Gastbeitrag von Mimi Müller: Jahresende
Würd ich heut noch Kolumnen auf meine alte Reiseschreibmaschine tippen, wie dammals, als ich vor etwas mehr als einem Jahrzehnt damit anfing, dann hätt ich gezz nen netten Haufen zusammengeknüllten Papiers neben mir auffen Boden liegen und wär mitte Nerven am End.
Redaktionsschluß vorbei, bevor die Post in Düssburch is. Weil, datt dauert heut, bis die Post kommt, weil unsere Briefträger ja immer widder unter de Last der Werbebrosschürn zusammenbrechn, die se ausliefern müssen.
Briefe laufen mehr so am Rand mit, wenn noch Platz is, zwischen Reklame. Danke. Wir wissen, was ihr leistet. Wir schleppen es dann bis zum Conatiner. Ach, datt warn noch Zeiten, dammals, vor 12 Jahre, quasi aum Wickeltisch des Medienzeitalters. Als ich noch zu Hause bleiben musst, wenn ich auf ein Anruf wartete. Wo ich ein Blatt Papier ausse Maschine riss und zusammengeknüllte, weil et keine „Entf“-Taste gab auf Gabriele.
Et gab ein Leben ohne Maus und Körsor, eins mit Farbband und Papier. Und ohne Kopierfunktion. Man schrieb Briefe von Hand und es gab ein Postamt. Man ging rein und konnte dort Marken kaufen. Et gab Züge, die kamen und Ärzte mit Zeit. Ach, ach, ach. Egal. Ich sitz gezz jedenfalls schon seit Stunden hier anne Tastatur, will watt Lustiges zum Jahresende schreiben und watt kommt dabbei heraus? Bissich. Ich werd immer wieder bissich.
Ich denk an die Truppe im Rathaus und zack: flet- schen sich die Zähne. Inne Tastatur, die wo watt heutzetage Kiiboord heißt und billiger is, als datt Porto für ein Päcksken. Au bei Gedanken an Phrasen-Dressler - sons ein immerwährender Garant für Lachkrämpfe aller Art (ganz anders, als dä Sauerländer: dä taugt nur für Albernheiten) – nix.
Immer nur dieser Beissreflex.
Jansen, dä Kulturkasper? Da lachen nich ma mehr die Hühner. Die BlindGrüne Bürgermeisterin, auch immer fürn Späßchen gut? Fehlanzeige. Da bleibt selbß dä Beissreflex noch aus - da fällt mir einfach nur die Kinnlade runner. Kein Lächeln am Fuss der Leiter, nur Elend am Ende der Fahnenstange.
Abber näxtes Jahr wird alles besser. Klar!
Da is endlich widder Wahlkrampf, da wird sich monatelang jeder so gut blamieren, wie er nur kann, und wir kriegen endlich endlich endlich wieder so richtich watt zu lachen. Spätestens am Wahlabend. Da werden wir uns die Bäuche halten und übber die Teppiche rollen. Bis dahin dürfen wir abber schomma nippen. Am diskreten Scharm der Demokratie. Und uns in stiller Vorfreude üben.
Kucken se ma, datt sind eben harte Zeiten gezz. Sowatt kommt immer ma widder vor, sonne Durststrecke. Et kommt gaa nich so sehr drauf an, ob wir dies Jahr watt zu lachen hatten. Mein Omma hat gesacht, et kommt drauf an, wer zuletzt lacht. Und datt is dä Bürger am Wahltach.
Wenner will. Weiler kann. Also Sie.
Und dann, wemmann widder zu Atem gekommen is, nachdem man sich ausgeschüttet hat, vor Lachen, am Wahltach, dann muss man se inne Pflicht nehmen, die, die man gewählt hat. Au datt kann Spaß machen, wir hamet nur nonnich ernsthaft versucht.
Demokratie is nemmich an sich schon so lustich, datt jeder von uns quasi ein geborenen Komiker is – da brauchen wir keine falschen Clowns. Stellense also dä Thyssensekt ruhich schomma kalt, dies Jaahr war Selters, näxtes Jaah hamwer ne Verabredung mit Witwe Klicker...
Prost, Glück Auf und: Auf Wiedersehn, Tana Schanzara.
Du fehlst.
Jetzt und in jedem kommenden Jahr.
Vielen lieben Dank an die Autorin für die Erlaubnis zur Veröffentlichung...
Ihre Website ist hier zu finden: klick!
Wie gehabt: Zeilenumbrüche eingefügt...
Redaktionsschluß vorbei, bevor die Post in Düssburch is. Weil, datt dauert heut, bis die Post kommt, weil unsere Briefträger ja immer widder unter de Last der Werbebrosschürn zusammenbrechn, die se ausliefern müssen.
Briefe laufen mehr so am Rand mit, wenn noch Platz is, zwischen Reklame. Danke. Wir wissen, was ihr leistet. Wir schleppen es dann bis zum Conatiner. Ach, datt warn noch Zeiten, dammals, vor 12 Jahre, quasi aum Wickeltisch des Medienzeitalters. Als ich noch zu Hause bleiben musst, wenn ich auf ein Anruf wartete. Wo ich ein Blatt Papier ausse Maschine riss und zusammengeknüllte, weil et keine „Entf“-Taste gab auf Gabriele.
Et gab ein Leben ohne Maus und Körsor, eins mit Farbband und Papier. Und ohne Kopierfunktion. Man schrieb Briefe von Hand und es gab ein Postamt. Man ging rein und konnte dort Marken kaufen. Et gab Züge, die kamen und Ärzte mit Zeit. Ach, ach, ach. Egal. Ich sitz gezz jedenfalls schon seit Stunden hier anne Tastatur, will watt Lustiges zum Jahresende schreiben und watt kommt dabbei heraus? Bissich. Ich werd immer wieder bissich.
Ich denk an die Truppe im Rathaus und zack: flet- schen sich die Zähne. Inne Tastatur, die wo watt heutzetage Kiiboord heißt und billiger is, als datt Porto für ein Päcksken. Au bei Gedanken an Phrasen-Dressler - sons ein immerwährender Garant für Lachkrämpfe aller Art (ganz anders, als dä Sauerländer: dä taugt nur für Albernheiten) – nix.
Immer nur dieser Beissreflex.
Jansen, dä Kulturkasper? Da lachen nich ma mehr die Hühner. Die BlindGrüne Bürgermeisterin, auch immer fürn Späßchen gut? Fehlanzeige. Da bleibt selbß dä Beissreflex noch aus - da fällt mir einfach nur die Kinnlade runner. Kein Lächeln am Fuss der Leiter, nur Elend am Ende der Fahnenstange.
Abber näxtes Jahr wird alles besser. Klar!
Da is endlich widder Wahlkrampf, da wird sich monatelang jeder so gut blamieren, wie er nur kann, und wir kriegen endlich endlich endlich wieder so richtich watt zu lachen. Spätestens am Wahlabend. Da werden wir uns die Bäuche halten und übber die Teppiche rollen. Bis dahin dürfen wir abber schomma nippen. Am diskreten Scharm der Demokratie. Und uns in stiller Vorfreude üben.
Kucken se ma, datt sind eben harte Zeiten gezz. Sowatt kommt immer ma widder vor, sonne Durststrecke. Et kommt gaa nich so sehr drauf an, ob wir dies Jahr watt zu lachen hatten. Mein Omma hat gesacht, et kommt drauf an, wer zuletzt lacht. Und datt is dä Bürger am Wahltach.
Wenner will. Weiler kann. Also Sie.
Und dann, wemmann widder zu Atem gekommen is, nachdem man sich ausgeschüttet hat, vor Lachen, am Wahltach, dann muss man se inne Pflicht nehmen, die, die man gewählt hat. Au datt kann Spaß machen, wir hamet nur nonnich ernsthaft versucht.
Demokratie is nemmich an sich schon so lustich, datt jeder von uns quasi ein geborenen Komiker is – da brauchen wir keine falschen Clowns. Stellense also dä Thyssensekt ruhich schomma kalt, dies Jaahr war Selters, näxtes Jaah hamwer ne Verabredung mit Witwe Klicker...
Prost, Glück Auf und: Auf Wiedersehn, Tana Schanzara.
Du fehlst.
Jetzt und in jedem kommenden Jahr.
Vielen lieben Dank an die Autorin für die Erlaubnis zur Veröffentlichung...
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Wie gehabt: Zeilenumbrüche eingefügt...
unkreativ.net - 30. Dez, 19:56


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