Vom Fotografieren...
2.4 Verschlusszeiten & Blitzen Teil 1
In diesem Abschnitt geht es um die reine Belichtung eines Bildes, die im herkömmlichen Sinne als "richtig" verstanden wird. Dabei stelle ich kurz vor, was es mit Blichtungszeit auf sich hat und was mit Blitzen ist.
Der "kreative" Einsatz von Blitzlicht wird dann im folgenden Artikel besprochen.
Vorab noch ein wichtiger Hinweis: Auf Grund der Technik kann man unterbelichtete Motive teilweise noch recht weit aufhellen. Das bedeutet, dass "abgesoffene" Motivteile unter Umständen wiederhergestellt werden können. Im dunklen Bereich hat eine digitale Aufnahme also "Reserven". Was aber zu hell ist, sogenannten ausgefressene Teile des Bildes, ist unwiederbringlich verloren: man kann das Bild nicht nachträglich abdunkeln und damit Details sichtbar machen. Im Zweifel also lieber zu knapp als zu hell belichten und, wenn vorhanden, dass sogenannte "Highlightwarning" einschalten. Dabei werden auf dem Display die Bereiche, die keine Zeichnung mehr enthalten und nur noch weiss sind, blinkend dargestellt.
Die Belichtungszeit berechnet sich aus der eingestellten Arbeitsblende, dem vorhandenen Umgebungslicht und dem Licht, dass vom Objekt reflektiert wird, welches Ihr fotografieren wollt und von der ISO-Empfindlichkeit des Films oder Chip.
Schon das macht klar, dass es nicht so einfach ist zu bestimmen, wie viel Licht durch das Objektiv fallen muss, um ein Bild im technischen Sinne richtig zu belichten. Technisch richtig deswegen, weil es durchaus Fälle geben mag, in denen der Fotograf deutlich mehr oder deutlich weniger Licht auf dem Bild haben will, als "richtig" im technischen Sinne wäre.
Um zu verdeutlichen, dass "richtig" in dem Fall sehr variabel und vor allem unterschiedlich zwischen technisch richtig und richtig für das Bild sein kann, 3 Beispielbilder.
Das erste Bild zeigt eine "richtig" im Sinne von technisch belichtete Aufnahme:

Die nächste Aufnahme ist bewußt "unrichtig" belichtet worden, es wurde weniger Licht von der Kamera aufgenommen:

Das dritte Bild ist dagegen bewußt "unrichtig" mit zu viel Licht entstanden:

Aus technischer Sicht also nur ein richtiges Bild. Aus Sicht des Fotografen, weil gewollt, aber drei richtige Aufnahmen.
Die Belichtungsmessung, also die Entscheidung wie viel Zeit Licht auf den Sensor fallen muss, überlassen wir heute den in der Kamera eingebauten Belichtungsmessern. Es gibt externe Belichtungsmesser, die Profis verwenden, die man im Studio verwendet, aber darauf möchte ich jetzt nicht eingehen. Wir konzentrieren uns auf die Objektmessung, die die Kamera vornimmt.
Bei dieser Objektmessung wird eben das Licht gemessen, dass von dem zu fotografierenden Ding in Richtung Kamera geworfen wird. Und teilweise auch das Licht, dass aus der Umgebung kommt. Dabei gibt es verschiedene Modi (Matrix, Mehrfeld, Mittenbetont, Spot), von denen ich lediglich 2 anspreche, weil sie unterschiedlicher nicht sein können.
Bei der sogenannten Spotmessung wähle ich mit einem relativ kleinen Kreis im Sucher (meistens rund um das gewählte Autofokus-Feld) den Bereich aus, auf den die Kamera sich konzentrieren soll. Dabei beachtet die Kamera lediglich das Licht, dass von dort kommt und schert sich nicht um den Rest. Das Ergebnis sollte ich fast allen Fällen sein, dass das zu knipsende Objekt "richtig" belichtet ist.

Wie man auf dem Beispielbild sehen kann, ist der Hintergrund allerdings viel, viel zu hell. Das kommt daher, dass mein Fotomotiv vor dem Fenster stand und draussen die Sonne schien, ich der Kamera aber "befohlen" habe, sich nur um den Hals der rechten Flasche zu kümmern.
Dagegen kommt dann die Matrix-Messung ins Spiel. Mein "Lehrmeiter", beschreibt die Matrixmessung so:
Alternativ zur Nutzung der Matrixmessung kann man auch Lotto spielen. Ich spiele *kein* Lotto. Aber ehrlich, weil ich meine Bilder auch so haben will wie ich mir das denke, benutze ich weder automatische Belichtungsregelungen (vom Blitz mal abgesehen), noch solche Lottofunktionen.
Quelle: Michael Quack
Tatsächlich ist die Matrixmessung im klassischen Sinne nicht beherrschbar. Was bei ihr passiert ist folgendes: Die Kamera mißt das Objekt in dem Bereich in dem ich Scharf stelle und bevorzugt dieses. Dann aber geht sie hin und mißt mehr oder weniger detailliert das Licht in den anderen Regionen des Bildes und versucht nun

Bei den aktuellen Kamerasystemen mit denen ich zu tun habe ist die Matrixmessung aber mittlerweile von den meisten Kinderkrankheiten befreit. Produzierte sie früher überwiegend flaue Bilder bei dem Versuch, alles irgendwie gleich zu kriegen, ist heute die Matrixmessung im Bereich der Schnappschüsse sogar fast brauchbar zu nennen. Das Problem allerdings: Die Gewichtung der einzelnen Helligkeitszonen läßt sich nicht kontrollieren, 2 Aufnahmen hintereinander mit nur minimalen Unterschieden können 2 ganz unterschiedliche Bilder zur Folge haben.
Wenn ich jetzt mittels Kamera und deren Belichtungsmesser in einem der Modi bestimmt habe, wie lang meine Belichtungszeit ist, lohnt es sich, diese zu kontrollieren. Denn es lauert die nächste Falle: Verwacklungen.
Ist die Verschlußzeit kurz genug, bildet sich ein sauber abgegrenztes, also "scharfes" Bild auf dem Sensor ab.

Es ist nicht möglich, in der Hand eine Kamera eine unbegrenzte Zeit so still zu halten, dass ein scharfes Bild auf dem Sensor erscheint. Schon kleinste Bewegungen, die völlig natürlich sind, führen zu unscharfen Bildern mit einer sogenannten "Verwacklungsunschärfe". Diese entsteht einfach, wenn das Bild quasi mehrfach auf dem Sensor abgebildet wird, weil es durch das Zittern der Hand zum Beispiel um wenige Mikrometer verschoben wird.

Grundsätzlich gilt, dass auf Grund der Masseträgheit eine große, schwere Kamera, zumal von 2 Händen gehalten, weniger Anfällig ist als eine kleine, leichte Kamera. Und als Faustregel gilt unter Fotografen die Aussage, dass man etwa 1 Sekunde durch Brennweite verwacklungsfrei halten kann. Das bedeutet also, dass ich bei 50mm Brennweite durchaus 1/50 Sekunde halten kann, während bei einem 300mm-Tele schon bei 1/300 Sekunde schluss ist. Dieser Wert variiert natürlich je nach persönlichen Eigenschaften. Allgemein geht man davon aus, dass bei 1/30 auch bei ruhigen Händen Schluss ist.
Wird die Zeit zu lang, kann ich sie durch Öffnen der Blende reduzieren. Ist das nicht möglich oder gewollt, kann ich den ISO-Wert anheben.
Dieser "Spielraum" in dem ich verwacklungsfreie Bilder aus der Hand schiessen kann, ist in den letzten Jahren durch die erst langsame, in letzter Zeit aber rasant zunehmende Verbreitung von optischen und elektronischen "Bildstabilisatoren" vergrößert worden.
Panasonic bietet mittlerweile in fast jeder Knipse den OIS, also den Optical Image Stabilizer an. Der Sinn ist klar: wenn so eine Technik längere Verschlußzeiten erlaubt, muss ich den ISO-Wert nicht anheben und kann damit weniger Rauschen ins Bild bringen.
Die Spiegelreflexhersteller verfolgen 2 Ansätze:
Sony ("Steadyshot") und Olympus (Image Stabilizer) bringen ihre Sensoren variabel an. Das bedeutet, die Kamera mißt mit winzigen Beschleunigungssensoren ein paar Tausend mal pro Zeiteinheit die Bewegung nach oben / unten / rechts / links und winzige "Motoren" bewegen den Chip so, dass das Licht immer an der selben Stelle auftritt. Da hier der Chip bewegt wird, funktioniert das mit allen Objektiven, die ich an die Kamera pappen kann.
Canon (IS) und Nikon (Vibration Reduction) verlegen diese Technik ins Objektiv. Hier sind spezielle Linsen so aufgehängt, dass mit einer vergleichbaren Technik Bewegungen ausgeglichen werden. Der Nachteil ist, dass nur Objektive mit dieser Technik auch eine Verbesserung mit sich bringen und der technische Aufwand deutlich höher ist. Der Vorteil ist jedoch, dass die Technik jeweils auf das Objektiv abgestimmt werden kann und schon das Bild "beruhigt" wird, dass ich im Sucher sehe. Ein deutlicher Vorteil bei der Bildgestaltung.
Stelle ich jetzt fest (oder die Kamera), dass es weder möglich ist die Blende weiter zu öffnen, noch den ISO-Wert weiter zu erhöhen und ich auch trotz der technischen Hilfe durch die Bildstabilisatoren kein vernünftiges Bild hinbekomme, verlasse ich den Bereich der sogenannten "Aviable Light"-Fotografie und muss das Bild künstlich mit mehr Licht versorgen.
"Mehr Licht!"
Fast jede Kamera kommt heute mit einem mehr oder weniger sinnvollen Lichtlein daher. Die wesentlichen Eigenschaften eines Blitzes sind seine Lichtfarbe (dazu später mehr), seine Leuchtkraft (Leitzahl) und sein Ausleuchtwinkel. Einige Blitze dienen als oder bieten ein AF-Hilfslicht. Auch das werde ich erst später im Abschnitt über das Scharfstellen erklären.
Grundsätzlich unterscheidet man - wenn man Studioausrüstung aussen vor läßt - zwischen internen Blitzlichtern und externen, zumeist als Systemblitze zum "Aufstecken" ausgeführen Lichtwerfern.
Das die kompakten Kameras heute eigentlich keinen "Zubehörschuh" mehr haben, auf den man einen Systemblitz aufstecken kann, ist schon tragisch. Noch tragischer ist aber, dass auf Grund der Miniaturisierung die internen Blitze natürlich auch immer kleiner werden. Folgend mal der Vergleich zwischen der Fuji und der Nikon:
Was noch aufällt ist, dass der Blitz an der Nikon sehr hoch sitzt. Das ist gut so und hilft ein Problem zu vermeiden, dass man mit Kameras in der Bauart der Fuji fast unweigerlich hat: Rote Augen.
Rote Augen sind Reflexe der gut durchbluteten Netzhaut am Ende des Aufapfels. Sie sind dann sichtbar, wenn - wir erinnern uns an den Physikunterricht, Spiegel, Einfallwinkel gleich Ausfallwinkel - der Blitz sehr nah an der "optischen Achse" des Objektivs liegt, also nahezu exakt in die Richtung ausleuchtet, aus der der Chip das Licht wieder empfängt. Und machen wir uns nix vor: Vorblitze helfen wenn überhaupt nur sehr eingeschränkt.
Um so weiter ein Blitz von der optischen Achse entfernt ist, um so unwahrscheinlicher sind rote Augen.
Bei den "grossen" Kameras findet sich oben ein sogenannter "Zubehörschuh", in den man einen Systemblitz packen kann. Systemblitze gibt es vom Hersterller der Kamera-Systeme, aber auch von einer Reihe von Drittanbietern in vielfältigen Formen. Grundsätzlich hat ein Systemblitz mehr Leistung als der Interne. Wie "kompatibel" die Systemblitze von Fremdherstellern zu Kamerabesonderheiten wie i-TTL/CLS bei Nikon oder e-TTL2 bei Canon sind, kann man so pauschal nicht sagen. Grundsätzlich können sie aber alle eines: Licht machen. Teilweise schon fast zu viel Licht.
Die Lichtmenge die maximal möglich ist, beschrieb man früher recht einheitlich mit der Leitzahl, die ursprünglich angab, welche Distanz bei ISO 100 maximal ausgeleuchtet werden kann. Da dieses Verhältnis nicht festgeschrieben ist, weichen die Hersteller mittlerweile davon ab und der Rat kann nur lauten: Nicht auf die Leitzahl gucken. Erstens sind vernünftige Ausleuchtungen über X Meter mit solchen Blitzen eh nicht möglich, zweitens spielen zu viele Seitenfaktoren eine Rolle.
Ich selbst fahre 2 verschiedene Blitzsysteme: zum einen habe ich einen Originalblitz von Nikon, den SB-800 und dann einen Metz 54 MZ-3. Wer mich kennt der weiss, dass ich immer Metz empfehle, weil ich die Originalen im Vergleich für zu teuer bei zu wenig Gegenleistung halte. Aber das ist Geschmack und in meiner Tasche coexistieren beide fröhlich vor sich hin. Was sie unterscheidet, erkläre ich noch.
Wie man sehen kann, besitzen beide einen recht großen Haupreflektor, so nennt sich der Lichtaustritt. Der Metz verfügt über einen 2. kleinen Reflektor (hinter der Plastikkappe über dem Schriftzug), der Nikon nicht. Zudem ist der Metz zwar der ältere, aber der stärkere der beiden.
Den fehlenden Zweitreflektor (wofür man den braucht erkläre ich im nächsten Kapitel) kompensiert der Nikon durch eine ausklappbare weisse Kunststoffkarte am Hauptreflektor:

Bei beiden ist der Hauptreflektor vertikal schwenkbar, kann also nach oben und nach unten geklappt werden und - was sehr wichtig im Bereich "Peoplefotografie" ist: Auch horizontal, er kann also von rechts nach links gedreht werden. Auch das erkläre ich im Teil 2 der Blitzfotografie.
Grundsätzlich gilt für alle Systemblitze, dass sie mindestens in den Betriebsmodi A (Automatik) und M (Manuell) blitzen können müssen. Moderne Systemblitze (der SB-800 ja, der Metz nein) unterstützen zusätzlich das neue iTTL/CLS -System von Nikon. Zur Erklärung:

Zudem verfügen die Blitze heute über "Zoomreflektoren". Das sind Mechaniken, die den Ausleuchtwinkel dem Objektiv anpassen, also bei Weitwinkel das Licht mehr streuen und bei Tele mehr konzentrieren. Das funktioniert in Bereichen von etwa 24-105mm problemlos automatisch. Für Winkel unter 20mm bringen die Blitze heute i.d.R. eine Streuscheibe mit, die vor den Blitz geklappt wird:

Im Grunde sind die Systemblitze heute so gut, dass man sie aufsteckt, anschaltet und Spass hat. Wer mehr will, der liest das nächste Kapitel.
Weiter in:
2.5 Blitzen Teil 2: Spass mit Licht
In diesem Abschnitt geht es um die reine Belichtung eines Bildes, die im herkömmlichen Sinne als "richtig" verstanden wird. Dabei stelle ich kurz vor, was es mit Blichtungszeit auf sich hat und was mit Blitzen ist.
Der "kreative" Einsatz von Blitzlicht wird dann im folgenden Artikel besprochen.
Vorab noch ein wichtiger Hinweis: Auf Grund der Technik kann man unterbelichtete Motive teilweise noch recht weit aufhellen. Das bedeutet, dass "abgesoffene" Motivteile unter Umständen wiederhergestellt werden können. Im dunklen Bereich hat eine digitale Aufnahme also "Reserven". Was aber zu hell ist, sogenannten ausgefressene Teile des Bildes, ist unwiederbringlich verloren: man kann das Bild nicht nachträglich abdunkeln und damit Details sichtbar machen. Im Zweifel also lieber zu knapp als zu hell belichten und, wenn vorhanden, dass sogenannte "Highlightwarning" einschalten. Dabei werden auf dem Display die Bereiche, die keine Zeichnung mehr enthalten und nur noch weiss sind, blinkend dargestellt.
Die Belichtungszeit berechnet sich aus der eingestellten Arbeitsblende, dem vorhandenen Umgebungslicht und dem Licht, dass vom Objekt reflektiert wird, welches Ihr fotografieren wollt und von der ISO-Empfindlichkeit des Films oder Chip.
Schon das macht klar, dass es nicht so einfach ist zu bestimmen, wie viel Licht durch das Objektiv fallen muss, um ein Bild im technischen Sinne richtig zu belichten. Technisch richtig deswegen, weil es durchaus Fälle geben mag, in denen der Fotograf deutlich mehr oder deutlich weniger Licht auf dem Bild haben will, als "richtig" im technischen Sinne wäre.
Um zu verdeutlichen, dass "richtig" in dem Fall sehr variabel und vor allem unterschiedlich zwischen technisch richtig und richtig für das Bild sein kann, 3 Beispielbilder.
Das erste Bild zeigt eine "richtig" im Sinne von technisch belichtete Aufnahme:

Die nächste Aufnahme ist bewußt "unrichtig" belichtet worden, es wurde weniger Licht von der Kamera aufgenommen:

Das dritte Bild ist dagegen bewußt "unrichtig" mit zu viel Licht entstanden:

Aus technischer Sicht also nur ein richtiges Bild. Aus Sicht des Fotografen, weil gewollt, aber drei richtige Aufnahmen.
Die Belichtungsmessung, also die Entscheidung wie viel Zeit Licht auf den Sensor fallen muss, überlassen wir heute den in der Kamera eingebauten Belichtungsmessern. Es gibt externe Belichtungsmesser, die Profis verwenden, die man im Studio verwendet, aber darauf möchte ich jetzt nicht eingehen. Wir konzentrieren uns auf die Objektmessung, die die Kamera vornimmt.
Bei dieser Objektmessung wird eben das Licht gemessen, dass von dem zu fotografierenden Ding in Richtung Kamera geworfen wird. Und teilweise auch das Licht, dass aus der Umgebung kommt. Dabei gibt es verschiedene Modi (Matrix, Mehrfeld, Mittenbetont, Spot), von denen ich lediglich 2 anspreche, weil sie unterschiedlicher nicht sein können.
Bei der sogenannten Spotmessung wähle ich mit einem relativ kleinen Kreis im Sucher (meistens rund um das gewählte Autofokus-Feld) den Bereich aus, auf den die Kamera sich konzentrieren soll. Dabei beachtet die Kamera lediglich das Licht, dass von dort kommt und schert sich nicht um den Rest. Das Ergebnis sollte ich fast allen Fällen sein, dass das zu knipsende Objekt "richtig" belichtet ist.

Wie man auf dem Beispielbild sehen kann, ist der Hintergrund allerdings viel, viel zu hell. Das kommt daher, dass mein Fotomotiv vor dem Fenster stand und draussen die Sonne schien, ich der Kamera aber "befohlen" habe, sich nur um den Hals der rechten Flasche zu kümmern.
Dagegen kommt dann die Matrix-Messung ins Spiel. Mein "Lehrmeiter", beschreibt die Matrixmessung so:
Alternativ zur Nutzung der Matrixmessung kann man auch Lotto spielen. Ich spiele *kein* Lotto. Aber ehrlich, weil ich meine Bilder auch so haben will wie ich mir das denke, benutze ich weder automatische Belichtungsregelungen (vom Blitz mal abgesehen), noch solche Lottofunktionen.
Quelle: Michael Quack
Tatsächlich ist die Matrixmessung im klassischen Sinne nicht beherrschbar. Was bei ihr passiert ist folgendes: Die Kamera mißt das Objekt in dem Bereich in dem ich Scharf stelle und bevorzugt dieses. Dann aber geht sie hin und mißt mehr oder weniger detailliert das Licht in den anderen Regionen des Bildes und versucht nun
- entweder das Bild möglichst ausgewogen gleichmäßig zu belichten
- oder zu erkennen, dass das nicht möglich ist und einen Schwerpunkt auf das anvisierte Objekt zu legen.

Bei den aktuellen Kamerasystemen mit denen ich zu tun habe ist die Matrixmessung aber mittlerweile von den meisten Kinderkrankheiten befreit. Produzierte sie früher überwiegend flaue Bilder bei dem Versuch, alles irgendwie gleich zu kriegen, ist heute die Matrixmessung im Bereich der Schnappschüsse sogar fast brauchbar zu nennen. Das Problem allerdings: Die Gewichtung der einzelnen Helligkeitszonen läßt sich nicht kontrollieren, 2 Aufnahmen hintereinander mit nur minimalen Unterschieden können 2 ganz unterschiedliche Bilder zur Folge haben.
Wenn ich jetzt mittels Kamera und deren Belichtungsmesser in einem der Modi bestimmt habe, wie lang meine Belichtungszeit ist, lohnt es sich, diese zu kontrollieren. Denn es lauert die nächste Falle: Verwacklungen.
Ist die Verschlußzeit kurz genug, bildet sich ein sauber abgegrenztes, also "scharfes" Bild auf dem Sensor ab.

Es ist nicht möglich, in der Hand eine Kamera eine unbegrenzte Zeit so still zu halten, dass ein scharfes Bild auf dem Sensor erscheint. Schon kleinste Bewegungen, die völlig natürlich sind, führen zu unscharfen Bildern mit einer sogenannten "Verwacklungsunschärfe". Diese entsteht einfach, wenn das Bild quasi mehrfach auf dem Sensor abgebildet wird, weil es durch das Zittern der Hand zum Beispiel um wenige Mikrometer verschoben wird.

Grundsätzlich gilt, dass auf Grund der Masseträgheit eine große, schwere Kamera, zumal von 2 Händen gehalten, weniger Anfällig ist als eine kleine, leichte Kamera. Und als Faustregel gilt unter Fotografen die Aussage, dass man etwa 1 Sekunde durch Brennweite verwacklungsfrei halten kann. Das bedeutet also, dass ich bei 50mm Brennweite durchaus 1/50 Sekunde halten kann, während bei einem 300mm-Tele schon bei 1/300 Sekunde schluss ist. Dieser Wert variiert natürlich je nach persönlichen Eigenschaften. Allgemein geht man davon aus, dass bei 1/30 auch bei ruhigen Händen Schluss ist.
Wird die Zeit zu lang, kann ich sie durch Öffnen der Blende reduzieren. Ist das nicht möglich oder gewollt, kann ich den ISO-Wert anheben.
Dieser "Spielraum" in dem ich verwacklungsfreie Bilder aus der Hand schiessen kann, ist in den letzten Jahren durch die erst langsame, in letzter Zeit aber rasant zunehmende Verbreitung von optischen und elektronischen "Bildstabilisatoren" vergrößert worden.
Panasonic bietet mittlerweile in fast jeder Knipse den OIS, also den Optical Image Stabilizer an. Der Sinn ist klar: wenn so eine Technik längere Verschlußzeiten erlaubt, muss ich den ISO-Wert nicht anheben und kann damit weniger Rauschen ins Bild bringen.
Die Spiegelreflexhersteller verfolgen 2 Ansätze:
Sony ("Steadyshot") und Olympus (Image Stabilizer) bringen ihre Sensoren variabel an. Das bedeutet, die Kamera mißt mit winzigen Beschleunigungssensoren ein paar Tausend mal pro Zeiteinheit die Bewegung nach oben / unten / rechts / links und winzige "Motoren" bewegen den Chip so, dass das Licht immer an der selben Stelle auftritt. Da hier der Chip bewegt wird, funktioniert das mit allen Objektiven, die ich an die Kamera pappen kann.
Canon (IS) und Nikon (Vibration Reduction) verlegen diese Technik ins Objektiv. Hier sind spezielle Linsen so aufgehängt, dass mit einer vergleichbaren Technik Bewegungen ausgeglichen werden. Der Nachteil ist, dass nur Objektive mit dieser Technik auch eine Verbesserung mit sich bringen und der technische Aufwand deutlich höher ist. Der Vorteil ist jedoch, dass die Technik jeweils auf das Objektiv abgestimmt werden kann und schon das Bild "beruhigt" wird, dass ich im Sucher sehe. Ein deutlicher Vorteil bei der Bildgestaltung.
Stelle ich jetzt fest (oder die Kamera), dass es weder möglich ist die Blende weiter zu öffnen, noch den ISO-Wert weiter zu erhöhen und ich auch trotz der technischen Hilfe durch die Bildstabilisatoren kein vernünftiges Bild hinbekomme, verlasse ich den Bereich der sogenannten "Aviable Light"-Fotografie und muss das Bild künstlich mit mehr Licht versorgen.
"Mehr Licht!"
Fast jede Kamera kommt heute mit einem mehr oder weniger sinnvollen Lichtlein daher. Die wesentlichen Eigenschaften eines Blitzes sind seine Lichtfarbe (dazu später mehr), seine Leuchtkraft (Leitzahl) und sein Ausleuchtwinkel. Einige Blitze dienen als oder bieten ein AF-Hilfslicht. Auch das werde ich erst später im Abschnitt über das Scharfstellen erklären.
Grundsätzlich unterscheidet man - wenn man Studioausrüstung aussen vor läßt - zwischen internen Blitzlichtern und externen, zumeist als Systemblitze zum "Aufstecken" ausgeführen Lichtwerfern.
Das die kompakten Kameras heute eigentlich keinen "Zubehörschuh" mehr haben, auf den man einen Systemblitz aufstecken kann, ist schon tragisch. Noch tragischer ist aber, dass auf Grund der Miniaturisierung die internen Blitze natürlich auch immer kleiner werden. Folgend mal der Vergleich zwischen der Fuji und der Nikon:
Was noch aufällt ist, dass der Blitz an der Nikon sehr hoch sitzt. Das ist gut so und hilft ein Problem zu vermeiden, dass man mit Kameras in der Bauart der Fuji fast unweigerlich hat: Rote Augen.
Rote Augen sind Reflexe der gut durchbluteten Netzhaut am Ende des Aufapfels. Sie sind dann sichtbar, wenn - wir erinnern uns an den Physikunterricht, Spiegel, Einfallwinkel gleich Ausfallwinkel - der Blitz sehr nah an der "optischen Achse" des Objektivs liegt, also nahezu exakt in die Richtung ausleuchtet, aus der der Chip das Licht wieder empfängt. Und machen wir uns nix vor: Vorblitze helfen wenn überhaupt nur sehr eingeschränkt.
Um so weiter ein Blitz von der optischen Achse entfernt ist, um so unwahrscheinlicher sind rote Augen.
Bei den "grossen" Kameras findet sich oben ein sogenannter "Zubehörschuh", in den man einen Systemblitz packen kann. Systemblitze gibt es vom Hersterller der Kamera-Systeme, aber auch von einer Reihe von Drittanbietern in vielfältigen Formen. Grundsätzlich hat ein Systemblitz mehr Leistung als der Interne. Wie "kompatibel" die Systemblitze von Fremdherstellern zu Kamerabesonderheiten wie i-TTL/CLS bei Nikon oder e-TTL2 bei Canon sind, kann man so pauschal nicht sagen. Grundsätzlich können sie aber alle eines: Licht machen. Teilweise schon fast zu viel Licht.
Die Lichtmenge die maximal möglich ist, beschrieb man früher recht einheitlich mit der Leitzahl, die ursprünglich angab, welche Distanz bei ISO 100 maximal ausgeleuchtet werden kann. Da dieses Verhältnis nicht festgeschrieben ist, weichen die Hersteller mittlerweile davon ab und der Rat kann nur lauten: Nicht auf die Leitzahl gucken. Erstens sind vernünftige Ausleuchtungen über X Meter mit solchen Blitzen eh nicht möglich, zweitens spielen zu viele Seitenfaktoren eine Rolle.
Ich selbst fahre 2 verschiedene Blitzsysteme: zum einen habe ich einen Originalblitz von Nikon, den SB-800 und dann einen Metz 54 MZ-3. Wer mich kennt der weiss, dass ich immer Metz empfehle, weil ich die Originalen im Vergleich für zu teuer bei zu wenig Gegenleistung halte. Aber das ist Geschmack und in meiner Tasche coexistieren beide fröhlich vor sich hin. Was sie unterscheidet, erkläre ich noch.
Wie man sehen kann, besitzen beide einen recht großen Haupreflektor, so nennt sich der Lichtaustritt. Der Metz verfügt über einen 2. kleinen Reflektor (hinter der Plastikkappe über dem Schriftzug), der Nikon nicht. Zudem ist der Metz zwar der ältere, aber der stärkere der beiden.
Den fehlenden Zweitreflektor (wofür man den braucht erkläre ich im nächsten Kapitel) kompensiert der Nikon durch eine ausklappbare weisse Kunststoffkarte am Hauptreflektor:

Bei beiden ist der Hauptreflektor vertikal schwenkbar, kann also nach oben und nach unten geklappt werden und - was sehr wichtig im Bereich "Peoplefotografie" ist: Auch horizontal, er kann also von rechts nach links gedreht werden. Auch das erkläre ich im Teil 2 der Blitzfotografie.
Grundsätzlich gilt für alle Systemblitze, dass sie mindestens in den Betriebsmodi A (Automatik) und M (Manuell) blitzen können müssen. Moderne Systemblitze (der SB-800 ja, der Metz nein) unterstützen zusätzlich das neue iTTL/CLS -System von Nikon. Zur Erklärung:
- Im Modus M stelle ich am Blitz die Blitzleistung ein. Gute Blitze lassen sich in möglichst vielen Stufen zwischen 1/1 (volle Leistung) und 1/256 (Bruchteil der Leistung) regeln. Die volle Leistung ist so gut wie nie notwendig.
- Im Modus A muss der Blitz wissen, welche Blende und Empfindlichkeit an der Kamera eingestellt sind. Dann mißt er mit einer eigenen Photozelle das vom angeblitzten Objekt zurückgeworfene Licht und beendet die Lichtabgabe, wenn er einen ausreichenden Wert gemessen hat. Diese Technik ist in der Relge korrigierbar, man kann also dem Blitz auch sagen, er soll gezielt Über- oder Unterbelichten. Natürlich nur bis zur jeweiligen Max- und Min-Grenze. Gerade bei den Metzblitzen arbeitet der Modus A so zuverlässig, dass man in vielen Situationen sich genau darauf verlassen sollte.
- TTL steht für "Through The Lens". Dabei mißt die Kamera das durch das Objektiv einfallende Licht, dass vom Objekt reflektiert wird. Bei e-TTL2 (Canon) und D-TTL (Nikon alt) und i-TTL (Nikon neu) werden dafür zunächst ein bis mehere Messblitze ausgesendet. Diese werden ausgewertet, die Kamera korrigiert ggf. die Einstellungen am Blitz und macht dann das Bild mit der "optimalen" Belichtung. Vor i-TTL waren die mir bekannten TTL-Systeme mit den ersten Matrixmessungen vergleichbar: 2 identische Bilder zu erzeugen, war nahezu unmöglich. e-TTL2 und i-TTL bieten da deutlich mehr Sicherheit. Gerade Anfänger werden das zu schätzen wissen. Das zum i-TTL gehörende "Creative Light System (CLS) stelle ich später vor.

Zudem verfügen die Blitze heute über "Zoomreflektoren". Das sind Mechaniken, die den Ausleuchtwinkel dem Objektiv anpassen, also bei Weitwinkel das Licht mehr streuen und bei Tele mehr konzentrieren. Das funktioniert in Bereichen von etwa 24-105mm problemlos automatisch. Für Winkel unter 20mm bringen die Blitze heute i.d.R. eine Streuscheibe mit, die vor den Blitz geklappt wird:

Im Grunde sind die Systemblitze heute so gut, dass man sie aufsteckt, anschaltet und Spass hat. Wer mehr will, der liest das nächste Kapitel.
Weiter in:
2.5 Blitzen Teil 2: Spass mit Licht
unkreativ.net - 9. Apr, 11:30


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