...
Ich wohne in einer Gegend mit relativ viel Wald. Weniger, als ich gerne hätte, aber sicherlich mehr, als die meisten von Euch in Eurer Umgebung haben.
Bei uns stehen viele kleinere Häuser für ein oder zwei Wohneinheiten und es ist sehr ruhig. Manchmal ziehen Menschen aus den näheren Großstädten in unsere Gegend und manchmal ziehen sie wegen genau dieser Ruhe auch wieder weg.
Natürlich ist das Wohnen und Leben in der Stadt, der großen Stadt, etwas anderes. Aber an Tagen wie heute, wo mein Weg mich durch Duisburg und Düsseldorf führt, weiß ich für mich, warum ich mein Kaff mag.
Es gab eine Zeit, nicht das ich mich gerne daran erinnere, in der ich in einem der schöneren Stadtteile von Duisburg gewohnt habe. Mit dem Revierpark vor der Türe. Es war nett dort, aber nicht annähernd, wie in meinem Heimatkaff.
Dort steht aber, ich habe es gestern schon erwähnt, ein Kraftwerk. Ein Kohlekraftwerk. Gut, irgendwo müssen die stehen und mir ist klar, dass die im Grunde niemand haben will. Aber darüber möchte ich nicht reden, vielmehr über Fehler aus der Kindheit.
Denn vor geschätzten einhundert Jahren habe ich meinen Senior mal gefragt, ob das ein gutes Kraftwerk ist, ob es nur Wasserdampf sei, der da aus dem riesigen Schornstein unendlich hervorquoll.
Ja, hat er gesagt. Das ist fast nur Wasserdampf. Eigentlich keine Gifte.
Damals hat mich das unglaublich beruhigt. Ich kannte Thyssen in Duisburg, den gelbschwarzen Abgasstrom und den Gestank, vor allem im Sommer.
Ich glaubte, wenn es nur Wasserdampf sei, wäre das nicht schlimm. Die Jugend ist dumm, aber unbeschwert.
Im Alter ist das anders. Im Alter hat man Wissen, manchmal auch Wissen, das man eigentlich gar nicht haben möchte. Wie das um CO2 und die Bedeutung für das Klima.
Allerdings stellen die meisten Leute den Zusammenhang zwischen CO2 und der Klimaerwärmung wohl eher auf Grund der ewigen Wiederholungen in den Medien her. Kaum einer dürfte wissen, wie die Zusammenhänge wirklich sind. Was es damit zu tun hat, wie viel Energie (Licht) die Erde im IR-Bereich an das Universum abgeben kann, warum das die Temperatur beeinflussen wird.
Was aber ist die Folge davon?
Gestern habe ich kurz geschrieben, dass Vattenfall Atomstromkunden verliert. Wenn diese Kunden sich einen neuen Anbieter suchen, worauf achten sie? Welche Rolle spielt bei der Auswahl des neue Energieversorgers die Frage, von welcher Art sein Strommix ist? Oder ist es eher eine reine Entscheidung nach dem Preis, so lange es nicht Vattenfall ist?
Ich habe kürzlich den Stromanbieter gewechselt, hin zu einem ein wenig günstigeren Anbieter. Es hätte deutlich preiswertere gegeben, aber mein „Neuer“ hat dafür einen erheblich höheren Anteil an „Ökostrom“ im Mix. Was übrigens interessant ist: von meinem alten Anbieter gibt es auch einen reinen Öko-Tarif. Der ist allerdings unverschämt teuer. Irre Logik: Jene die sich Gedanken um das Morgen machen, vielleicht auch um die Welt die sie ihrem Nachwuchs mal hinterlasse werden, sollen teuer bezahlen für die Uneinsichtigkeit der übrigen Konsumenten und die fast uneingeschränkte Gewinnsucht der Stromproduzenten.
Müsste es nicht andersherum sein? Müsste nicht der Ökostrom deutlich billiger sein, ggf. sogar steuerlich bevorteilt?
Es ist eine komische Zeit, in der wir leben: Die Discounter bringen Öko-Serien, die Verbraucher werden mündiger in ihren Entscheidungen. Sie kaufe bewusster ein und denken kurz über das nach, was sie da kaufen. Vielleicht auch schlicht aus Angst vor den Nebenwirkungen. Aber fragt mal jemand wirklich nach, was es damit auf sich hat? Was ist denn Öko? Aber gut, die Menschen fangen an umzudenken und das sie überhaupt DENKEN ist schon bemerkenswert genug. (Wobei heute ja gerne Öko und Bio in einen Topf geworfen werden…)
Und trotzdem schafft es die Realität uns mit Paradoxen zu konfrontieren, die aus dem System des Kapitalismus in der heute gelebten Form erwachsen. Das Öl wird knapp und unsere Regierungen beschwören nicht die Abkehr vom Verbrennungsmotor, sondern die unsinnige „Alternative“ der „Bio-Treibstoffe“, für die riesige Anbaufläche nicht mehr zur Nahrungsmittelproduktion oder als natürliches Ökosystem zur Verfügung stehen, weil man den Platz für die den Seelenfrieden versprechenden Pflanzen braucht?
Stellt sich die Frage nach den Alternativen oder der möglichen Alternative. Und dabei wenden wir mal unseren Blick von einzelnen Kerbereichen wie dem Ökostrom oder den Biolebensmitteln auf grundsätzliche Fragen:
Ist es möglich in der Marktwirtschaft, dem Kapitalismus, einen Weg zu finden, der wieder den Menschen und die Welt in den Vordergrund stellt? Bei dem Menschen nicht nur Arbeits- und Diensleistungs – Ressourcen, ebenso wie (dumme?) Kunden sind, sondern der Mittelpunkt des Interesses? Schaffen wir es eine Welt zu schaffen, in der die Welt selbst eben nicht mehr nur ausbeutbarer Ressourcenlieferant ist, sondern ein „Partner“, dem wir geben, wenn wir von ihm nehmen?
Manchmal frage ich mich, wie die Welt wohl ausgesehen haben mag, bevor sie uns untertan gemacht haben. War in meiner Gegend alles voller Wald? Warum hat der Mensch angefangen, dass ökologische Gleichgewicht so aus dem Konzept zu bringen? Warum sind wir alle kurz betroffen, wenn die Nachrichten mal wieder eine Hiobsbotschaft bringen (aktuell: das Eis schmilzt und die Eisbären sterben aus)? Wir begreifen das Verschwinden von Arten und die sich ändernden Umweltbedingungen nicht mehr als natürlich gegeben. Denn gleichwohl es solche Entwicklungen immer gegeben hat und immer geben wird wissen wir, dass das Tempo mit dem sie sich derzeit vollziehen nicht „normal“ ist. Wir sprechen von „vom Menschen verursacht“. Und wie lange halten die Gedanken?
Schon mal an das schmelzende Packeis gedacht, wenn Ihr Euch ein Pizzataxi bestellt habt? An den Regenwald, wenn Ihr erleichtert mitbekommen habt, dass unsere Regierung den Anteil an Biosprit erhöhen möchte, der angeblich doch soooo neutral sein soll? Schon mal an den verregneten Sommer gedacht, wenn Ihr als glückliche Deutsche mit Tempo 200 ohne Zeitnot über die Autobahn gerast seid oder Euren Spritfresser im Winter beim Kratzen schon mal habt warmlaufen lassen?
Zu vielen Dingen gibt es keine Alternative. Der Markt bietet sie nicht. Weil wir sie nicht fordern.
Übrigens schreibe ich diese Zeilen, während ich im Zug durch die Gegend brause, auf dem Weg zu einem meiner Besuche. Jetzt kommt wieder die Zeit, in der ich unsere Niederlassungen besuchen werde, bis Ende des Jahres sind 50 Touren durch das ganze Bundesland geplant, jede kreisfreie und jede Kreisstadt wird mich einmal zu sehen bekommen. Heute die Stadt zu der das Tal gehört, in dem man die verblichenen Überreste unserer gemeinsamen Vorfahren (oder so was in der Art) gefunden hat. Vielleicht lässt mich diese Nähe zu Gestern so intensiv an Morgen denken.
4 Stockwerke unter meinem Büro steht mein Passat TDI. Mit CD-Wechsler, Tempomat und Automatik. Sehr bequem, ein Vielfaches bequemer als der alte Regionalzug, in dem ich gerade sitze. Oder die S-Bahn, die es gleich sein wird. Die Entscheidung für den Zug viel, weil ich keinen Zeitdruck habe, nichts davon abhängt, ob ich auf die Minute pünktlich bin. Und sie fiel auch, weil ich zu faul bin, im Stau zu stehen. Und – zumindest hoffe ich das – sie fiel auch, weil ein Teil von mir weiß, dass man einfach irgendwann irgendwo irgendwie anfangen muss. Vielleicht weiß das auch ein Teil von Euch.
Bei uns stehen viele kleinere Häuser für ein oder zwei Wohneinheiten und es ist sehr ruhig. Manchmal ziehen Menschen aus den näheren Großstädten in unsere Gegend und manchmal ziehen sie wegen genau dieser Ruhe auch wieder weg.
Natürlich ist das Wohnen und Leben in der Stadt, der großen Stadt, etwas anderes. Aber an Tagen wie heute, wo mein Weg mich durch Duisburg und Düsseldorf führt, weiß ich für mich, warum ich mein Kaff mag.
Es gab eine Zeit, nicht das ich mich gerne daran erinnere, in der ich in einem der schöneren Stadtteile von Duisburg gewohnt habe. Mit dem Revierpark vor der Türe. Es war nett dort, aber nicht annähernd, wie in meinem Heimatkaff.
Dort steht aber, ich habe es gestern schon erwähnt, ein Kraftwerk. Ein Kohlekraftwerk. Gut, irgendwo müssen die stehen und mir ist klar, dass die im Grunde niemand haben will. Aber darüber möchte ich nicht reden, vielmehr über Fehler aus der Kindheit.
Denn vor geschätzten einhundert Jahren habe ich meinen Senior mal gefragt, ob das ein gutes Kraftwerk ist, ob es nur Wasserdampf sei, der da aus dem riesigen Schornstein unendlich hervorquoll.
Ja, hat er gesagt. Das ist fast nur Wasserdampf. Eigentlich keine Gifte.
Damals hat mich das unglaublich beruhigt. Ich kannte Thyssen in Duisburg, den gelbschwarzen Abgasstrom und den Gestank, vor allem im Sommer.
Ich glaubte, wenn es nur Wasserdampf sei, wäre das nicht schlimm. Die Jugend ist dumm, aber unbeschwert.
Im Alter ist das anders. Im Alter hat man Wissen, manchmal auch Wissen, das man eigentlich gar nicht haben möchte. Wie das um CO2 und die Bedeutung für das Klima.
Allerdings stellen die meisten Leute den Zusammenhang zwischen CO2 und der Klimaerwärmung wohl eher auf Grund der ewigen Wiederholungen in den Medien her. Kaum einer dürfte wissen, wie die Zusammenhänge wirklich sind. Was es damit zu tun hat, wie viel Energie (Licht) die Erde im IR-Bereich an das Universum abgeben kann, warum das die Temperatur beeinflussen wird.
Was aber ist die Folge davon?
Gestern habe ich kurz geschrieben, dass Vattenfall Atomstromkunden verliert. Wenn diese Kunden sich einen neuen Anbieter suchen, worauf achten sie? Welche Rolle spielt bei der Auswahl des neue Energieversorgers die Frage, von welcher Art sein Strommix ist? Oder ist es eher eine reine Entscheidung nach dem Preis, so lange es nicht Vattenfall ist?
Ich habe kürzlich den Stromanbieter gewechselt, hin zu einem ein wenig günstigeren Anbieter. Es hätte deutlich preiswertere gegeben, aber mein „Neuer“ hat dafür einen erheblich höheren Anteil an „Ökostrom“ im Mix. Was übrigens interessant ist: von meinem alten Anbieter gibt es auch einen reinen Öko-Tarif. Der ist allerdings unverschämt teuer. Irre Logik: Jene die sich Gedanken um das Morgen machen, vielleicht auch um die Welt die sie ihrem Nachwuchs mal hinterlasse werden, sollen teuer bezahlen für die Uneinsichtigkeit der übrigen Konsumenten und die fast uneingeschränkte Gewinnsucht der Stromproduzenten.
Müsste es nicht andersherum sein? Müsste nicht der Ökostrom deutlich billiger sein, ggf. sogar steuerlich bevorteilt?
Es ist eine komische Zeit, in der wir leben: Die Discounter bringen Öko-Serien, die Verbraucher werden mündiger in ihren Entscheidungen. Sie kaufe bewusster ein und denken kurz über das nach, was sie da kaufen. Vielleicht auch schlicht aus Angst vor den Nebenwirkungen. Aber fragt mal jemand wirklich nach, was es damit auf sich hat? Was ist denn Öko? Aber gut, die Menschen fangen an umzudenken und das sie überhaupt DENKEN ist schon bemerkenswert genug. (Wobei heute ja gerne Öko und Bio in einen Topf geworfen werden…)
Und trotzdem schafft es die Realität uns mit Paradoxen zu konfrontieren, die aus dem System des Kapitalismus in der heute gelebten Form erwachsen. Das Öl wird knapp und unsere Regierungen beschwören nicht die Abkehr vom Verbrennungsmotor, sondern die unsinnige „Alternative“ der „Bio-Treibstoffe“, für die riesige Anbaufläche nicht mehr zur Nahrungsmittelproduktion oder als natürliches Ökosystem zur Verfügung stehen, weil man den Platz für die den Seelenfrieden versprechenden Pflanzen braucht?
Stellt sich die Frage nach den Alternativen oder der möglichen Alternative. Und dabei wenden wir mal unseren Blick von einzelnen Kerbereichen wie dem Ökostrom oder den Biolebensmitteln auf grundsätzliche Fragen:
Ist es möglich in der Marktwirtschaft, dem Kapitalismus, einen Weg zu finden, der wieder den Menschen und die Welt in den Vordergrund stellt? Bei dem Menschen nicht nur Arbeits- und Diensleistungs – Ressourcen, ebenso wie (dumme?) Kunden sind, sondern der Mittelpunkt des Interesses? Schaffen wir es eine Welt zu schaffen, in der die Welt selbst eben nicht mehr nur ausbeutbarer Ressourcenlieferant ist, sondern ein „Partner“, dem wir geben, wenn wir von ihm nehmen?
Manchmal frage ich mich, wie die Welt wohl ausgesehen haben mag, bevor sie uns untertan gemacht haben. War in meiner Gegend alles voller Wald? Warum hat der Mensch angefangen, dass ökologische Gleichgewicht so aus dem Konzept zu bringen? Warum sind wir alle kurz betroffen, wenn die Nachrichten mal wieder eine Hiobsbotschaft bringen (aktuell: das Eis schmilzt und die Eisbären sterben aus)? Wir begreifen das Verschwinden von Arten und die sich ändernden Umweltbedingungen nicht mehr als natürlich gegeben. Denn gleichwohl es solche Entwicklungen immer gegeben hat und immer geben wird wissen wir, dass das Tempo mit dem sie sich derzeit vollziehen nicht „normal“ ist. Wir sprechen von „vom Menschen verursacht“. Und wie lange halten die Gedanken?
Schon mal an das schmelzende Packeis gedacht, wenn Ihr Euch ein Pizzataxi bestellt habt? An den Regenwald, wenn Ihr erleichtert mitbekommen habt, dass unsere Regierung den Anteil an Biosprit erhöhen möchte, der angeblich doch soooo neutral sein soll? Schon mal an den verregneten Sommer gedacht, wenn Ihr als glückliche Deutsche mit Tempo 200 ohne Zeitnot über die Autobahn gerast seid oder Euren Spritfresser im Winter beim Kratzen schon mal habt warmlaufen lassen?
Zu vielen Dingen gibt es keine Alternative. Der Markt bietet sie nicht. Weil wir sie nicht fordern.
Übrigens schreibe ich diese Zeilen, während ich im Zug durch die Gegend brause, auf dem Weg zu einem meiner Besuche. Jetzt kommt wieder die Zeit, in der ich unsere Niederlassungen besuchen werde, bis Ende des Jahres sind 50 Touren durch das ganze Bundesland geplant, jede kreisfreie und jede Kreisstadt wird mich einmal zu sehen bekommen. Heute die Stadt zu der das Tal gehört, in dem man die verblichenen Überreste unserer gemeinsamen Vorfahren (oder so was in der Art) gefunden hat. Vielleicht lässt mich diese Nähe zu Gestern so intensiv an Morgen denken.
4 Stockwerke unter meinem Büro steht mein Passat TDI. Mit CD-Wechsler, Tempomat und Automatik. Sehr bequem, ein Vielfaches bequemer als der alte Regionalzug, in dem ich gerade sitze. Oder die S-Bahn, die es gleich sein wird. Die Entscheidung für den Zug viel, weil ich keinen Zeitdruck habe, nichts davon abhängt, ob ich auf die Minute pünktlich bin. Und sie fiel auch, weil ich zu faul bin, im Stau zu stehen. Und – zumindest hoffe ich das – sie fiel auch, weil ein Teil von mir weiß, dass man einfach irgendwann irgendwo irgendwie anfangen muss. Vielleicht weiß das auch ein Teil von Euch.
unkreativ.net - 10. Sep, 14:04 - abgelegt unter: Öko-logisch
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