Es fängt ganz leise an, das Abbauen der Grundrechte
Ganz klein. So wie in Duisburg-Neudorf auf der Oststraße. Dort seit Jahr und Tag ansässig die Bäckerei Bolten. Keine Bäckerei bei der ich nun wirklich Stammkunde bin - um ehrlich zu sein, ich habe da noch nie was gekauft. Und werde es in Zukunft auch nicht mehr tun.
Die Filiale hat an der Tür ein Zeichen, mit dem sie darauf hinweist, dass sie videoüberwacht ist. Gut, dass haben viele Läden derzeit und es scheint ja nicht so als ob sich das so bald ändern würde. Es ist ja auch das gute Recht - wobei ich das mit Bauchschmerzen formuliere - eines Ladens innerhalb des Hausrechts Kameras zu installieren.
Als ich dann heute beim Metern durch die Fußgängerzone schlenderte - und erschreckenderweise zwei neue Geschäfte entdeckte, die leer stehen derzeit, so rosig scheint die Wirtschaftslage also nun doch nicht zu sein - kam ich an der Haustür der Bäckerei vorbei. Studierte die Plakate und Aushänge. Stutzte. Runzelte die Stirn, trat näher - tatsächlich. Hatte die Bäckerei doch einen Ausdruck eines Überwachungsphotos an die Tür gehängt mit der Bitte um Mithilfe - "dieser Mann wird des Diebstahls verdächtigt". Ja, der Mensch ist wirklich gut zu identifizieren. Und irgendwas macht der. Ob der wirklich da klaut oder nicht kann und möchte ich nicht entscheiden.
Ebensowenig möchte mich dazu äußern ob der Laden nun das Recht hat ein Überwachungsphoto an die Tür zu pappen oder nicht - es bleibt ein sehr, sehr mulmiges Gefühl. Und eines weiß ich: Nämlich wo ich meine Brötchen in Zukunft NICHT kaufen werde...
Die Filiale hat an der Tür ein Zeichen, mit dem sie darauf hinweist, dass sie videoüberwacht ist. Gut, dass haben viele Läden derzeit und es scheint ja nicht so als ob sich das so bald ändern würde. Es ist ja auch das gute Recht - wobei ich das mit Bauchschmerzen formuliere - eines Ladens innerhalb des Hausrechts Kameras zu installieren.
Als ich dann heute beim Metern durch die Fußgängerzone schlenderte - und erschreckenderweise zwei neue Geschäfte entdeckte, die leer stehen derzeit, so rosig scheint die Wirtschaftslage also nun doch nicht zu sein - kam ich an der Haustür der Bäckerei vorbei. Studierte die Plakate und Aushänge. Stutzte. Runzelte die Stirn, trat näher - tatsächlich. Hatte die Bäckerei doch einen Ausdruck eines Überwachungsphotos an die Tür gehängt mit der Bitte um Mithilfe - "dieser Mann wird des Diebstahls verdächtigt". Ja, der Mensch ist wirklich gut zu identifizieren. Und irgendwas macht der. Ob der wirklich da klaut oder nicht kann und möchte ich nicht entscheiden.
Ebensowenig möchte mich dazu äußern ob der Laden nun das Recht hat ein Überwachungsphoto an die Tür zu pappen oder nicht - es bleibt ein sehr, sehr mulmiges Gefühl. Und eines weiß ich: Nämlich wo ich meine Brötchen in Zukunft NICHT kaufen werde...
7 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
asa (anonym) - 13. Apr, 19:36
Ich weiß auch, wo in Zukunft meine Brötchen nicht klauen werde :-)
(sorry, konnt' nicht widerstehen..)
(sorry, konnt' nicht widerstehen..)
unkreativ.net - 13. Apr, 20:48
Hier wird es schwierig...
... denn Du wirst vor dem Betreten - so lese ich Deinen Text - über die Aufnahme informiert. Und der Händler wird nicht unbegründet den Verdacht haben.
Aber: Kann man in einer Bäckerei etwas klauen, dass es rechtfertigt, "öffentlich zur Fahnung" ausgeschrieben zu werden? Hat andersherum der Inhaber das Recht, sein Eigentum, sein Kapital, zu schützen?
Und der Abbau der Grundrechte: den sehe ich hier nicht. Denn hier überwacht nicht der Staat und zwingt Dich in die Überwachung. Hier ist es privat und Du hast privat die Möglichkeit der Entscheidung, Dich gegen den Kauf dort zu entscheiden.
Vielleicht sollte man aber mal einen Flashmob dort durchführen? 200 Leute mit Mütze, Schal und langen Klamotten kaufen je ein Brötchen? ;-)
Aber: Kann man in einer Bäckerei etwas klauen, dass es rechtfertigt, "öffentlich zur Fahnung" ausgeschrieben zu werden? Hat andersherum der Inhaber das Recht, sein Eigentum, sein Kapital, zu schützen?
Und der Abbau der Grundrechte: den sehe ich hier nicht. Denn hier überwacht nicht der Staat und zwingt Dich in die Überwachung. Hier ist es privat und Du hast privat die Möglichkeit der Entscheidung, Dich gegen den Kauf dort zu entscheiden.
Vielleicht sollte man aber mal einen Flashmob dort durchführen? 200 Leute mit Mütze, Schal und langen Klamotten kaufen je ein Brötchen? ;-)
filmfacts - 13. Apr, 20:59
Das hat nichts mit Grundrechten zu tun. Hätte ich einen Laden, in dem es möglich wäre, einfach etwas mitgehen zu lassen - z.B. weil die Waren so schön handlich sind - dann würde ich ebenfalls Kameras installieren. Ehrlich gesagt würde ich *immer* in einem eigenen Laden Kameras installieren.
Was glaubst Du, wie viele Vollpfosten durch die Gegend rennen und mutwillig und sinnfrei fremdes Eigentum zerstören? Wie viele Leute unehrlich sind und stehlen? Und ich *weiß*, dass Kameras sehr häufig bei der Aufklärung solcher Fälle helfen.
Ob der Bäcker einfach so Bilder aushängen darf? Bin ich mir nicht sicher, da fehlen mir die rechtlichen Grundlagen. Ich habe dabei aber auch Bedenken. I.d.R. ist solch ein "Pranger" allerdings auch gar nicht nötig.
Und da er sogar noch auf die Überwachung hinweist(en muß), ist in so einem Fall alles in Ordnung für mich.
Was glaubst Du, wie viele Vollpfosten durch die Gegend rennen und mutwillig und sinnfrei fremdes Eigentum zerstören? Wie viele Leute unehrlich sind und stehlen? Und ich *weiß*, dass Kameras sehr häufig bei der Aufklärung solcher Fälle helfen.
Ob der Bäcker einfach so Bilder aushängen darf? Bin ich mir nicht sicher, da fehlen mir die rechtlichen Grundlagen. Ich habe dabei aber auch Bedenken. I.d.R. ist solch ein "Pranger" allerdings auch gar nicht nötig.
Und da er sogar noch auf die Überwachung hinweist(en muß), ist in so einem Fall alles in Ordnung für mich.
Prospero - 13. Apr, 23:00
Ich hab ja nichts gegen Kameras, wenn ich vorher informiert werde - Balzac haben wir hier ja glücklicherweise nicht in der Stadt glaube ich - aber dieses An-den-Pranger-Stellen - reicht es nicht die Polizei zu informieren in dem Zusammenhang? Ist es denn wirklich eine Aufgabe des kleinen Bürgers die Rolle der Polizei einzunehmen? Und ist DAS nicht auch schon etwas, was gefährlich ist, denn wenn man denkt, dass da nichts dabei ist - ob das Rechtens ist, keine Ahnung - was passiert dann das nächste Mal? Man informiert die Kunden vorher NICHT darüber, dass sie überwacht werden weil das ja so gut funktioniert hat? Ich habe da immer noch Bauchgrummeln bei, bei allem Verständnis - aber nicht jeder Kunde ist ein Ladendieb...
unkreativ.net - 13. Apr, 23:19
Und nicht jeder Kunde findet sich an der Türe auf einem Bild wieder ;-)
Fenrir (anonym) - 14. Apr, 06:00
"Was glaubst Du, wie viele Vollpfosten durch die Gegend rennen und mutwillig und sinnfrei fremdes Eigentum zerstören? Wie viele Leute unehrlich sind und stehlen?"
Zunächt erstmal richtig. Aber es gibt auch die andere Seite. Menschen die aus Not stehlen. Und das nimmt angesichts ständig steigender Preise zu. Frag dich doch mal, was du tun würdest.
Menschen die zu Hungerlöhnen arbeiten müssen, kaum über die Runden kommen sind leicht zu verführen. Es ist nicht unbedingt richtig. Aber das Problem wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken. Auch in Deutschland kann es passieren das Menschen verhungern. Das sind zwar noch extremfälle, aber sie passieren.
Was bedeutet das? Sowohl die Betroffenen als auch die "Täter" rüsten auf. Und bald werden auch hier Menschen für 10 Euro in der Tasche getötet.
In Kalifornien kann man für zwei geklaute Jaens dann schon mal 25 Jahre in den Knast gehen. Wenn ich mir bei uns anschaue wie hier mit Menschen umegegangen wird, die aus purer Not Stehlen, Schwarzfahren, Schwarzarbeiten dann wird mir schlecht.
Denn die kapiatlistischen Ausbeuterm, die dieses zu großen Teilen mit zu verantworten haben kommen ungeschoren davon. Füllen sich weiter ihre Taschen, auf Kosten aller.
Otto Normalbürger hingegen sucht einen Sündenbock. Das sind die schwächsten in der Gesellschft. Hoffen kann diese Gruppe des Bürgertums nur das es diesen "schwachen" nie bewußt wird über wieviel Macht sie eigentlich verfügen wenn sie sich zusammentun.
Armes Deutschland!
Zunächt erstmal richtig. Aber es gibt auch die andere Seite. Menschen die aus Not stehlen. Und das nimmt angesichts ständig steigender Preise zu. Frag dich doch mal, was du tun würdest.
Menschen die zu Hungerlöhnen arbeiten müssen, kaum über die Runden kommen sind leicht zu verführen. Es ist nicht unbedingt richtig. Aber das Problem wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken. Auch in Deutschland kann es passieren das Menschen verhungern. Das sind zwar noch extremfälle, aber sie passieren.
Was bedeutet das? Sowohl die Betroffenen als auch die "Täter" rüsten auf. Und bald werden auch hier Menschen für 10 Euro in der Tasche getötet.
In Kalifornien kann man für zwei geklaute Jaens dann schon mal 25 Jahre in den Knast gehen. Wenn ich mir bei uns anschaue wie hier mit Menschen umegegangen wird, die aus purer Not Stehlen, Schwarzfahren, Schwarzarbeiten dann wird mir schlecht.
Denn die kapiatlistischen Ausbeuterm, die dieses zu großen Teilen mit zu verantworten haben kommen ungeschoren davon. Füllen sich weiter ihre Taschen, auf Kosten aller.
Otto Normalbürger hingegen sucht einen Sündenbock. Das sind die schwächsten in der Gesellschft. Hoffen kann diese Gruppe des Bürgertums nur das es diesen "schwachen" nie bewußt wird über wieviel Macht sie eigentlich verfügen wenn sie sich zusammentun.
Armes Deutschland!
filmfacts - 14. Apr, 18:04
Wie Stefan schon sagt: nicht jeder findet sich an der Tür wieder. Und wenn er sich dort findet, dann wird es aufgrund der Überwachung eindeutige Handlungen gegeben haben. Ich bin immer noch geneigt zu unterstellen, dass sich Menschen in solchen Fällen korrekt verhalten. Da habe ich da ehrlich gesagt nichts dagegen.
In welchem rechtlichen Rahmen das abläuft, weiß ich nicht. Ist im Zweifel zu klären. Wenn es nur unter Einschaltung der Polizei in Verbindung mit einer Anzeige möglich ist - in Ordnung. Wenn der Bäcker auf seinem Video eindeutig sieht, dass der Kunde geklaut hat und es selbst veröffentlichen darf - für mich ebenfalls in Ordnung. Im Zweifel muß er natürlich zur Verantwortung gezogen werden, falls er da Bockmist gebaut hat und Rufmord begang.
Und zu der Notlage ... ich war leider schon in der Situation mit Leuten umzugehen, die tatsächlich ohne Schuld in so einer Notlage waren, nicht mehr das Geld zu haben um sich ein Brot zu kaufen (nicht "leider" weil ich das nicht will, sondern "leider" dass es sowas überhaupt gibt). Und diese Menschen sind i.d.R. eben genau nicht diejenigen, die stehlen oder randalieren.
Ich würde definitiv *nicht* stehlen, wenn ich mir etwas (auch Nahrung) nicht kaufen könnte. Ich glaube, ich würde aber jemandem gewaltig was zwischen die Hörner geben, wenn ich ihn dabei erwische, wie er sich an meinen Sachen zu schaffen macht.
Ich (und ich glaube, dass ich Otto-Normalbürger bin) suche keinen Sündenbock bei den Schwachen, ich sorge mich um mich selbst. Und ich bin mit dem derzeitigen System so nicht einverstanden. Es kann nicht sein, dass man Vollzeit arbeitet und aufgrund niedriger Löhne vom Staat Unterstützung braucht und Unternehmen vom Staat unterstützt werden, wenn sie Menschen zu solchen Hungerlöhnen einstellen, so dass der Steuerzahler dann doppelt blecht. Andere aber zu schädigen, weil es mir schlecht geht, würde mir allerdings nicht in den Sinn kommen.
Bei uns sind schon desöfteren und in letzter Zeit vermehrt Leute an der Tür gewesen und haben gebettelt. Weil sie nichts zu essen haben. Und ganz ehrlich: ich hätte ohne mit der Wimper zu zucken eine Suppe heiß gemacht, ein Brot geschmiert oder 'ne Portion Pommes gebacken. Ich hätte auch ein Paket Brot und 'ne Packung Mortadella mitgegeben. Wir haben zwar auch nur Aldi-Sachen, aber immerhin. Habe ich angeboten. Aber die wollen Geld. Wie groß kann da der Hunger sein?
Ich zahle Geld in ein Sozialversicherungssystem, welches wahrscheinlich zum Größten Teil dazu verwendet wird, sich selbst zu bezahlen. Ich zahle in Rentensystem aus denen ich wahrscheinlich nicht soviel wieder bekomme, dass ich davon leben kann. Das passt mir auch alles nicht. Aber ich glaube nicht, dass "die Schwachen" daran Schuld sind.
Nur mal so erwähnt - zum nachdenken: meine Mutter hat früher gearbeitet. Bis ich und kurz darauf meine Schwester geboren wurden. Dann war sie 16 Jahre zu Hause, hat dann zwei bis drei Jahre halbtags gearbeitet und ist jetzt auch schon wieder ewig zu Hause. Ist eben eine normale Hausfrau, aber noch nicht im Rentenalter. Arbeitslos gemeldet war die nie ...
In welchem rechtlichen Rahmen das abläuft, weiß ich nicht. Ist im Zweifel zu klären. Wenn es nur unter Einschaltung der Polizei in Verbindung mit einer Anzeige möglich ist - in Ordnung. Wenn der Bäcker auf seinem Video eindeutig sieht, dass der Kunde geklaut hat und es selbst veröffentlichen darf - für mich ebenfalls in Ordnung. Im Zweifel muß er natürlich zur Verantwortung gezogen werden, falls er da Bockmist gebaut hat und Rufmord begang.
Und zu der Notlage ... ich war leider schon in der Situation mit Leuten umzugehen, die tatsächlich ohne Schuld in so einer Notlage waren, nicht mehr das Geld zu haben um sich ein Brot zu kaufen (nicht "leider" weil ich das nicht will, sondern "leider" dass es sowas überhaupt gibt). Und diese Menschen sind i.d.R. eben genau nicht diejenigen, die stehlen oder randalieren.
Ich würde definitiv *nicht* stehlen, wenn ich mir etwas (auch Nahrung) nicht kaufen könnte. Ich glaube, ich würde aber jemandem gewaltig was zwischen die Hörner geben, wenn ich ihn dabei erwische, wie er sich an meinen Sachen zu schaffen macht.
Ich (und ich glaube, dass ich Otto-Normalbürger bin) suche keinen Sündenbock bei den Schwachen, ich sorge mich um mich selbst. Und ich bin mit dem derzeitigen System so nicht einverstanden. Es kann nicht sein, dass man Vollzeit arbeitet und aufgrund niedriger Löhne vom Staat Unterstützung braucht und Unternehmen vom Staat unterstützt werden, wenn sie Menschen zu solchen Hungerlöhnen einstellen, so dass der Steuerzahler dann doppelt blecht. Andere aber zu schädigen, weil es mir schlecht geht, würde mir allerdings nicht in den Sinn kommen.
Bei uns sind schon desöfteren und in letzter Zeit vermehrt Leute an der Tür gewesen und haben gebettelt. Weil sie nichts zu essen haben. Und ganz ehrlich: ich hätte ohne mit der Wimper zu zucken eine Suppe heiß gemacht, ein Brot geschmiert oder 'ne Portion Pommes gebacken. Ich hätte auch ein Paket Brot und 'ne Packung Mortadella mitgegeben. Wir haben zwar auch nur Aldi-Sachen, aber immerhin. Habe ich angeboten. Aber die wollen Geld. Wie groß kann da der Hunger sein?
Ich zahle Geld in ein Sozialversicherungssystem, welches wahrscheinlich zum Größten Teil dazu verwendet wird, sich selbst zu bezahlen. Ich zahle in Rentensystem aus denen ich wahrscheinlich nicht soviel wieder bekomme, dass ich davon leben kann. Das passt mir auch alles nicht. Aber ich glaube nicht, dass "die Schwachen" daran Schuld sind.
Nur mal so erwähnt - zum nachdenken: meine Mutter hat früher gearbeitet. Bis ich und kurz darauf meine Schwester geboren wurden. Dann war sie 16 Jahre zu Hause, hat dann zwei bis drei Jahre halbtags gearbeitet und ist jetzt auch schon wieder ewig zu Hause. Ist eben eine normale Hausfrau, aber noch nicht im Rentenalter. Arbeitslos gemeldet war die nie ...


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