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Dem Redaktör ist nischt zu schwör

Ich mag Zeitungen. Weil in Zeitungen schreiben Journalisten und Journalisten bilden die 4. Gewalt im Staat. Oder zumindest sollten sie das. Sie sind Investigativ, decken Verschwörungen auf, erklären uns warum zum Beispiel der EU-Reform-Vertrag für die Tonne ist, sie fahren nicht nach China, weil sie dem Regime nicht in die Hände spielen wollen und berichten statt über Joggen im Peking-Smog über die schwierige Arbeit von Amnesty International. Oder so ähnlich.

Dabei sind sie manchmal natürlich objektiver als man erwarten würde und manchmal sind sie vielleicht auch angefressen oder persönlich einfach in einer schwierigen Situation. Journalisten sind, so habe ich mir versichern lassen, letztlich auch nur Menschen. So einer scheint auch Herr Alihodzic zu sein.

Ich mag Musik. Andere Menschen schreiben und machen Musik, eine Form der Kunst in der sich oft Fantasie & Fiktion, Realität und Erlebnisse zu einer bunten Mischung vereinen, die manchmal zum Nachdenken, Schmunzeln, Weinen oder Kopf schütteln anregt. Manchmal ist Musik ein Statement. Manchmal ist Musik nur Kunst. Und gefällt dem einen, dem anderen nicht. Einer dieser Menschen die sich mit Musik ausdrücken ist Marcel Wojnarowicz.

Marcel ist Sänger der Band Bandbreite, die ich schonmal vor langer Zeit mit ihrem Lied "Habt Ihr Das Vielleicht Selbst Gemacht" hier verlinkt habe. Ein Lied, das mir vor allem auf Grund seines Textes gefallen hat.

Vor einiger Zeit habe ich Marcel dann kurz auf einem Bloggertreffen kennen gelernt und er war mir nicht unsympatex.

Eher im Gegenteil: er machte den Eindruck eines intelligenten, weltoffenen, jungen Mannes, der seine Umgebung sehr wach beobachtet. Daraus entstand dann zum Beispiel das Duisburg-Lied, welches durchas pointiert auf den einen oder anderen nicht so glücklichen Umstand in DU hinweisen will.

Gestern Abend und heute morgen liefen dann bei mir diverse Meldungen auf, die Bandbreite hätte in der WAZ einen... sagen wir nicht so positiven Artikel kassiert. Der erschien dann folglich auch auf dem Haus-und-Hof-Portal: derwesten.

Und hier schließt sich der Kreis meiner Einführung. Denn der Beitrag ist von dem eingangs erwähnten Journalisten geschrieben. Oder Redakteur. Und beim Lesen bin ich echt sprachlos geworden:

Der Artikel ist nicht nur in meinen Augen unglaublich schlecht im Stil, er ist auch dermaßen arrogant, dass einem fast die Spucke weg bleibt. Und als wäre das alles noch nicht genug, hat der Autor entweder nicht verstanden, was in den Liedern besungen wird, oder möglicherweise wollte er es nicht verstehen.

Die Vorwürfe des "die sind Rechts" sind schonmal unglaublich absurd und werden nicht weniger absurd durch die Vergleiche und Analogien: Nazis und Ultrarechte assimilieren und okkupieren bekanntlich alles und jeden, der die oder das irgendwie für ihre Zwecek verwendet werden kann.

Aber eine Band, die regelmäßig auf Konzerten gegen Rechts spielt und die sich über die möglicherweise homosexuelle Ader von Adolf lustig macht als Rechts zu bezeichnen?

Vollends kurios wird es mit der Behauptung des Redakteur, das Lied über Adolfs schwule Neigungen wären eine sexualpsychologische Betrachtung. Da fragt man sich, ob der "Schriftsteller" (denn das ist in meinen Augen Prosa, kein Journalismus) eigentlich verstanden hat, wovon er da redet.

Interessant ist auch die Zweifel an 9-11 mit folgendem Zitat abzutun:
Seine intellektuell offenkundig eher schlichte, von historischen Fakten unbelastete Gedankenwelt bricht sich hier in Verschwörungstheorien Bahn. Das immer wiederkehrende Thema: Die islamistischen Anschläge auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001.

Aher. Die islamistsichen Aschläge. Ne ist klar. Historische Fakten. Ne ist klar. Wie sang Pippi Langstrumpf über die Welt, die sie sich macht, wie sich ihr gefällt?

Bin ich auch intellektuelle eher schlicht, weil ich erhebliche, in meinen Augen begründete Zweifel an der Geschichte rund um 9-11 habe?

In den Augen des Autors vermutlich. In meinen eher nicht und - Erstaunen macht sich breit - der überwiegende Teil meiner Bekannten ist entweder genauso schlicht wie ich oder anderweitig intellektuell eingeschränkt, wenn diese Menschen nämlich ähnliche Zweifel haben. Aber was solls, ich lese ja jetzt, dass alles ganz anders ist.

Insgesamt ist der Artikel wirklich unterste Schublade. Und ich bin froh, dass sich das nicht nur in den Kommentaren dort auch so widerspiegelt, sondern auch in anderen Blogs. Sowohl zu diesem Thema (z.B. bei Islmampress), als auch an anderen Stellen und bei ganz anderen Themen, an denen sich Herr Alihodzic "verbrannt" hat (wie z. B. MSV).

Jetzt wäre das alles hier keine 2 Worte wert
. Vielleicht einen Kommentar auf derwesten, vielleicht eine Mail an die Redaktion. Aber was ficht mich ein Redakteur an, der möglicherweise unglücklich ist und das vielleicht so verarbeitet, dass er versucht, seinen eventuell vorhandenen Lebensfrust auf andere zu projezieren? Man weiss es nicht...

Nur... wie gesagt, ich bin darauf angesprochen worden. Und das aus folgendem Grund: Wie Euch bekannt ist, berate ich ja den Kandidaten der SPD für die kommende Oberbürgermeisterwahl in Duisburg.

Und dort findet sich unter "Podcast" ein Lied der Bandbreite.

In Zeiten von Sarrazin & Clement ist man jetzt natürlich "empfänglich" für veremeintliches oder echtes Störfeuer und so wurde ich unter anderem im Bezug auf den Artikel in der WAZ auf den Podcast angesprochen.

Und um es kurz zu machen: Nach Rücksprache mit Jürgen C. Brandt, dem Kandidaten der SPD, bleibt der Podcast und wird nicht gelöscht.

Weder er noch ich sind der Meinung, dass die Bandbreite dem rechten Spektrum angehört oder gar durch übertriebene Paranoia aufällt.

Allerdings, so eine weitere Info, aus sehr verlässlicher Quelle, von heute morgen, wird sich wohl die Spitze der Lokalredaktion demnächst mit dem Thema befassen, bzw. gebeten werden, sich dazu zu äußern.

Geäußert hat sich übrigens auch Marcel. in einem zweiteiligen Youtube-Clip (Teil 1, Teil 2), in dem er auf viele Details des Artikels nochmal eingeht.

Ich persönlich hätte mir die Mühe gar nicht gemacht. Denn Alihodzic Äußerungen werden nur bei Kleingeistern, Stammtischproleten und ähnlichen auf fruchtbaren Boden fallen.

Bei intelligenten Menschen werden sie vermutlich sogar Neugier auslösen. Seine Auforderung dem nächsten Auftritt fern zu bleiben, wird vermutlich das Gegenteil bewirken. Ich hatte von dem anstehenden Gig noch nichts mitbekommen, jetzt steht er im Kalender.

Interessant, und deswegen an dieser Stelle gezeigt, ist auch ein Schreiben von Werner Jurga an mich. Werner, der sich schonmal für die Bandbreite und gegen die eingesetzt hat, die politische und künstlerische Texte missverstehen wollen schreibt:

Hi Stefan,

was mich selbst betrifft:
ich mache einen Blog, der meine Kleinlichkeit in Sachen gegen Rechts und pro Israel dokumentiert.

Ende letzten Jahres bin ich mich für Wojna in den Ring gegangen
http://www.jurga.de/html/diebandbreite.html
obgleich mir die Vorwürfe aus dem pro-israelischen bzw. jüdischen Umfeld gegen diebandbreite bekannt waren. Ich hatte auch mit ihm korrespondiert und bin zum Ergebnis gekommen: "Wojna" ist ein guter Kerl. Die Amis hat er etwas zu arg auf dem Picker; aber macht ja nix. Er wird verfolgt von einer amerikanischen Weltverschwörung, nicht von einer jüdischen.

Auch der Hinweis in der NRZ / WAZ, er fände Nuklearwaffen in den USA schlimmer als eine mögliche im Iran, dokumentiert m.E. nicht, dass er ein Freund der Mullahs wäre, sondern nur, dass auch er die USA für den "großen Satan" hält. Kann er machen, kein Problem.

Ihr - also Jürgen und Du - habt Recht: wir wären ja nicht ganz bei Trost, würden wir auf Wojnas Wahlkampfhilfe verzichten, und uns stattdessen unseren Schuldanteil daran erwerben, dass der Junge wirklich mal in die Fänge der Rechten gerät.

Ich habe nur deshalb einen Ton abgegeben, weil ich nichts, aber auch gar nichts darüber weiß, warum Zlatan Alihodzic so ein enormes Spektakel veranstaltet. Ein extrem scharfer Text, fast so bösartig wie meine.

Wisst Ihr, warum der das macht? - Es könnte ja sein, dass sein Motiv die gleiche ideologische Verbissenheit ist - wie eben mit umgekehrtem Vorzeichen beim Wojna. Dann wäre ja alles okay, dann hält man sich da raus.

Was aber, wenn nicht? Was aber, wenn Zlatan Alihodzic "geschickt" wurde? Nochmal: Euer Festhalten an diebandbreite halte ich für richtig. - Aber interessieren würde es mich schon.


Vielleicht kann ich hier ein wenig "Licht" erzeugen. Allerdings keines auf Grundlage konkret beweisbarer Fakten:

Ich habe gestern und heute aus verschiedenen Quellen gehört, dass es ein persönliches Problem von Alihodzic mit Marcel sein könnte, dass diesen Artikel letztlich hat zu dem werden lassen, was er ist.

Wichtig: das ist Hörensagen und kann nicht belegt werden. Es erscheint in meinen Augen aber nicht so unwahrscheinlich. Erscheint mir jedenfalls näher als eine angenommene ideologische Geschichte. Vor allem. wenn es so ist, wie mir zugetragen wurde. Wobei sich da natürlich die Frage stellt, wie es sein kann, dass ein Redakteur einer "renommierten" Tageszeitung seine möglicherweise vorhandenen persönlichen Differenzen auf diese Art austragen will. Das wirft auch ein nicht so gutes Licht auf das QM der Zeitung selbst, das solche Auswüchse eigentlich verhindern müsste.

Vielleicht ist es aber auch Fan-sein? Es bestünde auch die Möglichkeit, dass der Herr von der WAZ gerne sowas wie der "Franz Josef Wagner des Ruhrgebiets" werden möchte ;-)

Letztlich wäre ich nicht ich, wenn ich Marcel nicht auch noch gebeten hätte mir mal seine Meinung kund zu tun. Daraus wurde dann ein offener Brief, den ich gerne mit veröffentliche:

Klick!

Und jetzt gehet hin und leset. Nutzt die graue Masse zwischen Euren Ohren zur Abwechslung mal wieder für was Sinnvolles ;-)



Neben den bereits genannten Menschen, wie Jürgen, Werner und Marcel bedanke ich mich übrigens noch ausdrücklich bei Dirk für seinen frühen Hinweis und ganz besonders bei Asti für die Hintergrundinformationen und den Scan. Das alles hat mir etliche Stunden Arbeit und Internetrechere erspart, Ihr habt was gut ;-)

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