Licht-Bild

Freitag, 25. April 2008

Terminankündigung

Im Anschluss an den Turnschuhworkshop, bereite ich gerade den nächsten Workshop vor.

Thematisch ganz anders - auch wenn am Ende ein Bild steht - und vermutlich mit einem ziemlich hohen Aufwand. Wer mitmachen möchte, kann sich schonmal den 22. Juni im Kalender anstreichen!

Mittwoch, 9. April 2008

Vom Fotografieren...

2.4 Verschlusszeiten & Blitzen Teil 1

In diesem Abschnitt geht es um die reine Belichtung eines Bildes, die im herkömmlichen Sinne als "richtig" verstanden wird. Dabei stelle ich kurz vor, was es mit Blichtungszeit auf sich hat und was mit Blitzen ist.

Der "kreative" Einsatz von Blitzlicht wird dann im folgenden Artikel besprochen.

Vorab noch ein wichtiger Hinweis: Auf Grund der Technik kann man unterbelichtete Motive teilweise noch recht weit aufhellen. Das bedeutet, dass "abgesoffene" Motivteile unter Umständen wiederhergestellt werden können. Im dunklen Bereich hat eine digitale Aufnahme also "Reserven". Was aber zu hell ist, sogenannten ausgefressene Teile des Bildes, ist unwiederbringlich verloren: man kann das Bild nicht nachträglich abdunkeln und damit Details sichtbar machen. Im Zweifel also lieber zu knapp als zu hell belichten und, wenn vorhanden, dass sogenannte "Highlightwarning" einschalten. Dabei werden auf dem Display die Bereiche, die keine Zeichnung mehr enthalten und nur noch weiss sind, blinkend dargestellt.

Die Belichtungszeit berechnet sich aus der eingestellten Arbeitsblende, dem vorhandenen Umgebungslicht und dem Licht, dass vom Objekt reflektiert wird, welches Ihr fotografieren wollt und von der ISO-Empfindlichkeit des Films oder Chip.

Schon das macht klar, dass es nicht so einfach ist zu bestimmen, wie viel Licht durch das Objektiv fallen muss, um ein Bild im technischen Sinne richtig zu belichten. Technisch richtig deswegen, weil es durchaus Fälle geben mag, in denen der Fotograf deutlich mehr oder deutlich weniger Licht auf dem Bild haben will, als "richtig" im technischen Sinne wäre.

Um zu verdeutlichen, dass "richtig" in dem Fall sehr variabel und vor allem unterschiedlich zwischen technisch richtig und richtig für das Bild sein kann, 3 Beispielbilder.

Das erste Bild zeigt eine "richtig" im Sinne von technisch belichtete Aufnahme:


Die nächste Aufnahme ist bewußt "unrichtig" belichtet worden, es wurde weniger Licht von der Kamera aufgenommen:


Das dritte Bild ist dagegen bewußt "unrichtig" mit zu viel Licht entstanden:


Aus technischer Sicht also nur ein richtiges Bild. Aus Sicht des Fotografen, weil gewollt, aber drei richtige Aufnahmen.

Die Belichtungsmessung, also die Entscheidung wie viel Zeit Licht auf den Sensor fallen muss, überlassen wir heute den in der Kamera eingebauten Belichtungsmessern. Es gibt externe Belichtungsmesser, die Profis verwenden, die man im Studio verwendet, aber darauf möchte ich jetzt nicht eingehen. Wir konzentrieren uns auf die Objektmessung, die die Kamera vornimmt.

Bei dieser Objektmessung wird eben das Licht gemessen, dass von dem zu fotografierenden Ding in Richtung Kamera geworfen wird. Und teilweise auch das Licht, dass aus der Umgebung kommt. Dabei gibt es verschiedene Modi (Matrix, Mehrfeld, Mittenbetont, Spot), von denen ich lediglich 2 anspreche, weil sie unterschiedlicher nicht sein können.

Bei der sogenannten Spotmessung wähle ich mit einem relativ kleinen Kreis im Sucher (meistens rund um das gewählte Autofokus-Feld) den Bereich aus, auf den die Kamera sich konzentrieren soll. Dabei beachtet die Kamera lediglich das Licht, dass von dort kommt und schert sich nicht um den Rest. Das Ergebnis sollte ich fast allen Fällen sein, dass das zu knipsende Objekt "richtig" belichtet ist.



Wie man auf dem Beispielbild sehen kann, ist der Hintergrund allerdings viel, viel zu hell. Das kommt daher, dass mein Fotomotiv vor dem Fenster stand und draussen die Sonne schien, ich der Kamera aber "befohlen" habe, sich nur um den Hals der rechten Flasche zu kümmern.

Dagegen kommt dann die Matrix-Messung ins Spiel. Mein "Lehrmeiter", beschreibt die Matrixmessung so:

Alternativ zur Nutzung der Matrixmessung kann man auch Lotto spielen. Ich spiele *kein* Lotto. Aber ehrlich, weil ich meine Bilder auch so haben will wie ich mir das denke, benutze ich weder automatische Belichtungsregelungen (vom Blitz mal abgesehen), noch solche Lottofunktionen.
Quelle: Michael Quack

Tatsächlich ist die Matrixmessung im klassischen Sinne nicht beherrschbar. Was bei ihr passiert ist folgendes: Die Kamera mißt das Objekt in dem Bereich in dem ich Scharf stelle und bevorzugt dieses. Dann aber geht sie hin und mißt mehr oder weniger detailliert das Licht in den anderen Regionen des Bildes und versucht nun
  • entweder das Bild möglichst ausgewogen gleichmäßig zu belichten
  • oder zu erkennen, dass das nicht möglich ist und einen Schwerpunkt auf das anvisierte Objekt zu legen.
Einige Kameras versuchen dabei mehr oder weniger erfolgreich das Motiv als solches zu interpretieren. Glücksache in den meisten Fällen.



Bei den aktuellen Kamerasystemen mit denen ich zu tun habe ist die Matrixmessung aber mittlerweile von den meisten Kinderkrankheiten befreit. Produzierte sie früher überwiegend flaue Bilder bei dem Versuch, alles irgendwie gleich zu kriegen, ist heute die Matrixmessung im Bereich der Schnappschüsse sogar fast brauchbar zu nennen. Das Problem allerdings: Die Gewichtung der einzelnen Helligkeitszonen läßt sich nicht kontrollieren, 2 Aufnahmen hintereinander mit nur minimalen Unterschieden können 2 ganz unterschiedliche Bilder zur Folge haben.

Wenn ich jetzt mittels Kamera und deren Belichtungsmesser in einem der Modi bestimmt habe, wie lang meine Belichtungszeit ist, lohnt es sich, diese zu kontrollieren. Denn es lauert die nächste Falle: Verwacklungen.

Ist die Verschlußzeit kurz genug, bildet sich ein sauber abgegrenztes, also "scharfes" Bild auf dem Sensor ab.



Es ist nicht möglich, in der Hand eine Kamera eine unbegrenzte Zeit so still zu halten, dass ein scharfes Bild auf dem Sensor erscheint. Schon kleinste Bewegungen, die völlig natürlich sind, führen zu unscharfen Bildern mit einer sogenannten "Verwacklungsunschärfe". Diese entsteht einfach, wenn das Bild quasi mehrfach auf dem Sensor abgebildet wird, weil es durch das Zittern der Hand zum Beispiel um wenige Mikrometer verschoben wird.




Grundsätzlich gilt, dass auf Grund der Masseträgheit eine große, schwere Kamera, zumal von 2 Händen gehalten, weniger Anfällig ist als eine kleine, leichte Kamera. Und als Faustregel gilt unter Fotografen die Aussage, dass man etwa 1 Sekunde durch Brennweite verwacklungsfrei halten kann. Das bedeutet also, dass ich bei 50mm Brennweite durchaus 1/50 Sekunde halten kann, während bei einem 300mm-Tele schon bei 1/300 Sekunde schluss ist. Dieser Wert variiert natürlich je nach persönlichen Eigenschaften. Allgemein geht man davon aus, dass bei 1/30 auch bei ruhigen Händen Schluss ist.

Wird die Zeit zu lang, kann ich sie durch Öffnen der Blende reduzieren. Ist das nicht möglich oder gewollt, kann ich den ISO-Wert anheben.

Dieser "Spielraum" in dem ich verwacklungsfreie Bilder aus der Hand schiessen kann, ist in den letzten Jahren durch die erst langsame, in letzter Zeit aber rasant zunehmende Verbreitung von optischen und elektronischen "Bildstabilisatoren" vergrößert worden.

Panasonic bietet mittlerweile in fast jeder Knipse den OIS, also den Optical Image Stabilizer an. Der Sinn ist klar: wenn so eine Technik längere Verschlußzeiten erlaubt, muss ich den ISO-Wert nicht anheben und kann damit weniger Rauschen ins Bild bringen.

Die Spiegelreflexhersteller verfolgen 2 Ansätze:

Sony ("Steadyshot") und Olympus (Image Stabilizer) bringen ihre Sensoren variabel an. Das bedeutet, die Kamera mißt mit winzigen Beschleunigungssensoren ein paar Tausend mal pro Zeiteinheit die Bewegung nach oben / unten / rechts / links und winzige "Motoren" bewegen den Chip so, dass das Licht immer an der selben Stelle auftritt. Da hier der Chip bewegt wird, funktioniert das mit allen Objektiven, die ich an die Kamera pappen kann.

Canon (IS) und Nikon (Vibration Reduction) verlegen diese Technik ins Objektiv. Hier sind spezielle Linsen so aufgehängt, dass mit einer vergleichbaren Technik Bewegungen ausgeglichen werden. Der Nachteil ist, dass nur Objektive mit dieser Technik auch eine Verbesserung mit sich bringen und der technische Aufwand deutlich höher ist. Der Vorteil ist jedoch, dass die Technik jeweils auf das Objektiv abgestimmt werden kann und schon das Bild "beruhigt" wird, dass ich im Sucher sehe. Ein deutlicher Vorteil bei der Bildgestaltung.

Stelle ich jetzt fest (oder die Kamera), dass es weder möglich ist die Blende weiter zu öffnen, noch den ISO-Wert weiter zu erhöhen und ich auch trotz der technischen Hilfe durch die Bildstabilisatoren kein vernünftiges Bild hinbekomme, verlasse ich den Bereich der sogenannten "Aviable Light"-Fotografie und muss das Bild künstlich mit mehr Licht versorgen.

"Mehr Licht!"

Fast jede Kamera kommt heute mit einem mehr oder weniger sinnvollen Lichtlein daher. Die wesentlichen Eigenschaften eines Blitzes sind seine Lichtfarbe (dazu später mehr), seine Leuchtkraft (Leitzahl) und sein Ausleuchtwinkel. Einige Blitze dienen als oder bieten ein AF-Hilfslicht. Auch das werde ich erst später im Abschnitt über das Scharfstellen erklären.

Grundsätzlich unterscheidet man - wenn man Studioausrüstung aussen vor läßt - zwischen internen Blitzlichtern und externen, zumeist als Systemblitze zum "Aufstecken" ausgeführen Lichtwerfern.

Das die kompakten Kameras heute eigentlich keinen "Zubehörschuh" mehr haben, auf den man einen Systemblitz aufstecken kann, ist schon tragisch. Noch tragischer ist aber, dass auf Grund der Miniaturisierung die internen Blitze natürlich auch immer kleiner werden. Folgend mal der Vergleich zwischen der Fuji und der Nikon:


Was noch aufällt ist, dass der Blitz an der Nikon sehr hoch sitzt. Das ist gut so und hilft ein Problem zu vermeiden, dass man mit Kameras in der Bauart der Fuji fast unweigerlich hat: Rote Augen.

Rote Augen sind Reflexe der gut durchbluteten Netzhaut am Ende des Aufapfels. Sie sind dann sichtbar, wenn - wir erinnern uns an den Physikunterricht, Spiegel, Einfallwinkel gleich Ausfallwinkel - der Blitz sehr nah an der "optischen Achse" des Objektivs liegt, also nahezu exakt in die Richtung ausleuchtet, aus der der Chip das Licht wieder empfängt. Und machen wir uns nix vor: Vorblitze helfen wenn überhaupt nur sehr eingeschränkt.

Um so weiter ein Blitz von der optischen Achse entfernt ist, um so unwahrscheinlicher sind rote Augen.

Bei den "grossen" Kameras findet sich oben ein sogenannter "Zubehörschuh", in den man einen Systemblitz packen kann. Systemblitze gibt es vom Hersterller der Kamera-Systeme, aber auch von einer Reihe von Drittanbietern in vielfältigen Formen. Grundsätzlich hat ein Systemblitz mehr Leistung als der Interne. Wie "kompatibel" die Systemblitze von Fremdherstellern zu Kamerabesonderheiten wie i-TTL/CLS bei Nikon oder e-TTL2 bei Canon sind, kann man so pauschal nicht sagen. Grundsätzlich können sie aber alle eines: Licht machen. Teilweise schon fast zu viel Licht.

Die Lichtmenge die maximal möglich ist, beschrieb man früher recht einheitlich mit der Leitzahl, die ursprünglich angab, welche Distanz bei ISO 100 maximal ausgeleuchtet werden kann. Da dieses Verhältnis nicht festgeschrieben ist, weichen die Hersteller mittlerweile davon ab und der Rat kann nur lauten: Nicht auf die Leitzahl gucken. Erstens sind vernünftige Ausleuchtungen über X Meter mit solchen Blitzen eh nicht möglich, zweitens spielen zu viele Seitenfaktoren eine Rolle.

Ich selbst fahre 2 verschiedene Blitzsysteme: zum einen habe ich einen Originalblitz von Nikon, den SB-800 und dann einen Metz 54 MZ-3. Wer mich kennt der weiss, dass ich immer Metz empfehle, weil ich die Originalen im Vergleich für zu teuer bei zu wenig Gegenleistung halte. Aber das ist Geschmack und in meiner Tasche coexistieren beide fröhlich vor sich hin. Was sie unterscheidet, erkläre ich noch.



Wie man sehen kann, besitzen beide einen recht großen Haupreflektor, so nennt sich der Lichtaustritt. Der Metz verfügt über einen 2. kleinen Reflektor (hinter der Plastikkappe über dem Schriftzug), der Nikon nicht. Zudem ist der Metz zwar der ältere, aber der stärkere der beiden.

Den fehlenden Zweitreflektor (wofür man den braucht erkläre ich im nächsten Kapitel) kompensiert der Nikon durch eine ausklappbare weisse Kunststoffkarte am Hauptreflektor:


Bei beiden ist der Hauptreflektor vertikal schwenkbar, kann also nach oben und nach unten geklappt werden und - was sehr wichtig im Bereich "Peoplefotografie" ist: Auch horizontal, er kann also von rechts nach links gedreht werden. Auch das erkläre ich im Teil 2 der Blitzfotografie.

Grundsätzlich gilt für alle Systemblitze, dass sie mindestens in den Betriebsmodi A (Automatik) und M (Manuell) blitzen können müssen. Moderne Systemblitze (der SB-800 ja, der Metz nein) unterstützen zusätzlich das neue iTTL/CLS -System von Nikon. Zur Erklärung:
  • Im Modus M stelle ich am Blitz die Blitzleistung ein. Gute Blitze lassen sich in möglichst vielen Stufen zwischen 1/1 (volle Leistung) und 1/256 (Bruchteil der Leistung) regeln. Die volle Leistung ist so gut wie nie notwendig.

  • Im Modus A muss der Blitz wissen, welche Blende und Empfindlichkeit an der Kamera eingestellt sind. Dann mißt er mit einer eigenen Photozelle das vom angeblitzten Objekt zurückgeworfene Licht und beendet die Lichtabgabe, wenn er einen ausreichenden Wert gemessen hat. Diese Technik ist in der Relge korrigierbar, man kann also dem Blitz auch sagen, er soll gezielt Über- oder Unterbelichten. Natürlich nur bis zur jeweiligen Max- und Min-Grenze. Gerade bei den Metzblitzen arbeitet der Modus A so zuverlässig, dass man in vielen Situationen sich genau darauf verlassen sollte.

  • TTL steht für "Through The Lens". Dabei mißt die Kamera das durch das Objektiv einfallende Licht, dass vom Objekt reflektiert wird. Bei e-TTL2 (Canon) und D-TTL (Nikon alt) und i-TTL (Nikon neu) werden dafür zunächst ein bis mehere Messblitze ausgesendet. Diese werden ausgewertet, die Kamera korrigiert ggf. die Einstellungen am Blitz und macht dann das Bild mit der "optimalen" Belichtung. Vor i-TTL waren die mir bekannten TTL-Systeme mit den ersten Matrixmessungen vergleichbar: 2 identische Bilder zu erzeugen, war nahezu unmöglich. e-TTL2 und i-TTL bieten da deutlich mehr Sicherheit. Gerade Anfänger werden das zu schätzen wissen. Das zum i-TTL gehörende "Creative Light System (CLS) stelle ich später vor.

Fast alle Systemblitze haben auf der Rückseite heute ein Statusdisplay und sind Menügesteuert. Im TTL-Betrieb ist hier allenfalls die Angabe der maximalen Reichweite interessant. Bei A- und M-Betrieb nehme ich hier die entsprechenden Einstellungen und Korrekturen vor.


Zudem verfügen die Blitze heute über "Zoomreflektoren". Das sind Mechaniken, die den Ausleuchtwinkel dem Objektiv anpassen, also bei Weitwinkel das Licht mehr streuen und bei Tele mehr konzentrieren. Das funktioniert in Bereichen von etwa 24-105mm problemlos automatisch. Für Winkel unter 20mm bringen die Blitze heute i.d.R. eine Streuscheibe mit, die vor den Blitz geklappt wird:


Im Grunde sind die Systemblitze heute so gut, dass man sie aufsteckt, anschaltet und Spass hat. Wer mehr will, der liest das nächste Kapitel.

Weiter in:
2.5 Blitzen Teil 2: Spass mit Licht

Dienstag, 8. April 2008

Vom Fotografieren...

2.3 Blenden, Lichtstärke und Tiefenschärfe

Das Kapitel jetzt wird reichlich kompliziert und hat schon klügere Menschen als mich daran scheitern lassen, es zu erklären. Ich werde daher versuchen, es so einfach wie möglich zu halten.

Auf fast allen Objektiven findet sich neben der Brennweite in mm auch eine Angabe der Lichtstärke, zumeist als Verhältniszahl, also 1 zu x. Damit wird beschrieben, wieviel Licht vorne rein muss, damit hinten eine Messeinheit ankommt. Soweit so klar?

Das bezeichnet man übrigens dann als Offenblende und setzt damit den Wert x mit der Blende gleich. Dabei ist, wie ich gleich beschreiben werde, die Blende eigentlich ein mechanisches Teil. Das ignoriere ich jetzt aber einfach und übernehme die Sprech- und Schreibweise und bezeichne x fortan als Anfangsblende.

Der Wert der Anfangsblende ist bei einem guten Objektiv möglichst klein. Oder anders gesagt: je größer der Anfangsblendenwert bei vergleichbarer Brennweite, desto mehr Gurke. Mehr Lichtstärke bedeutet im Zweifelfall auch, dass ich bei weniger Lichtnoch bessere Fotos (weniger Verwacklung) machen kann.

Der Blendenwert ist eine komische Zahlenreihe, meist 4,5 - 5,6 - 8 und wie der errechnet wird wissen all die, die in Mahte aufgepasst haben. Wenn ich als kleine Info verrate, dass von einer Stufe zur nächsten (4,5 zu 5,6) die Menge des durchgehenden Lichts halbiert wird. Wenn wir uns gleich die Blende ansehen, stellen wir fest, dass sie nahezu kreisförmig ist. Damit läßt sich für den Mathefreak was anfangen, alle anderen merken sich bitte einfach nur: eine volle Blendenstufe halbiert das einfallende Licht.

Um das mal anschaubar zu machen, ein paar Fotos:
  1. 50mm 1:1,8 mit Blende 1,8 von Vorne


  2. 50mm 1:1,8 mit Blende 1,8 aus Sicht der Kamera


  3. 50mm 1:1,8 mit Blende 22 von Vorne


  4. 50mm 1:1,8 mit Blende 22 aus Sicht der Kamera


Man kann sich vorstellen, was der Unterschied ist, denke ich ;-)

Eine gute Optik beginnt oft mit einer Lichtstärke von 1:1,8 oder 1:2,8. Es gibt auch Objektive mit 1:1,4 oder gar 1:1,2 und in grauer Vorzeit gab es auch 1:1 und sogar 1:0,9. Da mehr Lichtstärke immer auch mehr Anspruch an die Optik bedeutet, ist der Preissprung von 1:1,8 zu 1:1,4 und 1:1,2 so hoch, dass nur Leute die wirklich wissen, was sie machen, sich solche Linsen kaufen.

Ein wirklich gutes und immer zu empfehlendes Objektiv ist demnach ein 50mm 1:1,8 und wer es teuer mag der nimmt das 50mm 1: 1,4.

Zoom-Objektive gibt es in 2 Ausführungen: mit fester Anfangsblende und mit Variabler. Das merkt man daran, wenn zum Beispiel ein Objektiv die Aufschrift hat 70-200mm 1:2,8. Das beudetet, dass sowohl bei 70mm Brennweite als auch bei 200mm Brennweite die Offenblende 2,8 und damit sehr gut ist.

Die meisten "Consumer"-Produkte haben das nicht. Sie haben eine variable Anfangsbrennweite, die meist als 70-200mm 1:3,5-5,6 beschrieben wird. Das bedeutet dann, dass ich bei 70mm eine Anfangsblende von 3,5 habe und bei 200mm eine Anfangsblende von 5,6.

Das wirkt sich jetzt in zweierlei Hinsicht aus:
  1. Bei gleichbleibender Filmempfindlichkeit verdoppelt sich die Verschlusszeit bei halber Lichtmenge. Logisch, oder? Zu den Verschlusszeiten komme ich im nächsten Kapitel. Grundsätzlich wollen wir die aber klein halten.

    Wenn ich also bei ISO 200 und Blende 4,5 mit einer Verschlusszeit von 1/250 Sekunde habe, bin ich bei Blende 5,6 schon bei 1/125 Sekunde und bei Blende 8 bei 1/60 Sekunde.

    Will ich also bei Blende 8 ebenso eine Zeit von 1/250 haben, muss ich den ISO-Wert hochdrehen. Damit steigt das Rauschen.

  2. Zomme ich näher ran, verliere ich weiter Licht, damit steigt weiter die Verschlusszeit, die ich ggf. über weitere ISO-Erhöhungen kompensieren muss.
Außerdem - und das ist das wirklich interessante - steuere ich über die Blende (und ein wenig über die Brennweite) die sogenannte Tiefenschärfe. Was das ist kann man sich am ehesten vorstellen, wenn man mal kurz an die Portrait-Aufnahmen denkt, die einem am besten gefallen. Das sind in der Regel welche mit wenig Tiefenschärfe, also einem unscharfen Hintergrund, der so verträumt verwaschen aussieht:


Es gibt im Internet Programme (auf für PDA), die errechnen können, wie groß die Tiefenschräfe unter welcher Bedingung ist.

Tatsächlich ist der Effekt der Tiefenschärfe, bzw. der Tiefenunschärfe eben der, dass Objekte "freigestellt", also aus dem Hintergrund herausgelöst werden können. Das geschieht bei offener Blende: Die Tiefenschärfe ist um so geringer, um so weiter die Blende auf ist.

Blende ich ab, was der Ausdruck für das Schliessen der Blende ist, erhöhe ich die Tiefenschärfe.

Es gibt Tiefenschärfe übrigens nicht nur hinter dem Objekt, dass ich fotografiere. Vielmehr ist auch vor dem Objekt eine Fläche, die scharf abgebildet wird. Diese ist halb so tief, wie hinter dem Objekt. Im Klartext: Ist 100 cm hinter dem Objekt noch alles scharf zu sehen, sind vor dem Objekt in Richtung Kamera nur 50cm scharf abgebildet.

Nachfolgend nochmal ein paar Bilder um das zu verdeutlichen:
  1. Vorne scharf gestellt, Blende ganz auf:


  2. Vorne scharf gestellt, abgeblendet:


  3. Mitte scharf gestellt, Blende ganz auf:


  4. Mitte scharf gestellt, abgeblendet:


  5. Hinten scharf gestellt, Blende ganz auf:


  6. Hinten scharf gestellt, abgeblendet:


Ich denke, das Prinzip ist klar geworden, oder?

Jetzt gibt es noch ein paar Dinge zu beachten:
  1. Stelle ich auf unedlich scharf, kann ich keine Tiefenschärfe für dahinter liegende Objekte beeinflussen. Ist klar, oder?
  2. Die Tiefenschärfe ist abhängig von der Brennweite: je größer die Brennweite, desto geringer ist bei gleicher Blendenzahl die Tiefenschärfe. Bei Teleobjektiven und großen Blenden ist hier von wenigen cm die rede!
  3. Im Makrobereich beträgt die Tiefenschärfe meist nur wenige mm, selbst abgeblendet.
Die Blende hat aber noch eine weitere, nicht zu unterschätzende Funktion:

Der Großteil der auf dem Markt haben das Problem, dass sie bei Offenblende nicht ihre maximale Schärfe erreichen. Das kann man dann, indem man abblendet, das einfallende Licht also stärker fokussiert und in die Mitte der Linse zwingt, dort wo die Schärfe am größten ist. Gute Objektive wie das 50mm 1:1,8 haben oft bei Blende 4 schon ihre maximale Schärfe, einige und vor allem einfache Zoom-Linsen erreichen das erst bei Blende 8 ihre maximale Schärfe.

Aber Vorsicht: Zu weit abblenden ist auch wieder nicht gut, weil dann ein Effekt auftritt, der sich "Beugung" nennt. Was das ist will ich hier nicht ausführen. Dazu habe ich an anderer Stelle schon was geschrieben. Nur soviel: das ist nicht gut, also wenn nicht unbedingt notwendig, die Blende nicht ganz zudrehen, schärfer als scharf wird nicht.

Übrigens, um mal wieder auf den Unterschied verschiedener Kameras zu sprechen zu kommen: die meisten kleinen Digis haben 3 oder wenig mehr Blendenstufen und auf Grund der Besonderheit der winzigen Sensoren ist von einer vernünftigen Beurteilung der Tiefenschärfe auch gar nicht zu reden. Bei guten Linsen für Spiegelreflexkameras stehen unter Umständen weit mehr als 10 Stufen zur Verfügung, um die Blende sehr fein einstellen zu können.

Um vor dem Foto die Tiefenschärfe beurteilen zu können, haben die größeren Kameras eine sogenannte "Abblendtaste". Dahinter verbirgt sich Folgendes: Wenn das Objektiv an die Kamera geschraubt ist, wird die Blende ganz aufgemacht, damit möglichst viel Licht in den Sucher fällt. Viel Licht braucht man zur Beurteilung des Bildes und der Schärfe, auch automatisches Scharfstellen (AF) geht besser, je mehr Licht da ist. Erst im Moment des Fotos wird die sogenannte "Arbeitsblende" eingestellt.

Die Abblendtaste macht jetzt genau das: sie blendet auf die Arbeitsblende ab. Das Bild wird auf den ersten Blick einfach nur dunkel. Wer aber einen Testaufbau wie meinen obigen aufsetzt wird sehen, dass man plötzlich die Unschärfe erkennen kann, die sich bei immer weiter geschlossener Blende in Schärfe verwandelt... nur leider wird auch das Bild immer dunkler...

Weiter in:
2.4 Verschlusszeiten & Blitzen Teil 1

Montag, 7. April 2008

Vom Fotografieren...

2.2 Brennweiten und was das ist

Die Sache mit der Brennweite ist eigentlich in 2 Sätzen erklärt:
  1. Um so weniger Brennweite, um so mehr passt auf's Bild.
  2. Um so mehr Brennweite, um so näher komm ich dran.
Das war's. Weiter zum nächsten Kapitel.

Obwohl... na gut, ich geh noch ein wenig mehr ins Detail, wenn Ihr wollt. Denn das mit den Brennweiten ist dann vielleicht doch die eine oder andere Betrachtung wert, denn Brennweite ist bekanntlich nicht gleich Brenweite und das eine oder andere lohnt sich vielleicht doch zu wissen.

Brennweite ist ein Wert, der auf Objektiven heute in mm angegeben wird. Dummerweise ist der Bezug zum Kleinbildnegativ irgendwann verloren gegangen, weswegen man heute auch von "Crop-Faktoren" spricht. Damit ist gemeint, dass sich die Brennweite des Objektives im Verhältnis zum Chip relativiert. Bei den meisten Digitalen Spiegelreflexen ist das wie bei meiner Nikon, der "Crop-Faktor" liegt bei 1,5. Das bedeutet, ich muss von Brennweiten im Kleinbildbereich ausgehend den Wert mit dem Faktor 1,5 multiplizieren, um auf die Brennweite an meiner Digitalen zu kommen. So wird dann aus einer Brennweite von 50mm plötzlich eine 75mm-Linse (50mm Brennweite x 1,5 Crop-Faktor).

Die mm-Anzahl läßt mich zudem wissen, ob es sich um ein Weitwinkel-, Normal- oder Tele-Objektiv handelt. Ganz grob spricht man von Weitwinkel, wenn die mm-Zahl kleiner als 35 ist, von Tele bei Werten über 50 und der Bereich 35-50 ist der "Normal"-Bereich.

Das mit dem Normal ist am einfachsten erklärt: Zum einen entspricht eine Brennweite von 50mm an einer Kleinbildkamera in etwa dem Sichtfeld, dass unser Auge mitbringt. Zum anderen war es früher "normal" ein Objektiv im Bereich von 35mm zu haben und eines von 50mm. Heute ist das 50mm-Objektiv sicherlich auch nach wie vor das, mit der höchsten Verbreitung.

Weitwinkelobjektive nutzt man dagegen, um größere Bereiche auf das Bild zu bannen. Teleobjektive dienen dazu, über größere Entfernungen Details einzufangen. Sei es, weil man zu faul ist ran zu gehene, oder weil zu viel Nähe zu Löwen, Alligatoren und Finanzbeamten einfach nicht angeraten scheint.

Wenn ich jetzt mal bewußt 2 Sonderformen der Objektive erstmal aussen vor lasse - die "Fisheye-" und die "Macro-Objektive", konzentrieren wir uns mal auf den "üblichen" Bereich.

Durch den heute so verbreiteten Crop-Faktor passiert es, dass die meisten Objektive an Brennweite "gewinnen". So wird zum Beispiel aus einem Objektiv mit 200mm Brennweite schon eines mit 300mm. Das ist erstmal toll.

Dummerweise sind Weitwinkelobjektive optisch anspruchsvoller. Und durch den Cropfaktor muss ich sehr weitwinklige Linse kaufen, um alte Bekannte zu ersetzen. Hatte ich früher ein 24mm-Objektiv um eine feiernde Gesellschaft im Raum zu knipsen, darf das Objektiv heute nur ungefähr 16mm haben, um das gleiche Feld abzudecken.

Gängige Brennweiten sind heute ungefähr von 10 bis 300mm. Wobei die meisten Leute mit ihrer ersten Spiegelreflex oft ein "Kit-Objektiv" erwerben, dass irgendwo im Bereich von 18 bis 55 oder 18 bis 70mm liegt. Also vom leichten Weitwinkel bis in den leichten Telebereich reichend (Faktor nicht vergessen!). Oft kommt dann noch ein 55 oder 70 bis 200 dazu und schon ist man für den Anfang eigetnlich ganz gut ausgerüstet.

Im letzten Absatz habe ich still und heimlich eine spezielle Gattung von Objektiven vorgestellt, die wir uns jetzt kurz genauer ansehen: Zoom-Objektive.

Zoom-Objektive gibt es von gemäßigt (2-3facher Zoom-Faktor) bis hin zu sogenannten Superzooms (10fach bis 15fach). Letzter werden unter ambitionierten Knipsern gerne abwertend mit Suppenzoom bezeichnet, ich ziehe lieber den Vergleich zu einem an die Kamera gepappten Boden einer Cola-Flasche heran. Nix gegen Cola-Flaschen.

Was ist jetzt das Besondere an den Zoom-Linsen?

Zoomobjektive bieten zunächst eine höhere Flexibilität als Festbrennweiten. Ich kann also Objekte weiter wegschieben (in den Weitwinkelbereich) oder näher heran holen (in den Telebereich gehen).

Das Problem ist eher physikalischer Natur: Eine Optik läßt sich hervorragend und unter Vermeidung zahlreicher Probleme für eine bestimmte Brennweite fertigen. Wer eine Brille trägt, weiss, dass seine Brille exakt für sein Auge berechnet ist, und da zu Höchstleistung auflaufen kann.

Zoomobjektive sind dagegen immer ein Kompromiss. Mit der Zoomleistung erkaufe ich mir IMMER einen Abstrich an der Qualität und man kann pauschal sagen, dass je höher der Zoomfaktor, desto schlechter die Qualität.

"Schlechte Qualität" kann sich in Problemen mit der Schärfe, gerne aber bei den Verzeichnungen ("Wölbungen" am Bildrand nach innen oder aussen) deutlich machen, bei der Empfindlichkeit für Streulicht, schwächeren Kontrasten und einigem mehr.

Generell ist also, was die reine Qualität der Linsen angeht, eine Festbrennweite einem Zoom überlegen und ein gemäßigtes Zoom in der Regel einem Superzoom. Wer mich kennt der weiss, was ich von Objektiven der 50-500mm-Klasse halte ;-) Zoom-Objektive stellen immer einen Kompromiss aus Optischer Leistung, Zoomfaktor und Preis da - was die erheblichen Unterschiede im Preis und den zu erzielenden Qualitäten erklärt.

Dazu kommt, dass Zoom-Objektive in der Regel nicht so Lichtstark sind, wie Festbrennweiten. Bzw. wenn sie Lichtstark gebaut werden, sind sie sehr groß und schwer. Aber was es mit der Lichtstärke auf sich hat, erkläre ich im kommenden Abschnitt.

Um das Ganze jetzt mal mit ein paar Bildern zu unterfüttern, habe ich mal auf die Schnelle welche geknipst und dabei versucht, irgendwo im Rahmen dessen zu bleiben, was einem am häufigsten begenen wird:

(Angaben ungefährer Kleinbildwert)

15mm Weitwinkel:



20mm Weitwinkel:



35mm Normal:



50mm Normal:



105mm Tele:



135mm Tele:



165mm Tele:



200mm Tele:



300mm Tele:



Grundsätzlich sind übrigens bei kleiner werdenden Brennweiten die Unterschiede in der Wahrnehmung größer, als bei "langen" Brennweiten. Das beudetet im Klartext: Von 35mm nach 15mm nehmen wir einen größeren Unterschied war, als von 190mm zu 200mm.

Weiterhin ist es nicht so, wie ma oft hört, dass Teleobjektive die Perspektive "verdichten". Die Perspektive ist immer die Gleiche, aber der Ausschnitt ändert sich natürlich. Das ist vom Prinzip her mit den Blickwikelkonzentratoren vergleichbar, falls sich noch jemand daran erinnert.

Für Portraits empfehlen sich übrigens Tele-Brennweiten, da es im Weitwinkelbereich zu perspektivischen Verzerrungen kommen kann, die eher in den Bereich experimentell fallen ;-)

Früher war die Standardbrennweite für Portraits ca. 85 bis 135mm. Durch den Crop-Faktor eignet sich aber auch schon eine 50mm-Linse sehr gut für Portraits. Was es allerdings dann mit Freistellen und ähnlichden Dingen auf sich hat, erkläre ich auch erst im nächsten Abschnitt.

Übrigens: all das hier spricht natürlich wieder für digitale Spiegelreflex-Systeme. Bei anderen Kameras habe ich entweder nur eine sehr kleinen Zoombereich oder einen riesien Bereich mit den angesprochenen Problemen. Wenn ich mir also die maximale Flexibilität bei maximaler Qualität erhalten will, bleibt nur der Griff zur Grossen. Wenn ich bereit bin, Abstriche zu machen, kann unter Umständen auch eine Bridgekamera (teilweise mit Zoom von 35 bis 420mm!) das Objekt der Begierde sein. Allerdings wiederum zu den bekannten Nachteilen wie kleiner Sensor, schlechtere Linse etc.

Bewußt habe ich den Bereich "Fisheye" und "Makro" aussen vor gelassen. Beides erkläre ich ein einem eigenen Artikel...

Weiter in:
2.3 Blenden, Lichtstärke und Tiefenschärfe

Sonntag, 6. April 2008

Vom Fotografieren...

2.1: Megapixelwahn und warum weniger manchmal mehr ist

Um sich darüber klar zu werden, was Megapixel sind und warum sie gefährlich für das Bild sein können, stellen wir uns nochmal eben den Sensor vor, auf dem Millionen und Abermillionen dieser kleinen Dingelchen nebeneinander stehen. Jeder dieser Subpixel hat die Aufgabe, auftreffende Lichtteilchen zu zählen und in einen elektrischn Impuls umzuwandeln. Je stärker dieser Impuls, desto mehr Licht, desto heller. Es ist also eine analoge Zählung, keine digitale Nutzung nach dem Muster "Licht an, Licht aus".

Heute sollen Digitalkameras vor allem 2 Anforderungen erfüllen - abgesehen von dem ständigen Kundenwunsch, eine Kamera möge alles können und nix kosten: Sie soll möglichst viele Pixel haben und dabei möglichst klein werden.

Da hat die Industrie zusammen mit dem Kunden sich selbst einen Vogel geschossen. Denn es ist mitnichten so, dass mehr Pixel ein besseres Bild liefern müssen, vor allem, wenn die Kamera auch noch immer kleiner wird.

Logischer Weise baut man in eine kleine Kamera, die in die Hose passen soll, einen kleineren Chip ein, der das Licht auffängt. Und ein kleineres Objektiv, weil es natürlich so ist, dass ein großes Objektiv einfach nicht passt.

Und jetzt kommen wir zu einem Punkt, an dem die Logik zuschlägt. Die Art von Logik bei der man denkt: "Ach, das hätte ich wissen müssen".

Die Frage ist nämlich: Wenn durch ein kleineres Objektiv in der gleichen Zeit Licht auf einen kleineren Sensor fällt, ist dann die gleiche Menge Licht messbar?

Die Antwort lautet natürlich nein. Durch ein großes Objektiv fällt selbstverständlich mehr Licht (man spricht von Lichtstärke) in die Kamera, als durch ein Kleines. Wobei groß und klein hier erstmal wirklich den Durchmesser und die Länge meint.

Um das mal vergleichen zu können, 2 Bilder. Das erste Bild zeigt eine Fuji Finepix F40fd mit 8,3 Millionen Pixel auf einem Sensor, der gerade mal 7,7mm breit und 5,8mm hoch ist. Bzw. es zeigt die Objektivöffnung:


Das nächste Bild zeigt dagegen die Objektivöffnung einer Nikon D200 mit angesetztem Objektiv. Deren Sensor ist 23,5mm breit und 15,7mm hoch und mit knapp 10 Millionen Lichtaufnehmern bestückt:


Um sich mal die Größe zu vergegenwärtigen, habe ich beide Kameras auch einmal von oben geknipst. Da die Brennweite nicht bei beiden identisch ist, ist natürlich kein direkter Maßstab gegeben, aber ich denke es hat eh schon jeder eine Kompakte und eine Spiegelreflex gesehen:





Zurück zum Thema: Jetzt stellt Euch vor, durch die beiden Objektive fällt eine bestimmte Zeit lang Licht auf den Sensor. Durch welches Objektiv kommt mehr Licht?

Und dann stellt Euch weiterhin vor: Wenn jetzt die Menge Licht durch das Objektiv gekommen ist, trifft sie auf einer Fläche von 44,66 Quadratmillimetern in der Fuji auf 8,3 Millionen Sensoren.

Während eine ungleich größere Menge Licht in der Nikon auf 10 Millionen Sensoren trifft, die sich über 368,95 Quadratmillimeter verteilen!

Und jetzt passieren komische Dinge: Das erste was passiert ist noch recht einfach zu verstehen: In der Nikon kommt mehr Licht an, das von den Sensoren ausgewertet wird. Der Signalpegel, also das was der einzelne Sensor an Licht aufgenommen und in ein elektrisches Signal umgewandelt an den Chip weitergibt, ist deutlich höher, denn er zählt ja nicht nur Licht an / Licht aus, sondern eben auch die Intensität.

In der Fuji ist das Signal nicht nur deutlich schwächer, es ist auch noch so, dass die Sensoren so nah beieinander stehen und dabei so klein sind, dass nicht jedes Lichtteil einem einzelnen Punkt zugeordnet werden kann, sondern teilweise benachbarte Punkte das selbe Lichtteilchen zählen.

Das bedeutet folgendes: bei der Fuji wird das Bild zusätzlich unschärfer, als es bei der D200 würde, weil der Sensor nicht jede Kante als solche eindeutig erkennen kann. Da wir als Schärfe aber den Übergang von Hell zu Dunkel an klaren Kanten definieren, haben wir ein Problem, wenn diese Kanten nicht sauber gezeichnet sind.

Das versucht man, per Software zu korrigieren, indem alle Kompakten mehr oder weniger stark scharfzeichnen. Das sieht man aber nicht, wegen des zweiten Effekts:

Da das Signal der einzelnen Sensoren furchtbar schwach ist, wird es künstlich angehoben um auf Niveau zu kommen, dass der Sensor auswerten kann. Das wird i.d.R. verkauft als Erhöhung des ISO-Wertes, also der Empfindlichkeit. Wenn ich also bei einer Digitalen den ISO-Wert von 100 auf 200 erhöhe, verdoppelt sich natürlich nicht die Empfindlichkeit des Sensors. Ich klaue ihm sogar Licht, da in der Regel bei der gleichen Menge Licht beim Sprung von ISO 100 auf ISO 200 die Belichtungszeit und damit die Menge des einfallenden Lichtes halbiert wird!

Was vielmehr passiert ist, dass das Ausgangssignal der Sensoren bevor es den Chip erreicht angehoben wird. Jetzt gibt es aber Sensoren, die sich nicht sicher sind, ob und wie viel Licht sie denn jetzt gezählt haben. Bei einer Anhebung des Signals passiert es aber eher, dass ein Sensor auf "Jo, hier auch Licht" geht, als das er den Mund hält und sich als schwarzen Punkt outet.

Das Ergebnis ist sogenanntes Farbrauschen: Bunte Pixel im Bild an Stellen, an denen sie eigentlich nicht sein sollten. Zu stark verstärkte elektrische Impulse, die zu solchen Störungen führen.

Die Software in den digitalen Kleinkameras geht dann hin und versucht, das Rauschen rauszurechnen. Sind zum Beispiel grüne Punkte in einer schwarzen Fläche, nimmt sie an, dass die nicht dahin gehören und "zaubert die weg". Dummerweise funktioniert das nicht sauber: Die Kamerasoftware kann nicht wissen, welche Punkte gewollt sind und welche nicht. Sie kann das nur raten. Und egal die wievielte Softwareversion wir haben: sie können es immer noch nicht gut. Das Ergebnis ist aber, dass Bildinformationen verloren gehen, das Bild wird "weicher", als unschärfer, es gehen Details verloren. Das genaue Gegenteil in jeder Hinsicht zu dem oben genannten Nachschärfen.

Um es vereinfacht zu sagen: je kleiner die Optik und je kleiner der Sensor und je größer die Megapixel-Zahl, um so mehr Rauchen und um so weniger klare Konturen.

Wo ist jetzt die Grenze?

Bei digitalen Spiegelreflexen hat man lange Zeit das sogenannte APS-C-Format angewendet, dessen Abmessungen oben stehen. Das schien ein guter Kompromiss aus Rauscharmut und einer Menge Pixel. Die Nikon D200 hat ja 10 Millionen und ist schon recht rauscharm, die D300 noch mehr. Heute geht man mehr und mehr dazu über, sogenannten "Vollformatsensoren" zu bauen. Die sind ungleich teuer, haben dafür aber dann ungefähr 36mm Breite und 24mm Höhe, entsprechen also dem Format eines Kleinbildnegatives (was, nur kurz zur Erinnerung und abgesehen von APS und Pocket und so weiter, damals das schlechteste(!) Negativformat war, verglich man es mit Mittelformat oder Großformat!).

Hier steht ganz klar die Qualität im Vordergrund, insbesondere auch bei hohen ISO-Werten.

Bei den Kompakten sieht das leider anders aus. Hier geht man heute bis zu 12 Millionen Pixel auf Sensoren, die winziger als winzig sind. Die Software kann das nicht kompensieren und die Ergebnisse sehen allesamt... übel aus, sofern nicht sehr viel Umgebungslicht vorhanden ist. Bestimmte Marken wie Panasonic versuchen das durch ultra bunte Farben zu kompensieren, Fakt ist aber, dass nahezu alle kompakten Kameras heute für die Tonne sind, wenn man einen gewissen Qualitätsanspruch hat. Weil sie einfach zu viele Lichtrezeptoren auf zu wenig Platz unterbringen.

Für den Kunden ist das eine echt üble Situation, denn leider gibt es heute kaum noch Kompakte mit guten Sensoren. Wer mehr darüber wissen will, sollte sich mal die Seite "6mpixel.org" ansehen, die ja auch schon länger bei mir verlinkt ist.

Wie übel es ist, habe ich übrigens gemerkt, als ich die Fuji für Unterwasser gekauft habe. Trotz des meiner Meinung nach besten Sensors und einer "vergleichsweise" kleinen Auflösung, bin ich total unzufrieden und nehme die Kamera über Wasser wirklich nur dann in die Hand, wenn es nicht anders geht.

Weiter geht es im nächsten Teil:
2.2: Brennweite und was das ist

Donnerstag, 3. April 2008

Vom Fotografieren...

2. Digitales Grundwissen

Fotografieren kostet viel Geld. Wenn Du nicht tausende von Euros im vornherein investierst, wirst Du nie gute Bilder machen.

Ähh...

Das ist natürlich Unsinn.

Ich selber habe vor vielen Jahren mit einer damals schon recht preiswerten und eher "minimalistischen" Minolta X-300 angefangen "richtig" zu knipsen.

Naja, "richtig knipsen" ist vielleicht übertrieben, weil ich damals schlicht keine Ahnung hatte. Um genau zu sein hatte ich so wenig Ahnung, dass ich die Anzeige der Belichtungszeit für einen Entfernungsmesser gehalten habe... aber gut... das soll hier noch nicht interessieren.

Worauf ich hinaus will ist, man kann fast mit allem Fotos machen. Und es gibt Leute die sagen, eine Kamera sei nur ein "Filmhalter" (also heute Sensorhalter) und letztlich sei es egal, womit man seine Fotos macht.

Das ist so richtig, wie es falsch ist. Besonders heute. Denn früher war es so, dass man mehr Möglichkeiten nach dem Kauf einer Kamera hatte, auf das Bild Einfluss zu nehmen, als das heute der Fall ist. Und sei es nur durch die Wahl eines Farbnegativ-, Dia- oder Schwarz-Weiss-Filmes, um nur ganz grob Gruppen zu nennen.

Heute ist das anders. Heute kaufe ich ein komplettes System mit
all seinen Vor- und oder Nachteilen und kann später nur noch in Grenzen davon abweichen oder mit Bildbearbeitung was ändern.

Das ist zugleich auch der größte Haken an einer Digitalen.

Die Vorteile sind dagegen mannigfaltig. Mal abgesehen von den Kosten die ich spare, weil ich keine Filme mehr kaufen muss und die meisten Speicherkarten heute, für wenige Euros gigantische Volumina bietend, jede Kamera überleben dürften. Daneben habe ich nämlich durch die direkte Bildkontrolle eine viel steilere Lernkurve - Lernwillen und ein Mindestmaß an kognitiven Fähigkeiten vorausgesetzt.

Was früher Papier und Stift notierten (Blende, Zeit, etc.), habe ich heute in den Exif-Daten (die erkläre ich später), mein Display zeigt mir den Ausschnitt und mein Histogramm zeigt mir, ob das Licht gepasst hat.

Dummerweise ist es wie so oft: Mit mehr Technik delegieren die Menschen auch mehr Denkleistung. Statt sich eingehend mit der Technik auseinander zu setzen, wird neue Technik gekauft, ausprobiert und bei fehlendem gutem Ergebnis wird eben was neues gekauft.

Das führt zu einigen interessanten Phänomenen. Zum Beispiel zu Kameras mit winzigen Chips und gigantischen Auflösungen. Und einer Menge Probleme.

Um das zu erklären, muss ich ein wenig ausholen:

Viele von Euch wissen noch aus dem Physikunterricht, dass Licht mal als Welle beschrieben wird (Wellenlänge und Farben...), mal als Teilchen. Das Ganze ist nicht trivial, läßt sich aber im Grunde so verkürzen:

Die "Welle" entscheide über die "Farbe" des Lichts. Das reicht von Ultraviolett bis Infrarot und dazwischen tummeln sich eine Menge Farben. Das Ausbleiben von Wellen definiert Schwarz, die Summe von sich überlagernden Lichtwellen nennen wir Weiss.

Wichtig ist aber das "Alter Ego" der Lichtwellen: das Teilchen.

Das Teilchen braucht nämlich die Digitalkamera, bzw. ihr Sensor. So ein Sensor besteht aus Millionen und Abermillionen von Sensoren, deswegen ist es eigentlich falsch, von Singular zu sprechen ;-)

Diese Sensoren (mit Ausnahme der Faveon-Sensoren-> kommen wir später zu) sind nix anderes als Messfühler, die für eine bestimmte Zeit (Belichtungszeit -> kommen wir später zu) die Anzahl der eintreffenden Lichtteilchen (Photonen) zählen. Daraus gewinnt man die Helligkeit.

Dummerweise zählt so ein Sensor halt nur die Lichtmenge. Aber nicht die Farbe. Um das zu erreichen, greift man zu einem Trick: Man packt vor die Sensoren ein Muster aus "Farbfolien" in Grün, Rot und Blau. Dieses RGB-Muster ist nicht gleichmäßig verteilt, sondern an bestimmte Regeln gebunden.

Theoretisch kann man sich aber vereinfacht merken, dass 3 "Subpixel" erst einen Pixel ergeben. Denn soll ein Punkt (aka Pixel) weiss sein, geht das nur, wenn ein Roter, ein Blauer und ein Grüner in unmittelbarer Nachbarschaft Lichtphotonen empfangen. Empfangen sie unterschiedliche Lichtmengen, entstehen unterschiedliche Farbtöne.

Durch das oben angesprochene Muster ist es aber so, dass eine 6 Millionen-Pixel-Kamera nicht 2 Millionen "echte" Pixel hat. Könnte man ja annehmen, da 6 Millionen Pixel (Subpixel? Megapixel?) durch die drei Grundfarben eigentlich 2 Millionen ergäbe. Und als wäre es noch nicht genug der Verwirrung kommt Fuji daher, und schmeisst einen speziellen Sensor-Typ in die Runde, der dann plötzlich noch wieder alles anders macht. Aber über den Super-CCD rede ich später.

Das klingt wahnsinnig kompliziert. Ist es auch. Und eigentlich völlig egal, denn es belastet Euch nicht beim Fotografieren.

Aber einige Zeilen oben fiel schon ein Wort, um das sich viele Legenden ranken: Die Megapixel.

(weiter in
2.1: Megapixelwahn und warum weniger manchmal mehr ist)

Vom Fotografieren...

1. Vorwort

Alexander Trust, der Mann hinter Sajonara bat mich, doch endlich mal was über das Fotografieren zu schreiben. In meinem jugendlichen Überschwang habe ich zugesagt, nur um in den folgenden Wochen zu merken, dass ich nicht weiss, wie und wo ich anfangen soll. Und was ich schreiben soll, weiss ich schon mal gar nicht.

Heute jetzt habe ich mich hingesetzt und werde versuchen, erste Schritte zu machen. Dabei gehe ich davon aus, dass die einzelnen Texte sich im Laufe der Zeit ändern werden und ich hoffe auf Rückmeldungen, Fragen und Korrekturen von denen, die meine Worte lesen.

Ich will versuchen, nicht all zu technisch zu werden und von der theoretischen Fotografie habe ich auch keine Ahnung. Wer hofft, hier was über den goldenen Schnitt oder das Zonenmodell zu lernen, den bitte ich höflich um Verständnis dafür, dass das Dinge sind, von denen ich keine Ahnung habe. Wikipedia wohl.

Ich bin Knipser und als solcher möchte ich auch verstanden werden: Ich mache Fotos aus Spass, nicht für Geld. Und ich mache meine Fotos für die, die auf ihnen zu sehen sind, für die, die sich sonst vielleicht nicht fotografieren lassen und für die, die einfach Spass daran haben, sich Bilder anzusehen.

Was hier entstehen soll ist eine Art „Loseblattsammlung“, in der ich auf die Kameras eingehen möchte, auf die Grundlagen der Kamerabedienung. Dann auf die Fotos selbst und vielleicht ein wenig intensiver auf das Licht. Der Schwerpunkt wird zu 100% auf Digital legen. Ich werde nicht über Negative und ihre Formate schreiben oder über Entwicklungen und sonstwas, weil das einfach mittlerweile nur noch eine Nische ist.

Ergänzungen, Wünsche und so weiter, bitte ruhig hier in die Kommentare.

Wenn ich das Gefühl habe, dass der Text, die Texte eine gewisse Reife erreicht haben, fasse ich sie noch mal zusammen, überarbeite sie und poste sie bei Alexander. Schließlich möchte ich das Niveau seines Blogs nicht in die Tiefe ziehen – mit meiner Unfähigkeit strukturiert zu schreiben, wenn man das Thema vorgibt ;-)

So long & ich hoffe auf Euch :-D

Mittwoch, 9. Januar 2008

Schlausprech die Zweite

Wie erklärt man einem Fotoapparatbenutzer, was "Beugung" ist?

Einen Versuch fand ich hier:
Stichwort ist hier wohl das Abbé'sche Kriterium. Er hat es zwar für Mikroskope aufgestellt, macht aber nix. d_min = 1.22 lambda / NA ...
Bei dem Koeffizienten bin ich mir nicht sicher, ist aber entweder 0.61,1 oder 1.22 (kann man ja nachlesen)
Dies ist die Umschreibung der Sinusbedingung, dass die ersten Nebenmaxima der Einspaltbeugung noch mit in den Öffnungsdurchmesser des Objektivs fallen.


Na, das ist doch mal eine einfache Umschreibung eines komplexen Sachverhalts. Nicht, dass ich da auch nur ein Wort von verstünde...

Will jemand wissen, was Beugung ist? ;-)

unkreativ

& ohne Bedeutung!

Geht weg!




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