Montag, 5. Mai 2008

Nachgefragt...

Bei den Ruhrbaronen bin ich auf einen Beitrag gestoßen, der mir nicht gefallen hat. Also vom Lesen her. Keine Ahnung, vermutlich die Wahl der Worte, die beabsichtigte Wirkung, irgendwas hat mich ziemlich gestört...

Inhaltlich konnte ich mit einigen Anspielungen was anfangen, mit anderen wiederum nicht. Was macht man in solchen Fällen? Man fragt nach. Und meist bekomm ich ja sogar eine Antwort...
-------------------------
Dass mich diese Andeutungen persönlich verletzen und beunruhigen, werden Sie verstehen. [...]

Für Ihren Hintergrund folgende Infos:
  1. Brandt ist ein knallharter Abschieber
    Das bin ich nicht!

    In meinem Verantwortungsbereich wurden von klugen und mitfühlenden Mitarbeitern sicherlich jährlich zwischen 500 und 750 Fällen von Ausreisepflicht und Abschiebungentschieden, in 16 Jahren also mindestens 8.000. 2 (Z W E I ) davon waren hoch
    umstritten.

    a.) Familie P.: Auch für mich menschlich schwer erträglich. Die Angelegenheit wurde von mehreren Gerichten und dem Petitionsausschuss des Landtages kritischgeprüft. Das Ergebnis war immer dasselbe: Sie können nicht hierbleiben. Ich bin
    sogar zu den Fürsprechern und in die Schule gegangen, um die Menschen von meiner Pflicht zu überzeugen. Mehr ging leider nicht.

    b.) Familie Z.: Hier wurde ein Machtkampf von PDSlern mit dem Staat auf dem Rücken von Ausreisepflichtigen ausgetragen. Mit der Evangelischen Kirche hatte ich feste Absprachen, wie die Rückreise für die Famile menschlich organisiert und ein Neuanfang im Heimatland organisiert werden konnte. Deshalb wurde ein "Kirchenasyl" auch von der Kirche selber beendet. Ein Pfarrer nahm die Familie gegen den Willen seiner Kirche aber mit zu sich nach Hause. Dort wurde sie von der Polizei abgeholt. Den Umfang des Einsatzes hat der Polizeipräsident zu verantworten. Meine
    Mitarbeiterinnen, die der Familie rührend halfen, wurden als NAZIs beschimpft von PDSlern und mit dem Hitlergruß bedacht.

    Aus beiden Vorfällen habe ich gelernt:

    (1.) Ich habe eng und vetrauensvoll mit der Landeshärtefallkommissuion zusammen gearbeitet und menschlich schwierige Fälle diskret und ohne Presserummel gelöst.

    (2.) In Duisburg habe ich mich für eine kommunale Prüfungskommission mit den Wohlfahrtsverbänden eingesetzt, die derzeit geräuschlos und effektiv arbeitet.

    Was sollen also die linkspopulistischen Propagandasprüche derer, die selbst in der Nachfolge [...] einer diktatorischen Zwangs-Einheits-Partei stehen?

  2. Brandt ist in den Trienekens-Korruptions-Sumpf verwickelt

  3. Das war und bin ich nicht!

    Allerdings sind auf der Basis von Verleumdungen und Verdächtigungen Ermittlungen gegen mich geführt worden. Damals war ich schokiert, heute bin ich froh. Das LKA hat meine Finanzen von fast 10 Jahren akribisch durchgefilzt [...] und es sei festzustellen, dass kein Geld von Trienekens geflossen sei! Somit bin ich ein staatlich geprüfter Saubermann. Die Duisburger Zeitungen titelten : "Brandt ist unschuldig!"

    Es ist also rechtsstaatsfeindlich, demagogisch und pervers, die Angelegenheit wieder aufzurühren.

    Zumal ich damals die finanziell schwer angeschlagene städtische Müllverbrennung vor dem Ruin gerettet habe, in den die Politik der GRÜNEN-Frau Höhn sie treiben wollte:

    Erst haben wir für extrem viel Geld alles umwelttechnisch auf den neuesten Stand gebracht, dann hat sie uns den Müll (=Einnahmen) weggenommen! Durch [...] mutige Strategie habe ich dafür gesorgt, dass heute die Anlage technisch perfekt läuft und Gewinne macht! Wenn ich ab 2009 regieren darf, werde ich mit diesem Erfolg sogar die Gebührenerhöhung verhindern können!!!


[...]

Trackback URL:
http://unkreativ.twoday.net/stories/4908885/modTrackback

Untai (anonym) - 5. Mai, 16:06

:-) Wers denn glaubt!

unkreativ.net - 5. Mai, 16:07

Glauben ist ohnehin Religionssache ;-)
Prospero - 6. Mai, 02:46

Da liest man es mal wieder: Manchmal muss man einfach nur nett fragen. Ich muss gestehen, dieser antwortende Herr wird mir von mal zu mal sympathischer. :-)
Untai (anonym) - 6. Mai, 07:22

http://www.zeit.de/1993/33/Streng-nach-Gesetz?page=1

Hinter der Fassade wirkt das anders. Glaubt nicht alles!

unkreativ.net - 6. Mai, 07:41

Der Text wählt natürlich eine andere Wortwahl, will Emotionen wecken. Im Grunde steht aber doch nix anderes drin, als hier in der veröffentlichten Mail: Es gab keinen rechtlichen Spielraum und auch die möglichen Interventionsstellen sahen keine Alternative. Auch der Zeitungsartikel spricht von der direkten Kommunikation. Und ich denke, aus dem Zitat des handgeschriebenen Briefes kann man auch noch etwas herauslesen, wenn man mal zwischen den Zeilen liest. Desweiteren wird auch der Polizeieinsatz thematisiert, leider nur ein wenig am Rande, ohne das klar wird, dass der Zugriff eben durch die Polizei erfolgte. Denn nur die darf das.

Was also soll ich also nicht glauben?

Ich bin lange genug im Geschäft um zu wissen, dass Recht haben und Recht bekommen zwei gänzlich verschiedene Dinge sind und das oft Entscheidungen getroffen werden müssen, die man nicht treffen will - aber auf Grundlage geltenden Rechts treffen muss. Was wäre, wenn man es anders macht? Welche Folgen hätte das? Hätte hier bewußt Recht gebrochen werden sollen? Wenn in diesem Fall, in welchen Fällen dann noch? Wo wäre es geboten, wo nicht?

Mir wäre lieber, sowas würde nicht personalisiert werden, sondern auf einer Ebene thematisiert, die eine Änderung der Rechtslage nach sich zieht. Da hätten wohl alle mehr von, aber vermutlich ist das an vielen Stellen sehr schwierig bis fast unmöglich.

--

unkreativ

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