Irrsinn - mit System?

Die Bereitstellung von Freizeitmöglichkeiten ist Aufgabe der Kommune. Dazu gehören natürlich auch Sportangebote. Bei uns ist daher die Stadt für die Sportanlagen verantwortlich.

Jetzt möchte mein Bürgermeister (CDU) einem Sportverein zu dessen hundertjährigem Bestehen wohl einen Wunsch erfüllen und so diskutiert die Stadt seit Wochen (!) über den Bau einer nagelneuen Sportanlage mit diversen Tennisplätzen, Tennishalle und ein paar Leichathletikteilen und, ganz toll, sogenannten "Kleinspielfeldern", die als einzige nicht umzäunt wären. Hauptaugenmerk liegt auf der Tennisanlage.

Gut, dafür müßten dann nur fast 85.000 Quadratmeter Bäume abgeholzt werden. Eigentlich muss das wieder aufgeforstet werden, da man dazu aber derzeit weder Lust, Fläche, noch das Geld (ca. 900.000 Euro für die Neuaufforstung, bzw. den Funktionsausgleich) hat, schreibt man erstmal auf ein "Öko-Konto" ein Soll. Um dann hier und da mal ein Bäumchen zu pflanzen und in einer unbestimmten Zeit das Konto vielleicht auszugleichen.

In Zeiten des Global Warming ist das ja an "Sinnfreiheit" schon kaum zu überbieten und wird nur dann mit "Sinn" gefüllt, wenn man weiss, dass die Flächen auf denen die heute bestehenden Sportanlagen sich befinden, als Baufläche vermarkten will. Unter günstigen Umständen könnte man da tatsächlich einiges der Ausgaben wieder reinholen. Bis dahin würde aber auch die Zwischenfinanzierung insgemsamt zu Lasten der Stadt gehen...

Die Ausgaben sind dann auch das wirkliche Problem. Es ist schon jetzt klar, dass die gesamte Anlage über 1.000.000 Euro kosten wird. Das ist mehr als doppelt so viel, wie die Erhaltung / Modernisierung der bestehenden Anlagen kosten würde. Allein die Kosten für das Prestige-Objekt, den Tennispark, belaufen sich auf ungefähr 710.000 Euro.

Wohlgemerkt: Das sind die Summen, die aus Steuergeldern finanziert werden sollen. Der Verein selbst würde einen lächerlich geringen Betrag beisteuern.

Bei etwa 315 aktiven Tennisspielern (und die Verbände rechnen mit einem weiteren Rückgang) bedeutet das in optimistischen Schätzungen 685 Euro je Tennisspieler, in pessimistischen Schätzungen 2254 Euro je Mitglied aus dem öffentlicheb Budget. Das ist davon abhängig, ob ich die Modernisierungskosten abziehe oder nicht.

Aber auch wenn es nur 685 Euro pro aktivem Tennisspieler wären, die die Stadt dazulegt, muss ich mich fragen, ob wir nicht einen an der Klatsche hätten, wenn wir dem zustimmen würden.

In einer Zeit, in der der aktuelle Armutsbericht in aller Munde ist, in der meine eigene Stadt so pleite ist, dass sie sich im "Haushaltssicherungskonzept" befindet, das alle "freiwilligen Ausgaben" eigentlich verbietet und letztlich in Zeiten, in denen "mein" eigener Bürgermeister um Spenden aus der Wirtschaft für das Programm "Kein Kind ohne Mahlzeit" werben muss... In einer solchen Zeit wollen wir mal eben ein Milliönchen in einen Verein blasen. Dann kommt der nächste Verein doch auch gleich um die Ecke und hey, warum denn nicht? Wir haben es doch. Und wer braucht schon satte Kinder in guten Schulen?

Ehrlich, die EINZIGE Erklärung die ich dafür habe, dass die noch an der Macht befindliche CDU dieses Projekt forciert und wir überhaupt noch darüber diskutieren, die will ich hier nicht äußern.

Aber soviel sei noch gesagt: ich kann nicht garantieren, dass meine Zahlenspiele hier richtig sind... gehe aber davon aus.

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