Liebes Tagebuch,
viel zu lange schon habe ich Dich nicht mehr gefüllt. Dabei ist so viel in den letzten Tagen passiert. Wenn Du einen Moment Zeit hast (ein bis zwei Stunden), werde ich das jetzt nachholen, aber erst muss ich mir einen Tee machen...
dramatisch dramaturgische Pause hier einfügen
Samstag, 20. September 2008
Ankunft Airport Rijeka (auf der Insel Krk) und Überfahrt mit dem Auto nach Pula, Marina Veruda
Es ist 4 Uhr.
Warum klingelt mein Wecker? Achja, ich muss aufstehen, es geht gleich los. Das letzte Kaffee-Pad in die Maschine und ab unter die Dusche. War es eine kluge Idee, erst um 2 ins Bett zu gehen? Vermutlich nicht. So wie es keine kluge Idee war, erst um Mitternacht mit dem Packen anzufangen. Nunja, man tut, was man kann.
Es ist 5 Uhr 30.
Ich stehe bei Commander Knalltüte vor der Garage. Die übrigen Mitreisenden sind fast komplett da - zwei kommen erst am Flughafen dazu.
Es ist 6 Uhr.
Wir setzen uns in die Autos und fahren los, auf zum Airport Köln-Bonn.
Es ist 7 Uhr 30.
Wir sind am Airport angekommen und haben eingecheckt. Ich komme auf die kluge Idee, Cmd Kt zu fragen, wann wir eigentlich fliegen. 11 Uhr 55. Ich fasse es nicht. Was machen wir am Flughafen so früh am Morgen? Erst war es der Verkehr, dann die Demo Rechts-Links in Köln. Die war zwar noch nicht in Sicht, als er die Parole ausgab, dass wir um 5 Uhr 30 bei ihm sein sollen, aber ich will nicht den Urlaub mit Streit beginnen.
Es ist 8 Uhr.
Fast hätte ich verpennt, dass die nette Schalterdame bei Tuifly mir keinen Fensterplatz gegeben hat. Ich lasse meinen Schmarrn spielen und bekomme doch noch einen.
Es ist 9 Uhr.
Wir sitzen in einem Kaffee im Abflugbereich. Salamibrötchen und eine Tasse Kaffee, 7 Euro bitte. Na, da fühlt man sich doch gleich bestens.
Es ist 10 Uhr 30.
Die fehlenden Mitfahrer aus dem Siegerland treffen ein und amüsieren sich köstlich über unsere Abfahrzeit. Ich möchte sie töten. ;-)
Es ist 11 Uhr 30.
Endlich im Flieger. War schon nicht so spassig und da will sich die Tui doch glatt über mich lustig machen und schreibt auf ihre Spucktüten (hoffe, die war unbenutzt...)
Zwischen 13 Uhr 30 und 15 Uhr 50.
Wir werden am Flughafen von einer Mischung aus Bullterrier und B.A. abgeholt. Er hat einen 7-Sitzer, und einen Freund dabei, der sein privates Auto mit hat und sympatex wirkt. Leider passen wir nicht alle 9 in den Seat. ;-)
Ich habe das "Vergnügen" auf der Fahrt im 6+1er vorne neben dem Fahrer zu sitzen. Gut für meinen Beine, schlecht für meine Nase. Der Mann verwest innerlich und ließ das in Intervallen seinen Beifahrer "schmecken". Nun gut, offene Fenster waren schon immer nett. Irritierend nur, wenn der Fahrer eine Umleitung nimmt, die er nicht kennt, dabei mit einer Hand Salzstangen mampft, mit einer trinkt, mit einer das eine Handy bedient und mit einer anderen das Zweithandy. Das macht minus 2 Hände, hat er aber irgendwie trotzdem geschagfft.
Es gibt Menschen, die in solchen Nahtoderfahrungen sich selbst besudeln oder panisch schreien. Ich hab einfach die Augen zugemacht und geschlafen. Keine Fotos.
Meine Mitfahrer wußten aber zu berichten, und dabei wirkten sie reichlich unentspannt, dass unser Fahrer es mir wohl gleichtun wollte und insbesondere auf den Gebirgspässen immer wieder die Augen gepflegt hat.
Hab ich verschlafen.
Es ist 15 Uhr 50.
Wir sind im Hafen angekommen. Hinten links sieht man noch das Taxi stehen.
Weil ich irgendwie nix besseres zu tun hatte, bin ich mit einkaufen gefahren. Von Schiff 1 war ein Pärchen shoppen, bei uns auf Schiff 2 hat sich die Frage nicht gestellt. Wir waren nur Männer. In sofern waren wir der begleitenden Frau sehr dankbar, dass sie die größten Fehlgriffe verhindert hat. Der Einkauf bestand im Wesentlichen aus Schokoladenkeksen, Nutella und Kaffee-Pulver. Einer Palette Bier je Schiff und Cola. Das Obst haben wir nur als Alibi gekauft ;-)
(Um die Wahrheit zu sagen: wir haben je Tag mindestens ein Kilo Weintrauben oder so verputzt. Aber halt auch in gleichem Umfang Kekse *grins*)
Es ist 17 Uhr 20.
Der Taxifahrer hat uns abgezockt. Egal. Master of Desaster regelt das Verteilen der Tüten auf die Schiffe. Nicht, dass er gewußt hätte, was in den Tüten ist, aber hey, der Regler regelt. Und why not?
Es ist 17 Uhr 30.
Ich trete die Suite an einen der beiden älteren Herren an Board ab.
Dafür beziehe ich eine kuschlige Achterkajüte.
Und beginne mit den Pflichten eines Chronisten. Die erste angenehme Überraschung war, dass wir keinen Havaria, entschuldigung, Bavaria hatten, wie die andere Crew. Unser Schiff wirkte heller, größer, angenehmer im Ganzen. Die zweite angenehme Überraschung war, dass es eine 37-Fuß-Yacht war. Mit knapp über 10 Metern größer als das Schiff, dass wir eigentlich haben sollten und wer sagt schon bei einem kostenlosen Upgrade nein?
Es ist 18 Uhr 30.
Langsam beginnt die Sonne zu versinken.
Unser Skipper nimmt sich ein Bier und beginnt, uns das Wesentliche zu erklären. Kein Bier vor 11 Uhr. Die Toilettenventile gut schliessen, sonst urgs. Sowas halt ;-)
Alle sind furchtbar erledigt und gehen pennen.
Sonntag, 21. September 2008
Überfahrt von Pula nach Mali Losinji
Beginnen wir mit dem Wesentlichen. Frühstück. Und davor: Kaffee.
Ohne geht mal gar nicht. Wir frühstücken drinnen, das Nachbarboot sitzt auf Deck zum Frühstück. War uns zu kompliziert. Dass der Master of Desaster sich ein Buch gekauft hat, dass ihm verrät, dass wir in Kroatien sind, beunruhigt mich. Aber nur ein klitzekleines bisschen. ;-)
Es ist halb 10, der Diesel brummt und wir stechen in See... geplant ist ein etwas kürzerer Trip, der dann doch etwas länger wird ;-)
Wir machen gemütliche 5 Knoten fahrt und das Wetter wirkt noch ganz angenehm. Sollte aber leider, leider nicht so bleiben und schon begann der Himmel sich zuzuziehen...
Und der Wind frischte auch ein wenig auf... so bis auf 35 Knoten Windgeschwindigkeit....
Aber hey, dafür waren wir ja da, oder nicht? Und bei der Gelegenheit kann man dann gleich auch den Gleichgewichtssinn ein wenig testn...
Ich kürze an dieser Stelle mal ab, liebes Tagebuch. Ich mag es nicht zu melodramatisch machen, aber soviel sei verraten: Es war die mit Abstand heftigsten Überfahrt der ganzen Woche und besonders für die Mitfahrer die noch nie an Board eines Schiffes waren, eine echte Herausforderung. Wir machen streckenweise über 8 Knoten fahrt und die Strömungen sind echt ätzend. Sie werfen das Schiff mal hierhin, mal dorthin.
Zwischendurch funkt uns die Neptun an und teilt mit, dass sie gleich das Tagesziel des nächsten Tages anlaufen. Eigentlich wollten wir in einer Bucht ankern und erst Montag einen Hafen anlaufen. Der Skipper der Neptun meldet jedoch "technische Probleme". Nicht, dass wir keine hätten, denn kurz vor Ende des 40 Seemeilen-Trips reißt unser Großsegel beim Einholen.
So endet der Tag dann um 17 Uhr 45 nach einem viel länger als geplanten Törn im Hafen von Mali Losinji. Der Segelmacher wird gerufen und klaut uns das Segel um es zu flicken.
Montag, 22. Septemer 2008
Hafentag
Cmd Knt beschließt, dass wir im Hafen bleiben und uns entspannen. Das wäre nicht meine Entscheidung gewesen, geschweige denn die meines Bootes, aber wir vertrauen ihm, wenn er sagt, dass das Wetter außerhalb des Hafens einfach nicht das ist, was wir wollen. Dafür macht das Wetter tolle Wellen ;-)
Also genießen wir den Tag in Mali Losinji auf der Insel Losinji und langweilen uns... ähh... laufen umher...
Irgendwann packen wir dann das Beiboot noch auf's Wasser, liebevoll "Radiergummi" genannt, werfen den kleinen Benziner an und heizen ein wenig durchs Hafenbecken.
Nach etwa einer halben Stunde haben wir auch raus, wie wir die kleinen Dinger nutzen können, ohne klatsch nass zu werden. Witzlos, wir waren es ja bereits ;-)
Später machen dann Ungarn neben uns fest und sind schon... angeheitert angekommen. Sie werfen erstmal gemütlich ihren Skipper ins Wasser,
und wir lernen von ihm eine wichtige Regel, wie man der Unterkühlung vorbeugt, wenn man ins Wasser gefallen ist. Sich einfach eine Flasche Back Bacardi reichen lassen ;-)
Irgendwann war unser Skipper, Schlesier, dann verschwunden. Und tauchte irgendwann auch wieder auf. Und wußte von dem selbstgemachten Getränk an Board der Ungarn zu berichten. Er sagt, es wären nur 2 Gläschen gewesen. Er wirkt anders :-D
Die Sonne sinkt, der Tag klingt aus...
Dienstag, 23. September 2008
Überfahrt von Mali Losinji nach Martinscica auf der Insel Cres
Wir sind defintiv nicht die einzigen, die weiter wollen und so setzt sich eine Perlenkette von Segelschiffen in Bewegung, um den Hafen zu verlassen...
Das Wetter ist fantastisch und läßt einen tollen Tag erwarten. Geplant sind knapp 30 Seemeilen bis zum nächsten Hafen...
Sanfte Wellen heben und senken das Schiff, die Sonne knallt mit angenehmen 25° auf uns herab und das Meer ist von einem Blau, dass die ganze Zeit zu rufen scheint "kommt...kommt...springt herein..."
Und so erreichen wir nach einer völlig entspannten Tour den Hafen von Marinscica...
... wo uns dann erstmal der Hafenmeisterein unglaubliches Geld abnimmt. Angesichts der Tatsachen, dass es weder richtige Toiletten noch Duschen gibt.
Und während an Board der Neptun, also nebenan Zucht und Ordnung herrscht und die Herren der Schöpfung Spüldienst haben, unter den wachsamen Augen der Weibchen...
... lernen wir ein nettes Pärchen aus München kennen, die neben uns liegen. Auch nicht schlecht, sie machen 3 mal im Jahr 3 Wochen Segeltörns da unten.
Und so war auch deren Schiff von innen eingerichtet: Praktisch, funktional und doch urgemütlich. Da wollte man gleich bleiben und deswegen haben wir uns auch zu Wein, Prosecco und Whisky einladen lassen, nicht aber ohne die dortige Bierkrise zu mildern und ein paar Dosen als Gastgeschenk mitzubringen ;-)
Am nächsten Morgen gab es dann ein gemeinsames Frühstück mit allen zusammen und Kaffee für 80 Cent. Richtig gutem Kaffee. Unser Skipper hatte Geburtstag, das konnten wir schließlich nicht ignorieren...
Unser Skipper war übrigens der Mann mit der weißen Kopfbedeckung... ich lasse die jetzt mal unkommentiert hier stehen...
Und nach dem Frühstück?
Klar Schiff und weiter gehts...
Mittwoch, 24. September 2008
Überfahrt von Marinscica nach Cres
Die Tour war mit 20 Seemeilen die zweit kürzeste Tour und bestand im Wesentlichen aus ruhigem Segeln...
An das sanfte auf und ab, links und rechts gewöhnt man sich übrigens ausgesprochen gut. Oder aber ich mich ausgesprochen gut gewöhnt, meine Mitseegler berichteten teilweise von "Nachschwanken", wenn man wieder festen Boden unter den Füssen hatte. Was sich vor allem auf dem stillen Örtchen witzig angefühlt haben muss :-)
Egal, die Marina auf Cres war jedenfalls sehr nett...
... aber ich sag mal, Armut findet sich woanders ;-)
Den Tag haben wir dann wieder viel in der Stadt verbracht und es uns einfach gut gehen lassen. Im Grunde nicht viel zu berichten.
Donnerstag, 25. September 2008
Von Cres auf das Festland nach Pomer
Wir kehren auf das istrische Festland zurück. 26 Seemeilen von Cres auf Cres liegen zwischen uns, das Wetter ist nicht das übelste.
Ich lerne allerdings, dass nur Wind von hinten nicht so doll ist, wie ich das angenommen hätte. Aber die Crew weiß inzwischen, was zu tun ist und so segeln wir nur mit dem Vorsegel und gemütlichen 6-7 Knoten die Strecke.
Pomer ist eine einzige Entäuschung. Der Campingplatz neben der Marina ist ein mit Draht eingezäunter Lagerplatz für Wohnanhänger, der Ort in dem 600 Leute leben, besteht aus 6 Kirchen, 5 Wohnhäusern, 4 Restaurnants mit Ausrichtung an Segler. Völlig tot. Fotos erspare ich Euch an dieser Stelle.
Wir waren einige Stunden vor der Neptun schon eingelaufen, was unter anderem daran lag, dass wir morgend etwas früher weg sind und in der Regel auch das deutlich schnellere Schiff hatten. Wie wir also Pomer erkundeten, haben wir beschlossen, dass wir direkt wieder ablegen und weiterfahren. Bleiben? Schien sinnlos.
Aber es kommt ja bekanntlich immer anders, als man denkt und plötzlich wurde es hektisch: Die Neptun kam mit ohne Motor. Eigentlich kommt man in den Hafen mit Motorkraft, weil es sich viel genauer navigieren läßt und man dem Wind weniger ausgeliefert ist.
Und plöpp. Der Motor der Neptun war aus. Und wollte auch nicht mehr angehen. Mit Schwung auf die Kaimauer zu.
Ein wenig hektisch wurde es dann schon. Zumal die Junx die an der Marina angestellt waren und die Schiffe in die "Parkbuchten" eingewiesen haben, gnadenlos überfordert waren.
Durch excellentes Teamplay und auf Grund der vielen Jahre Erfahrung der Skipper konnte die Neptun dann aber der Länge nach festgemacht werden. Und zwar ohne Defekt. Niemand wurde verletzt, das Boot blieb heil, das Team bekam den Motor wieder flott. Trotzdem lagen wir in Pomer und blieben dort...
Freitag, 26. September 2008
Rückkehr nach Pula
Wir müssen nach Pula zurück und das verspricht spannend zu werden. Ich bin schon zur blauen Stunde auf und bereite das Frühstück vor...
Ziel ist es, so bald wie möglich abzulegen, denn der Himmel zieht sich zu, der Wetterbericht liest sich nicht sonderlich gut...
Und so wurde dann auch die Überfahrt eher etwas... unruhig feucht ;-)
Allerdings nicht so schlimm wie am Sonntag, trotzdem genug. Aufgeklart hat es erst, als wir dann letztlich Pula erreichten. Bis dahin hatten wir ordentlich Wellen und viel nass. Weite Strecken sind wir mit Hilfe des Diesels gefahren, zusammen mit ein wenig Segel, weil mehr einfach nicht drin war.
In Pula angekommen, dann noch schnell tanken gefahren...
... und mit ausgestreckter Zunge dem anderen Boot signalisiert, dass wir mehr gesegelt und weniger gedieselt sind, als die :-P
Irgendwie fiel uns dann auf, dass wir vielleicht mal klären sollten, wie wir am nächsten Tag zum Flieger kommen. Der erste Gedanke, den Linienbus zu nehmen, haben wir bis zum Busbahnhof verfolgt. Da konnte man uns dann nämlich sagen, dass am Wochenende der Bus, den wir gebraucht hätten, gar nicht fuhr :-( Irgendwie haben wir dann Taxis organisiert bekommen und ich möchte wirklich gerne mal wissen, wie es Commander Knalltüte untergehen konnte, die Rückfahrt zu organisieren. Nunja ;-)
Den Rest des Tages haben wir im Hafen und in der Stadt verbracht, Abends dann nochmal gemütliches beisammen sein im Hafenrestaurant und früh ins Bett.
Samstag, 27. September 2008
Rückkehr nach Rijeka / Flughafen auf Krk
Die Rückfahrt zum Flughafen führte uns an architektonischen Prachtstücken...
... und veruteten Mutproben der beteiligten Ingeneuren vorbei...
Spannend wurde es dann nochmal am Flughafen. Denn auf Grund des starken Windes hat unser Flieger mehr als einen Anlauf gebraucht, um zu landen. Na, da freut man sich doch *urgs*.
Sehr schön der Spruch der Crew auf dem Tuiflug... fahren Sie nicht schwarz, fliegen Sie gelb und vergessen sie nix an Board, wir haben schon alles :-D
Aber letztlich ging alles gut und so war ich dann gestern Abend um 21 Uhr daheim. Und heute sind schon alle Sachen verpackt, die Fotos online, das einzige Problem, dass ich wirklich habe...
ES IST KEIN KAFFEE DA!!!
:-)
Alle Fotos:
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27.09.2008
Die Fotos auf denen ich bin, werden nachgereicht...