dinge, die man selber nicht mehr braucht und einfach wegwerfen würde, an jemanden weitergibt, der sie noch gebrauchen kann. Beispiel: Person A zieht mit Person B zusammen - im Normalfall landet da eine Menge gebrauchter Möbel auf dem Sperrmüll. Warum nicht an jemanden geben, der es gebrauchen kann?

Man hat ein bißchen Zeit und Wissen, warum dieses Wissen nicht kostenlos weiter geben und damit jemanden unterstützen, der dieses Wissen braucht? Beispiel 1: Person A arbeitet in einer Personal-Abteilung bei Firma XY und weiß, wie Bewerbungen aussehen sollten und wie nicht. Warum dieses Wissen nicht an Menschen weitergeben, die es brauchen? Beispiel 2: Man ist Student und hat Zeit. Eine alleinerziehende Mutter im Bekanntenkreis hat wenig Geld und ein Kind mit Problemen in Englisch. Warum nicht für eine Mahlzeit oder ein Stück Kuchen Nachhilfe geben?

Es gibt eine Menge solcher Beispiele. Da muß nicht einmal Geld für Leistungen fließen, sondern mehr als Gefälligkeit. Du tust Person A was Gutes, Person A hilft Person B, die wiederum hilft Person C und Person C tut Dir einen Gefallen.

Wenn es der Staat nicht tut, dann muß es eben vom Bürger aus passieren. Die soziale Kälte ist nicht nur vom Staat gemacht, sondern auch von den Menschen, die sie in Kauf nehmen und wegschauen.
unkreativ.net - 20. Apr, 14:11

Für solche Arten sozialen Austausches entwickelt sich gerade ein Web-Angebot: http://gotfriends.net
wrs (anonym) - 20. Apr, 14:11

Noch eins zu "noergler"

> "Was hat man so dringend zu tun, dass man die
> Termine für die Arbeitsagentur nicht einhalten kann?"
> Das aber, Mausi, ist nicht die Frage. Die Frage ist, ob
> der Staat mich umbringen darf, wenn ich Termine nicht
> einhalte.

Recht hat er. Das mit "Mausi" ist zwar nicht nett, aber wo er Recht hat, hat er recht. -- Ich war leichtsinnig und hab's überlesen: So ist die allgemeine Haltung: "Was hat man so dringend zu tun...?" Der Punkt dabei ist: WEN ZUM HENKER GEHT AN, WAS ICH MIT MEINER ZEIT MACHE?

Sorry für's Lautwerden, aber -- ist doch wahr!

Kein Mensch wird stetig dazu gezwungen, sich für jegliche seiner privaten Entscheidungen verantworten zu müssen. Warum hast Du dies nicht getan, dann hättest Du jenes erreichen können. Warum hast Du das nicht getan, dann hättest Du... -- Ne, ne.

Ich sag 'euch' mal was 'Freunde', kein Mensch führt minutiös Buch darüber, was er im Laufe eines Tages alles so für Entscheidungen trifft. Viele Entscheidungen werden auch beeinflusst, ohne dass man sich dieser Einflüsse überhaupt richtig bewusst würde.

Auf "Wieso hast Du nicht...?" gibt es daher nur eine einzige gültige Antwort: Lebt's selbst. Findet's raus. Dann werdet Ihr sehen, dass weitaus leichter gesagt ist als getan, was Ihr da sagt.

Davon unbenommen geht jedoch _niemanden_ _irgendetwas_ an, was ich in meiner (Frei-?)Zeit veranstalte. Und wenn ich Fehler mache, Fehlentscheidungen treffe, ineffizient plane, entscheide oder handle, dann ist das _trotz allem_, _von vorne bis hinten_ _meine Angelegenheit_. Von niemandem sonst.
Zeitlos - 20. Apr, 17:54

Hallo ihr alle!
Was für Reaktionen..."Mausi" nennt mich eigentlich nur meine Mutter oder Besoffene auf der Straße. Und ich glaube nicht, dass das ein oder andere hier zutrifft. Der Ausdruck ist ehrlich gesagt beleidigend und wirkt, als hätte ich nicht alle Tassen im Schrank.

Nein, mein Weltbild ist nicht verquer, sondern ehrlich gesagt komplex und sehr differenziert. Pauschalisierungen hasse ich wie die Pest.
Ich habe nur geschildert, dass ICH, ganz allein, nur meine eine kleine Wenigkeit mit wenig Geld leben konnte. Das heißt nicht das andere das können, zum Beispiel durch äußere Umstände wie Stromanbieter, Versicherungsverträge, Kosten für Medikamente, etc. Da können unabwendbare Lebenshaltungskosten ja drastisch variieren.
Ich habe auch geschildert, wie demütigend ICH das Behördensystem für mich selbst erlebt habe. Schlimm, dass andere Menschen das über lange Jahre ertragen müssen.

Es steht vollkommen, ganz und gar außer Frage, dass es nicht sein kann, dass einem Menschen in Deutschland die kompletten Sozialleistungen* entzogen werden, so dass er verhungert und der Amtsschimmel zum Mörder wird. Ich finde, da sollte man gar nicht erst drüber diskutieren, mal ehrlich.
Ich habe die Fragen im Kommentar, die keinesfalls rethorisch gemeint waren, gestellt, weil ich den Fall nicht weiter bewerten wollte, ohne ihn zu kennen. Das wahr wirklich nicht als "Schuldzuweisung" an den Verstorbenen gedacht.
Vielen Dank für eure Kommentare, die diese Fragen aus verschiedenen Perspektiven beantwortet haben.

Wen zum Henker geht an, was ich mit meiner Zeit mache, fragt wrs. Darauf könnte ich natürlich auch ganz platt antworten: den, der das Geld gibt.

Zitat: "Und wenn ich Fehler mache, Fehlentscheidungen treffe, ineffizient plane, entscheide oder handle, dann ist das _trotz allem_, _von vorne bis hinten_ _meine Angelegenheit_."

Wenn ich arbeite, muss ich auch Termine einhalten, morgens erscheinen, nicht zu lage in der Mittagspause bleiben, in elendigen Meetings sitzen usw. Natürlich ist es meine Angelegenheit, ob ich das so mache. Aber nur, bis der Chef die Faxen dicke hat und mich rausscheißt.

Das soll gar nicht heißen, dass sich jeder für seine Entscheidungen rechtfertigen soll oder dass die Arge mit der Zeit der Empfänger umspringen darf wie sie will. Ich bitte dich nur wrs, nicht zu vergessen, dass unser aller Leben in einem gewissen Grad (mal mehr, mal weniger, mal extrem) fremdbestimmt ist. Egal, wer uns das Geld zum Leben zahlt.

Gruß,
Zeitlos


*Das Bafäg-Amt sagte mir mal, dass Sozialleistungen nicht komplett eingestellt werden können, sondern höchstens halbiert. (Was zu der absurden Situation führte, dass ich einen Haufen Geld zurückzahlen musste auf einen Schlag, aber gleichzeitig weiter Bafög bekam) Gilt das eigentlich nicht mehr?
unkreativ.net - 21. Apr, 00:05

Liebe Zeitlos,

das mit der Maus darfst Du nicht abwertend sehen. Ich selber nennen alle und jede Frau wahlweise Engel, Maus oder Fee :-D Das ist eher... Hochachtung für das weibliche Geschlecht.

Danke Dir für Deinen langen, ergänzenden Beitrag. Ist halt ein sehr emotionales Thema und ich hoffe Du weist, dass ich Dich auch dann sehr schätze, wenn mir selbst Deine Aussagen eher verquer vorkommen. Aber so ist das in der besten Demokratie, die man für Geld kaufen kann: Jeder darf alles sagen und nicht jeder muss alles mögen :-D Ich für meinen Teil verstehe Dich jetzt aber deutlich besser, als das nach Deinem letzten Beitrag der Fall war.
wrs (anonym) - 21. Apr, 08:43

Schön brav sein

Zitat: »Zitat: "Und wenn ich Fehler mache, Fehlentscheidungen treffe, ineffizient plane, entscheide oder handle, dann ist das _trotz allem_, _von vorne bis hinten_ _meine Angelegenheit_."

Wenn ich arbeite, muss ich auch Termine einhalten, morgens erscheinen, nicht zu lage in der Mittagspause bleiben, in elendigen Meetings sitzen usw. Natürlich ist es meine Angelegenheit, ob ich das so mache.«

Sicher muss man Termine einhalten... Du willst auf die versäumten Termine des Verhungerten hinaus? -- Sicher muss man Termine einhalten, wenn man arbeitet. Aber wenn man arbeitet, ist man sich stets gewiss, dass man bei was auch immer für einer 'Einbestellung' nicht den Kopf abgerissen bekommt. Auch mein Gegenüber weiß dort, dass ich sowohl einklagbare Rechte als auch Möglichkeiten habe, diese Rechte tatsächlich einzuklagen. Und wenn es erstmal nur der Betriebsrat oder vielleicht in nächster Instanz eine Gewerkschaft sei.

In Hartz IV ist das mit dem Kopf sehr häufig genau gegenteilig: Man hat das sehr deutliche Gefühl, dass jeder Einbestellung eine Bedrohung zugrunde liegt. Da man in alle Richtung -- vollkommen -- von der ArGe abhängig ist, fühlt eine solche (unausgesprochene) Drohung sich als sehr viel näher an einer Existenzbbedrohung dran als jedes Gespräch mit dem Vorgesetzten je sein könnte.

unkreativ hatte nach dem Beschwerdeweg bei der ArGe gefragt. Obwohl einige Betroffene an der Diskussion mitgewirkt haben, hat man gesehen, dass auf die Frage zuerst mal sowas wie Ratlosigkeit herrschte. (War zumindest mein Eindruckl davon.) Und die Antwort, die dann kam, die von Mirtana nämlich, ließ klar werden, dass es da kein einheitliches Verfahren gibt (oder zumindest zu geben scheint).

Bei mir ist die Unwissenheit über den Beschwerdeweg dadurch begründet, dass ich irgendwann zum $BOSS der hiesigen ArGe einbestellt wurde -- und der sich, was mich da erstaunte, als völlig vernünftig erwies. Deswegen pflege ich seither den Kontakt mit ihm, lasse dann und wann mal durchblicken, wenn ich mich gegängelt (nun, zu gängeln versucht) fühle -- halte es aber umgekehrt auch so, dass ich nicht daran rühre, wenn mir der Ärger mit seinem Laden nicht bis zum Hals steht. -- Ich weiß nicht (und deswegen frage ich auf oeffentlich.wordpress.com ja gerade nach Öffentlichkeit) wie es die anderen hiesigen Betroffenen halten -- ob die so alles fressen, oder ob es bei denen vielleicht ganz ähnlich läuft wie bei mir, und dass wir alle, sternförmig, unsere guten Beziehungen zum $BOSS pflegen und deswegen nicht aufmucken.

Aus diesem Grund weiß ich schlicht nicht. ob es überhaupt einen Beschwerdeweg gibt oder irgendeine -- wirksame -- Instanz, die mir im Rücken steht. Die Gewerkschaften zumindest waren es lange Zeit nicht. Wie es aktuell aussieht weiß ich nicht. -- Dass ich das nicht weiß, spricht aber dafür, dass, selbst wenn sie hinter den Hartz-IV-Abhängigen stehen, sie sich nicht unbedingt ein Bein ausreißen, das dieser Gruppe auch zu verklickern. Die hiesigen ArGe schmückt ihr Schwarzes Brett zumindest lieber mit großformatigen Plakaten zu "Wie mache ich mich selbständig". (Wozu mir der Brand1-Artikel "Feuern und Vergessen von 04/2003" wieder einfällt. Ich versuche mal, ob das mit dem Link klappt.)

Und einklagbare Rechte? -- Da sind so viele unausgesprochene Drohungen in der Atmosphäre der ArGe. Sie haben Zeit, Rechte einzuklagen? Sie sind wohl unterbeschäftigt. Na, damit sie sich nicht einsam fühlen, hätten wir hier noch einen wunderschönen 1-Euro-Job. Extra für Sie sogar in Vollzeit.
 

Klar ist es mehr oder minder fremdbestimmt. Aber Du schuldest doch auch nicht irgendwem -- nicht mal Deinem Chef, von dem Du eher mehr als minder abhängig bist, -- Rechenschaft darüber, was in Deinem Privatleben vor sich geht. Ich weiß gar nicht, ob man dem gegenüber irgend etwas über seine Zukunftspläne verraten muss; aber zumindest für Frauen weiß ich, dass sie beim Vorstellungsgespräch nicht sagen müssen, dass sie vorhaben demnächst schwanger zu werden. Ich weiß leider nicht, ob das primär wegen Diskriminierung so ist, oder ob es doch irgendwo mit Respekt vor der Privatsphäre zu tun hat. Auch die Frage "Sind Sie Jungfrau?" wurde irgendwann als unzulässig für ein Bewerbungsgespräch eingestuft. Auch, weil nicht jeder weiß, dass die Antwort "nein, Fische" ist. ;-)

Fremd beeinflusst zu sein, erscheint mir okay, aber teilweise wirkt die Absicht der verschiedenen Sachbearbeiter auf mich so, als würden sie gerne ein Computerprogramm nehmen, mir das einsetzen, auf dass sie mir das nicht alles selber sagen müssten, sondern auf dass ich ... nun, gehorche.
Rüdiger (anonym) - 21. Apr, 10:00

Studenten und Hartz4

> Ich habe als Studentin[...]
Als Studentin hast du dein Leben noch vor dir. Du machst eine Ausbildung die einen bestimmtem rel. kurzen Zeitraum dauert. Du hast die hoffnungsvolle Erwartung, das du nach deinem Studium eine gut bezahlte Arbeit findest.

Ausserdem hast du als Studentin etliche Vergünstigungen. Du kannst in der Mensa der Unversität für 2 Euro eine warme Mahlzeit bekommen. Du bekommst Vergünstigungen beim ÖPNV. Du kannnst rel. unbürokratisch einen Nebenjob ausüben.

Wenn du nach 2-3 Jahren Studium ein paar neu Klamotten brauchst hilft dir vielleicht auch noch Mama und Papa - genauso, wie du dort gelegentlich ein kostenfreies Wochenende verbringst. Auch helfen dir deine Eltern vielleicht bei der Wohnungseinrichtung.
------------------------------
Als Hartz4-Empfänger hast du meist dein Leben hinter dir - die Aussicht eine Arbeit zu bekommen ist faktisch nahe null. Du lebst in dem Bewusstsein, das deine Situation sich nicht mehr verbessern wird - egal ob du 50 oder wie ich 35 Jahre alt bist.

Als Hartz4-Empfänger bekommst du keinerlei Vergünstigungen irgendwelcher Art. Du kannst zu irgenwelchen Wohlfahrtsverbänden gehen - das ist alles.

Hilfe aus deinem Verwandtenkreis wirst du wenn du Glück hast auch als Hartz4-Empfänger bekommen - vielleicht aber auch nicht.

Zur Ursprungsfrage, ob Hartz4-Empfänger hungern und frieren müssen:
345,-- bekommt man als Einzelperson. Zuzüglich Miet- u. Heizkosten - eigentlich sollte man als Hartz4-Empfänger also nicht frieren müssen.
Klingt ja ganz gut - nur sieht es in der Praxis anders aus.
In der Praxis wird dir gesagt, das deinen Miet - u. Heizkosten einen bestimmten Betrag nicht überschreiten dürfen. Hier bei uns zusammen 264 Euro. Meine Miet -u. Heizkosten belaufen sich auf 292 Euro.
______________
609,-- bekomme ich von der Arge.
- 292,-- Miete/Heizung
- 52,-- Strom
===========
265,-- bleiben zum "Leben" übrig
Zum "Leben" heisst für Essen, Trinken, Kleidung - einfach für alles.

Versicherungen? Kann ich mir nicht Leisten. Wozu auch? - Wenn was passiert - mir kann keiner mehr in die Tasche greifen ;)
Kino? War ich das letzte mal vor 4 Jahren.
Kneipe? Ist nicht drin.
Internet? Einen Telefonanschluss kann ich mir nicht leisten. Wenn mir ein freundlicher Nachbar sein WLAN nicht zur Mitbenutzung überlassen würde könnte ich das hier nicht schreiben.

Fazit:
Hungern musste ich auch schon - regelmässig zum Monatsende.
Verhungern musste ich - offensichtlich - noch nicht.
Gefroren habe ich bislang auch noch nicht.
Aber ich bin auch noch in der Lage, mit dem dauernden Druck und der menschenunwürdigen Arge-Bürokratie fertigzuwerden.
Fördern und Fordern? Bislang (seit beginn von Hartz4) wurde von mir nur gefordert.
unkreativ.net - 19. Apr, 22:32

Anonyme Einreichung einer Bekannten

Regelleistung für erwerbsfähige Hilfsbedürftige:
345,00 EURO (Westdeutschland)
Anerkannte monatliche Kosten für Unterkunft und Heizung
243,70 EURO

Zusätzlich: Übernahme der Bewerbungskosten a 5,00 Euro pro Bewerbung, maximal 20 Bewerbungen (sprich 100,00 EURO) im Bewilligungszeitraum (sechs Monate) - wird nur auf Antrag und nach Prüfung erstattet ...

Ausgaben:
  • 243,70 Miete (wird bei mir erstaunlicherweise komplett übernommen seit dem neuen Bescheid, vorher durfte ich da auch noch 14,70 zuschießen vom Regelsatz ...)
  • 22,60 Strom (wird NICHT übernommen, selbst bei Härtefällen nicht)
  • 44,95 Internet/Telefon
  • 00,00 Hausrat (mußte ich kündigen)
  • 00,00 Haftpflicht (siehe oben)
  • 30,00 Abzug für das Mietkautions-Darlehen der ARGE (wird direkt abgezogen)
  • 42,38 Einkaufszettel vom 31.03, lokaler Discounter, Einkauf für eine Woche (sprich Grundnahrungsmittel wie Käse, Wurst, Milch, Brot, Nudeln, etc.)
  • 46,91 Einkaufszettel vom 07.04., lokaler Discounter (siehe oben)
  • 38,54 Einkaufszettel vom 15.04., lokaler Discounter (siehe oben)
  • 10,00 Praxisgebühr Krankenhaus/Arztbesuch
  • 23,77 Einkaufszettel Drogeriemarkt (Zahnpasta, Duschgel, Shampoo,Waschmittel, Spüli, etc.)
  • 4 x 3,95 = 15,80 für Wasserkästen (einen pro Woche - ohne Pfand)
    ( 40,00 Euro für Wocheneinkauf nächste Woche (eingeplant))
  • 20,00 Euro circa Bäcker
Damit hätte ich aktuell noch 50,05 EURO in der Geldbörse. Davon gehen (siehe Klammer oben) noch mal 40,00 Euro ca. für den Wocheneinkauf nächste Woche ab.

Bleiben 10,05 EURO für Kleidung, Bewerbungen (das Geld dafür kriegt man schließlich erst wieder, NACHDEM man es hat vorschießen müssen), Bücher, "Luxus" wie frische Wurst vom Fleischer z.b., Ausflüge, Anschaffungen, Weggehen ...

debaser (anonym) - 23. Apr, 14:29

"30,00 Abzug für das Mietkautions-Darlehen der ARGE (wird direkt abgezogen)"

Dagegen würde ich mich zur Wehr setzen, denn das ist eine nicht gesetzlich gedeckte Regelung zwischen Arge und der Betroffenen.

Vgl. hierzu: §23 Abs. 1 SGB II.

Mietkautionen gehören zu den Kosten der Unterkunft und müssen daher nicht von der Regelleistung entrichtet, sondern erst nach dem Ende des Leistungsbezugs (in Raten) zurückgezahlt werden.

Sollte die Gewährung des Darlehns zwischen dem 1.1.2005 und dem 1.4.2006 erfolgt sein, so ist sie komplett rechtswidrig, da es in diesem Zeitraum noch überhaupt keine Regelung zur Mietkaution als Darlehn im Rahmen des SGB II gab.

Solche Fälle von Leistungsmissbrauch durch die Arge`n sind leider kein Einzelfall.
unkreativ.net - 23. Apr, 14:39

Wenn man...

... sowas nicht weiss, keine Möglichkeit hat sich in Gesetze / Ver- und Anordnungen einzulesen oder schlicht nicht die kognitiven Fähigkeiten besitzt, solche Regelwerke zu lesen & zu verstehen, ist man sehr dankbar für solche Hinweise.

Sofern fundiert: bitte mehr davon!
debaser - 23. Apr, 15:36

http://www.tacheles-sozialhilfe.de/

Dort im Forum gibt es (auch) viele Leute, die kostenlose und fundierte Sozialberatung betreiben. Ebenso gibt es zumindest in den größeren Städten Initiativen, wo kostenlose Beratung anbieten.

Dann gibt es Beratungsliteratur zum Selbstkostenpreis, um sich im Grundsätzlichen zu schulen: http://www.tacheles-sozialhilfe.de/literatur/Leitfaden.html

Keine Beratungsliteratur, aber wohl eines der ergiebigsten und in jeder Hinsicht fundierten Gegenfeuer: http://www.fhverlag.de/show.php?action=show&record=9.0&thema=1&page=1&from=th&UID=
Uncle Scrooge (anonym) - 20. Apr, 01:22

die Studenten...

In Hartz-IV-Diskussionen ließt man oft, mit wie wenig Geld diverse Studenten auskommen, üblicherweise im 450 - 550 € Bereich. Das kaufe ich nicht. Da ich selbst einer bin, kann ich das wohl beurteilen.

1. Ich glaube, dass oft nicht alles Geld angegeben wird, was zur Verfügung steht. Sehr oft bekommt man von Eltern, Großeltern etc. Extra-Geld, von dem dann neue Anschaffungen finanziert werden. Wichtig sind auch Geschenke zu Weihnachten oder Geburtstag. Ich denke, solche Einnahmen werden nicht einberechnet.
2. Studenten bekommen viel mehr Vergünstigungen als Arbeitslose. Ich sehe es eigentlich nie, dass es ermäßigte Preise gibt für Arbeitslose. Meine Bahncard 50 kostet mich 100€, für alle anderen 200. Nur als Beispiel.
3. Studenten haben im allgemeinen geringere Ausgaben. Sie sind häufig nicht zu Hause, was die Nebenkosten senkt (besonders in den Semesterferien), sie bekommen vergünstigte Versicherungstarife, müssen nix für's Konto zahlen, kriegen billiges Mensa-Essen usw. Sehr viele sind auch während der Semesterferien zu Hause, da fällt dann das Essen weg. Essen kostet viel. Zu Beginn meines Studiums habe ich ca. 5€ pro Woche weniger ausgeben müssen für die selbe Menge.
4. Häufig kriegen Studenten was aus kleinen Jobs, irgendwas an der Uni oder Ferien. Können Arbeitslose nicht so einfach.
5. Der wichtigste Unterschied: Sie wissen, es ist eine vorübergehende Situation und v.a. eine Investition in die Zukunft. Das ist bei Arbeitslosen völlig anders.

Was den Toten anbelangt: Mit Verlaub, jegliche Fragen danach, ob er denn der Agentur seine Situation klar gemacht hat sind völliger Schwachsinn. Wenn einer so richtig depressiv ist passiert gar nix mehr. Da geht er noch nicht mal mehr aus dem Haus. Und schon gar nicht setzt er sich mit garstigen Behörden auseinander. Das fällt den meisten Menschen schon in einem einigermaßen gesunden Zustand schwer. Zudem war der Mann lernbehindert. Ich bezweifle, dass er überhaupt verstanden hat, was in den Briefen stand, die im die Agentur geschickt hat.

unkreativ.net - 20. Apr, 09:14

Ich bitte um Verständnis, wenn meine Ausführungen für Sie eventuell schwer verständlich bleiben.

... schreibt die Agentur für Arbeit, schreibt Udo Vetter: Klick!
Abraxa (anonym) - 20. Apr, 11:10

mir geht es gut...

... weil ich erst zwei jahre arbeitslos bin und mein freund arbeitet und ich erziehungsgeld bekomme. wir ahben einen gesammtbedarf von 1070€ gehalt+400€ für mich +210 € fürs Kind. nichg bekomme ich 300 Euro Erziehungsgeld dazu

gesammt: 1980€

Miete:420
nebenkosten: 160
strom: 90
telefon+ dsl: 50
handyvertrag aus dem ich nicht rauskomme: 15
schulden durch wohnungsbrand: 200
schulden durch nachzahlung strom: 75
schulden weil ich mir die renovierung meiner alten wohnung nicht leisten konnte und es selbst gemacht habe, was nicht ordentlich genug war: 75€

kosten für windeln und nahrung fürs baby: 180 pro Monat
kosten für kinderbekleidung/die wachsen verdammt schnell): 40 Euro im Monat
kosten für Monatskarte(arbeitsweg mein Freund):40
kosten für ARbeitskleidung (Einzelhandel, wenn er nicht irdentlich gekleidet ist dann fliegt er): 20 Euro

derzeit : 1350 + Nahrung für die Erwachsenen. im Juli fallen 100 Euro weg weil ich dann lange Arbeitslos bin. In 11,5 Jahren fallen die 300 Euro Erziehungsgeld weg.

Fazit: ich versuche eine tagesmutter für den kleinen und einen job für mich zu finden. am besten noch vor dem Urlaubsgeld meines Freundes, denn dann können wir davon Schulden zahlen statt das das Amt es einkassiert.

achja, für die nächste Nachzahlung sparen, oder für die Rente, oder für das Kind ist danna uch nciht merh drin. geht die waschmaschine oder noch schlimmer der herd kaputt sind wir am a***


wohlgemerkt: uns geht es noch gut.

Abraxa (anonym) - 20. Apr, 11:20

hab da noch was vergessen

der mindestsatz den wir ohne freundesarbeit und schon länger arbeitslos bekommen würden wären 1310 Euro. da ist das kindergeld schon drin.

Markus (anonym) - 20. Apr, 13:39

sparen geht gut

Ich kaufe Kleidung und Spielsachen für die Kinder immer auf den speziellen Kinderflohmärkten ein. Sind zum Teil kaum getragen, sehr gut erhalten, und super günstig.
Für Telefon und DSL 50 Euro? Viel zu teuer, das geht auch günstiger. Kabel BW: 10MBit Internet flat + Telefonflat 29.90 Euro als Beispiel, es gibt auch noch andere Möglichkeiten.
Es gibt noch mehr Möglichkeiten, einfach mal im Internet suchen... das läppert sich ganz schön zusammen.
unkreativ.net - 20. Apr, 13:44

Lieber Markus,

biete das doch an: Mach einen Aushang im lokalen Jobcenter, in Blogs oder sonstwo und hilf den Leuten zu sparen, wenn Du kannst. Ich bin sicher, viele zahlen irgendwo aus Unwissenheit zu viel. Vielleicht kannst Du ihnen helfen?

Und dann hier berichten? Das fänd ich doppelt super. Für die Arbeitslosen, denen Du hilfst und für meinen Blog, weil es sinnvoller Inhalt wäre...
Markus (anonym) - 20. Apr, 13:49

nochmal sparen

Ich habe 2 Kinder und Frau und zahle 45 Euro für Strom, mit PC+DSL, Kühlschrank, TV, Licht, usw. Wohnfläche ca. 75m2 . Nach und nach alles mit Energiesparbirnen ausgestattet, TV immer ausgeschaltet (kein standby) usw. Stromanbieter gewechselt. Ca. 50 % Strom gespart.
unkreativ.net - 20. Apr, 13:53

Du bist von welchem Anbieter zu welchem gewechselt?

Kannst Du nichtmal einen "Spar-Guide" schreiben, den ich gerne hier veröffentliche? Ggf per Mail an mich?
Markus (anonym) - 20. Apr, 14:00

Nein kreativ.net , da bin ich zu faul dazu. Mich hat nur aufgeregt, dass gejammert wird statt sich mit der Situation zu arrangieren und sich zu kümmern. 90 Euro für Strom zu zahlen, könnt ich mir auch nicht leisten und 50 Euro für Tel+Internet. Man muss einfach mal den google öffnen, und suchen z.b. www.kosten.de oder auch andere...
unkreativ.net - 20. Apr, 14:06

Naja schau, bei mir ist zum Beispiel der Wechsel zu einem günstigeren Energie-Lieferanten nicht wirklich möglich. Das scheint zum Beispiel in Ballungscentren leichter zu sein.

Sparen ist halt eine Kunst die manche beherrschen und manche nicht. Ich vielleicht deshalb nicht, weil ich es eigentlich mein Leben lang nicht mußte...

Deswegen hatte ich gehofft, Du würdest außer ein paar Highlights mal den Leuten helfen, Konzepte zu entwickeln, Dich sozial verhalten und Dein Wissen mit denen teilen, die es dringend brauchen könnten. SChade, dass Du dafür zu faul bist.

Aber Du hast recht, was geht Dich das Schiksal anderer an ;-)
Markus (anonym) - 20. Apr, 14:15

Naja, es ist eben nicht so dass ich ein sorgenfreies Leben hätte (trotz sparens), und immerhin habe ich ein paar Tipps gegeben, deshalb lasse ich mich nicht beschimpfen mir wäre das egal... Machs Du doch...

Aber hier noch ein paar kostenlose Tipps für die Liste:

-Sehr gute Kleidung gibts teilweise nur 1 mal getragen im SecondHand Laden.
- Ich lebe hier im ländlichen Raum die nächst grössere Stadt hat 30.000 Einwohner, den Stromanbieter wechseln sollte nirgends ein Problem sein, man meldet sich beim neuen Anbieter an und der regelt automatisch die Kündigung beim alten Anbieter. Nur bei Gas geht es noch nicht so leicht. Vergleichsrechner gibts im Internet.
- auch in kleineren Städten gibt es von sozialen Einrichtungen Fair-Kauf Läden wo man prima Möbel, Herde, TV, Kühlschränke usw . günstig bekommt.
Mirtana - 20. Apr, 14:16

Mich hat nur aufgeregt, dass gejammert wird statt sich mit der Situation zu arrangieren und sich zu kümmern. 90 Euro für Strom zu zahlen, könnt ich mir auch nicht leisten und 50 Euro für Tel+Internet. Man muss einfach mal den google öffnen, und suchen z.b. www.kosten.de oder auch andere...

Erstens ist das stark regionalabhängig, zweitens dauert es seine Zeit (z.b. bei unserem lokalen Stromanbieter) bis man runtergestuft wird wenn man weniger verbraucht als der Vormieter oder im Vorjahr. Bezahlen muß man es trotzdem erst einmal.
Zweitens kann der Vermieter sagen: Nö, der Stromanbieter und sonst keiner.
Drittens kann es auch sein, daß z.B. der Vertrag für Internet/Telefon VOR der Arbeitslosigkeit abgeschlossen wurde und die laufen in den meisten Fällen 24 Monate.

Weißt Du, es gibt zwei Arten mit Wissen umzugehen. Man kann es sich aneignen und vom hohen Roß herunter andere belehren. Man kann es aber auch mit jenen teilen, die es nicht haben. Ich persönlich bevorzuge den zweiten Weg ...
unkreativ.net - 20. Apr, 14:18

Hallo Markus,
ich hoffe DU weißt das ich nur sticheln, provozieren, nicht aber persönlich beleidiegen wollte?

Danke nochmal für Deine Tips. Und hier lohnt sich der Wechsel aktuell leider wirklich nicht ;-)
Abraxa (anonym) - 20. Apr, 14:19

wir haben...

hier den günstigsten tarif, würden ganze 5 euro sparen wenn wir langsameres dsl haben. man muss dazu wissen, dass sowohl mein freund als auch ich informatiker sind. wir sind beim günstigsten stromanbieter der geht, woher die 90 Euro kommen weiß ich nicht. vielleicht davon, dass ein rechner den ganzen tag über läuft?

wie gesagt, derzeit können wir es uns noch leisten. wenn nicht müssen wir abstriche machen.

flohmärkte für kinderklamotten gibt es hier 2 mal im jahr. mein sohn ist ein halbes jahr, hat mittlerweile klamottengröße 80. ist es verwerflich, dass ich meinem sohn neue unterwäsche anziehen möchte statt gebrauchter?

ich werde es bald müssen wenn ich nicht eine arbeit finde.

ich versuche übrigens seit 1 monat einen termin bei meiner arge zu bekommen. denn das hin und zurück fahren mit dem zug kostet mich 7 Euro, also fahre ich nicht hin um nen termin zu bekommen. also telefon und Brief. ich erreiche nur nie jemanden. sowohl mein sachbearbeiter als auch meine jobvermittlerin scheinen seit dem ersten tag wo ich da angerufen habe im urlaub zu sein. jeden montag rufe ich an und sie sagen, nein, noch bis nächste woche montag sind die beiden im urlaub. ich brauche aber eine unterstützung von denen. meinetwegen auch eine ablehnung. aber ohne einen stempel von denen bekomme ich vom jugendamt keine tagesmutter. ohne tagesmutter bekomme ich keinen job. einen stundenlohn von 4,50 für eine tagesmutter kann ich nicht aufbringen wenn ich selber maximal 7 Euro die Stunde verdiene und noch wegezeiten mit einberechnen muss. und natürlich nicht zu bvergessen, die monatskarte für mich. oder das fahrrad, je nachdem wie nah der job ist.


übrigens bekomme ich nicht das ganze geld das ich brauche sofort ausgezahlt. die arge hat die verdienstabrechnung vom letsten urlaub meines freundes gesehen. nun veranschlagen sie für meinen freund 1400 Euro stat 1070 euro netto. den 300 Euro die da fehlen muss ich jeden monat hinterherrennen. das bedeutet: verdienstabrechnung kopieren, per einschreiben hin schicken, oder selber hinfahren, (die normale post geht häufig verloren), eine woche warten, anrufen und so lange nerbven bis mir gesagt wird: das geld wird morgen angewiesen, noch eine woche warten und dann ist das geld (vielleicht) auf dem konto.
unkreativ.net - 20. Apr, 14:22

Wie ist eigentlich der Beschwerweg bei den Argen? Ist das geregelt?
Markus (anonym) - 20. Apr, 14:29

Nochmals ich,
unkreativ.net wollte wissen, welchen Anbieter ich habe:
also: im Moment bin ich bei Yello Strom, überlege aber wieder zu wechseln. Der Vermieter kann da gar nichts machen, weil ich den Vertrag mit dem Stromanbieter habe, nicht der Vermieter. Der Wechsel ging zu meiner Überraschung super bequem und einfach über die Bühne.
Die Müllgebühren sind derzeit ein Problem, da bei uns die Anzahl der Leerungen berechnet werden, das ist ein Problem bei 2 Kindern die Windeln benötigen, da braucht man plötzlich doppelt so viele Leerungen. Die Gemeinde unterstützt leider nicht, eine Nachbargemeinde würde unterstützung zahlen. So versuche ich im Moment mit der Gemeinde oder Bürgermeister (Leserbriefe in der Zeitung helfen da manchmal...) herumzustreiten.
Also ich kenn doch die Probleme selber. Man ist immer unterwegs um was irgendwo zu bekommen, man kann das ganze aber auch sportlich sehen...
Mirtana - 20. Apr, 14:34

Falsch Markus. Der Stromzähler gehört dem Stromanbieter, bei dem sich der Vermieter irgendwann mal angemeldet hat. Wenn der Vermieter sagt "Ist nicht" dann ist ist auch nichts mit Wechsel, weil der original Stromanbieter dann die Möglichkeit hat, sein Eigentum - den Stromzähler - auszubauen. Es gibt in Deutschland kein Recht auf Stromversorgung. Der Stromanbieter hat auch das Recht, vier Wochen nachdem man Dir wegen Nichtzahlung den Strom abgedreht hat, den Zähler auszubauen - damit Du nicht von der Konkurrenz Strom beziehst und der orginal Stromanbieter auf seinen Kosten sitzen bleibt.

Das mag regional unterschiedlich geregelt sein - doch so groß sind die Unterschiede nicht.
Markus (anonym) - 20. Apr, 14:39

Also bei mir hat der Wechsel geklappt, weil ich den Vertrg mit dem Stromlieferanten habe. Der Vermieter weiss nichts davon, muss er auch nicht wissen.

Noch eine interessante und (hoffentlich) seriöse Seite: http://www.ard.de/ratgeber/
aschibukat - 1. Aug, 08:46

stromanbieter

wer kann mir weiterhelfen ich wollte meinen stromanbieter wechseln
von vattenfall zu nuon anfang wurde mein wechsel bestättigt aber nach ein paar tagen teilte mit nuon mit sie würden mich nicht nehmen ohne angaben von gründen um eine antwort würde ich mich sehr freuen oder wer weis wo man das erfahren kann ob das rechtens ist.
me again (anonym) - 20. Apr, 14:26

manuell gebacktrackt - blogger.com kann's nicht

[...] Is it still 'your' Germany? A super-rich and intelligently acting country? -- At least, I came to the point [...]

Mirtana - 20. Apr, 14:40

Beschwerde bei der ARGE?

Ich bin mir nicht ganz sicher, doch ich glaube, das liegt in den Händen der jeweiligen ARGE, wie sie das Beschwerden-Management handhabt. Es gibt in Gelsenkirchen z.B. die Hotline, da kann man sich auch beschweren - wie effektiv das jetzt wirklich ist, weiß ich nicht und ich wage zu bezweifeln, daß das wirklich etwas bringt.

Ich persönlich gehe für normal den direkten Weg und der heißt "Ich diskutiere nicht weiter mit ihnen und ich möchte jetzt ihren Vorgesetzten sprechen". Allerdings habe ich den Vorteil, sehr ... kommunikationsstark zu sein und mir von einem Sachbearbeiter nicht die Butter (welch Luxus ...) vom Brot nehmen zu lassen. Dazu gehört leider Gottes auch, daß man sich vor dem Besuch seiner ARGE mal darüber informiert hat, welche Rechte und Pflichten man eigentlich hat.

Denn von einem Sachbearbeiter zu hören "Ja, das weiß ich jetzt nicht, ob das möglich ist ..." ist für mich keine annehmbare Antwort. Dann eben so lange nerven, bis ich mit jemandem sprechen kann, der Ahnung hat.

unkreativ.net - 21. Apr, 00:50

Dankenswerter Weise...

... listet Today diese Diskussion aktuell als eine der Top-Diskussionen der Woche und mein Blog damit als eines der Top-Blogs der Woche.

Wenn man dem jetzt noch... Spin verleihen könnte... *grübel*

unkreativ.net - 21. Apr, 01:01

wrs (anonym) - 21. Apr, 10:07

Fenrir hatte in seinem Blog auf einen Stern-Artikel gelinkt.

Drive erzeugen? Vielleicht, indem wir jetzt einfach mal gesalzen all die Einschränkungen auf den Tisch bringen, die seit (spätestens) 2004 über die Bühne gegangen sind (E-Mail-Zugriff, Bankgeheimnis), und die Journalisten -- und alle anderen in den Foren Anwesenden -- mit Links zu verlässlichen Quellen ausstatten, die unsere Behauptungen stützen.

Ergänzende Ideen?
unkreativ.net - 21. Apr, 11:20

Ich hätte da eine Bitte!

Könnt Ihr mal bei Euren Stadträten, Bürgermeistern, Landräten nachfragen, wie man bei Euch verhindern würde, dass sich ein Fall wie in Speyer wiederholt? Ob es ÜBERHAUPT von Interesse ist / jemand schon die Idee hatte?

Bitte veröffentlicht die Schreiben hier (gerne per Mail an mich und ich mache das dann) und schreibt mit rein, dass Ihr das Schreiben wie auch die Antwort unter der Internetadresse
http://unkreativ.twoday.net/stories/3625142/
veröffentlichen werdet.

Ich geh natürlich mit und werde heute oder morgen mal meinen Stadtvätern und dem Kreis einen Brief schreiben. Ich werde übrigens auch nachfragen, ob und welche Vergünstigungen es für Hartz-IV-Empfänger gibt, analog zu Vergünstigungen für Studenten. Ich MISSGÖNNE sie KEINEM Studenten, bin aber der Meinung, dass es das MINDESTE ist, dass nicht nur Rentner und Studis sie bekommen, sondern eben auch jene "Vergessenen".

unkreativ.net - 21. Apr, 11:41

28.400.000.000 Euro


Rüdiger (anonym) - 21. Apr, 12:32

> Über Hartz IV'er und andere Dinge reden wir jetzt besser
> gar nicht mehr.
Wenn wir schon bei Vergleichen sind:
http://www.bundesfinanzministerium.de/bundeshaushalt2007/html/vsp2i-e.html
Bundesministerium für Arbeit und Soziales:
124.410.713.000 Euro (124,5 Milliarden)
unkreativ.net - 21. Apr, 13:56

Ich vergleiche das lieber mit dem BMBF ;-)

Interessant sind übrigens auch Zahlenspiele rund um das bedingungslose Grundeinkommen...
steff (anonym) - 21. Apr, 13:43

Ziemlich spät auch noch mein Senf dazu:

Im Normalfall reichts es für das Existenzminimum. Vielleicht ein paar Details und Einschränkungen dazu:
- Wohnung: Die normalen Nebenkosten werden (wie üblich nach irgendwelchen ortsüblichen Preisen) übernommen, bis auf einen Abschlag von ca. 10 Euro auch das Warmwasser. Wie die Arge auf Nebenkostenrechnungen reagiert, weiß ich allerdings nicht: bin trotz diverser Preissteigerungen ohne Nachzahlung ausgekommen, und zwar ohne zu frieren oder nur 1x wöchentlich zu baden. Hängt natürlich auch damit zusammen, wie ich heize: z.B. kostet es _deutlich_ mehr, ein völlig ausgekühltes Zimmer morgens hochzuheizen (wohnlich: Thermostat Stufe 3, was üblicherweise auf 20°hinausläuft) als die Heizung abends nur auf Stufe 1-2 (12-16°) runterzudrehen und am morgen nur ein mäßig kühles Zimmer wieder anzuheizen. Auch habe ich Nebenräume (Küche,Schlafzimmer) nichts wie das Wozi geheizt, sondern ganztags so wie das Wozi nachts. Wichtig auch hier: nicht ganz aus, sonst kühlen die Wände aus und die Wozi-Heizung läuft den ganzen Tag auf Hochtouren. (Wenn man nicht allein von H4 lebt, sondern mit Familie, muss man freilich mehr Räume heizen)
- Vermögen: gestattet sind 200 Euro pro Lebensjahr, also 6000 Euros für einen 30jährigen, 10000 für einen 50jährigen. Plus Dinge, aus denen man nicht rauskommt (z.B. ein Riestervertrag). Für Kredite werden iirc die Zinszahlungen übernommen, nicht aber Tilgungsraten, denn das gilt als Vermögensbildung.
- Richtig problematisch, wenn man nicht mal mehr erlaubtes Restvermögen hat, sind "Sonderausgaben", wie sie mehr oder weniger zwangsläufig, unregelmäßig anfallen: Kleidung, Zuzahlungen für Zahnersatz, neue Waschmaschine, usw.

Am Rande: soweit ich mich erinnere, wollte damals, als die neue Gesetzgebung in welchen Ausschüssen bekaspert wurde, die CDU/CSU nicht 345 Euro, sondern 200nochwas pro Monat als ALG2.

steff (anonym) - 21. Apr, 17:31

Zum Thema wird übrigens gerade gesödert:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,478648,00.html

Eher nebenbei wird ansatzweise auch mal erläutert, wie sich die 345 Euro ALG2 offiziell "aufschlüsselt": u.a. sind 130 Euro für Lebensmittel und 33 Euro für Unterhaltung enthalten.

Toll. Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich mich damals einfach nur 2-3 Wochen pro Monat ernährt, und wär dafür 2 bis 3 mal in Kino oder Kneipe gegangen. Stattdessen hab ich rumgerechnet, wie ich über die Runden komme. Ich Depp.
unkreativ.net - 21. Apr, 13:51

Ein Arbeitsloser verhungert in seiner Wohnung - und die Medien schweigen größtenteils

zu finden unter: Leben, Politik, erlebte Geschichte | Zu Mister-Wong hinzufügen Geschrieben von Jens Bertrams um 02:01 Uhr am 20. April 2007

Wie kann heute ein Tag sein, an dem alles normal weiterläuft? Wie kann man im Radio eher vom Irak, von Virginia oder Nigeria hören als von Speyer? Wie kann auch nur ein einziger Mensch in Deutschland einfach sein Leben weiter leben? Warum ist Minister Müntefering, warum ist die Bundesregierung noch im Amt? Warum muss Peter Hartz nicht von 345 Euro im Monat leben? Warum gibt es keine Lichterketten, Protestmärsche, Massendemonstrationen? Warum steht niemand auf? - Deutschland hat mir in letzter Zeit schon viele Anlässe gegeben, Kritisch und skeptisch zu sein. Jetzt aber ist der entscheidende letzte Schritt vollzogen, dieser Schritt, der dieses Land aus dem letzten Bisschen Unschuld reißt, den es sich in den letzten Jahren noch bewahrt hatte.

Ein Mensch ist gestorben. Gut, das passiert jeden Tag. Es ist Krieg im Libanon, im Irak, in Somalia… Es werden Regimekritiker in Russland umgebracht, in den USA werden die Leute entweder hingerichtet oder sterben auf tragische Weise bei einem Amoklauf. Es gibt also keinen Grund, sich darüber aufzuregen, mögen manche Menschen sagen.

Der Mensch aber, der gestorben ist, ist verhungert, und zwar in einer deutschen Stadt, einer traditionsreichen deutschen Stadt mit einem Dom, nämlich in Speyer.

War es ein alter Mensch, der sein Leben gelebt hatte? War es ein Unfall, oder gar ein Verbrechen?

Ja, es war ein Verbrechen!

Ein junger Mann, 20 Jahre alt, wurde am Sonntagabend (15. April) tot in seiner Wohnung aufgefunden, in der er mit seiner 48jährigen Mutter lebte. Er war verhungert, seine Mutter konnte gerettet und in ein Krankenhaus gebracht werden. Von ihr stammen die einzigen Aussagen, die Licht in das Dunkel dieser Tragödie bringen können. Demnach waren beide arbeitslos und Bezieher von Arbeitslosengeld II. “Aber”, so höre ich die feisten Politiker in ihren Dienstwagen murmeln, während sie sich durch die Innenstadt zu einem Luxusbordell chaufieren lassen, in dem sie sich mit dem Erfinder dieser ALG-Gesetze treffen und ein wenig vergnügen wollen, “Niemand stirbt in Deutschland den Hungertod. Wir leben in einem Sozialstaat. Und wenn jemand stirbt, dann ist er mindestens selber schuld. Fördern und Fordern heißt die Devise. Aber verhungern muss niemand.” Dann lehnen sie sich zurück und genießen die Aussicht, oder ärgern sich darüber, dass sich die Arbeitslosen nicht waschen und kämmen oder keine Designerklamotten tragen. Trotzdem ist die Wahrheit anders, als sie es behaupten und wissen wollen. Die von Peter Hartz initiierte Gesetzgebung hat es in Deutschland zum erstenmal seit 1949 möglich gemacht, dass Menschen auf gesetzlicher Grundlage ohne jede Zuwendung auskommen müssen. Damit wird der Hungertod von Arbeitslosen wissentlich und willentlich in kauf genommen.

Der Mann, der am Sonntag tot in seiner Wohnung in Speyer aufgefunden worden war, war depressiv. Aus welchen Gründen er das war, lässt sich nur vermuten. Ob diese ursächlich mit der Arbeitslosigkeit zu tun haben, ist bislang noch ungeklärt und wird wohl auch immer ein Rätsel bleiben. Tatsache ist, dass er irgendwann den Kontakt zur Arbeitsagentur vollständig eingestellt hat. Er nahm keine Termine mehr wahr und lehnte jedes Seminarangebot durch Nichtreaktion ab. Daraufhin kürzte man ihm nach und nach die Arbeitslosenunterstützung, bis schließlich nichts mehr da war. Und er verhungerte. Auch seine Mutter erhielt schon seit einem halben Jahr kein ALG II mehr. Der junge Mann starb an Unterernährung, und seine Mutter sagte aus, dass sie sich kein Essen mehr hatten leisten können. Ganz egal, warum der Mann keine Arbeitsamtstermine mehr wahrgenommen hat, ganz egal, warum seine Mutter, die ihn als depressiv und flegmatisch beschrieb, ihn nicht gedrängt oder Nachbarn und Freunde zur Hilfe gerufen hat, erschüttert mich doch die Tatsache allein, dass er auf gesetzlich korrektem Wege kein Geld mehr bekommen hat und sich daraufhin keine Lebensmittel mehr leisten konnte. Deshalb ist er verhungert. Die Süddeutsche Zeitung berichtet in einem Kommentar zu diesem Artikel von der Pressekonferenz, mit der Stadt und Arbeitslosenagentur die Verantwortung abwälzen: “Wir haben keine Mitarbeiter”, erklärt der Chef der zuständigen Arbeitsagentur, “um zu jedem hinzugehen, der sich nicht meldet.” Er muss aber zugeben, dass genug Mitarbeiter da sind, um nach Leuten zu suchen, die falsche Angaben gemacht haben und betrügen wollen. - Fördern und Fordern. Hier geht es nur noch ums Fordern.

Diese Gesetze machen krank! Sie schaffen erst das psychische Umfeld, in dem sich ein Mensch nicht mehr traut, zu Freunden und zu Nachbarn zu gehen, um um eine milde Gabe zu betteln. Sie schaffen erst die Voraussetzungen, dass Menschen sich gelähmt fühlen und nichts mehr anpacken. Sie treiben die Menschen in psychische Isolation! Und dann, wenn sie ganz unten sind, verweigern sie den Menschen das Lebensnotwendige. Sie verweigern ihnen das Existenzminimum, um überhaupt am Leben zu bleiben, geschweigedenn, um in Würde zu leben. Der junge Man aus Speyer wollte sterben, jedenfalls hat er in den letzten Monaten seiner Mutter gegenüber immer wieder ähnliche Andeutungen gemacht. Nur zynisch ist es, dass unsere Gesetze diese Art von Tod zulassen.

Die Bundesrepublik Deutschland, der Soziale Rechtsstaat, dessen Bürger als unveräußerliches Recht die Menschenwürde besitzen, hat eine Grenze überschritten. Sozialstaat ist dieses Land nur noch dem Namen nach. Wer nicht bereit ist, sich von aufgeblähten Behörden seine Rechte einschränken zu lassen, zum Beispiel das Recht auf freie Berufs- und Arbeitsplatzwahl und Unverletzlichkeit der Wohnung, auf Freizügigkeit und menschenwürdiges Leben, wer nicht bereit ist, nur noch für die Wirtschaft und nach dem Willen eines kriminellen Wirtschaftslenkers zu leben, der sich die Willfährigkeit der Gewerkschaften durch Bordellbesuche erkauft, der muss eben damit rechnen, dass ihm der Geldhahn ganz abgedreht wird, bis zum bitteren Ende, dem Hungertod in einer vor Reichtum überfließenden deutschen Stadt. Für Briefmarken, die dazu genutzt werden könnten, ALG-II-Empfänger darauf hinzuweisen, dass ein Folgeantrag fällig wäre, fehlt den Arbeitsagenturen das Geld, aber nicht dafür, Menschen, die in einer für die Behörde zu großen Wohnung leben, einen Raum zu versiegeln oder einen Umzug zu bezahlen, zumindest aber, sie zu kontrollieren und zu schikanieren.

Vor den Augen seiner Mutter starb in der letzten Woche ein junger Mann, weil er kein Geld hatte, sich etwas zu essen zu kaufen. Schämten sie sich, zu Nachbarn oder Freunden zu gehen? Hatten sie überhaupt Freunde? Warum haben die Nachbarn erst dann die Polizei gerufen, als alles längst zu spät war? Wie kann so etwas in einem Sozialstaat der ersten Welt passieren? Wohin hat uns die neoliberale Hetze getrieben?

Heute scheint ein ganz normaler Tag zu sein. Gestern hatte der Südwestrundfunk einen Bericht zum Hungertod des jungen Mannes verfasst, aber in keinem großen Radiosender wurde es aufgenommen. Ob die Medien ihre “staatspolitische Verantwortung” wiedereinmal spüren und nichts bringen, was zu kritisch ist? Ob sie sich wiedereinmal selbst Maulschellen anlegen, oder haben sie Angst um die Quoten, wo es ja doch niemanden interessiert? Könte es sein, dass diese Medien mit ihrer Gleichgültigkeit und der Hetze auf Arbeitslose es so weit gebracht haben, dass es Menschen gibt, die behaupten, dass dem jungen Mann Recht geschehen sei? Warum schweigen die Institutionen, die in der Lage wären, im Volke ein Bewusstsein für die Ernsthaftigkeit der Lage, für die Unmoral des Hartz-Terrors wachzurufen? Manager werden mit einem “goldenen Handschlag” verabschiedet. Arbeitslose sterben den Hungertod. - Das ist Deutschland. Wo sind denn die Menschen, die dagegen aufstehen und ihre Wut nicht durch reines Randalierertum äußern? Deutschland hat seine Stellung als Sozialstaat eingebüßt. Nicht so sehr, weil ein Mensch gestorben ist. Das ist tragisch, und es geschieht immer wieder: Penner erfrieren im Winter auf den Straßen und Plätzen, vereinsamte alte Menschen sterben unbemerkt in ihren Wohnungen… - Nein, es ist die Tatsache, dass der Staat, der die verdammte Pflicht und Schuldigkeit hat, das menschenwürdige Leben seiner Bürger zu ermöglichen und dauerhaft zu garantieren, Gesetze schafft, die einen Menschen von *jeder* finanziellen Zuwendung abschneiden und im Zusammenspiel mit anderen widrigen Umständen den Hungertod dieses Menschen verursachen. Scham, psychischer Druck, all dies wird dabei eine Rolle gespielt haben. Wer von der Gesellschaft und den Medien gehetzt wird, der glaubt womöglich nicht daran, dass er bei seinem Nachbarn eine milde Gabe erhält, ohne als asozial verschrien zu werden.

Ausgerechnet Sozialverbände haben behauptet, der junge Mann in Speyer habe nicht verhungern müssen, es habe ja die Tafel gegeben, wo er hätte Essen erhalten können. Diese Bemerkung ist kaum noch an Zynismus zu überbieten. Nur wer ein behördliches Schreiben vorweisen kann, mit dem der Anspruch begründet wird, erhält bei den Tafeln etwas zu essen. Gerade dies fehlte hier aber vollständig. Aus diesem Kreislauf aus Lähmung, Depression und kalter Gewissenlosigkeit, ja fahrlässiger Tötung auf Gesetzesgrundlage, kam das Opfer nicht mehr heraus. Die Zyniker hingegen, die diesen Tod maßgeblich zu verantworten haben, sind jetzt Berater bei russischen Erdgasfirmen, Bodylieferanten für missratene und korrupte Betriebsräte oder sitzen als “Sozialminister” im Kabinett. Ob ich wohl für den Satz: “Politiker sind potentielle Mörder” angeklagt werde?

Die Bundesrepublik, das Land, in dem ich lebe, hat seine Nachkriegssozialunschuld endgültig verloren. Über den Zusammenhang zwischen Hartz-Gesetzen und dem Hungertod in Speyer hat Franz-Josef Hanke auf der Seite der Humanistischen Union Marburg einen sehr guten Bericht verfasst. Für mich bedeutet dies, dass unser Land sein soziales Gewissen verloren hat, dass das Grundgesetz, dass unser Sicherheitsrisiko Schäuble ja auch nur als “lästige Fessel” begreift, für die Politik jeden Wert verloren hat. Es stellt nicht mehr als die Verfahrensregeln des Staates, gewissermaßen die Bauanleitung für das staatliche Räderwerk dar. Wo die Macht allerdings liegt, und wer sie auf keinen Fall mehr besitzt, das ist jetzt eindeutig klar.

Ein Mann ist tot, und mit ihm starb eine Idee. Die Idee, dass da ein Land sein könnte, in welchem die Möglichkeit besteht, in Freiheit, Frieden und Menschenwürde zu leben, ohne Armut, immer versichert zu sein, dass selbst im größten finanziellen Notfall das Leben nicht bedroht ist. Diese Idee ist tot, und sie kann nur wiedererstehen, wenn wir alle etwas dafür tun. Die Medien, vor allem nicht die ach so neutralen öffentlich-rechtlichen Medien, helfen uns da offenbar nicht weiter.

Ruhe in Frieden und vergiss die Gleichgültigkeit und den Zynismus der Menschen.

Copyright 2007, Jens Bertrams.
Quelle: http://blog.jens-bertrams.de/2007/04/20/214/
Mit freundlicher Genehmigung des Autors

dante (anonym) - 21. Apr, 17:02

Hallo unkreativ,

ich weiß, Du hattest nach konkreten Anhaltspunkten für die Lebensführung unter Hartz IV gefragt. Ehrlich gesagt, halte ich das für einen Aspekt, der allenfalls greift, wenn die ARGE das Existenzminimum zahlt. Wenn das Existenzminimum gekürzt wird, kann man davon nicht mehr existieren, sonst wäre es kein Existenzminimum!

Das perfide ist doch folgendes: Wenn das Existenzminimum gekürzt wird, reicht das Geld zum Leben nicht. Kann der Hetz IV-ler trotzdem weiterexistieren, muss er Geld aus einer anderen Quelle haben. Dann aber hätte er Einkommen, dass er angeben müsste, bzw. das von Hartz IV wieder abgezogen werden müsste und wonach die ARGE fahnden müsste.

Warum fragt die ARGE dann nicht- nach dem zusätzlichen Einkommen - weiter nach?
Ganz einfach: wenn es gut geht, stellt sich die ARGE so dar, als würde sie nicht so unmenschlich sein, wie es die Gesetzgebung (SGB II - Anrechnung jeglichen zusätzlichen Einkommens) erfordert. Geht es schief - der junge Mann verhungert - können sie ihre Hände in Unschuld waschen, der Mann hätte sich ja melden können.

Dieses Gesellschaftssystem akzeptiert - manifestiert in seiner Gesetzgebung - dass Menschen in diesem Lande sterben, wenn diese nicht so wollen, wie die Behörde will. Mann kann in diesem Land auch sterben, wenn man einfach nur in Ruhe gelassen werden will und sich nicht gegen das Gesellschaftssystem stellt. (Meiner Meinung nach sollte man auch Menschen, die sich gegen das System stellen, durchfüttern - aber das ist ein anderes Thema)
Um das mal klar zu stellen: dieser verstorbenen Mann hat sich nicht gegen das Gesellschaftssystem gestellt, er hatte einfach nicht mehr die Kraft, um Hilfe zu bitten. Vielleicht auch vor dem Hintergrund, dass er hätte _betteln_ müssen.

Dieser Staat ist nicht mehr für die Schwachen dar, ist keine Stütze für sie. Ein Ausleseprozess findet ja nicht nur bei Hartz IV statt (Schule, Ausbildung, ...). Aber Menschen durch die Gesetzeslage und den damit verbundenen Ausführungsanweisungen sterben lassen ist schon sehr dich daran, Menschen aktiv zu töten. Und da läuft es mir - nicht nur aufgrund unserer Vergangenheit - kalt den Rücken runter. Dieser Staat ist nicht mehr meine Heimat, nicht das Land der Aufklärung, des menschlichen Fortschritts und nicht - auch wenn ich dem schon längst entwachsen bin, das Land eines christlichen=menschlichen Miteinanders.

"Ei was, du Rotkopf", sagte der Esel, "zieh lieber mit uns fort, etwas Besseres als den Tod findest du überall; ..." Die Bremer Stadtmusikanten. - Fast überall!

unkreativ.net - 21. Apr, 17:08

Danke für den wirklich tollen Beitrag, der einige wichtige Punkte anreißt. Widerspruch gibt es aber hier:

(Meiner Meinung nach sollte man auch Menschen, die sich gegen das System stellen, durchfüttern - aber das ist ein anderes Thema)

Genau das ist nämlich KEIN andere Thema. Selbst jemand der keine LUST zu arbeiten hat, sollte vom Sozialsystem gefangen werden. Vollbeschäftigung (mit erträglichem Einkommen) wird es nie wieder geben, es wird Zeit für Gesellschaften der nächsten Stufe, in denen Arbeit nicht mehr als notwendiger Bestanteil eines jeden Lebens betrachtet wird.

Demokratie beinhaltet auch immer Minderheitenschutz. Minderheitenschutz beinhaltet auch die Minderheiten, die gegen das "System" rebellieren. Denn ohne Rebellen gibt es keinen Grund sich mit dem System zu beschäftigen, keinen Änderungsdruck.

Jeder Mensch hat das Recht, in Deutschland würdig leben zu dürfen, gleich welcher Rasse, Geschlecht, Religion oder persönlichen oder politischen Einstellung. Das, was mit HARTZ IV passiert ist unmenschlich, grausam und gehört abgeschafft!

mo (anonym) - 21. Apr, 17:26

für die sammlung von erfahrungsberichten siehe auch diese geschichte, die zudem speziell auf das problem von "psychos" in der alg2-maschine ein licht wirft (wen´s interessiert: im verlaufe dieses beitrags habe ich mir ein paar eigene gedanken gemacht.)

*

@dante:

"Aber Menschen durch die Gesetzeslage und den damit verbundenen Ausführungsanweisungen sterben lassen ist schon sehr dich daran, Menschen aktiv zu töten."

yepp. in den heutigen mechanismen des systems passiert das ziemlich schleichend - aber es passiert, bzw. die grenzen verwischen zusehends. ein paar beispiele aus der westlichen welt.

@unkreativ: thx für die aktion hier, werde ich gleich mal verlinken.

gruß
mo
dante (anonym) - 22. Apr, 08:56

Zitat von dante:
"(Meiner Meinung nach sollte man auch Menschen, die sich gegen das System stellen, durchfüttern - aber das ist ein anderes Thema)"

Ich hatte bei dem Satz eigentlich keine konkrete Vorstellung, sondern wollte nur betonen, dass Systemkonformität _keine_ Voraussetzung sein darf, von einem sozialen System durchgefüttert zu werden. Alle haben ein Recht auf eine exsitenzsichernde Unterstützung.

Dabei muss die existenzsichernde Unterstützung nicht nur Essen, Trinken und ein warmes Dach überm Kopf beinhalten, sondern auch Möglichkeiten der kulturellen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Übrigens: Prima Diskussion hier!
Tobias (anonym) - 22. Apr, 21:56

HartzIV

HALLO!

...via HeiseVerlag (TelePolis) bin ich auf Eueren Blog aufmerksam geworden. Bin selber Hartz-IV-Empfänger und dachte, mein Senf könnte Euere Kommunikation bereichern.

Bis vor einigen Wochen hatte ich Umweltwissenschaften studiert. Leider ist die Bildung für mich einfach zu schwer - sogar die Professoren wissen nicht, wie Sie z.B. bald 40% auf
Englisch unterrichten sollen und "Chaos" ist überall sichtbar. Viele wie ich haben schon aufgehört zu studieren (im Bereich Informatik sind mehr als 33% gleich nach dem 1. Semester exmatrikuliert). Noch in diesem Jahr werden mit Sicherheit Deutschlandweite
Statistiken dazu veröffentlicht - dann jammern die Medien wieder und wer sind wohl die Schuldigen?

Das Bafög reicht nicht wirklich aus; ein Blick auf die Mietpreise in diesem Land müßte ausreichen (es ist schwer hier eine Wohnung für unter 220 Euro pro Person zu finden). Allerdings hat man keine Zeit für einen Nebenjob oder Kinder - das sagt zumindest
"unserer Uni-Vize-Präsident". Richtig Zeit hat man sowieso nicht mehr und die braucht man für etwas anderes als "Geld ausgeben". Die "Uwi´s" (Umweltwissenschaftler) im 2. Semester haben Montag bis Mittwoch von 8 bis 8 Uhr Vorlesungen. Wie soll das gehen? Bildung im Akkord?

Nun bin ich wieder HIV-Empfänger. Mir wurde gleich ein 1-Euro-Job im Bereich "Werken&Basteln" angeboten - eine Chance, Perspektive, Integration und "Fortbildung" !

Daran glaubt doch nicht einmal meine "Sachbearbeiterin" (bei der Arge) und nach kurzer Pause habe ich einfach gesagt: "Töten Sie mich doch - erschießen Sie mich!". Solche Sätze verstehen die Arbeiter bei der Arge (...kleiner Tip :). Dann war Ruhe. Meine Sachbearbeiterin hatte miterlebt, wie ich von Arbeitgebern in der Vergangenheit nur ausgebeutet wurde (könnte darüber Bücher schreiben) und riet mir, AmnestyInternational zu kontaktieren.
Allerdings habe ich einfach einige Tage "Urlaub von der Arbeitssuche" genommen und bin über Ostern nach DenHaag mit dem Fahrrad gefahren. Dort war ich bei der EU-Kommission,
dessen Mitarbeiter mir nur sagte, daß es nun einmal so ist. Man könne eh´ nichts ändern und müsse sich anpassen.

Die Frage ist, wer sich hier an was oder wen anpassen soll.

An die gedruckten Gedanken von Kriminellen? An einer Existenz "ohne (richtiges) Leben"?

An Menschen (Arbeitgeber), die einen (finanziell) unterdrücken? An die Behandlung wie im offenen Vollzug? An das globalisierte Klassensystem, in dem "Arm" ärmer und "Reich" reicher wird? An Gesetze, die es einem verbieten, den Wohnort zu verlassen um Freunde zu besuchen? An max. 50 EURuro Geschenke pro Jahr - danach sind es keine Geschenke mehr?

An die Statistiken, die das Dilemma beschreiben? An Politiker, die "helfen wollen"? An die Arbeitslosigkeit???

Die Folgen sind einfach: Falsche Ernährung, keine Motivation, Sucht (von WorldOfWarcraft bis Drogen), Selbstmordgedanken, Kriminalität, "Geistige Qualen", häufiger körperliche Krankheiten, Radikalisierung (Links/Rechts), Desintegration von der Öffentlichkeit usw. ...es geht nicht um Gelder, es geht um Leben.

Jeder hat nur eins.

Mir fehlen einfach die Worte für DIE ANGST UND DEN ZORN !

Tobias (anonym) - 22. Apr, 21:59

ReHartzIV

Könnte noch viel Persönliches über meine Erlebnisse mit der Arbeitswelt und Arge schreiben; aber es bringt nichts - ich bin kein Einzelfall. Die Vorstellung, daß Millionen von Menschen an diesen Zustand in Deutschland leiden ist nicht normal.

Habe auf der Uni vor einigen Monaten ein Referat vor über 300 Studenten im Fach Statistik bezüglich Arbeitslosigkeit gehalten. Nach Recherchen fand ich auch raus, daß jede vierte Familie praktisch betroffen ist - das sind ~20 Millionen Menschen. Die Gesetze betreffen nämlich nicht nur die Arbeitslosen.

Weil ich gelernter Designer bin, hatte ich in der Statistik-Präsentation übrigens kleine 3D-Animationen eingebaut. Als "Gegenleistung" kam von einem BWL´er (Betriebswissenschaftslehre) der Zwischenruf "Angeber". Aber auf dem Arbeitsmarkt finde ich nichts - auch als "Angeber" ; trotz Doppelausbildung als Designer/Illustrator mit sehr guter
Note.

Noch etwas zu den Zahlen: Von den ~125 Milliarden Euro "Sozialstaatsausgaben" könnten doch praktisch 10 Millionen Menschen mit 10000 Euro pro Jahr unterstützt werden (und
dabei gibt es doch nur offiziell 4 Millionen Arbeitslose!) . Und dann blieben immer noch 25 Milliarden Euro für Arbeitsplätze in der Deutschen Bürokratie übrig...

Schöne Grüße
Tobias
wrs (anonym) - 1. Mai, 19:31

Hi Tobias,

das mit "jede vierte Familie" würde mich interessieren. Das würde nämlich gut ins Gesamtbild eines entstehenden Überwachungsstaats passen.

Hast Du die Quelle noch für diesen Hinweis?

thx, wrs
A&W Müller (anonym) - 23. Apr, 11:19

Erfahrungen mit H IV

Mein Mann ist Pflegefall seit ihm vor Jahren bereits 2 Mal die Bezüge vom Sozialamt gestrichen wurden. Einmal waren es 18 Tage, das 2te Mal 24 Tage die er nichts zu essen hatte. Gründe gab es keine. Da war nur ein Sachbearbeiter der seine Macht demonstrieren wollte.

Mein Mann muß seitdem rund um die Uhr betreut werden. Wegen der Vorfälle hat er eine Phobie gegen alles entwickelt, was mit Amtsdingen zu tun hat. Auch eine Untersuchung kann er nicht mehr ohne schwerste Folgen über sich ergehen lassen. Wen verwundert das wenn die Sachbearbeiter sogar Entscheidungen
ihrer eigenen Amtsärzte ignorieren. Nun leidet er u.a. an Pankreatitis, Diabetes mellitus, NYHA III. In de.wikipedia.org sind diese Krankheiten recht gut verständlich beschrieben, so daß sich jeder recht einfach ein Bild vom Zustand meines Mannes und der Dringlichkeit medizinischer Versorgung machen kann.

http://de.wikipedia.org/wiki/Pankreatitis
http://de.wikipedia.org/wiki/Diabetes_mellitus
http://de.wikipedia.org/wiki/NYHA

Im vergangenen Jahr erhielt er die halbjährliche Aufforderung beim Job Center vorzusprechen. Wie immer wurde dem Job Center mitgeteilt, daß er als Pflegefall das Haus nicht verlassen kann.

Diesmal wurden ihm wegen Verstoß gegen die Mitwirkungspflicht alle Bezüge sowie die Krankenversorgung gestrichen. Ein Antrag auf überbrückende Sozialhilfe wurde von der selben Sachbearbeiterin anbgelehnt, die bislang das Pflegegeld angewiesen hat. Sie kennt den Fall. Ich telefonierte im
Dezember noch mit ihr. Sie begründete die schriftliche Ablehnung damit, daß mein Mann voll arbeitsfähig sei und deshalb beim Job Center vorsprechen solle. Trotzdem wurde weiterhin Pflegegeld bezahlt!

Zumindest bis einschließlich 03.07. Das Amt bestand auf einer
Untersuchung. Nicht durch einen Arzt. Nein, die Sachbearbeiterin wollte mit einer Frau von einem Pflegedienst vorbeikommen. Weil mein Mann keine Medikamente mehr hat und sich sein Zustand sehr verschlechterte hat der Hausarzt (kulanterweise wegen des ernsten Zustandes meines Mannes ohne Krankenschein oder Bezahlung) bescheinigt, daß eine Untersuchung und der
damit verbundene Stress derzeit nicht zu verkraften sei. Das wollte der Sachbearbeiter nicht einsehen und strich deshalb auch das Pflegegeld.

Ärztliche Atteste - sogar von Amtsärzten - zählen nichts bei
Sachbearbeitern.

Mein Mann hat deshalb seit dem 30.03.07 nichts mehr gegessen. Er benötigt Diät und kann die auf Grund der früheren Vorfälle angelegten Vorräte nicht essen. Das Sozialamt wurde selbstverständlich über jedes Detail informiert. Eine Reaktion oder gar eine Abhilfe ist nicht in Sicht.

Wir wandten uns an unsere Abgeordnete in Berlin. Sie ist sogar zuständig für Menschenrechte und humanitäre Hilfe. Zunächst hieß es seitens ihrer Sekretärin, es sei nur ein Einzelfall, darum könne sich Frau Abgeordnete nicht kümmern. Dann gab man die Angelegenheit an die zuständigen Leute in der Fraktion weiter. Nach mehreren Irrwegen kam es dann beim zuständigen Mann für Sozialdinge an. Dort verlief sich die Angelegenheit. Es kam trotz mehrfacher Nachfragen keine Reaktion.

Es zweigt sich eine Parallele zu dem Fall in Speyer. Mein Mann wird
sterben wie dieser Mann in Speyer. Er wird nicht der Letzte sein wenn man hier nichts unternimmt. Aber wer kann uns da weiterhelfen?

Anmerkung: Der Notarzt kommt mangels Krankenversicherung nicht! Im Krankenhaus wird man mangels Einweisung abgewiesen!

Im momentanen Zustand ist es meinem Mann auch nicht möglich einfach etwas zu essen. Das würde einen Schockzustand mit letalen Folgen auslösen. Nur ärztliche Hilfe und geeignete Nahrung könnten noch helfen.

Ist das staatlich sanktionierter Mord an hilfsbedürftigen Menschen? der Verdacht liegt nahe, daß da überflüssige Kostenfaktoren beseitigt werden sollen. Immerhin wurden bei der Umstellung auf Hartz etliche Pflegefälle als arbeitsfähig erklärt um die Kosten auf die Job Center abzuwälzen.

Teilweise geschah das mit Methoden für die Normalbürger einige Jahre einzusitzen hätten. Wenn nun ein solcher Fall zum Sozialamt als zahlungsverpflichtete Stelle zurückkommt, was macht man dann als städtischer Angestellter? Klar können wir jedes Detail der Vorgänge seit Jahren nachweisen! Aber was nutzt das? Städtische Mitarbeiter sind ja anscheinend immun gegen alles. An wen soll man sich wenden? Wenn man schon von den Sachbearbeitern gesagt bekommt: "Gehen Sie doch zum Gericht. Sie werden schon sehen was Sie davon haben." dann sollte jedem klar sein was dabei herauskommt.

Aber was soll schon dabei herauskommen wenn derartige Themen von Presse und Öffentlichkeit ignoriert werden?

Einen Anwalt nehmen? Ja, aber wenn man sieht was die an wesentlichen Dingen unterlassen oder nicht weitergeben. Wenn man dann zu hören bekommt: "Ich verdiene bei Ihnen doch nichts. Ich habe noch andere Fälle. Mit denen verdiene ich mein Geld, also muß ich mich um diese kümmern."

A&W Müller (anonym) - 23. Apr, 11:24

Erfahrungen mit H IV

Ich freue mich sehr eine Antwort von Ihnen erhalten zu haben.

Leider komme ich nur sporadisch dazu die Mails abzuholen, so daß es zu Verzögerungen kommen kann.

Selbstverständlich können Sie Details bekommen.

P.H. beaerbeitete 06 das Pflegegeld, lehnte 07 den Antrag auf überbrückende Sozialhilfe ab weil mein Mann voll arbeitsfähig sei. Das Amt zahlte noch im März Pflegegeld!

B.A. Fachanwältin für Sozialrecht und Arbeitsrechtbekam Atteste und sonstige Unterlagen die bestätigten, daß mein Mann
Pflegefall ist und gab diese nicht an das zuständige Gericht weiter. Das ersahen wir erst aus dem Urteil. -> Abgelehnt wegen Verstoß gegen die Mitwirkungspflicht, denn die Pflegebedürftigkeit, die sich aus den Attesten und den Zahlungen vom Sozialamt ergab, wurde dem Gericht ja mangels eingereichter Unterlagen nicht nachgewiesen.

Frau A. sagt ich soll den Notarzt rufen. Das tat ich bereits im
Februar. Der kam nicht wegen nicht vorhandener Krankenversicherung. Dazu sagte Frau A., daß sie da auch nichts dran machen könne, sagt aber ständig wieder ich soll den Notarzt anrufen. In Frankfurt fragen die erst nach Krankenversicherung und stellen danach zu dem jeweiligen Notarzt durch.

E.S. - CDU ist Abgeordnete in Berlin, Mitglied im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe.

Wies ihre Sekretärin an die Angelegenheit zu ihrer Fraktion in Frankfurt weiter zu leiten. Nach einigen Irrläufen landete noch am selben Tag es dann beim zuständigen Mitarbeiter (Herr B. - CDU Frankfurt Sozialfraktion). Bis heute kam trotz Nachfrage keine weitere Reaktion.

Die anderen CDU-Leute riefen uns an, teilten uns mit daß sie die
falschen seien und es weitergegeben hätten.

Mein Mann war vom Job Center bei der AOK versichert. Als die Bezüge gestrichen wurden war auch die Krankenversicherung weg. Die wird nur für jeweils ein Jahr abgeschlossen. Sie endete im Dezember und wurde im Januar nicht neu abgeschlossen / verlängert. Wir liehen uns zwischenzeitig mal Geld und ließen den Hausarzt kommen.

Er stellte eine Diagnose, verschrieb wegen der zwischenzeitgen Verschlimmerung des Zustandes meines Mannes etliche neue Medikamente und stellte ein neues Attest aus. Das wurde an unsere Anwältin weitergeleitet. Diese gab das an das Sozialamt weiter. Die gaben es an das Stadtgesundheitsamt weiter.
Die dortigen Ärzte gingen nur auf die Pflege ein, die in diesem Attest anscheinend nicht genug betont wurde. Auf jeden Fall geschah nichts.

Weder in Bezug auf finanzielle Leistungen noch mit einer
Krankenversicherung.

Unsere Einkommenssituation? Wir erhielten seit der Streichung unserer Bezüge durch das Job Center keinerlei Zahlungen zum Lebensunterhalt mehr. Das Pflegegeld wurde im April auch nicht mehr bezahlt. Allerdings kam im Januar eine Nachzahlung des im vergangenen Jahr nur verkürzt gezahlten Pflegegeldes. Wir zahlten davon zunächst einige Schuldenzurück und machten auch einige dringende Anschaffungen (u.a. den Lebenmittelvorrat aufstocken etc.)

Schließlich hatte unsere Anwältin von einigen Tagen gesprochen bis die Sache geklärt wäre. Wir seien schließlich im Recht und bekämen die Tage eine Nachzahlung versprach sie.

Von dem Rest sowie einigen EU die wir uns neu geliehen haben lebten wir dann. Im April wollte uns niemand mehr etwas leihen. Frau Anwalt reagiert nicht auf derartige Probleme! Woher wir leben ist bei ihr Nebensache. Zwar hat sie uns die Sache mit der überbrückenden Sozialhilfe empfohlen aber als das scheiterte ließ sie uns bis Mitte April hängne. Sie sagte zwar eine weitere Klagedeswegen einzureichen, tat aber nichts. Erst als Mitte April das Urteil kam - sie brauchte 2 Wochen bis wir es erhielten - sandte sie einen Antrag zur Klage gegen das Sozialamt.

Wir sandten unserer Anwältin und dem Sozialamt wochenlang täglich ein Fax in dem stand, daß mein Mann heute den xten Tag nichts zu essen hat, daß er medikamente braucht, die Erklärung bezüglich seiner Erkrankungen wie in Wikipedia beschrieben. Es kam KEINE Reaktion.

Die Wohnung ist bereits seit März gekündigt. Ein Pfarrer spendete EU 100.-- für Strom als die Stilllegung angedroht wurde, ein anderer zahlte EU 120.-- für das Telefon. Ohne das wären wir komplett aufgeschmissen gewesen. Zusätzlich durfte ich im Gemeindehaus telefonieren und Faxe versenden als unser Telefon zwischenzeitig gesperrt war. Für Lebensmittel bekamen wir allerdings nichts von denen - sie wollten sich da nicht reinhängen!

Mein Mann hat am 29.03.07 das letzte Mal relativ normal gegessen. Dann waren die Diätvorräte aufgebraucht. Seitdem hatte er noch ein paar Gewürzgurken um den Darm in Trab zu halten und etwas Suppe - je einmal / Woche. In den letzten Tagen mußte auch das ausfallen weil er nichts, absolut nichts mehr verträgt. Die Gurken hatte er seit Jahren immer mal wieder gegessen und immer gut vertragen. Saures half ihm bei seinen
Organproblemen. Auf die Suppe bekam er nun sogar einen Schock und war etliche Stunden in einem komaähnlichen Schlaf. Ohne Medikamente und ärztliche Betreuung ist wirklich nichts mehr zu machen.

Selbstverständlich können Sie Kopien des Schriftverkehrs einsehen - soweit dieser vorhanden ist und nicht bei der Anwältin liegt. Aber es sollte möglich sein Kopien von dieser zu erhalten. Wenn Sie mir eine Faxnummer zukommen lassen kann ich Ihnen zunächst schon einmal die Atteste zusenden. Einmal vom Krankenhausaufenthalt im letzten Jahr, einmal vom Hausarzt in diesem Jahr. Damit sollte eine erste Bestätigung der Geschichte möglich sein. Per email geht das leider nicht. Wir haben einen alten Amiga mit einem SCSI-Scanner und einem Faxmodem aber ohne Netzwerk. Unser "Normalcomputer" hat weder SCSI noch Modem - nur Internet und freie Software. So bekomme ich die Unterlagen für den Versand leider nicht hier hinein.

Ich habe nichts gegen eine Veröffentlichung - gegebenenfalls kann man sogar Namen nennen. Ich bin mit der diesbezüglichen Rechtslage nicht vertraut. Aber wenn das geht - warum nicht. Ich bin sowieso der Ansicht, daß darüber mal nachgedacht werden und die breite Masse mal aufgerüttelt werden sollte. Wenn die Übeltäter damit rechnen müßten namentlich erwähnt zu werden könnte das ganz allgemein etliches bewirken. Aber ich will nicht gegen Gesetze verstoßen oder jemanden aufwiegeln. Das ist nur
meine Ansicht zu der Sache.
Tobias (anonym) - 23. Apr, 14:36

Hilfreiche Hinweise

Hallo!

...für A&W Müller habe ich eventuell ein paar Tips, an wen die sich wenden könnten.

"Kranke schreibt man arbeitsfähig und Arbeitsfähige schreibt man krank." - ich wünsche Ihnen bei Ihrem "Kampf" (so klingt es) alles Gute.


1. Amt Famile, Jugend und Soziales stellen Behindertenbescheinigungen aus. Eine Behinderung von unter 50% kann bei der Arge in eine Schwerstbehinderung umgewandelt
werden.

Ich stelle gerade wegen stärkerer (jahrelanger) Rückenprobleme ein Antrag auf Behinderung. Für mich wäre es von Vorteil, weil ich mit max. 5kg dauerhafte Rückenbelastung aufgrund von "Arbeitnehmerschutzrechten" nicht einmal einen Hilfstätigkeit
in einem Supermarkt etc. bekomme. Als offiziell Behinderter bekommt man mehr Chancen im Arbeitsmarkt und vom Staat.


2. Da Herr Müller aufgrund seines Krankheitsbildes wohl nicht arbeitsfähig ist, könnte er beim Landkreis (Grundversorgungsamt) einen Antrag auf Grundsicherung (~Frührente) bekommen. Wahrscheinlich könnte auch ein Eilantrag (bzw. sofortige Bearbeitung) möglich sein.

Als ich aus dem Ausland nach Deutschland kam, wurde bei mir "Arbeitsunfähigkeit" festgestellt und so bekam ich statt AlgII eine Grundrente (welche übrigens 70 EURuro niedriger als das Existenzminimum war). Der (Amts-) Arzt, welcher mich krankschrieb, hatte mich nicht einmal untersucht und einfach "Arbeitsunfähigkeit" ausgeschrieben. Das gute (englische) Arbeitszeugnis von der ausländischen Firma, bei denen ich dato nur wenige Wochen zuvor gearbeitet hatte, hat denen vom Amt auch nicht wirklich interessiert. Erst nach einem wochenlangen Kampf, hat mich ein (anderer Amts-) Arzt untersucht und so "durfte ich mich wieder arbeitslos melden".


3. Neben Diakonie kann man sich in einem solchen Fall auch einfach mal an die Polizei wenden. Mit denen hatte ich schon öfters gesprochen; die können einen verstehen - hinter den "Kostümen" sind es auch nur Menschen. Vielleicht geben die Ihnen ja wertvolle Hilfen.

Habe schon dreimal einfach 110 angerufen und zweimal ein- und denselben Beamten am Hörer gehabt. Wir hatten längere Zeit über allgemeine und private Probleme geredet. Er bzw. seine Frau war/ist übrigens von Arbeitslosigkeit / HIV betroffen und weiß, was hier falsch läuft. Ein paar Tips konnte er mir geben. Seitdem habe ich einen positiveren Eindruck von einigen Polizisten - allerdings (begründet) nicht von der Polizeistruktur.


Der Appetit von Herrn M. verschwindet wahrscheinlich nicht nur wegen der Krankheit, sondern wegen der "krankhaften Behandlung" (z.B. aß ich als Student doppelt soviel wie jetzt). Es ist ein Unterschied, ob ein Mensch leider an irgendetwas erkrankt ist oder ob er krank gemacht wird.

MfG Tobias

[Edit des Blogbetreibers: Ich möchte Euch dringend davon abraten, bei Frust den Notruf der Polizei zu wählen. Jede Kreispolizeibehörde, jedes Präsidium hat auch eine "normale" Rufnummer und Berater kann man sogar besuchen gehen. Die 110 ist eine Nummer für NOTFÄLLE.]
wrs (anonym) - 1. Mai, 19:49

Amtsärzte ignorieren

Hallo A&W Müller,

das ist ein lange Beitrag von Euch, und ich bin noch nicht ganz durch; ich will mal Stück für Stück drauf eingehen:

"Wen verwundert das wenn die Sachbearbeiter sogar Entscheidungen ihrer eigenen Amtsärzte ignorieren."

Hm, ich pflege in der hiesigen ArGe den Kontakt zum Gruppenleiter (= Abteilungsleiter?). Aus den Gesprächen mit ihm hat sich mit der Zeit der Eindruck rauskristallisiert, dass auch er sich lieber auf sein eigenes Urteil verlässt als auf das irgendeines Arztes. 'Dem könne man schließlich vieles erzählen, und wenn man sagt »Hier tut es weh«, dann muss der das glauben.' Ungefähr so war der O-Ton.

Der Fisch stinkt vom Kopf her. Wenn der Vorgesetzte aller Sachbearbeiter sich so äußert -- was nicht zwingend impliziert, dass er auch so denkt --, liegt nahe, dass die Untergeordneten kaum etwas anderes tun.

Allerdings halte ich diese Praxis für äußerst fragwürdig.
 

In dieser Diskussion hatten wir schon früher die Frage, wie der Beschwerdeweg innerhalb der ArGe sei. Euer Fall zeigt, dass da dringend ein für den Betroffenen gangbarer Weg gefunden werden muss, Widersprüche wirksam durchzusetzen.
 

"Ärztliche Atteste - sogar von Amtsärzten - zählen nichts bei Sachbearbeitern."

Hm, ich frage mich, ob unter solchen Konditionen und im Hinblick auf Speyer nicht evtl. eine Strafanzeige gegen die Sachbearbeiterin wegen unterlassener Hilfeleistung durchzusetzen ist. ... Für BLÖD wäre ein sich andeutender Fall sicherlich ein gefundenes Fressen, aber zum einen kehrt BLÖD sich schonmal gegen den Informanten, zum anderen haben sie, wenn sie einen Fall aufgreifen, vermutlich gleich hunderttausende Fälle am Hals. Und das werden sie sich nicht antun wollen. Denke ich.

Herr Unkreativ, was denkst Du dazu? Presse nutzen?

"Aber was soll schon dabei herauskommen wenn derartige Themen von Presse und Öffentlichkeit ignoriert werden?"

Auch wenn es Dir im konkreten Fall nicht hilft, ich denke, dass eine Maßnahme gegen die Ignoranz der Massenmedien sein könnte, selbst Öffentlichkeit herzustellen.
wrs (anonym) - 1. Mai, 20:07

Und nächste Woche du!

@all,

Zu dem zweiten Kommentar von A&W Müller, da will ich nicht polemisch klingen, ich, von meinem hohen Ross herab, der ich nicht in der kritischen Situation stecke.

Zum Thema Aufrütteln möchte ich trotzdem etwas sagen. Ob das ein Bei-trag sein mag -- hm. Zumindest ein Einfall.

Ich lese mich gerade so durch die Blogosphäre, was so in den vergangenen 10 Tagen zu Speyer und Kontext passiert ist. Unter anderem stärkt sich dabei mein Eindruck, dass H.IV.-Abhängige von Außenstehenden nicht ernst genommen werden. Und die Massenmedien schweigen.

Daher frage ich mich, ob vielleicht günstiger wäre, sich an die Betroffenen selbst zu wenden, lokal. Im Sinne von "Willst du der nächste sein?".
 

Wir sind hier zwar nicht auf seinem/ihrem Parteibuch, aber ich nehme an, ich darf mir gleich vorhalten lassen, es gehöre sich nicht aus Speyer und ähnlichen Fällen politisches Kapital zu schlagen. Aber -- für wen denn dann, wenn nicht für die Betroffenen und potenziell Gefähredeten selbst? Besser für die, die groß daherreden, besser wissen, weil sie selber ja nicht betroffen sind?
unkreativ.net - 1. Mai, 20:42

Lieber WRS,

ich würde gerne Öffentlichkeit erzeugen. Gerne auch die Presse auf die Probleme so aufmerksam machen, dass dort überhaupt erstmal das Interesse geweckt wird. Was höre ich heute? Endlich wieder unter 4 Mio Arbeitslose?

Trau keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast. ;-)

Also, WRS, wenn Du die Idee mit der lokalen Aufmerksamkeit ausbauen kannst, bin ich ein dankbarerer Zuhörer....
A&W Müller (anonym) - 1. Mai, 20:47

Es geht weiter

Die Sache ist sogar noch viel schlimmer als selbst ich angenommen habe. Wie mir meine Anwältin bestätigte ist das wirklich kein Einzelfall, keine Ausnahme von de