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Vom Fotografieren...

2.3 Blenden, Lichtstärke und Tiefenschärfe

Das Kapitel jetzt wird reichlich kompliziert und hat schon klügere Menschen als mich daran scheitern lassen, es zu erklären. Ich werde daher versuchen, es so einfach wie möglich zu halten.

Auf fast allen Objektiven findet sich neben der Brennweite in mm auch eine Angabe der Lichtstärke, zumeist als Verhältniszahl, also 1 zu x. Damit wird beschrieben, wieviel Licht vorne rein muss, damit hinten eine Messeinheit ankommt. Soweit so klar?

Das bezeichnet man übrigens dann als Offenblende und setzt damit den Wert x mit der Blende gleich. Dabei ist, wie ich gleich beschreiben werde, die Blende eigentlich ein mechanisches Teil. Das ignoriere ich jetzt aber einfach und übernehme die Sprech- und Schreibweise und bezeichne x fortan als Anfangsblende.

Der Wert der Anfangsblende ist bei einem guten Objektiv möglichst klein. Oder anders gesagt: je größer der Anfangsblendenwert bei vergleichbarer Brennweite, desto mehr Gurke. Mehr Lichtstärke bedeutet im Zweifelfall auch, dass ich bei weniger Lichtnoch bessere Fotos (weniger Verwacklung) machen kann.

Der Blendenwert ist eine komische Zahlenreihe, meist 4,5 - 5,6 - 8 und wie der errechnet wird wissen all die, die in Mahte aufgepasst haben. Wenn ich als kleine Info verrate, dass von einer Stufe zur nächsten (4,5 zu 5,6) die Menge des durchgehenden Lichts halbiert wird. Wenn wir uns gleich die Blende ansehen, stellen wir fest, dass sie nahezu kreisförmig ist. Damit läßt sich für den Mathefreak was anfangen, alle anderen merken sich bitte einfach nur: eine volle Blendenstufe halbiert das einfallende Licht.

Um das mal anschaubar zu machen, ein paar Fotos:
  1. 50mm 1:1,8 mit Blende 1,8 von Vorne


  2. 50mm 1:1,8 mit Blende 1,8 aus Sicht der Kamera


  3. 50mm 1:1,8 mit Blende 22 von Vorne


  4. 50mm 1:1,8 mit Blende 22 aus Sicht der Kamera


Man kann sich vorstellen, was der Unterschied ist, denke ich ;-)

Eine gute Optik beginnt oft mit einer Lichtstärke von 1:1,8 oder 1:2,8. Es gibt auch Objektive mit 1:1,4 oder gar 1:1,2 und in grauer Vorzeit gab es auch 1:1 und sogar 1:0,9. Da mehr Lichtstärke immer auch mehr Anspruch an die Optik bedeutet, ist der Preissprung von 1:1,8 zu 1:1,4 und 1:1,2 so hoch, dass nur Leute die wirklich wissen, was sie machen, sich solche Linsen kaufen.

Ein wirklich gutes und immer zu empfehlendes Objektiv ist demnach ein 50mm 1:1,8 und wer es teuer mag der nimmt das 50mm 1: 1,4.

Zoom-Objektive gibt es in 2 Ausführungen: mit fester Anfangsblende und mit Variabler. Das merkt man daran, wenn zum Beispiel ein Objektiv die Aufschrift hat 70-200mm 1:2,8. Das beudetet, dass sowohl bei 70mm Brennweite als auch bei 200mm Brennweite die Offenblende 2,8 und damit sehr gut ist.

Die meisten "Consumer"-Produkte haben das nicht. Sie haben eine variable Anfangsbrennweite, die meist als 70-200mm 1:3,5-5,6 beschrieben wird. Das bedeutet dann, dass ich bei 70mm eine Anfangsblende von 3,5 habe und bei 200mm eine Anfangsblende von 5,6.

Das wirkt sich jetzt in zweierlei Hinsicht aus:
  1. Bei gleichbleibender Filmempfindlichkeit verdoppelt sich die Verschlusszeit bei halber Lichtmenge. Logisch, oder? Zu den Verschlusszeiten komme ich im nächsten Kapitel. Grundsätzlich wollen wir die aber klein halten.

    Wenn ich also bei ISO 200 und Blende 4,5 mit einer Verschlusszeit von 1/250 Sekunde habe, bin ich bei Blende 5,6 schon bei 1/125 Sekunde und bei Blende 8 bei 1/60 Sekunde.

    Will ich also bei Blende 8 ebenso eine Zeit von 1/250 haben, muss ich den ISO-Wert hochdrehen. Damit steigt das Rauschen.

  2. Zomme ich näher ran, verliere ich weiter Licht, damit steigt weiter die Verschlusszeit, die ich ggf. über weitere ISO-Erhöhungen kompensieren muss.
Außerdem - und das ist das wirklich interessante - steuere ich über die Blende (und ein wenig über die Brennweite) die sogenannte Tiefenschärfe. Was das ist kann man sich am ehesten vorstellen, wenn man mal kurz an die Portrait-Aufnahmen denkt, die einem am besten gefallen. Das sind in der Regel welche mit wenig Tiefenschärfe, also einem unscharfen Hintergrund, der so verträumt verwaschen aussieht:


Es gibt im Internet Programme (auf für PDA), die errechnen können, wie groß die Tiefenschräfe unter welcher Bedingung ist.

Tatsächlich ist der Effekt der Tiefenschärfe, bzw. der Tiefenunschärfe eben der, dass Objekte "freigestellt", also aus dem Hintergrund herausgelöst werden können. Das geschieht bei offener Blende: Die Tiefenschärfe ist um so geringer, um so weiter die Blende auf ist.

Blende ich ab, was der Ausdruck für das Schliessen der Blende ist, erhöhe ich die Tiefenschärfe.

Es gibt Tiefenschärfe übrigens nicht nur hinter dem Objekt, dass ich fotografiere. Vielmehr ist auch vor dem Objekt eine Fläche, die scharf abgebildet wird. Diese ist halb so tief, wie hinter dem Objekt. Im Klartext: Ist 100 cm hinter dem Objekt noch alles scharf zu sehen, sind vor dem Objekt in Richtung Kamera nur 50cm scharf abgebildet.

Nachfolgend nochmal ein paar Bilder um das zu verdeutlichen:
  1. Vorne scharf gestellt, Blende ganz auf:


  2. Vorne scharf gestellt, abgeblendet:


  3. Mitte scharf gestellt, Blende ganz auf:


  4. Mitte scharf gestellt, abgeblendet:


  5. Hinten scharf gestellt, Blende ganz auf:


  6. Hinten scharf gestellt, abgeblendet:


Ich denke, das Prinzip ist klar geworden, oder?

Jetzt gibt es noch ein paar Dinge zu beachten:
  1. Stelle ich auf unedlich scharf, kann ich keine Tiefenschärfe für dahinter liegende Objekte beeinflussen. Ist klar, oder?
  2. Die Tiefenschärfe ist abhängig von der Brennweite: je größer die Brennweite, desto geringer ist bei gleicher Blendenzahl die Tiefenschärfe. Bei Teleobjektiven und großen Blenden ist hier von wenigen cm die rede!
  3. Im Makrobereich beträgt die Tiefenschärfe meist nur wenige mm, selbst abgeblendet.
Die Blende hat aber noch eine weitere, nicht zu unterschätzende Funktion:

Der Großteil der auf dem Markt haben das Problem, dass sie bei Offenblende nicht ihre maximale Schärfe erreichen. Das kann man dann, indem man abblendet, das einfallende Licht also stärker fokussiert und in die Mitte der Linse zwingt, dort wo die Schärfe am größten ist. Gute Objektive wie das 50mm 1:1,8 haben oft bei Blende 4 schon ihre maximale Schärfe, einige und vor allem einfache Zoom-Linsen erreichen das erst bei Blende 8 ihre maximale Schärfe.

Aber Vorsicht: Zu weit abblenden ist auch wieder nicht gut, weil dann ein Effekt auftritt, der sich "Beugung" nennt. Was das ist will ich hier nicht ausführen. Dazu habe ich an anderer Stelle schon was geschrieben. Nur soviel: das ist nicht gut, also wenn nicht unbedingt notwendig, die Blende nicht ganz zudrehen, schärfer als scharf wird nicht.

Übrigens, um mal wieder auf den Unterschied verschiedener Kameras zu sprechen zu kommen: die meisten kleinen Digis haben 3 oder wenig mehr Blendenstufen und auf Grund der Besonderheit der winzigen Sensoren ist von einer vernünftigen Beurteilung der Tiefenschärfe auch gar nicht zu reden. Bei guten Linsen für Spiegelreflexkameras stehen unter Umständen weit mehr als 10 Stufen zur Verfügung, um die Blende sehr fein einstellen zu können.

Um vor dem Foto die Tiefenschärfe beurteilen zu können, haben die größeren Kameras eine sogenannte "Abblendtaste". Dahinter verbirgt sich Folgendes: Wenn das Objektiv an die Kamera geschraubt ist, wird die Blende ganz aufgemacht, damit möglichst viel Licht in den Sucher fällt. Viel Licht braucht man zur Beurteilung des Bildes und der Schärfe, auch automatisches Scharfstellen (AF) geht besser, je mehr Licht da ist. Erst im Moment des Fotos wird die sogenannte "Arbeitsblende" eingestellt.

Die Abblendtaste macht jetzt genau das: sie blendet auf die Arbeitsblende ab. Das Bild wird auf den ersten Blick einfach nur dunkel. Wer aber einen Testaufbau wie meinen obigen aufsetzt wird sehen, dass man plötzlich die Unschärfe erkennen kann, die sich bei immer weiter geschlossener Blende in Schärfe verwandelt... nur leider wird auch das Bild immer dunkler...

Weiter in:
2.4 Verschlusszeiten & Blitzen Teil 1

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