Qualifizieren in Duisburg, dann aber weg mit den Arbeitslosen
Der Duisburger Planungsdezernent Jürgen Dressler hat ab und an etliche Ideen. Meistens sind die auch toll. Andere sind - noch toller. So wie diese:
Arbeitslose sollen so qualifiziert werden, dass sie andernorts Aussicht auf eine neue Beschäftigung haben. [...] Duisburg leide unter den Folgen einer "globalen Neuverteilung von Industriearbeitsplätzen" [...]
Eine ganz und gar neue Erkenntnis, die Jürgen Dressler da überkommen hat. Ich persönlich habe beim Durchlesen der Meldung bei DerWesten ja auch immer noch auf DAS Hammerargument der lezten Zeit schlechthin gewartet. Aber nein, die Finanzkrise hat mit dem Arbeitsplatzverlust hier in Duisburg nun gar nichts zu tun - echt nicht. Also momentan noch nicht, aber da die Ausrede zum Downsizing ja in aller Munde ist kanns ja nicht mehr so lange dauern bis das auch mal aus dem Mund der Stadtoberen zu hören sein wird. Jede Wette.
Vielleicht sollte man mal etwas in Erinnerung rufen: Arbeitslose MUESSEN SICH auch auf Stellen bewerben, die AUSSERHALB ihres Wohnorts liegen. Man kann sogar dann beantragen, wenn denn ein Vorstellungsgespräch zustande kommt, dass die Fahrt-Kosten von der ARGE dafür übernommen werden. Das heißt: Im Prinzip fordert Jürgen Dressler da etwas, was längst schon zum normalen Alltag eines Arbeitslosen gehört - nichtsdestotrotz ist es natürlich beschämend.
Denn die Meldung hat so den Ruch von "Also, eigentlich wollen wir euch gar nicht hier haben". Das hat den Anschein von "Wir bilden euch gerne aus, wie auch immer, aber dann hockt uns nicht weiter auf der Tasche". Und das "wie auch immer" kann man dann mal gerne wörtlich nehmen... Ihr meint, ich übertreibe jetzt. Aber nicht doch, denn die Meldung in der WAZ endet wie folgt:
Ein solches Vorgehen sei "nicht nur redlich, sondern auch stadtökonomisch richtig", erklärte der Dezernent mit sozialdemokratischem Parteibuch gegenüber der WAZ: "Die überproportionale Alimentierung einer Stadtgesellschaft ist weder ökonomisch noch auf Dauer leistbar."
Das klingt - wohl nicht nur in meinen Ohren wie: Natürlich können wir diese ganzen Drückeberger, Abgestempelten, Dauerarbeitslosen, Arbeitsverweigerer, also im Prinzip das ganze Gesocks, dass uns unser Duisburg so verhäßlicht nicht dauernd durchfüttern! Nein, nein, die sollen mal schön "qualifiziert" werden und dann raus aus dem Stadtbild!
Dass das für die ARGE natürlich überhaupt kein ungewöhnlicher Vorschlag ist, davon liest man dann in der RP,wobei natürlich an den Standort Duisburg geglaubt wird. Aber es gibt Beispiele wo halt hier ausgebildet wird und der Arbeiter dann irgendwo anders hinzieht, so Norbert Maul, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für die Grundsicherung für Arbeitssuchende in Duisburg (ARGE):
„Es ist doch gar nicht ungewöhnlich, dass hier in Duisburg jemand ausgebildet wird, von dem man weiß, dass er anschließend nicht hier arbeiten wird. Ich denke da an einen Schiffskoch oder an einen Fachmann einer bestimmten Schweißtechnik, der nur auswärts einen neuen Arbeitplatz finden würde. In bestimmten Fällen zahlen wir auch Familienheimfahrten für ein halbes Jahr oder sogar einen Umzug.“
Tscha - jetzt hätte man natürlich gut darstellen können, was man als ARGE denn so tut damit die Betreuten auch einen Job bekommen. Doch warum sollte man das schon in der Presse tun? Stattdessen kann man dann in der RP nochmal sowas lesen:
Angela Schoofs, die Leiterin der Arbeitsagentur Duisburg, sieht keine Rezession, allenfalls „Dellen“, die es zu überstehen gilt. Fachkräfte werden nach wie vor gesucht. [...] Empfehlen Sie unter gewissen Umständen Arbeitslosen auch, sich außerhalb der Duisburger Stadtgrenzen umzusehen, um wenigstens anderswo einen Arbeitsplatz zu finden?
Schoofs: Dazu muss gesagt werden, dass wir als Arbeitsagentur bundesweit tätig sind. Wir vermitteln somit auch bundesweit, vermitteln qualifizierte Menschen dorthin, wo sie gebraucht werden.
Würden Sie dabei auch Hilfestellung leisten?
Schoofs: Wir haben ein reichhaltiges Angebot zu bieten bis hin zur Mobilitätshilfe.
Es gibt also keine Rezession in Duisburg, nein, das sind nur Dellen. Na gut zu wissen, falls jemand mit der "Finanzkrise" kommt: Das verursacht nur eine Delle, das wird schon wieder. Dellen kann man ja ausbeulen. Stimmt. Mit angemessenen Qualifikationen für Arbeitslose, die dann flugs woanders hinziehen sollen. Man hat ja die Mobilitätshilfe.
O brave new world, that has such people in't!
Arbeitslose sollen so qualifiziert werden, dass sie andernorts Aussicht auf eine neue Beschäftigung haben. [...] Duisburg leide unter den Folgen einer "globalen Neuverteilung von Industriearbeitsplätzen" [...]
Eine ganz und gar neue Erkenntnis, die Jürgen Dressler da überkommen hat. Ich persönlich habe beim Durchlesen der Meldung bei DerWesten ja auch immer noch auf DAS Hammerargument der lezten Zeit schlechthin gewartet. Aber nein, die Finanzkrise hat mit dem Arbeitsplatzverlust hier in Duisburg nun gar nichts zu tun - echt nicht. Also momentan noch nicht, aber da die Ausrede zum Downsizing ja in aller Munde ist kanns ja nicht mehr so lange dauern bis das auch mal aus dem Mund der Stadtoberen zu hören sein wird. Jede Wette.
Vielleicht sollte man mal etwas in Erinnerung rufen: Arbeitslose MUESSEN SICH auch auf Stellen bewerben, die AUSSERHALB ihres Wohnorts liegen. Man kann sogar dann beantragen, wenn denn ein Vorstellungsgespräch zustande kommt, dass die Fahrt-Kosten von der ARGE dafür übernommen werden. Das heißt: Im Prinzip fordert Jürgen Dressler da etwas, was längst schon zum normalen Alltag eines Arbeitslosen gehört - nichtsdestotrotz ist es natürlich beschämend.
Denn die Meldung hat so den Ruch von "Also, eigentlich wollen wir euch gar nicht hier haben". Das hat den Anschein von "Wir bilden euch gerne aus, wie auch immer, aber dann hockt uns nicht weiter auf der Tasche". Und das "wie auch immer" kann man dann mal gerne wörtlich nehmen... Ihr meint, ich übertreibe jetzt. Aber nicht doch, denn die Meldung in der WAZ endet wie folgt:
Ein solches Vorgehen sei "nicht nur redlich, sondern auch stadtökonomisch richtig", erklärte der Dezernent mit sozialdemokratischem Parteibuch gegenüber der WAZ: "Die überproportionale Alimentierung einer Stadtgesellschaft ist weder ökonomisch noch auf Dauer leistbar."
Das klingt - wohl nicht nur in meinen Ohren wie: Natürlich können wir diese ganzen Drückeberger, Abgestempelten, Dauerarbeitslosen, Arbeitsverweigerer, also im Prinzip das ganze Gesocks, dass uns unser Duisburg so verhäßlicht nicht dauernd durchfüttern! Nein, nein, die sollen mal schön "qualifiziert" werden und dann raus aus dem Stadtbild!
Dass das für die ARGE natürlich überhaupt kein ungewöhnlicher Vorschlag ist, davon liest man dann in der RP,wobei natürlich an den Standort Duisburg geglaubt wird. Aber es gibt Beispiele wo halt hier ausgebildet wird und der Arbeiter dann irgendwo anders hinzieht, so Norbert Maul, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für die Grundsicherung für Arbeitssuchende in Duisburg (ARGE):
„Es ist doch gar nicht ungewöhnlich, dass hier in Duisburg jemand ausgebildet wird, von dem man weiß, dass er anschließend nicht hier arbeiten wird. Ich denke da an einen Schiffskoch oder an einen Fachmann einer bestimmten Schweißtechnik, der nur auswärts einen neuen Arbeitplatz finden würde. In bestimmten Fällen zahlen wir auch Familienheimfahrten für ein halbes Jahr oder sogar einen Umzug.“
Tscha - jetzt hätte man natürlich gut darstellen können, was man als ARGE denn so tut damit die Betreuten auch einen Job bekommen. Doch warum sollte man das schon in der Presse tun? Stattdessen kann man dann in der RP nochmal sowas lesen:
Angela Schoofs, die Leiterin der Arbeitsagentur Duisburg, sieht keine Rezession, allenfalls „Dellen“, die es zu überstehen gilt. Fachkräfte werden nach wie vor gesucht. [...] Empfehlen Sie unter gewissen Umständen Arbeitslosen auch, sich außerhalb der Duisburger Stadtgrenzen umzusehen, um wenigstens anderswo einen Arbeitsplatz zu finden?
Schoofs: Dazu muss gesagt werden, dass wir als Arbeitsagentur bundesweit tätig sind. Wir vermitteln somit auch bundesweit, vermitteln qualifizierte Menschen dorthin, wo sie gebraucht werden.
Würden Sie dabei auch Hilfestellung leisten?
Schoofs: Wir haben ein reichhaltiges Angebot zu bieten bis hin zur Mobilitätshilfe.
Es gibt also keine Rezession in Duisburg, nein, das sind nur Dellen. Na gut zu wissen, falls jemand mit der "Finanzkrise" kommt: Das verursacht nur eine Delle, das wird schon wieder. Dellen kann man ja ausbeulen. Stimmt. Mit angemessenen Qualifikationen für Arbeitslose, die dann flugs woanders hinziehen sollen. Man hat ja die Mobilitätshilfe.
O brave new world, that has such people in't!
Prospero - 19. Nov, 00:43


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